Angst vor Schlamm und Pfützen

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  • Angst vor Schlamm und Pfützen Beitrag #1
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Baerli07

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Hallöchen! :) Mein 5- jähriger Haflingerwallach hat Angst vor Schlamm und Pfützen, was das Ausreiten erschwert. Es ist nicht so, dass er dann weglaufen will oder so, sondern er bleibt ruhig stehen und geht höchstens zurück, aber bloß nicht vor! Und schlammigen Stellen auszuweichen ist auch nicht so einfach, weil überall neben den Wegen Felder sind, und deren Ränder sind bekanntlich auch erdig. nie im Leben steigt er da drauf. Das Ganze ist eigentlich komisch, weil im Herbst steht er auf einem schlammigen und nassen Fleck und es macht ihm nichts aus! Nur beim Ausreiten, jedes Stück bloßer Erde stört ihn. Und ich verzweilfle! Er geht einfach keinen Schritt mehr, bleibt stur wie angewachsen stehen! *wein* Ich hoffe, ihr könnt mir helfen und Danke im Vorraus!!

EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

PS: Ich habe schon sehr oft und viel erfolglos daran gearbeitet! Erst über Plastikplanen gehen und diese dann nass machen, geht super! Aber bloß keine echte Pfütze...ich hab mal eine Stunde rumprobiert! Mit Leckerli durchlocken hat geholfen, es hat sich aber nichts gebracht. Wenn er was fressbares sieht, schaltet er komplett ab! Ohne Leckerei ging er dann nämlich nicht mehr durch, was ich auch versucht habe (in der Pfütze rumhüpfen, seitwärts reingehen lassen, einen Schritt vorgehen und zwei wieder zurück und dann zwei Schritte vor usw. ...) Sogar wenn auf einem Weg so eine natürliche Rinne gemacht worden ist, wo das Regenwasser abrinnen kann (hoffe, ihr kennt euch aus) geht er nicht drüber weil die halt auch zum Teil erdig ist, beim Ausreiten kommt man also nicht weit, und das wäre wichtig, weil ich bei einem Bauern in der Nähe am Reitplatz reiten darf........:eusa_think:
 
  • Angst vor Schlamm und Pfützen Beitrag #2
Wenn ich deine Beschreibung so lese, würde ich pauschal sagen, dass dein Pferd KEINE Angst vor Pfützen und Matsch hat. Er findet das einfach nur supereklig. Wenn er im Herbst auf einem schlammigen, nassen Fleck steht, bestätigt das nur meine Meinung. Er mag sich nicht bewegen, wenns schlammig oder nass ist. Es hasst das Gespritze ins Gesicht, die Nässe und den Schmutz (scheuert) an den Beinen.
Das ist gar nicht so selten. Ich kenne sogar mehrere Pferde, die sich zwar auf dem Paddock begeistert in jede Pfütze schmeißen und genüsslich wälzen, beim Reiten aber einen Riesenaufstand machen, wenns mal durch Matsche gehen soll. Sie hassen das Spritzen.
Das Ganze hat auch nichts damit zu tun, wenn sich das Pferd ganz lässig mit dem Wasserschlauch abspritzen lässt.
Pferde machen da sehr feine Unterschiede.

Das Ganze ist ein Dominanzproblem im Sattel. Auch wenn dein Pferd weiß, dass es vom Boden aus nachgeben muss, so ist das vom Sattel aus eine ganz andere Sache.
Da hilft leider nur eins, ganz viel Konsequenz und noch mehr Geduld.
Wenn du reiterlich erstmal nicht weiterkommst, musst du im Gelände erstmal absteigen. Es geht wohl vornehmlich erstmal um die Strecke zum Reitplatz. Dort kannst du üben.
Ich habe mal 3 Übungen rausgesucht, die am häufigsten funktionieren. Am Besten führt dich Übung 1 zum Erfolg, es ist die gleiche Übung, die auch beim Verladetraining bei nicht verladbaren Pferden angewendet wird.

