Reine Rasse, volle Kasse (WDR)

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  • Reine Rasse, volle Kasse (WDR) Beitrag #21
Nein, dem ist eben nicht so. Straßenmischlinge sind nicht gesünder!
Sicher sind es Originale und viele davon auch teure Gefährten. Warum auch nicht?
Aber sie sind nun mal nicht gesünder. Es gibt mittlerweile schon viele neue Studien dazu.
Dieser Irrglaube hat sich mal irgendwann festgesetzt. Das kam vor allem auch daher, dass zum Beispiel solche Dinge wie HD und ED Untersuchungen bei Rassehunden zur Kontrolle gehören und die wenigsten auf die Idee kommen ihren Mischling aus dem Tierheim ohne Indikation röntgen zu lassen.
Hat dieser Rassehund nun eine C-Hüfte wird er registriert als HD krank, obwohl er in seinem Leben höchstwahrscheinlich niemals irgendwelche Symptomatik und/oder Probleme haben wird. Der Mischling von der Straße kann also genauso diese C-Hüfte haben und hat es wahrscheinlich auch, aber man wird es nie herausfinden und nie dokumentieren.

Wenn du einen Mischling hast, bei dem 4 verschiedenen Rassen mit 4 verschiedenen Erbkrankheiten reingespielt haben, dann hat dieser Mischling auch die Chance darauf gleich alle 4 zu bekommen. Gerade bei solchen Dingen wie der Degenerativen Myelopathie, die durch einen Gentest und Ahnentafeln komplett auszuschließen sind, bei Mischlingen (bzw. Hunden ohne Tests) aber nun mal nicht, sollte einem klar werden, dass es so einfach nicht funktioniert.

Und genau deswegen schaue ich solche Reportagen immer mit schiefem Auge an. Was bei vielen Leuten nämlich nur ankommt ist: "Rassehunde sind krank und überzüchtet und Ahnentafeln unnötige Adelstitel! Holen wir den Mischling von nebenan, der muss ja gesünder sein!"
 
  • Reine Rasse, volle Kasse (WDR) Beitrag #22
Für mich waren eben Leute, die einen Haufen Geld ausgeben, nur um einen REINRASSIGEN Hund oder eine REINRASSIGE Katze zu haben, Leute mit einem lächerlichen Standesdünkel, so eben wie "in meiner Garage muss ein Mercedes stehen". Dabei gibt es in den Tierheimen so viele Hunde, die auf ein neues Heim warten, dass es eigentlich eine Sünde ist, immer mehr Hunde nachzuzüchten und viel Geld hinzulegen, um sich eine bestimmte Rasse zuzulegen. Es müsste viel mehr dafür getan werden, verlassene und Tierheim-Hunde zu vermitteln und weniger Welpen zu produzieren. Da ist aber der "Verbraucher" am Zug. Wenn Vermehrer und Züchter immer weniger Nachfrage haben und die Tierheime immer leerer werden, dann sind wir erst auf dem richtigen Weg.
 
  • Reine Rasse, volle Kasse (WDR) Beitrag #23
die echten Strassenköter-Mischlinge, robust, unverwüstlich

Wenn sie lang genug auf der Strasse überleben konnten, sind es meist genetisch doch recht gesunde Hunde - wer nicht so gesund war, ist einfach weggestorben. So ist das nunmal auf der Strasse, wenn der Mensch nicht eingreift. Die Natur selektiert schon recht hart, wenn man sie lässt. Aber nur am Phänotyp - rezessive Erbkrankheiten wird man nur durch künstliche Selektion oder zufälligen Drift los. Was sich nicht zeigt, ist für die natürliche Selektion nicht greifbar und bleibt durch Träger erhalten.
Aber selbst wenn nur die Gesündesten überleben, im Laufe der Zeit stellt sich durch Mangelernährung und eben die miserablen Lebensbedingungen keine bessere Gesundheit ein - eher im Gegenteil. Die Tiere werden auch krank ..
 
