Wo ist die Grenze zwischen Wild- und Haustier?

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  • Wo ist die Grenze zwischen Wild- und Haustier? Beitrag #1
blackcat

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Huhu,

ich weiß nicht, ob es auch durch die deutschen Medien ging, aber konkret im Kopf habe ich den Fall des Savannah-Katers "Chiku" der in Südtirol seinem Besitzer entwischt ist, zumindest eine Hauskatze gerissen hat, schließlich eingefangen wurde und nach einigem hin und her am Ende in ein Betreuungszentrum für Wildtiere in der Toskana gebracht wurde.
Der Grund: der Kater wurde von der zuständigen Richterin als "gefährliches Tier" eingestuft.

Savannah-Katzen gehören wie Bengalen zu den Hybridrassen, also Kreuzungen zwischen Raubkatzen (in dem Fall Serval, der Kater wurde übrigens Anfangs auch für einen Serval gehalten) und Hauskatzen. Das Ziel der Rassen ist sozusagen das Raubtier fürs Wohnzimmer - sprich, ein möglich "wildkatzenmäßiges" Aussehen, aber der Charakter einer Hauskatze.
Laut Aussehen des Katers muss der Serval-Anteil bei ihm ziemlich hoch sein.

Frage an euch:
Wo ist nun eigentlich die Grenze zwischen einer Wildkatze und einer Hauskatze?
Was ist im Sinne des Tieres?
Kann man eine "Raubkatze" artgerecht halten?

Bin gespannt wie ihr das seht. ;)

LG blackcat
 
  • Wo ist die Grenze zwischen Wild- und Haustier? Beitrag #2
Hallo blackcat, dass ist ein Thema, wo ich, wie die meisten vermutlich wissen, eine ganz klare eindeutige Meinung dazu habe, die Zucht solcher Wildhybrid-Katzenrassen gehört eindeutig verboten. Hybridrassen sind übrigens alle Kreuzungen unterschiedlichen Rassen, aber hier geht es um die Kreuzung von Hauskatzen mit wildlebenden Kleinkatzen wie Bengale, Serval und Karakal.

Vermutlich hatte der Kater noch einen recht hohen Wildblutanteil, dass ist der Wildblutanteil, die Generationen im Abstand zum Wildtier:

F1 = Vater Serval / Mutter Rassekatze oder F1 Katze als Mutter (50-75 % Wildblutanteil)
F2 = 25 - 32 % Wildblutanteil (kein Serval mehr beteiligt)
F3 = 12 - 16 % Wildblutanteil
usw.
allerdings muss anfangs öfters noch auf Wildkater zurückgegriffen werden, weil die Kater der F1 manchmal auch noch F2 Generation meist unfruchtbar sind, F1 glaube ich über 90 %. Deswegen gibt es für die Generationen F1-F4 bestimmte Vorschriften und Haltungsbedingungen und die gelten als Wildtier.


Die Zucht und vorallem die Entstehung solcher Rassen ist mit großem Tierleid verbunden:

- für den Anfang müssen da Wildtiere (bei den Savannahs sind das Servals, eine afrikanische Kleinkatze) eingefangen werden, ihrer Freiheit beraubt und in Gefangenschaft gehalten, damit man sie mit Hauskatzen verpaaren kann.

- es kommt auch vor, dass der Servalkater die Katzendame dann nicht deckt, sondern tötet, bei dem Größenunterschied hat sie natürlich keine Chance.