Du benötigst:
Ein gesatteltes, getrenstes Pferd in voller Reitmontour. Falls dein Pferd Beinschutz benötigt, keine Bandagen (niemals draußen), keine Fesselkopfgamaschen. Entweder Plastikgamaschen oder Neopren (wenn sie sehr gut sitzen, besser Plastik z.B. Davis Boots).
Ein Knotenhalfter unter der Trense, ein Bodenarbeitsseil, eine sehr lange Gerte, Handschuhe, festes wasserdichtes Schuhwerk.
So ausgerüstet geht's also auf den Weg Richtung Reitplatz. Das Bodenarbeitsseil kannst du schon am Halfter befestigen und dann entweder am Sattel oder locker an deinem Hosenbund (so dass es rausrutschen kann falls du vom Pferd fällst) befestigen.
Sobald die erste schöne große Matschpfütze kommt und dein Pferd die Bremse zieht, steigst du ab. Du sprichst streng mit deinem Pferd ohne es anzuschreien (einfach ein 'was soll das'). Dann stellst du dich an die Schulter des Pferdes. Du besfestigst die Zügel locker am Sattel, damit diese nicht stören.

Möglichkeit 1
Wenn du an der rechten Pferdeschulter stehst, zeigst du mit der Hand, die nun das Bodenarbeitsseil führt nach vorn und neigst deinen Körper nach rechts (also vor). Dabei tickst (nicht schlagen) du das Pferd hinten auf der Kruppe, kurz vor der Schweifrübe, mit der Gerte an.
Du brauchst Geduld. Jeder Schritt des Pferdes wird mit Streicheln an der Stirn zwischen den Augen (da wo das Pferd deine Hand nicht sieht) und ruhiger Stimme belohnt.
Das Pferd darf nur Schritt für Schritt über die Matsche gehen. Du brauchst viel Geduld!
Springt das Pferd ruckst du am Knotenhalfter, drehst es zu dir um und versuchst es eben andersherum wieder. Ein Knotenhalfter ist so scharf, dass das Pferd das Rucken nach Möglichkeit vermeidet, denn das ist unangenehm. Gleichzeitig hast du damit so viel Kraft, dass das Pferd dir nicht davonstürmen kann, sobald es über die Matsche gelaufen ist.
Idealerweise ist die Matsche so groß, dass das Pferd nicht springen kann.
Die Handhabung ist die Gleiche, wie beim Verladetraining.

Möglichkeit 2
Bei einem Pferd, das in der Bodenarbeit sicher glernt hat, dem Zug am Halfter zu folgen (Seil hinten um das Pferd, selber seitlich am Kopf stehen, dann das Pferd ansprechen und am Seil ziehen, so dass es sich von dir weg drehen muss um zu dir zu kommen) kannst du vor dem Matschloch diese Bodenarbeitsübung machen. Dabei stellst du das Pferd seitlich zur Matsche, so dass es durch die Matsche treten muss um zu dir zu kommen. Diese Übung sollte dem Pferd gut bekannt sein und findet ja immer in aller Ruhe statt. Das Pferd hat durch die Übung nicht nur Gehosam zum Zügelzug, sondern kennt seine eigenen Körpermaße besser und kann seine Beine besser koordinieren. Durch die sowieso enge Drehung hat das Pferd keine Chance der Pfütze zu entgehen. Die Pfütze muss dafür groß genug sein.

Möglichkeit 3
Du stellst dich auf die andere Seite des Matschlochs (oder rein, wenn es zu groß ist). Dann rufst du freundlich dein Pferd. Es wird sich weigern, zu dir zu kommen. Dann kommt das alte Spiel Druck - kein Druck. Immer wieder langsam ansteigend Zug aufbauen und dann wieder loslassen. Immer und immer wieder - du brauchst Geduld. Jedes Entgegenkommen des Pferdes wird mit der Stimme belohnt.
Du musst bei dieser Übung ganz locker stehen und keine körperliche Anspannung zeigen.
Diese Methode führt zwar immer zum Erfolg, jedoch ist die Gefahr recht groß, dass das Pferd springt oder rückwärts schießt und dich mitschleift. Daher mit Vorsicht und genauem Wissen, wie viel Druck du bei deinem Pferd machen kannst.