  • Reine Rasse, volle Kasse (WDR) Beitrag #24
Der hohe Preis kommt durch die nötigen Untersuchungen zustande. Es gibt viele Züchter die mittlerweile ihre Kosten sehr genau aufschlüsseln, um dieses falsche Bild auch endlich mal aus der Welt zu schaffen. Ein seriöser Züchter wird mit seinen Würfen niemals reich werden. Sicher gibt es bei manchen mal ein kleinen Gewinn, aber das sei ihnen auch gegönnt. Viele haben allerdings sogar Verluste. Ich kenne eine Züchterin die sehr hinter dem steht was sie tut und dafür auch extra einen Rüden einfliegen lässt, damit neue Gene in die Zucht hier kommen und am Ende dadurch Minus machen wird (vor allem, wenn wenig Welpen fallen).

Nur mit den nötigen Untersuchungen über viele Generationen und damit eben automatisch mit Ahnentafeln, ist es möglich einen gesunden Hund zu züchten. Ob der am Ende ein Mischling ist, ein VDH Hund, ein Hund aus einem Dissidenzverein oder was auch immer spielt dabei keine Rolle.
Aber um einen solchen gesunden Hund zu züchten, kommt man nicht um die Kosten herum und auch nicht um eine lückenlose Ahnentafel.

Übrigens kann man das ganze auch anders sehen:
Würden alle Leute nur Hunde vom seriösen Züchter kaufen (der sie im Notfall auch wieder nimmt), würden keine Tiere mehr im Tierheim landen. Wenn "Sie soll einmal Welpen haben" und Ups-Würfe immer zu einem Minusgeschäft würden, dann gäbe es bald kaum mehr welche davon (gibt ja mittlerweile sogar die Spritze danach) und damit auch wieder weniger Tiere im Tierheim.
 
  • Reine Rasse, volle Kasse (WDR) Beitrag #25
Hallo,

Nur Gutmensch sein reicht nicht.
Es nervt auch sich als Rassehund Besitzer / Liebhaber dauernd beleidigen zu lassen. Einen reinrassigen Hund zu haben scheint ja gerade nicht so in Mode zu sein.
Ich bin selbst Liebhaber einer bestimmtn Rasse und ja ich hatte und möchte genau diese haben. Deshalb betreibe ich noch lange keinen
lächerlichen Standesdünkel
.

Was mir immer wieder fehlt ist "Eigenverantwortung im Einklang mit gesundem Menschenverstand".
Einfach selbst denken, selbst sehen, selbst entscheiden.

Fangen wir damit an Tiere nicht als Produkt zu betrachten und zwar bereits vor deren Geburt. Dann sollten wir nicht blind und taub auf die Zertifikate und Aussagen irgendwelcher Verbände, Ortsgruppen oder Legislativen vertrauen.

Selbst entscheiden ob ein Tier aus einem gesunden, artgerechten, sozialen und positiven Umfeld kommt. Ob dieses nun reinrassig ist oder nicht.

Man kann doch mit Verstand und Verantwortung ran gehen. Kann in meiner Lieblingsrasse Vorsorge tragen und sogar dazu beitragen Qualzuchten zu mindern.
So entwickelt sich z.B. gerade dt Schäferhund Bereich aus ganz einfachen Gründen immer mehr der Wunsch und das Verlangen nach "gerad Rückigen" Schäferhunden mit möglichst geringen HD /ED....Genen. Eine Art Rück - Zucht...das ist doch posiitv.

Die Frage ist doch die Definition der jeweiligen Rasse.
Wenn diese zum Wohl des Tieres positioniert ( längere Nasen bei Mopsen, gerade Rücken bei dt Schäferhunden....gesunde artgercht - soziale Aufzucht) und wenn die "Käufer" aufhören würden blind, fast schon hörig nach Zertifikat, Ahnentafel und Referenz zu entscheiden....wäre wohl allen gedient.

Offensichtlich gibt es da auch noch 2 Altlasten.
Zum einen zucken (wir) Deutsche bei allem was die Worte REINE - RASSE beinhaltet zusammen (als 1/2 Jüdin - bin so zu sagen ein Mischling- weiß ich von was ich Rede - Ironie des Schicksals: Ich liebe reinrassige deutsche Schäferhunde...)

