Wenn ich deine Beschreibung so lese, würde ich pauschal sagen, dass dein Pferd KEINE Angst vor Pfützen und Matsch hat. Er findet das einfach nur supereklig. Wenn er im Herbst auf einem schlammigen, nassen Fleck steht, bestätigt das nur meine Meinung. Er mag sich nicht bewegen, wenns schlammig oder nass ist. Es hasst das Gespritze ins Gesicht, die Nässe und den Schmutz (scheuert) an den Beinen.
Das ist gar nicht so selten. Ich kenne sogar mehrere Pferde, die sich zwar auf dem Paddock begeistert in jede Pfütze schmeißen und genüsslich wälzen, beim Reiten aber einen Riesenaufstand machen, wenns mal durch Matsche gehen soll. Sie hassen das Spritzen.
Das Ganze hat auch nichts damit zu tun, wenn sich das Pferd ganz lässig mit dem Wasserschlauch abspritzen lässt.
Pferde machen da sehr feine Unterschiede.
Das Ganze ist ein Dominanzproblem im Sattel. Auch wenn dein Pferd weiß, dass es vom Boden aus nachgeben muss, so ist das vom Sattel aus eine ganz andere Sache.
Da hilft leider nur eins, ganz viel Konsequenz und noch mehr Geduld.
Wenn du reiterlich erstmal nicht weiterkommst, musst du im Gelände erstmal absteigen. Es geht wohl vornehmlich erstmal um die Strecke zum Reitplatz. Dort kannst du üben.
Ich habe mal 3 Übungen rausgesucht, die am häufigsten funktionieren. Am Besten führt dich Übung 1 zum Erfolg, es ist die gleiche Übung, die auch beim Verladetraining bei nicht verladbaren Pferden angewendet wird.
Du benötigst:
Ein gesatteltes, getrenstes Pferd in voller Reitmontour. Falls dein Pferd Beinschutz benötigt, keine Bandagen (niemals draußen), keine Fesselkopfgamaschen. Entweder Plastikgamaschen oder Neopren (wenn sie sehr gut sitzen, besser Plastik z.B. Davis Boots).
Ein Knotenhalfter unter der Trense, ein Bodenarbeitsseil, eine sehr lange Gerte, Handschuhe, festes wasserdichtes Schuhwerk.
So ausgerüstet geht's also auf den Weg Richtung Reitplatz. Das Bodenarbeitsseil kannst du schon am Halfter befestigen und dann entweder am Sattel oder locker an deinem Hosenbund (so dass es rausrutschen kann falls du vom Pferd fällst) befestigen.
Sobald die erste schöne große Matschpfütze kommt und dein Pferd die Bremse zieht, steigst du ab. Du sprichst streng mit deinem Pferd ohne es anzuschreien (einfach ein 'was soll das'). Dann stellst du dich an die Schulter des Pferdes. Du besfestigst die Zügel locker am Sattel, damit diese nicht stören.
Möglichkeit 1
Wenn du an der rechten Pferdeschulter stehst, zeigst du mit der Hand, die nun das Bodenarbeitsseil führt nach vorn und neigst deinen Körper nach rechts (also vor). Dabei tickst (nicht schlagen) du das Pferd hinten auf der Kruppe, kurz vor der Schweifrübe, mit der Gerte an.
Du brauchst Geduld. Jeder Schritt des Pferdes wird mit Streicheln an der Stirn zwischen den Augen (da wo das Pferd deine Hand nicht sieht) und ruhiger Stimme belohnt.
Das Pferd darf nur Schritt für Schritt über die Matsche gehen. Du brauchst viel Geduld!
Springt das Pferd ruckst du am Knotenhalfter, drehst es zu dir um und versuchst es eben andersherum wieder. Ein Knotenhalfter ist so scharf, dass das Pferd das Rucken nach Möglichkeit vermeidet, denn das ist unangenehm. Gleichzeitig hast du damit so viel Kraft, dass das Pferd dir nicht davonstürmen kann, sobald es über die Matsche gelaufen ist.
Idealerweise ist die Matsche so groß, dass das Pferd nicht springen kann.
Die Handhabung ist die Gleiche, wie beim Verladetraining.
Möglichkeit 2
Bei einem Pferd, das in der Bodenarbeit sicher glernt hat, dem Zug am Halfter zu folgen (Seil hinten um das Pferd, selber seitlich am Kopf stehen, dann das Pferd ansprechen und am Seil ziehen, so dass es sich von dir weg drehen muss um zu dir zu kommen) kannst du vor dem Matschloch diese Bodenarbeitsübung machen. Dabei stellst du das Pferd seitlich zur Matsche, so dass es durch die Matsche treten muss um zu dir zu kommen. Diese Übung sollte dem Pferd gut bekannt sein und findet ja immer in aller Ruhe statt. Das Pferd hat durch die Übung nicht nur Gehosam zum Zügelzug, sondern kennt seine eigenen Körpermaße besser und kann seine Beine besser koordinieren. Durch die sowieso enge Drehung hat das Pferd keine Chance der Pfütze zu entgehen. Die Pfütze muss dafür groß genug sein.
Möglichkeit 3
Du stellst dich auf die andere Seite des Matschlochs (oder rein, wenn es zu groß ist). Dann rufst du freundlich dein Pferd. Es wird sich weigern, zu dir zu kommen. Dann kommt das alte Spiel Druck - kein Druck. Immer wieder langsam ansteigend Zug aufbauen und dann wieder loslassen. Immer und immer wieder - du brauchst Geduld. Jedes Entgegenkommen des Pferdes wird mit der Stimme belohnt.
Du musst bei dieser Übung ganz locker stehen und keine körperliche Anspannung zeigen.
Diese Methode führt zwar immer zum Erfolg, jedoch ist die Gefahr recht groß, dass das Pferd springt oder rückwärts schießt und dich mitschleift. Daher mit Vorsicht und genauem Wissen, wie viel Druck du bei deinem Pferd machen kannst.
Das Pferd wird verstehen, dass es keine Chance hat, nicht durch die Matsche zu laufen. Es wird, sobald du mit der Übung beginnst immer leichter durch die Matsche laufen und nach und nach auch unterm Sattel durchlaufen. Gerade, wenn du nach Methode 1 vorgehst und -sobald die Methode sicher und flott funktioniert- einfach mit der Gerte von oben das Pferd an der Stelle vor der Schweifrübe antippst (wie am Boden auch).
Beim Ausreiten wirst du dann noch längere Zeit eine kurze Gerte benötigen, mit der du das Pferd antippst. Das Pferd wird dann vor jeder Pfütze angehalten, dann wird mit der Gerte von oben getippt. Auch wenn du das Gefühl hast, dass das nicht mehr notwendig ist. Das Ganze wird so lange so gemacht, bis das Pferd von sich aus schon nicht mehr anhalten möchte und liebe durch die Pfütze läuft, als im Bewegungsablauf gestört zu werden.