Leben um jeden Preis

Diskutiere Leben um jeden Preis im Sonstige Haustier & Tiere Forum Forum im Bereich Tiere Allgemein; Hi, da ich in letzter Zeit häufiger durch Freunde und Bekannte darauf gestoßen bin, kreist dieser eine Gedanke durch meinen Kopf: Das geliebte...
  • Leben um jeden Preis Beitrag #1
SoylentGreen

SoylentGreen

Beiträge
3.024
Punkte Reaktionen
43
Hi,
da ich in letzter Zeit häufiger durch Freunde und Bekannte darauf gestoßen bin, kreist dieser eine Gedanke durch meinen Kopf: Das geliebte Tier am Leben halten, um wirklich jeden Preis?

Da ist diese Katze mit großen Krebsgeschwüren am ganzen Körper, inoperabel. Kann schwerlich fressen, schläft viel, aber lebt.
Oder der alte Hund, der sehr mager ist, sich kaum mehr bewegen mag (hier kenne ich das Krankheitsbild nicht, aber es tut mir einfach beim zusehen weh).
Oder das Pferd, das regelmäßig wieder auf seine durch eine ehemalige Maukeinfektion extrem angeschwollenen alten Beine gehoben wird, weil es einfach nicht mehr alleine aufstehen kann. Sich ungern bewegt. Aber es lebt.
Oder ein anderes Pferd bei dem die Hufrehe schon so weit fortgeschritten ist, das eine Therapie aussichtslos ist. Es stolpert dahin unter großen Schmerzen, frisst zwar, meist liegend, ist jedoch abgemagert, aber lebt noch.

Ich frage mich: Können diese Menschen nicht sehen wie sehr ihr Tier leidet? Wollen sie es vielleicht aber auch gar nicht sehen? Wie würde ich mich in so einer Situation verhalten? Könnte ich den klaren Kopf bewahren und entscheiden, dass es nun soweit ist das Tier gehen lassen zu müssen?
Wie viel würde ich meinem Tier zumuten bis ich entscheide, dass es genug ist? Wie viel Egoismus und wie viel Liebe steckt in so einer Entscheidung?
Sind wir es unseren Tieren nicht auch schuldig, dass wir Ihnen einen möglichst schmerzfreien Tod gewähren, wenn wir doch darüber entscheiden können? Sollten wir Ihnen nicht unnötiges Leid nur des Lebens willen, unserer selbst willen ersparen?
Oder müssen wir Zeichen wie Lebenswillen erkennen? Ist ein Tier, das frisst gleich ein Kämpfer? Will so ein Tier noch leben?

Wie geht ihr damit um, wann ist für euch der Punkt erreicht an dem ihr ein Tier gehen lasst?
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #2
Bei mir wäre der Punkt erreicht, wenn ich sehe das mein eigenes Tier kein Spaß und keine Kraft mehr am Leben hat.
Wenn die Lebensfreude die dasTier Jahrelang hatte, erloschen ist und man merkt, dass sein eigenes Tier nicht mehr mag und kann.

Das wäre bei mir der Punkt wo ich sagen würde, ich lasse mein geliebtes Tier in den Himmel gehen.
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #3
Das ist ein sehr heikles Thema - es ist immer eine schwierige Entscheidung, die sicher kein Tierhalter gern fällen möchte.
Wir haben im Laufe der Zeit sehr viele Mäuse und eine Ratte einschläfern lassen (eine weitere ist bei der Tumor-OP gestorben mit nur 9 Monaten). Bei den ersten Mäusen fiel uns das extrem schwer, wir haben gekämpft, probiert, versucht... und letztendlich den Kampf verloren und wollten die Tiere nicht leiden lassen. Bei den späteren Mäuschen wussten wir schon, welcher Leidensweg sie erwarten würde (Stichwort "Kratzmaus" - oder eben auch Tumore, und die kann man bei Farbmäusen einfach nicht operieren (bzw. möglicherweise findet man deutschlandweit eien Handvoll TÄ, die sich das zutrauen...) - da haben wir die Reißleine früher gezogen... Natürlich war das furchtbar und traurig und man fragt sich immer: "War´s jetzt wirklich richtig? Wär´s nicht noch ´ne Woche gegangen?" - aber am Ende haben wir uns gesagt: "Die Tiere leben im Hier und Jetzt. Die wissen nicht, dass sie noch ein paar Tage oder ´ne Woche oder auch zwei länger hätten leben können." (Und wir hätten nie genau gewusst, WIE sie diese Zeit noch gelebt hätten...) Also haben wir sie gehen lassen - gewiss nicht leichtfertig oder weil wir zu faul gewesen wären, uns zu kümmern (das ist dann die Kehrseite der Medaille, die man sich gerade bei so kleinen Tieren auch gern anhören darf: "Ist ja praktischer, sich ´ne neue Maus zu kaufen." :roll: Nee, so sicher nicht...)