- wenn die Kätzin erfolgreich gedeckt worden ist, besonders wenn Rassekatzen und nicht Savannahs mit einem Serval verpaart worden sind, dann kommt es öfters zu Komplikationen bei der Geburt, weil wegen des Größenunterschieds die Kitten dann doch öfters recht groß sind und nicht durch den Geburtskanal passen

- die Kittensterblichkeit ist in den ersten Generationen sehr hoch, anfangs um die 50 % oder sogar noch mehr, weiß ich nicht genau, aber auf jeden Fall recht hoch

- die Kater der ersten Generation sind fast immer steril, daher muss immer noch weiter auf Wildkater zurückgegriffen werden

- es gibt zwar Auflagen für die Haltung von Servals und F1-F4 Generation Savannahs und dass auch ein Außengehege mit entsprechenden Maßen für Servals vorhanden sein muss und und und, aber diese Auflagen sind in meinen Augen absolut unausreichend und die meisten Züchter werden schon ihren Tieren da nicht gerecht und wie sieht es erst beim Privathalter dann aus, die werden oft den Katzen in ihrem Temperament, Bewegungsdrang und Sprungvermögen in keinster Weise gerecht und natürlich sollte diese dann nicht allein gehalten werden, aber eine normale Hauskatze ist natürlich kein adäquater Artgenosse und Spielkamerad für eine Savannah.

und und und ........................... es gibt vieles was dagegen spricht und nicht einen einzigen Grund, der dieses Tierleid bei der Entstehung solcher Rassen rechtfertigt. Nur weil irgendwelche Leute immer etwas noch ausgefalleneres und exotischeres zuhause haben wollen, auch wenn sie den Tieren dann in der Haltung nicht gerecht werden, weil dass dann eben keine domestizierten Hauskatzen sind, nur zum Angeben.

Übrigens Zoologe und Verhaltensforscher Paul Leyhausen, hat sich nicht nur sehr intensiv mit Katzen beschäftigt, sondern war auch ein wahrer Katzenfreund. Er hat schon sehr früh entdeckt, dass eine Verpaarung von Hauskatzen mit manchen Kleinkatzen durchaus möglich ist, aber hat diesen Punkt seiner Forschung absichtlich nicht veröffentlicht, um den Tieren genau dieses Schicksal zu ersparen.

Es gibt so viele bereits domestizierte Katzenrassen, Hauskatzen halt, auch in Wildlook wie z.B. die Ocicats oder Abessinier, viele Katzenrassen gibt es auch getigert oder was mir besonders gut gefällt getupft (spotted), die sind bestens für die Haltung als Haustier geeignet. Sie stammen von Falbkatzen ab, die von sich aus die Nähe menschlicher Siedlungen suchten und sich zu mindestens teilweise freiwillig domestiziert haben, dass geschah schon mehrere tausend Jahre vor Christus. Es gibt genügend Katzenrassen inzwischen, genauso wie man auch keine Wolfshybriden züchten sollte, sie eignen sich nicht als Haushunde, man sollte die Natur dieser Tierarten einfach akzeptieren und sie dort lassen, wo sie hingehören, in ihrer natürlichen Umgebung.

Natürlich sind Bengalen und Savannahs wunderschöne Katzen, einfach traumhaft, aber es geht hier nicht um Schönheit, sondern um Tierliebe und wahre Tierliebe zeigt sich in dem man das beste für die Tiere will und somit auch im Verzicht.


Es gibt auch schon einige ältere Threads mit ähnlichen Thema:









EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

EDIT: Ich habe mir jetzt mal Bilder von Chiku im Internet angesehen, für mich schaut der doch mehr nach Serval als nach Savannah aus, wobei es auch einige Savannahs gibt, die einem Serval wirklich verdammt ähnlich sehen, aber was ich da so gelesen und gesehen habe, denke ich wenn es nicht sogar ein Serval ist, würde ich auf F1-F2 Generation tippen, höchstens F3. Diese Tiere darf man ohne Herkunftsnachweis gar nicht einführen und es gibt da auch bestimmte Haltungsbedingungen. Bin gespannt was bei der DNA-Analyse rauskommt, da habe ich jetzt noch nichts gefunden, gib mir bitte Bescheid, wenn du da was hörst.
 
  • Wo ist die Grenze zwischen Wild- und Haustier? Beitrag #3
Hallo Petra,

danke für den umfassenden Beitrag, ich finds toll, dass du alles aufgeführt hast, aber ob Hybridkatzen sein sollten oder nicht würde ich eigentlich ungern nochmal diskutieren bzw. sollte nicht Sinn des Threads sein.

