Was deine Freundin da macht, ist eine unkontrollierte Vermehrung ... ich glaub nicht, daß sie weiß, was sie da tut.
Züchten ist etwas, wo viel Verantwortung und noch mehr Disziplin vonnöten ist. Ohne Wissen geht es nicht - gut, man kann Glück haben, aber meist geht eine solche unkontrollierte Vermehrung in die Hosen. Sie selbst wird wahrscheinlich die kranken Kaninchen nicht mal sehen, weil sie die weggibt, bevor Zahnfehler etc zu sehen sind.
Inzucht selbst ist nicht schlecht - es gibt Kaninchenzüchter, die schon über Generationen nur über Inzucht ihre Stämme aufgebaut haben und wo die Kaninchen rundum gesund sind. Bei Züchtern, wo viel fremd eingekreuzt wird dagegen, fallen sehr viel häufiger kranke Kaninchen.
Was aber schlimm ist, ist die fehlende Selektion - und genau dafür sind auch Stammbaum, Zuchtbuch und Bestandsbuch da. Nur, wenn das sauber geführt wird, kann für jedes Kaninchen, welches man in der Zucht einsetzen will, nachgeschaut werden, ob überhaupt die Verwandschaft in Ordnung war, ob die Eltern, Großeltern und Urgroßeltern in Ordnung waren und ob es überhaupt zu verantworten ist, ausgerechnet dieses Kaninchen Nachzucht bekommen zu lassen.
Mit der Inzucht hat das aber nix zu tun!
Die Inzucht führt vielmehr dazu, daß wenn eine rezessive Mutation auftritt, diese mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in der ersten Inzuchtgeneration fällt - man weiß dann also, was in den Elterntieren drin ist und kann sie, wenn die Mutation eine Erbkrankheit ist oder Zahnfehlstellungen bedingt oder ähnliches, beide aus der Zucht nehmen. Anhand des Zuchtbuches wiederum kann dann geschaut werden, ob man nicht auch besser die Großeltern aus der Zucht nimmt, oder ob es tatsächlich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine neue Mutation war.
Habe ich gesunde Junge aus Inzucht und alle Jungen dieser Verpaarung sind gesund, kann ich relativ sicher sein, daß hier keine unerwünschten Gene mitspielen. Ich kann also mit diesen Jungen weiterzüchten ...
Was die Wohnzimmerzuchten und viele Hobbyzuchten so gefährlich macht, ist jedoch das mangelnde Wissen über Zuchtmanagement, Inzucht, das Nichtführen von Bestandsbuch und Zuchtbuch, mangelnde Aufzeichnungen und daraus folgende mangelnde Selektion. Wenn irgendwann übersehen wird, daß ein Kaninchen mit leichter Zahnfehlstellung Junge bekommen hat, diese aber wieder miteinander Junge bekommen, dann summiert sich das mit der Zahnfehlstellung.
Nach spätestens drei Generationen kann niemand mehr sagen, woher diese Zahnfehlstellung nun eigentlich kommt ... aber es fallen die ersten Kaninchen, die alle drei Wochen zum TA müssen.
Noch schlimmer sind die unkontrollierten Fremdverpaarungen, also das krampfhafte Vermeiden von Inzucht - dies führt nämlich zu einer Anhäufung von unerwünschten Genen, ohne daß man das den Kaninchen ansieht. Irgendwann aber sind die Gene in der gesamten Population verbreitet, und überall fallen ganz plötzlich kranke Kaninchen ...
Auch hier wieder - wenn Zuchtbuch und Bestandsbuch korrekt geführt worden wären, hätte man nachforschen können, woher die Tiere überhaupt kommen, ob irgendwelche Krankheiten aufgetreten sind usw usf. Man hätte also auch bei Fremdverpaarung mit einer vernünftigen Selektion die Katastrophe verhindern können.
Egal wie man es dreht - ohne eine vernünftige Zuchtplanung taugt die ganze Vermehrung nix, es werden früher oder später kranke Tiere fallen. Das hat nix mit Inzucht zu tun ...
Es gibt dann zum Schluß noch eine falsch verstandene Selektion, die selbst sonst guten Züchtern passieren kann - wenn nämlich Kaninchen nur auf Aussehen hin selektiert werden, können sich auch wieder unbemerkt unerwünschte Gene anhäufen. Mit Inzucht ist die Katastrophe, die daraus folgt, schneller zu sehen, aber sie kommt auch bei Fremdverpaarung!