- EU stoppt dauerhaft Wildvogelimporte Beitrag #1
Cosili
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München / Brüssel, 11. Januar 2007: PRO WILDLIFE begrüßt die heutige Entscheidung der EU, die Einfuhr von Wildvögeln dauerhaft zu verbieten. Ausschlaggebend hierfür war ein Gutachten der Europäischen Lebensmittelbehörde, das das große Gesundheitsrisiko durch den Wildvogelimport betonte. Es bestätigte zudem skandalöse Tierschutzprobleme, u.a. den Tod von über 50% der gefangenen Vögel. „Ein permanenter Importstopp war nicht nur aus Gesundheitsgründen überfällig – er rettet auch das Leben von Millionen Tieren und ist ein wichtiger Schritt zum Schutz bedrohter Vogelarten. Wichtig ist jetzt, dass Deutschland und andere EU-Länder das Verbot auch konsequent umsetzen“, so die PRO WILDLIFE Expertin Daniela Freyer.
PRO WILDLIFE setzt sich seit Jahren für ein Ende der Wildvogeleinfuhr ein. Mehr als 200 Verbände aus aller Welt schlossen sich dieser Kampagne inzwischen an. Nach Ausbruch der Vogelgrippe bei einem englischen Vogelhändler erließ die EU im Oktober 2005 zunächst ein befristetes Verbot. Dieses rettete seitdem bereits ca. 4 Millionen Tiere* vor dem Fang für europäische Vogelkäfige. Der neue EU-Beschluss soll der Plünderung von Wildvogelbeständen endlich dauerhaft einen Riegel vorschieben. Die EU war bislang mit 87% der erfassten Vogelimporte der mit Abstand größte Absatzmarkt.
Die Einfuhr von Wildvögeln stellt eine Infektionsgefahr für Mensch und Tier durch von Vögeln übertragene Krankheiten (z.B. Vogelgrippe, Newcastle Krankheit) dar. Der Import ist auch aus Tier- und Naturschutzgründen unverantwortlich. Während Fang und Handel europäischer Vögel seit 1979 streng verboten sind, waren der Einfuhr von Exoten bislang kaum Grenzen gesetzt. Zahlreiche Arten in Afrika, Asien und Südamerika wurden massiv dezimiert. Brutale Fangmethoden, tagelange Transporte, drangvolle Enge in verschmutzten Käfigen sowie unzureichende Fütterung sind die Ursache für Stress, Krankheiten und massenhaftes Sterben im grausamen Vogelhandel. 50% und mehr der gefangenen Wildvögel verenden deshalb bereits im Herkunftsland. Die überlebenden Tiere sind erheblich gestresst, nicht an Menschen gewöhnt und entsprechend als „Haustiere“ ungeeignet.
Der Erfolg des dauerhaften Einfuhrverbots hängt jetzt allerdings maßgeblich davon ab, dass die EU-Länder vorhandene Schlupflöcher schließen. Denn die jetzt verabschiedete Verordnung sieht eine Reihe von Ausnahmen vor, u.a. für die Einfuhr gezüchteter Vögel aus bestimmten Ländern. „Die vorgesehenen Ausnahmen müssen strengstens kontrolliert werden, sonst besteht erhebliche Gefahr, dass Wildvögel in den kommerziellen Handel eingeschleust werden – mit entsprechenden Risiken für Mensch und Tier“, so die PRO WILDLIFE Sprecherin.
Zahlen aus verschiedenen Ländern lassen darauf schließen, dass das Verbot aller Vogeleinfuhren (inklusive Zuchttiere) seit 2005 zu einem Einbruch des illegalen Handels geführt hat. Die Artenschützer befürchten, dass der Tierschmuggel wieder zunimmt, wenn die Behörden nicht beherzt durchgreifen.
*Bis zum Erlass eines Einfuhrverbotes wegen der Vogelgrippe am 27. Oktober 2005 importierte die EU ca. 1,76 Mio. Wildvögel pro Jahr. Etwa ebenso viele Tiere sterben bereits vor dem Export. Die EU war somit für den Fang von 3,5 Mio. Wildvögeln pro Jahr verantwortlich.
Quelle: Pro Wildlife
War die Vogelgrippe doch für etwas gut