Bisher hatten wir das große Glück, dass noch keine von unseren Katzen ernsthaft erkrankt ist - aber auch da würden wir wirklich gründlich abwägen, wie groß Chancen und Risiken z. B. bei einer OP wären, wie viel dem Tier noch zuzumuten ist bzw. zuzutrauen ist... Das Beispiel von der Katze, das Du schilderst - ok, ich kenne die Katze nicht persönlich, aber für mich hört es sich sehr danach an, dass man sie erlösen sollte.

Ich denke schon, dass man ein Gespür dafür entwickelt, wann man ein Tier gehen lassen sollte - und da sollte gewiss nicht der eigene Egoismus im Vordergrund stehen, das Tier so lange wie möglich am Leben erhalten zu haben. Viele Tiere zeigen ohnehin erst viel zu spät, dass es ihnen schlecht geht... und wenn sie es zeigen, ist es meist schon 5 nach 12...

LG, seven
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #4
Hallo.
Bisher habe ich viele Hamster von mir einschläfern lassen.
Eigene- sowie Pflegehamster.
Viele von ihnen hatten Tumore, und wäre ansonsten dran erstickt oder ähnliches.
Manche lebten nach einer OP noch ein paar Monate, andere konnten nicht operiert werden..
Meine Snow... habe ich bis zum letzten Tag mit der Plastikspritze gefüttert, immer frischen Brei gemacht, ich habe diesen Hamster wirklich geliebt wie nie wieder einen anderen. Sie war so wie Susi jetzt mein absolutes Seelen Tier.
Sie blieb immer bei mir, ähnlich wie eine Ratte.. hach.
Irgendwann sah ich ihr aber an, dass sie "gehen wollte"... sie verlor das Licht in ihren Augen und machte einfach nichts mehr.
Ich wusste sofort "okay mein Schatz".. habe einen Termin ausgemacht und sie einschläfern lassen.
Davor waren wir schon öfters bei der TÄ und wir haben abgesprochen, dass wir kommen wenn ich denke, dass es soweit ist.

Susi wird das erste andere Tier, dass ich gehen lassen muss.
Ich glaube, dass man einfach in die Augen schauen muss.. ob das jetzt richtig rüber kommt!?
Hat ein Tier noch Lebenswillen, sieht man es in den Augen.
Wenn es DEN verliert, finde ich ist es an der Zeit sich mit der Erlösung zu beschäftigen.
Natürlich mit dem gesundheitlichen Zustand kombiniert.

Wer sich die Verantwortung "ins Haus holt" , muss auch die Verantwortung für diesen Zeitpunkt übernehmen.
Es ist unsere Pflicht als Halter und Freund!
Kein Tier sollte leiden, nur weil der Halter damit nicht zurecht kommt, das Tier gehen zu lassen!
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #5
Wir hatten vor Jahren die furchtbar schwere Entscheidung zu treffen, als die kleine Pekinesenhündin von meiner Schwägermutter eine schwere Gebärmutterentzünung hatte und vor Schmerzen nicht mal mehr aufstehen konnte. Da standen wir beim Tierarzt und mussten uns entscheiden: entweder eine Operation riskieren, wobei man bei einer bereits 16 Jahre alten Hündin noch nicht mal wüsste, ob sie die OP übersteht (und wenn, wie und ob sie hinterher wieder auf die Beine kommt), oder einschläfern lassen. Wieviele Tränen sind an dem Nachmittag geflossen. Dieses flaue Gefühl in der Magengegend, dieses Gefühl von Machtlosigkeit, und dann der Blick von Mini, voller Dankbarkeit, als die erste Beruhigungsspritze wirkte, die Schmerzen nachliessen, ohne zu wissen, dass danach die tödliche, endgültige Spritze kam. Das werde ich nie im Leben vergessen und jetzt noch kommen mir die Tränen.