Das Pferd wird verstehen, dass es keine Chance hat, nicht durch die Matsche zu laufen. Es wird, sobald du mit der Übung beginnst immer leichter durch die Matsche laufen und nach und nach auch unterm Sattel durchlaufen. Gerade, wenn du nach Methode 1 vorgehst und -sobald die Methode sicher und flott funktioniert- einfach mit der Gerte von oben das Pferd an der Stelle vor der Schweifrübe antippst (wie am Boden auch).
Beim Ausreiten wirst du dann noch längere Zeit eine kurze Gerte benötigen, mit der du das Pferd antippst. Das Pferd wird dann vor jeder Pfütze angehalten, dann wird mit der Gerte von oben getippt. Auch wenn du das Gefühl hast, dass das nicht mehr notwendig ist. Das Ganze wird so lange so gemacht, bis das Pferd von sich aus schon nicht mehr anhalten möchte und liebe durch die Pfütze läuft, als im Bewegungsablauf gestört zu werden.
 
  • Angst vor Schlamm und Pfützen Beitrag #3
WOW WOW WOW DANKE an die Leute, die sich so viel Mühe machen!!! Daumen hoch! :clap: :clap: :clap: Eecht supi, ich bin mir sicher, das wird so was!! Ich mach mich jetzt sofort auf die Socken runter zum Pferdeshop und kauf nen CarrotStick und ein Seil, das alte haben die kleinen Kinder mal vergraben :040:
 
  • Angst vor Schlamm und Pfützen Beitrag #4
Einen Carrot Stick brauchst du absolut nicht! Es reicht eine x-beliebige lange Gerte, die ist dann auch billiger.
Wenn du kein Bodenarbeitsseil hast und sowieso eines kaufen musst, dann kauf lieber kein Bodenarbeitsseil, sondern eine Bodenarbeitslonge. Diese ist auch gleichem Material wie das Seil, allerdings etwas fester, sehr schwer (du brauchst das Gewicht um z.B. beim Longieren ohne Gerte das Ende werfen zu können und um beim Longieren gute Signale zur Verstärkung deiner körpersprachlichen Signale ohne Longenflatterei geben zu können). Diese Longe ist um Einiges länger als das Seil und kann daher sehr viel vielseitiger eingesetzt werden. Am Ende fehlen die eigentlich nur störenden Lederenden - die kein Mensch braucht, aber sie sind ja sooo stylisch.
Die Bodenarbeitslonge gibt es auch schon supergünstig.

Gute Sachen müssen nicht teuer sein!

Beim Sidepull und Knotenhalfter ist das allerdings anders. Gut sitzende Sachen sind auch etwas teurer, da sie nicht in Billiglohnländern von Leuten (schlimmstenfalls Kindern) gefertigt wurden, die noch nie ein Pferd gesehen haben, sondern von Sattlern oder Seilspleißern stammen. Da merkt man den Preis spätestens am Sitz und in der Funkiton. Zur Not kann man sich ein Knotenhalfter nach eigenen Angaben anfertigen lassen.
 
  • Angst vor Schlamm und Pfützen Beitrag #5
Okay! :023:
 
  • Angst vor Schlamm und Pfützen Beitrag #6
Methode 1, das "Verladetraining", klappt supi!! :clap: Ich bin zwar noch nicht bis zu den Pfützen gekommen, denn es sind Straßenarbeiten beim Haus gewesen, und da ist jetzt so ne Steine- Irgendwas- Mischung und das gefällt ihm auch nicht...Aber ist nicht mal so schlecht, da lernt er das Ganze mal ruhig kennen! :rolleyes:
 