Fakt ist, wir haben diese Katzen heute da, besonders Bengalen werden inzwischen in der X-ten Generation gezüchtet und weder Bengalen noch Savannahs werden aus der Gesellschaft weg zu bringen sein. Dafür ist besonders bei Bengalen die Nachfrage viel zu groß.

Die Frage die mich beschäftigt ist eher, wir haben diese Katzen hier - aber wie viel Wildkatze steckt in so einer Katze noch?
Besonders Bengalen werden heute vielfach in reiner Wohnungshaltung gehalten, auch von Züchtern. Um nicht zu sagen die Züchter kämpfen heute gegen die Vorurteile, dass Bengalkatzen ihren Besitzern die gesamte Wohnung zerlegen und ihre Kinder umbringen (mal übertrieben gesagt).

Was ist im Sinne des Tieres?
Ich weiß dass bei Chiku nachdem er anfangs immer als "Serval" durch die Medien ging das später auf "Savannah"/"Seltene Rassekatze" :roll: korrigiert wurde, allerdings habe ich noch in keinem Artikel gefunden, welcher F-Generation der Kater angehört.
Chiku wurde in Deutschland "legal erworben" und mit Herkunftsnachweis etc. nach Italien gebracht. Er lebte in einer Wohnung mit angeschlossenem Freigehege und ist entwischt, als der Besitzer das Gehege vergrößern wollte.
Leider konnte ich auch keine Bilder des Geheges finden, aber Fakt ist, in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern wäre die entsprechende Haltung gar kein Thema gewesen und der Besitzer mit einer Geldstrafe davon gekommen.

In einigen Leserbriefen und Internetkommentaren fordern noch immer Leute, dass das arme Tier doch gefälligst in seiner Heimat ausgewildert werden sollte, weil es nicht artgerecht gehalten werden kann (wo die "Heimat" von so einer Hybridkatze sein soll lasse ich mal dahin gestellt *hust*).
Aber was macht man mit so einem Tier?
Hat der Kater nicht eine Beziehung zu seinem Besitzer, auch wenn er noch recht viel Wildblutanteil in sich hat?
Ursprünglich sollte er (als Serval) in einem Zoo, was mit einer F-1-3 anzufangen ist, scheint aber keiner so genau zu wissen.

Sind die Gehege in solchen Auffangstationen überhaupt geeignet für die dauerhafte Haltung von Wildkatzen?

Der Mensch hat Mist gebaut bei diesen Rassen und die Katzen sind die Leidtragenden, das ist keine Frage. Aber wo ist eigentlich die Grenze?
Ist nicht am Ende auch jede unserer normalen Hauskatzen noch irgendwo eine Wildkatze?
Man denke an die User die hier regelmäßig aufschlagen, im festen Glauben, dass ihre Katze wenigstens zur Hälfte eine europäische Wildkatze ist (ob das nun realistisch oder auch nur glaubwürdig ist, spielt keine Rolle). Oder man denke an die Streunerkatzen, die auch vom Tierschutz meist nur an einer Futterplatz vermittelt werden, da sie in einer Wohnung schlicht durchdrehen würden.

LG
blackcat
 
  • Wo ist die Grenze zwischen Wild- und Haustier? Beitrag #4
Dachte mir schon, dass du mehr auf diesen Punkt hinaus willst, wollte aber gleich nochmal die Fakten klar legen, weil dies vielen Haltern von Bengalen gar nicht bewußt ist, auch bei Entstehung dieser Rasse ging entsprechend viel Tierleid voraus, dass geht nicht ohne, bei der Zucht solcher Rassen. Natürlich werden Bengalen inzwischen seid über 30 Jahren gezüchtet, entsprechend verdünnt ist der Wildblutanteil bis eigentlich nicht mehr vorhanden, wobei leider auch hier es vorkommt, dass manche Züchter anscheinend mit Savannahs konkurrieren wollen und wieder bemüht sind die eine oder andere F 1-3/Generationen in die Zucht wieder mit einzubringen.