Haben wir richtig gehandelt? Hätte man Mini noch retten können? Hätte sie so eine schwere OP überstanden und hätten wir ihr noch ein paar Jahre schenken können???

Wahrscheinlich verfolgen mich diese Fragen bis an mein Lebensende.
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #6
Haben wir richtig gehandelt? Hätte man Mini noch retten können? Hätte sie so eine schwere OP überstanden und hätten wir ihr noch ein paar Jahre schenken können???
Elke, genau das ist es, was ich meine: Mini lebte im Hier und Jetzt. Sie hätte nicht gewusst, ob sie noch weitere Zeit gehabt hätte.
Das soll natürlich nicht heißen, dass man jetzt leichtfertig bei jedem Kinkerlitzchen hingeht und sagt: "Ok, der weiß es nicht, also lassen wir ihn einschläfern". Aber ein 16jähriger Pekinese - mit einer solchen Diagnose und v. a. dem enorm großen Risiko, ob sie die OP überhaupt übersteht - das ist ein anderes Kaliber... Und Du sagst ja selbst, dass Ihr gemerkt habt, wie sich Mini entspannt hat...
Sie wird es Euch nicht übel genommen haben, wohl eher im Gegenteil...
Wie gesagt, man steckt nie drin... Aber ich bin der Meinung: Lieber ein paar Tage weniger Leben, als ein paar Tage qualvolles Leben zuviel...
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #7
Ich schließe mich an.
Es kommt aufs Tier an. Zeigt es Lebenswillen? Man sollte natürlich nicht aus eigenem Egoismus handeln, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Loretta war eine wahnsinnige Kämpferin. Das stärkste und lebenslustigste Seelchen das ich je kennenlernen durfte. Sie hat es mir nicht einfach gemacht... Sie hatte bei fast allem was ein Kaninchen bekommen kann "hier" geschrien, so schien es mir. Ich hab mit ihr gekämpft - weil sie leben wollte. Es tat mir unendlich weh, sie so zu sehen. Am liebsten hätte ich sie viel früher gehen lassen. Viele Außenstehende drängten mich beinahe dazu. Aber SIE wollte eindeutig und unmissverständlich leben. Sie hat sich immer bei Behändlungen oder Säuberungen gewehrt, fraß super, hat sich mit ihren Artgenossen beschäftigt, bettelte nach Leckerlis, robbte mit ihren kaputten Beinchen so gut es geht umher, ihre gesamte Umgebung war unheimlich spannend, musste alles im Raum untersuchen und fand alles auf dieser Welt toll und lebenswert.
Auf den ersten Blick sah es nach reinster Quälerei aus sie am Leben zu lassen. Hätte ich es vorzeitig beendet wäre es aber bei ihr nicht weniger als Mord gewesen, denn sie wollte leben.

Thor ist genau andersherum. Er hat chronischen Schnupfen, hier etwas Verstopfungen, da etwas Untergewicht, dort mal ein kleines E.C. Schübchen. Ja es ist nicht lustig bei ihm, aber eigentlich geht es ihm „gut“. Trotzdem hat er nicht diesen Kampfgeist und seine Lebensfreude ist bei weitem nicht so groß. Er wird viel früher gehen, auch wenn sein Körper vielleicht noch ein gutes Stück könnte. Er würde gar nicht so lange wollen… Er findets ja jetzt schon relativ blöd…

Bei Loretta war es so schwer, weil sie immer noch wollte und wollte obwohl ICH beinahe am Ende meiner Kräfte war, das alles mitzumachen. Thors Körperchen kann viel länger aber ich bin mir sicher, dass er viel früher gehen mag als andere, wenn sie in seiner Situation stecken würden.
Wenn es eines Tages soweit ist, weiß ich, dass ich ihn nicht gehen lassen will, weil er noch länger könnte aber auch dann darf er gehen. Auch wenn andere dann vielleicht schreien, wie ich das nur tun kann, er hätte doch noch länger gekonnt. Nein nicht gekonnt, dann hätte er gemusst. Ich will niemanden zum bleiben zwingen, genauso wie ich niemanden zum gehen zwingen will.
Es wird mir erneut das Herz brechen… immer wieder…
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #8
Hallo,

ich kann mich da dem Grundtenor nur anschließen und mag für mich noch ergänzen, dass ich das ersten ganz individuell vom einzelnen Tier,
aber auch von der Tierart und deren Lebensform abhängig machen.