Zum Anderen: Und Mischblut ist gut...wer da was gegen sagt (selbst wenn es sich um Hunde handelt) - ohne meine Wurzeln zu haben - wird schnell als politisch unkorrekt abgestempelt und steht aber ganz schnell mal ganz weit rechts aussen. So ein Quatsch.

LG Suno
 
  • Reine Rasse, volle Kasse (WDR) Beitrag #26
Es ist wirklich schrecklich, was vielen Rassen durch die VDH Richtlinien angzüchtet wurde - Cavalier King Charles Spaniel und Mops finde ich ja echt richtig derb. Gerade beim Spaniel frage ich mich dann aber auch: Wieso kauft man Hunde dieser Rasse überhaupt noch, wenn sie eine so schlechte Lebensqualität haben? Einfach traurig.:(

Ich muss aber auch zugeben, dass mich als Hundehalter solche Videos wiederrum verunsichern. Wie kann ich als Otto-Normal-Verbraucher ohne Ahnung von Genetik und Vererbung denn nun wirklich sicher gehen, dass der Züchter, den ich im Auge habe eher nach Gesundheit und nicht nur nach Aussehen geht? Sind dadurch alle VDH Züchter, die viel Wert auf Ausstellungen legen schlecht?

Nachdem meine Hündin ja nun eine unseriöse Herkunft hat, hatte ich mich schon bald entschieden, den nächsten Hund vom Züchter zu holen. Diese Entscheidung geriet aber nun doch wieder ins wanken - durch diese Filme. Mein erster Gedanke war "Züchter ist anscheinend doch nicht zwangsläufig der beste Weg" :? Soll nicht heißen, dass ich deshalb lieber zu Vermehrern gehe, sondern dass ich eben noch genauer hinschauen muss beim Züchter - vielleicht dann eben auch ohne dass er einem Verband angehört.

Was macht es dem VDH aber denn nur so schwer mehr auf die Gesundheit zu achten und ihre optischen Standards zu ändern? Mir kommt es zb beim Deutschen Schäferhund persönlich so vor, als wäre die Nachfrage nach einem geraden Rücken wirklich verstärkt - Sollte sich dann nicht auch endlich im Standard etwas ändern? Die Hunde auf Ausstellungen, die gar nicht mehr normal laufen können, weil ihr Rücken so sehr abfällt - wer findet sowas denn schön???
 
  • Reine Rasse, volle Kasse (WDR) Beitrag #27
Das Problem ist sozusagen ein Selbstläufer:
Ein Richter bevorzugt Schäferhunde mit abfallendem Rücken -> Züchter wissen, dass der Richter Schäferhunde mit abfallendem Rücken bevorzugt und sie wollen und brauchen gute Bewertungen -> Züchter achten bei ihrer Zucht auf einen abfallenden Rücken und gehen mit diesen zu den Shows -> Leute wollen einen Schäferhund kaufen und eventuell zur Zucht bringen, sie müssen also einen mit abfallendem Rücken holen, damit er eine Chance hat.

Ich habe etwas ähnliches mit meinem Golden Retriever durch. Meine Züchterin sagte mir direkt, dass es kaum Richter gibt, die dunkle, schlanke und hochbeinige Golden Retriever gut bewerten. Sie müsse dann genau schauen welcher Richter wann, wo ist, damit sie mir sagen kann wo ich zur Ausstellung gehen kann und eine Chance habe. Außerdem solle mein Mylo ja noch etwas zunehmen..
Die allgemeine Rückmeldung die ich bekomme ist allerdings auch, dass die Leute schlanke und dunkle Golden Retriever bevorzugen.

Die Richter auf den Ausstellungen haben eine sehr große Macht und ich finde auch, dass die Ausstellungen allgemein beim VDH eine viel zu große Rolle einnehmen. Meiner Meinung nach würde sich schon sehr viel ändern, wenn man auch bei Showlinien Gesundheits- und Leistungsnachweise erbringen muss und diese mehr Wert haben als Titel einer Ausstellung.