  • Angst vor Schlamm und Pfützen Beitrag #7
Die Wahl der Methode hängt immer vom Pferd ab. Ich persönlich nehme bei Pferden, die störrisch und nicht ängstlich oder hektisch sind, sehr gern Methode 3.
Diese Pferde machen oft schon vorher bei Kleinigkeiten Probleme z.B. nicht-betreten-wollen der Reitbahn... Das Pferd lernt die Methode also in sehr gesicherter Umgebung gut kennen und versteht, dass der Mensch sich durch Beharrlichkeit einfach immer durchsetzt.
Die Pferde kennen das System bis zur ersten wirklich problematischen Situation so gut, dass sie dann meist so gut konditioniert sind, dass sie völlig problemlos folgen.
Diese Methode funktioniert immer in aller Ruhe. Die meisten Trainer versuchen bei störrischen Pferden mit Härte weiterzukommen. Das funktioniert nur bedingt, da das Pferd nicht wirklich folgen will.
Methode 1 und 3 bringen bei richtiger Konditionierung und Durchführung (Körpersprache, Konsequenz, Ruhe, Geduld) sehr freundliche und vertrauensvoll verlässliche Pferde hervor.

Methode 2 ist eine Übergangslösung bei großen Hektiker, die sich gern reinsteigern und den Nerv verlieren.
 
  • Angst vor Schlamm und Pfützen Beitrag #8
Ich hab alle 3 Methoden versucht, die einzige die bei ihm wirklich hilft ist Methode 1, dafür klappt die aber wirklich super und ja, er wird auch freundlicher und fasst Vertrauen! Ich muss nochmals Danke sagen, ohne dich wäre ich verzweifelt... :001:
 
  • Angst vor Schlamm und Pfützen Beitrag #9
Danke für dein Lob.
Du sollst nur nicht alle Methoden ausprobieren, sondern dich je nachdem wie dein Pferd so ist (jeder kennt sein Pferd und seine eigenen Möglichkeiten am Besten) dich für eine Methode entscheiden.
Wenn dein Pferd auf eine Methode sehr gut reagiert und wirklich entspannt auch anfangs schwierige Situationen meistert, solltest du es nicht dabei belassen, sondern in genau diesem Stil weiter mit dem Pferd arbeiten. Du wirst sehen, wie sich euer Verhältnis verbessert und sich gegenseitiges Vertrauen immer mehr aufbaut.
Durch ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Bodenarbeit und Sattelarbeit erhält man entspannte Pferde, die auch in Kriesensituationen regelbar und vertrauensvoll sind. Man erhält ein Pferd, das sich nach und nach in schwierigen (was für ein Pferd so schwierig ist) Situationen immer mehr auf den Menschen verlässt und sich nach ihm richtet - egal ob vom Boden oder vom Sattel aus.
Solange der Mensch dann entspannt und konsequent (also auch konzentriert) bleibt, hält sich das Pferd mehr an seine Anweisungen und bleibt auch in echten Kriesen recht gelassen.

Die große Gefahr dabei ist (wenn man den Stil konsequent in allen Situationen verfolgt und vor allen Dingen ausbaut), dass man ein Pferd erhält, das sich sehr stark an den Menschen bindet.
Ich persönlich achte daher sehr darauf, dass ich an allen meinen Pferden und vor allen Dingen auch an den Jungpferden immer noch andere Leute dranhabe. Ich bin dann zu Mindest am Anfang -meist sehr lange- immer dabei und leite die Leute an, damit der Stil für das Pferd immer gleich ist.
So erhält man nach und nach ein sehr menschenfreundliches und vertrauensvolles Pferd, das nicht nur bemüht ist es dem Menschen Recht zu machen, sondern auch von Jederman leicht handelbar ist, da das Pferd gelernt hat, vom Menschen Sicherheit, Konsequenz und den richtigen Weg im Leben erwartet. Eben ein durch und durch freundliches Pferd, das ohne brutale Gewalt erzogen werden kann. Ein Pferd, das sich eben auch traut mal sein Unbefinden (unpassender Sattel, Schmerz) zum Ausdruck zu bringen, aber nie unangenehm dabei wird (ärztliche Behandlung).

Mühe, Konsequent, Ruhe, Beharrlichkeit und Beschäftigung lohnen sich immer, mach doch einfach weiter!
 
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