Will heißen, mit meinen Meerschweinchen/Kaninchen/Mäusen gehe ich den Weg solange wie ich ein Tier habe, dass noch am Gruppenleben teilnimmt (bzw. es mit seinem eigenen Willen versucht), das noch frisst (egal ob nur gepäppelt oder selbst, aber zumindest gewollt und nicht mit reiner Gewalt erzwungen) und dass sich noch für seine Umwelt interessiert (also nicht apathisch und vollkommen weggetreten in der Ecke sitzt). Ich hatte hier schon Tiere, da war es eine schnelle und frühe Entscheidung - z.B. bei Peppone einem Kaninchen, dass es gehasst hat angefasst zu werden und jedes Päppeln, jede Medigabe war reiner Stress und ich hatte Tiere, da war es ein langer, am Ende dann doch sinnloser Kampf - z.B. bei Esmiralda einem Kaninchen mit Mammatumoren und am Ende Nierenversagen, sie hat gekämpft und ließ sich alles gefallen wie als hätte sie gespürt, dass ich ihr nur helfen will. Diese Tiere sind aber alle Fluchttiere, anfassen ist mehr Stress als Genuss und sie wollen mit mir eigentlich gar nichts zu tun haben - somit ist das Leben für sie, aus meiner Sicht, nur noch eine Qual, wenn es aus ständigem Anfassen, ständigen Schmerzen und ständigem Stress besteht (wie gesagt, manchen kann man das in Abhängigkeit der Heilungssaussicht länger antun, anderen eben nicht).

Bei meinen Hunden sehe ich das etwas anders. Anfassen, Körperkontakt und auch die ein oder andere "Zwangsmaßnahme" (Festhalten beim Infundieren etc.) haben da einen ganz anderen Charakter, da ich meinem Hund ganz anders klar machen kann, was ich von ihm will. Sicher kann ich ihm nicht alles ins Detail erklären, aber ein Hund achtet auf meine Ausstrahlung, auf mein Verhalten und orientiert sich an mir. Trotzdem sollte die Lebensqualität gewahrt sein. Bei meinem Giotto (RIP) wurde Prostatakrebs diagnostiziert, inoperabel, lediglich mit einer Chemo hätte man es versuchen können. Der Hund war zu diesem Zeitpunkt 12 Jahre alt und herzkrank. Ich entschied mich für einen reine Schmerztherapie. Giotto lebte mehrere Monate fast vollkommen normal. Beginnende Schwächen (durch Metastasen an den Hüften und den wachsenden Tumor) ließen sich mit einer Erhöhung der Schmerzmittel mehrmals gut abfangen und ich genoss einfach jeden Tag mit ihm. Er marschierte stundenlange Spaziergänge mit, wälzte sich im Dreck, fraß mit Hingabe alles, was er fand und lebte einfach - trotz dass er hin und wieder hinten einknickte, beim Kacken und Pinkeln Schmerzen hatte oder andere Sachen uns beide an den Tumor erinnerten. Dann konnte er von einem auf den anderen Tag nicht mehr pinkeln und krümmte sich vor Schmerz. Einen Tag hielt ich es durch in mit Schmerzmitteln voll zu pumpen und ihm alle 3 Stunden einen Blasenkatheter zu schieben. Einen Tag, der die Hölle auf Erden war. Da war nichts mehr von meinem kleinen tapferen, moffeligen Hundeopa, da war nur noch ein Häufchen Elend, welches mich flehend ansah und mit jedem Blick darum bat gehen zu dürfen. Mit Kortison und Blasenkathetergeschiebe hätten wir ihn noch locker ein paar Wochen "durch bekommen", aber wozu? Ich wollte, dass er den letzten vier Stunden Spaziergang im Wald ein paar Tage zuvor, den Hähnchenschenkel, den ihm meine Mutter mitgebracht hatte, die ellenlange Schmusestunde mit mir am Morgen des Tages, da er nicht mehr pinkeln konnte in Erinnerung behalten konnte und nicht an Blasenkatheter, Schmerzen und meine zahllosen Tränen denken musste, wenn er einschlief. Und deshalb kam die Entscheidung ziemlich schnell, irgendwie auch plötzlich (das WE davor waren wir noch groß wandern) und trotzdem fühlte sie sich richtig an. Und Giotto lag neben mir auf seiner Decke, ich musste ihn nicht mal festhalten zum Zugang legen (er war sonst ein echtes Biest, wenn es um Spritzen und sowas ging), er lehnte sich an mich, hielt dem TA die Pfote hin und war vollkommen entspannt. Er sah mich an, seufzte und schlief ein. Und bis heute bin ich so unendlich froh, dass ich es geschafft habe für ihn zu entscheiden und nicht für mich und meinen Egoismus, meine Trauer und meinen Schmerz.

