Ich bin seit mehr als sieben Jahren aktiv im Tierheim tätig, sehe viele Hunde kommen und gehen. Immer wieder kommen Hunde zurück. Nicht immer liegt es an schlechter Beratung, sondern auch oft daran, dass die Menschen Dinge verheimlichen.
Zwei Fälle, die ich miterlebt habe.
Fall A:
Junges Ehepaar mit Säugling kommt ins Tierheim. Sie möchten gerne einen kleinen bis mittelgroßen, jungen Hund. Sie haben ein großes Haus, einen Garten und die Frau ist wegen des Kindes den ganzen Tag zu Hause oder der Hund kann eben mitkommen. Es werden verschiedene Hunde gezeigt, man entscheidet sich für einen sechs Monate jungen Rüden. Sehr niedlicher Kerl.
Auf der Rückfahrt übergibt sich der Kleine mehrfach. Hmm, nee ist ja ekelig! Frau muss es weg machen, weil der Mann sich ekelt. Zuhause angekommen ist der kleine total verängstigt. Riesiges Haus und oh ha, da ist ja noch ein Kind, das total hibbelig ist, zwei weitere Menschen plus dem kleinen Knirps von Mensch.
Der Hund zieht sich in die hinterste Ecke zurück. Die zwei neuen Zweibeiner gehen. Zurück bleiben die Menschen, die ihn geholt haben, der Knirps und der Säugling.
Es kommt wie es kommen muss: der Hund ist so unsicher, weil der Knirps ständig was von ihm will, wirklich Ruhe halten darf er nicht.
Die Frau bittet um Rat, wie sie damit umgehen kann, weil der Hund sich übergibt beim Auto fahren und weil er den Knirps angeknurrt hat. Es werden viele Ratschläge gegeben.
Einen Tag später steht der Mann mit dem Hund im Tierheim und sagt "der wird sich nie an das Auto fahren gewöhnen hat unser Tierarzt gesagt. Meine Frau fährt aber täglich 200km mit dem Auto wo er mitfahren muss und da passt er einfach nicht rein". Warum man ihn nicht langsam ans Auto fahren gewöhnen kann etc. wird gefragt, aber der Mann bleibt dabei: der Hund muss zurück.
Im Nachhinein beginnt die Frau zu erzählen, dass der Knirps mit seinen fünf Jahren starkes ADHS hat, sie das Kind im TH tatsächlich verschwiegen haben und bewusst nur den Säugling dabei hatten. Sie sei total gestresst, weil sie den Knirps immer in den Kindergarten begleiten müsste und dann noch der Säugling und der Hund hätte auch mit dort hin gemusst. :shock: DAVON haben sie im Tierheim aber nichts gesagt. Sie wollte bloß das Familienbild vervollständigen, da sie nun nach einem Monat im Haus zu dem zweiten Kind auch noch einen Hund haben wollten.
Der Hund war glücklich, als wir ihn wieder in seinen Auslauf gepackt hatten.
Fall B:
Ein Mädchen, sechs Jahre wünscht sich sehnlichst (wie das bei Kindern so ist) einen Hund. Die Tante hat noch einen Katalog (ja, das war wirklich wie ein Katalog, habe das Teil selbst gesehen) zu Hause liegen gehabt von der Orga, von dem sie ihren Hund geholt hat. Rumänien, SMEURA. In diesem Katalog suchten sich Mutter und Tochter zwei Hunde aus. Einen alten gebrechlichen, der sein ganzes Leben in der SMEURA verbracht hat, super lieb zu allem und jedem ist, vor allem Kinder sehr gerne mag, verspielt, verschmust und wünscht sich doch nur noch einen schönen Ruheplatz für die letzten Jahre.
Der zweite Hund, ein junger (zwei jährig) wuscheliger, zuckersüßer Hund, auch kinderlieb, verspielt, verschmust, hat bis vor kurzem auf der Straße gelebt und wurde vom Tierarzt mit einem Blasrohr betäubt und anschließend eingesammelt. Sehr zutraulich und menschenbezogen. Beide Hunde sitzen in die Ecke gedrängt, vollkommen dreckig (Kot, Schlamm und wer weiß was noch) und verängstigt auf den Fotos. Die Rute, insofern man sie erkennen konnte bei einigen, klebt unterm Bauch, sie hecheln, die Ohren liegen an, die Augen stehen groß hervor usw.
Als das Mädchen mir diesen Katalog mit den Bildern zeigt, rufe ich am Nachmittag die HP des Vereins auf und fülle den Steckbrief aus, wie ihn viele Orgas haben. Die Familie scheint laut Fragebogen/Steckbrief perfekt für zwei Hunde zu sein.
Immer wer zu Hause, ländlich, Haus mit großem Garten, keine Nachbarn die sich aufregen könnten, mehr als ein Erwachsener und alle wollen die Hunde haben. Denn in dem Steckbrief wird nicht danach gefragt: Gibt es einen Menschen mit einer geistigen, körperlichen oder sozial-emotionalen, psychischen oder anderen Behinderung bei ihnen in der Familie? Denn diese Einschränkungen auf dem einen oder anderen Gebiet können leider auch genau der Grund sein, warum der Hund nicht in die Familie sollte. Ich arbeite selbst im Bereich der Behindertenhilfe und habe schon mehrfach gesehen, dass es Hunde gibt, die mit hyperaktiven Kindern nichts, aber auch wirklich gar nichts anfangen können. Nun stelle man sich vor, dass da so ein älterer Hund, der noch nie Kontakt zu Kindern hatte, weil er Zeit seines Lebens in der SMEURA verbracht hat, zu einer großen Familie kommt, wo immer Aktion angesagt ist, drei von fünf Kindern schweres ADHS aufweisen, viel Besuch kommt usw. Das kann nur schief gehen! Denn Ruhe zum Ankommen wird er Hund nicht bekommen.