Ich denke, dass bei den Bengalen wohl kaum die Gefahr besteht, dass die auf ihren Besitzer losgehen, Kindern zur Gefahr werden könnten und die meisten zerlegen einem auch ohne Freilauf nicht die Wohnung. Wobei man schon auf das entsprechende Temperament der Tiere Rücksicht nehmen muss und sie brauchen meiner Ansicht nach schon mehr Platz als eine "normale" Hauskatze und ich würde da schon einen gesicherten Freilauf empfehlen für ihre Haltung. Wie bei allen Katzen in reiner Wohnungshaltung ist da der Besitzer gefordert, den Tieren trotzdem ein erfülltes und abwechslungsreiches Leben zu bieten und Bengalen brauchen wie gesagt, meiner Ansicht nach schon mehr Platz und man muss sich entsprechend mit ihnen beschäftigen, sie brauchen ihrem Temperament und Sprungvermögen auch entsprechende katzengerechte Einrichtung, um sich auch richtig ausleben zu können.

Die User die glauben, dass da tatsächlich Wildkatze in ihren Katzen steckt, liegen meistens daneben, inzwischen wurde durch Gen-Tests erwiesen, dass die europäische Wildkatze sich viel seltener mit Hauskatzen verpaart als angenommen. Normalerweise leben Wildkatzen so zurückgezogen und soweit entfernt von menschlichen Siedlungen, dass sich die Reviere von Hauskatzen auch nicht von streunernden Hauskatzen sich nur selten überlagern. Was man aber nie vergessen darf, auch eine Hauskatze, egal wie domestiziert sie auch sein mag, ist und bleibt ein Raubtier und wenn sie verwildern, entsprechende Sozialisierung auf den Menschen fehlt, zeigt sich dass zwar auch durch etwas wilderes Verhalten, aber doch meistens durch deutlich scheueres Verhalten und somit stellen diese Tiere keine Gefahr da, weil sie viel zu scheu sind und den Menschen eher meiden. Noch scheuer sind echte Wildkatzen, die selbst Wildschützer mit viel Erfahrung nur selten zu Gesicht bekommen. Wildkatzen werden auch durch Handaufzucht nicht wirklich zahm, auch daran merkt man schon einen Unterschied der eindeutig auch genetisch bedingt ist und sie ist auch nicht der Vorfahre unserer Hauskatzen.

Bei Servalen und Savannahs hat man das Problem, dass diese doch deutlich größer sind als Hauskatzen, man sich ja gezielt um die Sozialisierung und Prägung auf den Menschen bei diesen Tieren bemüht ist und auf mich wirken Servals leider sogar weniger scheu als europäische Wildkatzen, was ihnen letztendlich auch zum Verhängnis geworden ist.

Inwieweit Auffangstationen für die dauerhafte Haltung von Wildkatzen geeignet sind, hängt würde ich sagen, von der Auffangstation und der Gehegegröße ab. Reine Wildkatzen und Servals gehören für mich in die Natur oder in entsprechende Reservate, aber natürlich kann und darf man Savannahs nicht auswildern, aber dass sind nun mal keine Coachpotatos und müssen artgerecht gehalten werden, in meinen Augen ist da ein gesicherter Garten/Freigehege zwingend erforderlich, auch bei späteren F-Generationen.

Wie schon gesagt, die Domestizierung der Hauskatze hat schon mehrere Tausend Jahre vor Christus begonnen, trotzdem ist und bleibt sie ein Raubtier, dass sollte man nicht vergessen, daher sind auch Hamster, Mäuse, Ratten, Vögel, Fische usw. nicht vor ihnen sicher und sollten auch nicht unbeaufsichtigt im gleichen Raum sein. Es ist unverantwortlich da jetzt mit Absicht auch noch andere wilde Kleinkatzen egal ob Bengal/Leopardkatze beim Bengalen, Serval bei den Savannahs, Karakal bei den Caracats (bei dieser Rasse hoffe ich immer noch, dass sie verboten wird und sich erst gar nicht etabliert) einzukreuzen, um wieder Wildblut in die Katzen zu bekommen. Was sind 30-40 Jahre Bengalzucht gegen über 7000 Jahre Domestizierung unserer Hauskatzen. Wer sich mit seinen Hauskatzen richtig beschäftigt, sie beobachtet, ihr Wesen erkennt und schätzt, der weiß, dass da immer noch genug Raubtier in unseren Hauskatzen vorhanden ist, da ist keine Blutauffrischung nötig, im Gegenteil, dadurch wird man den Tieren nicht mehr in ihrer Haltung gerecht, solche Katzen gehören nicht in die reine Wohnungshaltung.