Ich hoffe, dass ich das bei meinen anderen Hunden auch kann.
Bei den Kleintieren bekomme ich langsam aber sicher Übung, auch wenn es jedes Mal aufs Neue schwer ist und einfach nur unendlich weh tut.
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #9
Kann mich (mal wieder:p) Tompina im Großen und Ganzen anschließen.

Bei einem Tier, das es eben nicht als Dauer-Bedrohung empfindet angefasst zu werden würde ich auch immer eher noch mehr tun/versuchen.
Was den Lebenswille betrifft:

Unsere Dackelhündin wollte mit aller Macht immer noch.
Tumore im ganzen Körper, blind, fast taub, Arthrose, Bandscheibenvorfall, massive Herzprobleme und noch einige andere Zipperlein haben sie nicht davon abgehalten mit ganzem Einsatz und ziemlich "wütend" das weiter durchzuziehen was sie wollte. Dackel wie er eben im Buche steht.

Und trotzdem war ich unglaublich erleichtert als meine Eltern endlich eingesehen haben, dass es einfach nicht mehr geht.
Zu dem Zeitpunkt konnte sie sich nicht mal mehr selbstständig auf den Bauch rollen und bestand eig. nur noch aus Schmerzen.

Wäre es nach mir gegangen wäre sie auch schon viel früher gegangen, aber da war eben immer dieser extreme Kämpfergeist, der meine Eltern diese Entscheidung nicht hat treffen lassen- was nicht im Interesse des Tieres war.

Das Einschläfern an sich war auch nicht sonderlich friedlich, weil die kleine Giftkröte den TA nochmal beißen wollte und sich entschieden zur Wehr gesetzt hat.
Erst als die 1. Spritze anfing zu wirken und die Muskulatur sich entspannt hat, hat man erst wirklich gemerkt wie extrem dieser Hund eigentlich unter Dauerspannung gestanden hat um überhaupt noch den Kopf heben zu können.