Am nächsten Tag habe ich mit der Mutter des Mädchens gesprochen, ob sie ich schon über das Herkunftstierheim schlau gemacht hat, wie es aussieht usw. Sie verneint und ich kläre sie auf. Denn ich habe bereits einige ehemalige Bewohner aus der SMEURA in einem Tierheim im Osten Deutschlands kennen lernen dürfen. Jeder von ihnen war bissig, menschenscheu und futterneidisch.
Ich schlug der Frau vor, dass sie lieber in einem deutschen Tierheim schauen soll, wo auch viele Auslandtiere sitzen, wenn sie unbedingt was im Auslandstierschutz helfen will, aber sich keinen Hund einfach bestellen solle. Denn Hunde sind Lebewesen und kein Mantel, den man sich bestellt und den man, wenn er nicht passt, wieder zurück schicken kann. Auch wenn die Frau ansonsten nicht schnell einlenkt, bei dieser Sache habe ich sie davon überzeugen können. Es kamen noch andere Faktoren hinzu, die ich hier nicht weiter erläutern will, aber die Familie hat sich bis heute keinen Hund geholt, weil sie eingesehen haben, dass sie dem Tier nicht gerecht werden können.
Was ich damit sagen will: die Menschen, die einen Hund haben wollen, müssen genauso ehrlich zu den Pflegern sein, wie sie wollen, dass die Pfleger ihnen die Wahrheit über den Hund sagen!! Wenn die Interessenten was verschweigen oder sich so super darstellen, wie sie meinen, dass das TH es hören will, tun sie weder sich selbst noch dem Tierheim oder dem Hund einen Gefallen. Diese Steckbriefe können noch so perfekt aussehen, aber gerade bei den Auslandshunden, die direkt aus dem TH in Spanien oder sonst wo kommen, muss eine gute Vorkontrolle Pflicht sein!! Immer wieder Fragen stellen, die Widersprüche herausfiltern können, die Menschen einzeln befragen, Nachbarn mit einbeziehen oder sowas.
Es gibt viele schwarze Schafe, denen ich nie Geld zustecken würde.
Wenn eine Orga Hunde herüberholt und ihnen fällt erst nach der Hälfte der Strecke auf: Oh, da ist ja einer zu viel! Wir haben ja neun Hunde statt nur acht dabei. :eusa_think: Also wenn es bei 60-80 Hunden, die manche Orgas rüberholen erst beim Ausladen auffällt, dass da einer mehr ist als gedacht, kann ich es ja nachvollziehen, da bei der großen Menge echt der Überblick verloren gehen kann, wenn 15 Leute so einen Transporter beladen, aber bei acht Hunden eine große, zusätzliche Flugbox übersehen??? Das spricht nun unbedingt für Seriosität.
Mit Pflegestellen arbeiten kann gut sein, kann aber auch für den Hund noch mehr Stress bedeuten. Dann hat er sich einmal in der PS eingelebt und dann kommen Fremde und reißen ihn wieder da raus. Er beginnt im Grunde wieder bei null bei den neuen Leuten. Wie viele Hunde sind aufgrunddessen, dass sie nie wirklich ankommen konnten/durften schon zum Wanderpokal geworden? Denn sie konnten sich nicht an Gassizeiten gewöhnen, an ihren Platz und alles.
Mein Exfreund sagte mal "Alle spanischen Hunde sind futterneidisch, stur und werden nie stubenrein" Er wollte sich von mir auch nie eines anderen Tonus belehren lassen, denn er kennt "sie" ja ... dass er nur einen (!) ehemaligen Straßenhund aus Spanien kennen gelernt hat und ich um die 500 aus Spanien, um die 50 Slowaken, 120 Rumänen und woher sie sonst noch alle kamen. Meine Erfahrungswerte waren wesentlich breiter gefächert, aber nein, er wusste ja, wie "die Spanier alle" so sind... Wenn er meinen Hund, ebenfalls Spanier, hier sehen würde. Owei! Der Hund entspricht ja so gar nicht seinem Vorurteil!
Ich habe mit deutschen Tierschützern positive wie negative Erfahrungen gemacht. Es gibt viele Tierheime, die meinen "wenn der Hund sechs Stunden alleine bleiben muss am Tag, dann ist er hier besser aufgehoben" Klar, weil man bei 150 Hunden und drei Pflegern auch mehr Zeit für das Tier hat als ein Ehepaar Zuhause für einen Hund/eine Katze. Das ein Hund keine 12-14h alleine bleiben soll, klar. Aber es soll auch Hunde/Katzen geben, die sind glücklicher, wenn Herrchen und Frauchen mal einige Stunden weg sind und nicht die ganze Zeit um sie herum schwirren.
Mein Hund stammt auch aus dem TS und besucht mit mir jeden Samstag sein Tierheim. Wenn ich ihn rufe, damit wir gehen, freut er sich ein Loch in den Bauch, aber er freut sich auch, wenn er mit seinem Kumpel oder seinem Bruder mal frei laufen darf in einem der großen Ausläufe dort.