Natürlich hat Chiku eine entsprechende Beziehung zu seinem Besitzer aufgebaut, egal wie viel Wildblutanteil er in sich trägt oder nicht und kann auch nicht mehr ausgewildert werden. Wie seine Haltungsbedingungen bei seinem Besitzer waren und ob er da allein gehalten wurde oder nicht, der sich ausreichend mit ihm beschäftigt hat, die Größe seines Freigeheges, all dass kann ich nicht beurteilen.

Aber du kannst auch Löwen- oder Geparden aufziehen, auch die entwickeln meist ein sehr enges Verhältnis zu ihrem Halter, trotzdem können ihnen Privatpersonen nicht in der Haltung gerecht werden, dass sind nun mal keine Haustiere. Auch Servals gehören nicht in die private Haltung und erst recht nicht zur Zucht einer exklusiven, exotischen "Luxuskatzenrasse" missbraucht. Wie schon gesagt, es sind und bleiben Wildtiere, dort gehören sie auch hin, in ihrer natürliche Umgebung und nicht in Haus und Garten.


Hier noch ein Beispiel, wo sich mir die Haare aufstellen, so etwas gehört einfach verboten:
 
  • Wo ist die Grenze zwischen Wild- und Haustier? Beitrag #5
Du sprichst mit der Bengalzucht im Grunde genau das an was ich meinte.
Der Wildkatzenanteil ist inzwischen bei vielen Linien verschwindend gering, trotzdem gibt es noch Unterschiede zu anderen Hauskatzen. Die sind vielleicht wirklich inzwischen klein genug, dass Bengalen sich für die Wohnungshaltung prima eignen, aber sie sind doch da.

Die heutigen Rückkreuzungen sollten übrigens auf zwei Dinge zurück zu führen sein - zum Einen sind F-Tiere lukrativer und kosten gut und gerne ein Vielfaches von einer "normalen" Savannah/Bengalkatze, zum Anderen ist die "normale" Variante heute so einigen Haltern und Züchtern wohl schon wieder zu soft (wenn du verstehst was ich meine...).
In meinen Augen sind die gelisteten F-Generationen (meist wird ja eh nur bis F5 oder F6 wirklich mit gezählt) ein Trick, das Gesetz zu umgehen, das Privatpersonen die Haltung von echten Raubtieren verbietet.

Karakale haben immerhin den Vorteil, dass sie nicht ganz so auffällig sind. Denke aber Caracats würden trotzdem schnell Liebhaber finden. Jetzt wo du es ansprichst bin ich erstaunt, dass es um die Rasse so still geworden ist, das Ganze löste doch schon vor Jahren einen Aufschrei aus. Würde jetzt mal spontan vermuten, dass die Kreuzung noch wesentlich schwieriger und riskanter ist, als bei Servalen und Leopardkatzen? (Sorry, in die Vernunft des Menschen habe ich in der Hinsicht eher wenig Vertrauen, also dass das einfach so aufgegeben wurde...).

Ich denke wir sind uns alle einig darüber, dass weitere Wildkatzen nicht eingekreuzt werden sollten - weder in die bestehenden Rassen noch zur Entstehung neuer.