Kampfgeist und Lebenswille ist also nicht immer ausschlaggebendes Kriterium- wenn es einfach nicht mehr geht, keine Option auf Besserung der Situation ist müssen auch kleine Kämpfer erlöst werden.
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #10
Ich finde beim eigenen Tier ist das schwieriger. Als Aussenstehender ist es immer einfach zu sagen, dass Tier leidet und muss erloest werden.
Als Besitzer klammert man sich an den letzten Strohhalm. Wenn der Hund eben nochmal dem Ball hinterher rennt, obwohl er schwer krank ist, kann das als Zeichen gewertet werden, dass es eben doch nochmal bergauf geht.
Mir wuerde es da nicht anders gehen und da kann man sich noch so fest vornehmen, alles ganz anders zu machen.
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #11
Ich finde beim eigenen Tier ist das schwieriger. Als Aussenstehender ist es immer einfach zu sagen, dass Tier leidet und muss erloest werden.
Als Besitzer klammert man sich an den letzten Strohhalm. Wenn der Hund eben nochmal dem Ball hinterher rennt, obwohl er schwer krank ist, kann das als Zeichen gewertet werden, dass es eben doch nochmal bergauf geht.
Mir wuerde es da nicht anders gehen und da kann man sich noch so fest vornehmen, alles ganz anders zu machen.
Das ist der springende Punkt - das eigene Tier betrachtet man aus einem ganz anderen Blickwinkel und man kann manchmal nicht so sachlich dran gehen, wie man das gerne möchte und vielleicht auch sollte. Möglicherweise ist das auch ein Lernprozess, denn ich kann mich erinnern, dass ich bei Billy, meinem ersten Kaninchen, damals wirklich alles Erdenkliche versucht habe, damit er wieder wird. Ich habe wahrscheinlich viel zu lange versucht, noch ein bisschen Leben aus ihm rauszupressen, weil ich es nicht wahrhaben wollte und ich habe es ihm sicherlich sehr schwer gemacht zu gehen, auch wenn ich es nur gut gemeint habe. Trotzdem war da auch eine ordentliche Portion Egoismus dabei, denn ich wollte nicht Abschied nehmen müssen. Es war das erste Mal, dass ich so eine Entscheidung zu treffen hatte und die war wirklich verdammt schwer.
Danach habe ich das noch einige Male machen müssen, erst mit Meerschweinchen, dann mit Hamstern und eben auch mit Katzen. Es ist jedes Mal schwer, aber ich habe das Gefühl, dass man mit wachsender Erfahrung doch vernünftiger an solche Entscheidungen herangeht. Nie ohne Tränen, das ist klar, aber ich habe heute das Wohl der Tiere mehr vor Augen als vor 15 Jahren.
Bei meiner ersten Katze habe ich z.B. auch nicht lange gezögert und relativ schnell eine Entscheidung getroffen. Da lag es einfach daran, dass es für sie der absolute Horror war, in die Box zu müssen und sie mit ihrer Epilepsie eigentlich keinen Stress haben sollte. Wie sollte ich damals verantworten, sie alle 3 - 4 Wochen zum qualvollen Blutabnehmen zu zwingen? Ihr auch in schlechten Momenten alle 12 Stunden die Antiepileptika zwangsweise reinwürgen? Für sie war das überhaupt keine Lebensqualität mehr, sie hat nicht verstanden, was ich ihr ständig antun musste. Und als sie dann angefangen hat, die Medikamente wiederholt zu erbrechen, habe ich sie nicht länger quälen wollen. Und ich hab mir von meinem damaligen Freund angehört, dass ich sie einfach getötet hätte :?. Das war alles mögliche von schrecklich bis herzzerreißend, aber ganz sicher war es nicht einfach.

Ich weiß, dass mir solche Entscheidungen in wahrscheinlich nicht allzu ferner Zukunft wieder bevorstehen. Unsere Katzen Tequila und Rambo sind unsere "Senioren", Tequila ist 14 , Rambo wird wahrscheinlich zwischen 11 und 13 Jahren ungefähr sein. Beiden merkt man ihr Alter schon an und ich weiß, dass die wenigsten Katzen 20 Jahre alt werden. Aber ich bin mir mittlerweile sicher, dass wir, wie bei Baghira vor 2,5 Jahren, den Zeitpunkt bemerken werden, wenn es soweit ist dass sie nicht mehr wollen und können. Und vielleicht hat ja auch die eine oder andere unserer Katzen mal das Glück, einfach nur friedlich einzuschlafen und nicht wieder aufzuwachen.
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #12
Ich habe mir nicht alle antworten durchgelesen, erstmal vorweg...:uups:

Ich musste auch schon einen Hund einschläfern und zig Kaninchen und Meerschweinchen. Die Vögel sind zum Glück immer so gestorben.
Wir haben immer abgewägt, bringt das alles noch was? Hat es nch Spaß am Leben? Es fällt einem nie leicht.
Besonders bei unserem Hund nicht.
Mein Onkel und ich wollten das er geht. Er hatte keine Kraft mehr, meine Tante aber wollte das er lebt. Er hatte Demenz, Wasser in der Lunge, Tumor, Herzstörungen etc. Er war nur noch ein elendiges Bild. Naja dann haben wir ihn wieder mitgenommen(3 Tage später solte er sonst stationär behandelt werden, aber auch das wäre nur eine chance von 6% das er länger leben hätte können.)Am Abend fiel dann nach vielem überreden(Und glaubt mir, das war nicht leicht vom Tod zu überzeugen wenn man doch selber trauert)der entschluss, wir hatten für 9 Uhr am folgetag einen termin zum gehen lassen. Die Nacht war die reinste hölle, er hat sich in mein Zimmer gequält, neben mein Bett. Ich habe noch eine Nacht neben ihm geschlafen(Bin auf den Boden mit vielen Decken für uns gekommen... Es fällt schwer jemanden zu überzeugen, wenn es für einen selber schmerzt, aber man muss nunmal die beste entscheidung für das Tier treffen.