Ich schrieb ja schon: Die gesündesten Hunde bekommt man wohl aus Leistungszuchten. Es gibt Leistungszuchten unter VDH, aber auch bei Dissidenzvereinen. Das Problem ist: Diesen Hunden muss man dann auch gerecht werden!

Ansonsten kann man sich vorher so gut es geht darüber informieren welche Erkrankungen die jeweilige Wunschrasse mitbringt, welche Lebenserwartung etc. und dann schaut man welche Zuchtziele die Züchter haben. Ein seriöser Züchter hat immer auch ein Zuchtziel und im besten Falle ist dies eben die Gesundheit. Im Falle, dass die Gesundheit das Ziel ist muss man sich nicht scheuen auch konkreter nachzufragen, was der Züchter denn für sein Zuchtziel macht! Lässt sich schnell sagen: "Zuchtziel: Gesundheit!" und bei Nachfrage dann: "Ja.. ähm.. eben so.. die Untersuchungen halt...". Man kann bei vielen Rassen auch selber die Ahnentafeln durchgehen und gerade starke Inzucht fällt einem sogar als Laie auf (idealerweise gibt der Züchter den IK direkt selber an).
Intensive Gespräche sowieso Besuche beim Züchter der Wahl sind wohl schon mal eine gute Basis.
Gehört der Züchter dem VDH an, kann man zumindest schon mal ein mindestmaß an Vorkenntnissen und Kontrolle erwarten. Es gibt aber auch sehr gute Dissidenzvereine. Züchter von dort würde ich direkt darauf ansprechen warum sie nicht beim VDH sind. Die Antwort sollte nicht verschleiert kommen ("hatten andere Ansichten...", aber nicht sagen welche), sondern direkt und ohne Scham. Man sollte auch bei Dissidenzvereinen (oder Vereinslosen) darauf schauen, dass mindestens die selben Erkrankungen untersucht wurden und auch schon mehrere Generationen lang (Stichwort: Ahnentafel).

Generell muss man aber sagen, dass es ja noch viele recht "gesunde" Rassen gibt. In dem Video oder auf Bildern sieht man immer die gleichen 5-10 Rassen.. von über 400 FCI anerkannten!
Wir werden die Erkrankungen bei unseren Hunden niemals ganz wegbekommen. Genauso wenig, wie wir das bei Menschen schaffen würden. Wir haben keine natürliche Auslese mehr und viele der Erbkrankheiten werden zu spät erkannt um eine Zucht auszuschließen (Krebs z.B.), oder wir wissen noch gar nicht wie genau es sich vererbt (Kryptorchismus z.B.).

Ich kann nur jedem Raten als Käufer den ersten Schritt zu machen: Sich selber gut informieren und nicht blind vertrauen! Keine "Qualzuchten" mit einem Kauf unterstützen!

Ich persönlich hätte so, sooo, soooo gerne einen Irischen Wolfshund gehabt. Ich liebe diese Tiere einfach. Jedesmal, wenn ich ein Hund dieser Rasse getroffen habe waren es, wie man ihnen auch nachsagt, "sanfte Riesen". Und dieses Struppige und das bei dieser Größe!
Aber die Lebenserwartung von 5-8 Jahren schreckt mich dann doch zu sehr ab.

Edit:
Gerade der Punkt, dass es Leistungszuchten auch unter VDH gibt zeigt aber nochmal ganz deutlich, dass es nicht nur die Schuld des VDH ist. Leistungszuchten unter VDH haben meist eigene Zuchtordnungen, die aber noch mit denen des Dachverbandes übereinstimmen. Bei Leistungszuchten finden sich dann eben zusätzlich noch Leistungsnachweise. So braucht ein Golden Retriever dort eben eine gute Bewertung bei Dummyprüfungen. Käufer der Hunde dort ist es auch ziemlich egal, ob sie viele Ausstellungstitel haben. Viel wichtiger ist, wie gut sie arbeiten.
Auch gesunde Hunde sind selbst bei "Qualzuchten" unter dem VDH möglich - aber ehrlich: manchmal macht er es einem nicht einfach.
 
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