Bleibt aber immer noch die Frage, was mit den Tieren geschehen soll, die es jetzt gibt?
Wieso ist die Haltung solcher Wildtiere überhaupt erlaubt (jetzt mal Italien ausgenommen)? Oder muss man das mit der Haltung anderer Exoten vergleichen, die schließlich auch erhältlich sind?
Und wenn man es ins andere Extrem verdreht, wie du richtig sagst, die normale Hauskatze ist trotz Tausender Jahre noch ein Raubtier geblieben das seinen Instinkten folgt - wie groß ist der Unterschied eigentlich, zwischen der Haltung einer normalen Hauskatze und der einer Wildkatze in vergleichbarer Größenordnung?

Was mir an der Geschichte widerstrebt ist nämlich diese Willkür, dass gesagt wird bis zur 2./3. Generation ist es eine Wildkatze deren Haltung höchst gefährlich ist (den Richterbeschluss fände ich übrigens selbst wenn es ein echter Serval wäre lächerlich :roll:) bzw. deren Haltung eine Privatperson nicht gerecht werden kann.
Ab der X-ten Generation ist es dann aber eine normale Hauskatze und sie darf selbst in einer Einzimmerwohnung ganz legal gehalten werden.

Ich meine, ich kann's nachvollziehen, dass irgendwo eine Grenze gezogen werden muss, aber auf das WO finde ich für mich selbst keine Antwort und das bereitet mir echt Kopfzerbrechen.
 
  • Wo ist die Grenze zwischen Wild- und Haustier? Beitrag #6
Rein definitionsmäßig ist ein "Haustier" ein Tier welches vom Menschen für seine Zwecke gezüchtet wurde, streng genommen fallen da dann ja auch die Bengalen drunter.

Was man hier jedoch unterschieden muss ist die Tatsache, dass sich nicht alle Tiere für das Zusammenleben mit Menschen eigenen und das einige (aus welchen Gründen auch immer) sich wesentlich schlechter domestizieren lassen als andere.
So ist es z.B. dem Menschen nicht gelungen viele Hirscharten ähnlich zu domestizieren wie z.B. viele Rinder - in diesem Fall zu ihrem Glück, denn sonst würden sie wohl auch in Massenställen dicht an dicht stehen und Tiermehl zu fressen bekommen, damit wir mehr und billigeren Hirschbraten essen können.

Andere Tierarten sind erst in jüngster Zeit vom Menschen gezielt genutzt und gezüchtet worden, so z.B. viele tropische Fischarten, Wellensittiche oder Ratten (das Kaninchen ist ebenfalls erst seit rund 500 Jahren domestiziert).

Es scheint also so zu sein, dass die Domestikation einiger Tiere relativ einfach ist (z.B. auch die von Füchsen, weswegen sie leider so viel für die Pelzgewinnung gezüchtet werden :(), während es bei anderen Tierarten nahezu unmöglich zu sein scheint.

Was die Hauskatzen angeht, so began ihre Domestikation (je nach Quelle) vor rund 10.000 Jahren, dennoch erleben wir auch heute noch Katzen als sehr selbstständige Lebewesen, die zwar die Nähe des Menschen schätzen, jedoch nicht in solcher Art von ihnen abhängig sind wie z.B. Hunde (es ist übrigens genau diese Selbstständigkeit, dir mir viele Katzenbesitzer im Bekanntenkreis oft als eine der Eigenschaften nenne, die sie an den Stubentigern so fastziniert ;)).
Vielleicht kann man daraus ableiten, dass Katzen ebenfalls zu den eher schwer zu domestizierenden Lebewesen gehören, die selbst nach 10.000 Jahren noch immer eine Portion "Wildheit" besitzen.

Kreuzt man nun in die Hauskatze noch wieder eine echte Wildkatze ein, kann ich mir gut vorstellen, dass zu den Genen der Wildkatze in vielen Fällen ebenfalls noch die in unseren Hauskatzen schlummernden "Wildgene" mit aktiviert werden - was dabei rauskommt ist dann wahrscheinlich in vielen Fällen ein Tier, welches sich niemals mit einem Leben beim Menschen zufrieden geben kann. Eben eine Katze mit unglaublichem Freiheitsdrang, die über kurz oder lang Depressionen ereilen kann wenn man sie an einen Menschenhaushalt bindet.