Anders war es mit den Kaninchen und Meerschweinchen, da durfte ich immer entscheiden und auch da fiel es mir nicht leicht, aber ich kann mich eben in das Tier hineinversetzen...

Auch einen Kater mussten wir gehen lassen, er war nur 4 Monate alt geworden. :(

Bei meiner Kaninchendame Molli, die mich fast 10 Jahre begleitete, war es so dass wir sie haben 5 mal vom Tode befreien können. Sie war 5 mal so schwer krank, dass der TA kaum eine chance sah, aber immer kämpfte, wenn ich es wollte und das war auch die beste entscheidung, denn mit viel Liebe und Pflege sprang sie immer wieder von der schippe und hatte wieder Freude am Leben wie ein jungspund. Nu beim 6. mal musste ich sie gehen lassen, denn sonst wäre sie irgendwann elendig gegangen, dass wollte ich der Dame ersparen, die mir soviel half im Leben...
 
  • Leben um jeden Preis Beitrag #13
Ich finde beim eigenen Tier ist das schwieriger. Als Aussenstehender ist es immer einfach zu sagen, dass Tier leidet und muss erloest werden.
Als Besitzer klammert man sich an den letzten Strohhalm. Wenn der Hund eben nochmal dem Ball hinterher rennt, obwohl er schwer krank ist, kann das als Zeichen gewertet werden, dass es eben doch nochmal bergauf geht.
Mir wuerde es da nicht anders gehen und da kann man sich noch so fest vornehmen, alles ganz anders zu machen.

Ich muss sagen, dass ich davor - gerade bei Giotto - eine Heidenangst hatte. Ich hatte zwar meerschweinchen- und kaninchentechnisch einiges durch, aber wie schon gesagt, ist ein Hund nochmal etwas anderes, einfach weil man da mehr machen bzw. zumuten kann. Und trotzdem behaupte ich, dass ich eben nicht blind war, dass ich eben nicht versucht habe zu klammern, nur weil ich nicht loslassen konnte. Mein TA kam sogar einige Tage später zu mir und hat gesagt, dass er selten Menschen erlebt, die ihr Tier so einfach und selbstlos gehen lassen konnten...sein Alltag bietet immer wieder die Gradwanderungen zwischen Qual und "es geht noch" und er hat auch schon oft mit sich selbst gehadert, weil er eben doch noch weiter gemacht hat, obwohl das Tier schon lange austherapiert war. Von meinem TA kann ich behaupten, dass er das den Menschen auch vermittelt und sich nicht um des Geldes Willen weiter macht, aber traurige, wütende Menschen sind keine einfache Kundschaft...

Und wie Ina sagte, braucht es vielleicht tatsächlich auch Erfahrung um immer mehr den Blickwinkel des Tieres zu berücksichtigen und nicht sich selbst.
 
Thema:

Leben um jeden Preis

Leben um jeden Preis - Ähnliche Themen

Ist Reiten noch zeitgemäß?: Hallo ;) Dieser Artikel hat mich sehr nachdenklich gemacht. Ich habe lange überlegt, ob ich das hier schreiben soll und auch wie ich es...
Hass auf Zwergkaninchen: Nein - ich hasse keine Zwergkaninchen. Ich liebe sie! Aber eines meiner Kaninchen wird gehasst. Es wird dafür gehasst das es lebt obwohl es krank...
Keinen Bock mehr auf 2013: Dieses Jahr, es ist einfach nur zerstörerisch. Alles Negative ballt sich und trifft uns. Sorgen und Probleme wurden immer mehr und irgendwann auch...
Tierschutz – ist es wirklich so schwer?: Ich liebe Tiere. Meine eignen natürlich ganz besonders, aber auch die anderen. Die, die sonst keiner liebt. Die, die zu mir kommen, weil sie nicht...
meine Katze Miezi und ich: Zunächst möchte ich alle Tierfreunde und speziell die Trauernden unter euch recht herzlich grüßen. Ein inniges und emotional tief verwurzeltes...

Neueste Beiträge

Oben