Um es mit den Hunde zu vergleichen so ist es auch dort so, dass Wolfshybriden sich eigentlich nicht für ein Zusammenleben mit dem Menschen eigenen (und das trotz dessen, dass per Hand aufgezogene, reine Wolfswelpen sogar auch im Erwachsenenalter oft ihren Pfleger noch in ihre Nähe lassen und als einen von ihnen akzeptieren).
Ebenso wäre es nicht so ohne weiteres möglich einen Dingo - der ja ein verwilderter Haushund ist - nun wieder von einer Generation auf die andere auf einem Sofa anzusiedeln.

Letztendlich denke ich, dass die Schwierigkeit von unzähmbaren Individuen bei einer Wildeinkreuzug wie der Bengalzucht immer besteht und da es für diese wilden Exemplare keine "Verwendung" gibt und sie oft ein eher schlechtes Leben führen müssen sollte man die Einkreuzung wohl grundsätzlich ablehnen.
Andererseits ist hier zu bedenken, dass alle unsere Haustierrassen durch den zielgerichteten Bruch von Wildtieren entstanden sind (mit potenzieller Ausnahme der Hunde, welche höchstwahrscheinlich freiwillige Kulturfolger waren) und das deswegen auch in Zukunft neue Haustiere mit ziemlicher Sicherheit nur durch diesen Eingriff entstehen können (es steht also in erster Linie die Frage nach der Ethik im Vordergrund, schließlich gibt es außer menschlicher Eitelkeit keinen anderen Grund der für die Zucht von Bengalkatzen spricht).
 
  • Wo ist die Grenze zwischen Wild- und Haustier? Beitrag #7
Was mir an der Geschichte widerstrebt ist nämlich diese Willkür, dass gesagt wird bis zur 2./3. Generation ist es eine Wildkatze deren Haltung höchst gefährlich ist (den Richterbeschluss fände ich übrigens selbst wenn es ein echter Serval wäre lächerlich :roll:) bzw. deren Haltung eine Privatperson nicht gerecht werden kann.
Ab der X-ten Generation ist es dann aber eine normale Hauskatze und sie darf selbst in einer Einzimmerwohnung ganz legal gehalten werden.

Ich meine, ich kann's nachvollziehen, dass irgendwo eine Grenze gezogen werden muss, aber auf das WO finde ich für mich selbst keine Antwort und das bereitet mir echt Kopfzerbrechen.

Ja genau hier hakt es und da besteht auch das Problem, natürlich ist nicht F4 noch ein Wildtier und F5 dann schon Haustier, aber wie du schon sagst, irgendwo muss man die Linie ziehen. Besser wäre jedoch immer noch ein Zuchtverbot, dass man diese Linie erst gar nicht ziehen müsste, weil es keine F 1-5 Generationen mehr gibt.

Da ist zuviel davon abhängig, wie die Zucht und vorallem die Aufzucht abläuft, sind da die entsprechenden Elterntiere ausgewählt worden, die auch vom Wesen und Charakter als Haustier geeignet sind, wurde da entsprechend viel Zeit für die Prägung und Sozialisierung auf den Menschen investiert. Wurde man den Tieren in der Haltung gerecht. Während Bengalkatzen meist kaum größer als normale Hauskatzen sind, da es sich bei der Bengalkatze um eine relativ kleine Wildkatze handelt, ist doch ein Serval deutlich größer und damit auch gefährlicher und somit auch die Savannahs, auch muss man den Tieren je nach Größe, auch in ihrem Bewegungsdrang, Sprungvermögen, Temperament, Platzbedarf usw. gerecht werden.

Dass man auch viel in der Haltung falsch machen kann, wird immer wieder zur traurigen Wahrheit, wenn man von Übergriffen und sogar tödlich endenden Attacken von unseren achso gut domestizierten Hunden hört.

Traurige Wahrheit ist, dass es viel zu wenig Auflagen gibt, viel zu wenig Kontrolle, ob Tiere in unseren Haushalten art- und fachgerecht gehalten werden. Es gibt zuwenig Mindestanforderungen die man als Tierbesitzer erfüllen muss und eigentlich sollte es Pflicht sein, dass man ein gewisses Grundwissen über die Ernährung, Bedürfnisse und Haltung seiner Tiere hat, egal welche Tierart.
 
  • Wo ist die Grenze zwischen Wild- und Haustier? Beitrag #8
Um es mit den Hunde zu vergleichen so ist es auch dort so, dass Wolfshybriden sich eigentlich nicht für ein Zusammenleben mit dem Menschen eigenen (und das trotz dessen, dass per Hand aufgezogene, reine Wolfswelpen sogar auch im Erwachsenenalter oft ihren Pfleger noch in ihre Nähe lassen und als einen von ihnen akzeptieren).
Das finde ich interessant, würde mich wirklich interessieren wie der Vergleich bei den Katzen ausfällt.
In Hinsicht auf die Hybridrassen wäre das nämlich nochmal ein ziemlich wichtiges Argument, warum neue Kreuzungen mit Wildkatzen auf keinen Fall gemacht werden sollten.

Letztendlich denke ich, dass die Schwierigkeit von unzähmbaren Individuen bei einer Wildeinkreuzug wie der Bengalzucht immer besteht und da es für diese wilden Exemplare keine "Verwendung" gibt und sie oft ein eher schlechtes Leben führen müssen sollte man die Einkreuzung wohl grundsätzlich ablehnen.
Andererseits ist hier zu bedenken, dass alle unsere Haustierrassen durch den zielgerichteten Bruch von Wildtieren entstanden sind (mit potenzieller Ausnahme der Hunde, welche höchstwahrscheinlich freiwillige Kulturfolger waren) und das deswegen auch in Zukunft neue Haustiere mit ziemlicher Sicherheit nur durch diesen Eingriff entstehen können (es steht also in erster Linie die Frage nach der Ethik im Vordergrund, schließlich gibt es außer menschlicher Eitelkeit keinen anderen Grund der für die Zucht von Bengalkatzen spricht).
Leider gibt es wohl in den meisten neuen Zuchtrichtungen Individuen die "Ausschlusswahre" sind, aber stimmt, ist der Charakter betroffen, ist es für die Tiere selbst wohl doppelt so schlimm. :?
Eine Studie wäre da auch mal interessant, muss sagen es ist oft schwierig zu beurteilen, ob besonders Bengalen zu Unrecht verschrien sind oder die Vorurteile heute noch einen wahren Kern haben.

Ja genau hier hakt es und da besteht auch das Problem, natürlich ist nicht F4 noch ein Wildtier und F5 dann schon Haustier, aber wie du schon sagst, irgendwo muss man die Linie ziehen. Besser wäre jedoch immer noch ein Zuchtverbot, dass man diese Linie erst gar nicht ziehen müsste, weil es keine F 1-5 Generationen mehr gibt.
Absolut. Selbst wenn man es nicht mehr schafft, die Rassen komplett einzustellen, es sollte keine höheren F-Generationen mehr zulässig sein.
Eigentlich schade, dass bisher (soweit ich weiß) keine Organisation hier die Notwendigkeit gesehen hat einzugreifen. Lediglich der Aufschrei bei den Caracats macht bisschen Mut, dass vielleicht doch langsam ein Umdenken einsetzt.

Traurige Wahrheit ist, dass es viel zu wenig Auflagen gibt, viel zu wenig Kontrolle, ob Tiere in unseren Haushalten art- und fachgerecht gehalten werden. Es gibt zuwenig Mindestanforderungen die man als Tierbesitzer erfüllen muss und eigentlich sollte es Pflicht sein, dass man ein gewisses Grundwissen über die Ernährung, Bedürfnisse und Haltung seiner Tiere hat, egal welche Tierart.
Ja - und das gilt wohl nicht nur für Hybridkatzen, die vielleicht auch mit geringem Wildblutanteil noch besondere Bedürfnisse haben, sondern wohl allgemein für jede Tierhaltung. :|
 
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