Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration

Diskutiere Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration im Hunde Gesundheit Forum im Bereich Hunde Forum; Hallo zusammen, wie ja sicher einige von euch schon gelesen haben ist mein geliebter Ringo letzten Monat mit 14 Jahren gestorben. Da ein Leben...
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #1
Kompassqualle

Kompassqualle

Beiträge
8.045
Punkte Reaktionen
3
Hallo zusammen,

wie ja sicher einige von euch schon gelesen haben ist mein geliebter Ringo letzten Monat mit 14 Jahren gestorben. Da ein Leben ohne Hund für mich auf lange Sicht nicht in Frage kommt beschäftige ich mich bereits mit der Frage woher Ringos Nachfolgerin einmal herkommen soll.

Im Grund kommt für mich eigentlich nur wieder ein Mischling aus dem Tierschutz in Frage, auch einer aus dem Ausland (Ringo kam z.B. auch aus Griechenland).

Nun habe ich mich schonmal ein wenig umgesehen auf verschiedenen Seiten und muss gestehen, da gibt es doch eine Sache die mir irgendwie ein schlechtes Gefühl macht und das sind die im Tierschutz offenbar immer weiter verbreiteten Frühkastrationen.

Mir ist schon klar, dass gerade für den Auslandstierschutz manchmal andere Gesetze gelten, aber nicht selten habe ich jetzt auf den Seiten gesehen, dass selbst Welpen unterhalb von 6 Monaten nur kastriert abgegeben werden.
Nun sind derartige Frühkastrationen aber durchaus ein kontroverses Thema, in den USA sind sie beliebt, wegen der damit verbundene Neotenie (der Kindbleibung), die Hunde sind anhänglicher, unterwürfiger, verspielter und zeigen auch anderen Hunden gegenüber nur ein welpenhaft-verträgliches Sozialverhalten.
Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass der Hund geistig nicht erwachsen wird, dass er sich bei anderen Hunden nicht durchsetzen kann und häufiger gemobbt wird, bei Hündinnen können sich Angst- und Unsicherheitsprobleme verstärken. Manchmal heißt es auch die geistigen Fähigkeiten würden darunter leiden (Arbeitshunde z.B. zur Blindenführung oder Polizeieinsatz werden grundsätzlich nicht frühkastriert, da sie dann weniger leistungsfähig sind).

Nun bin ich nicht grundsätzlich gegen Kastrationen, aber ich kann nicht verstehen, warum mittlerweile offenbar sogar noch so viele Welpen fix kastriert werden müssen, wenn sie doch sofort danach in ein behütetes Heim in Deutschland kommen. Hier ist von seiten der Tierschützer gut gemeint sicher nicht immer gleich auch gut gemacht. Würde ich so einen Welpen übernehmen und er oder sie entwickelt ein Problem mit Unsicherheiten und Ängstlichkeit, oder wird auf der Hundewiese ein chronisches Mobbingopfer, so würde ich mich wohl für immer fragen, ob nicht die Frühkastration dafür verantwortlich ist und ich damit dann auch mit schuld bin an dem Leid des Hundes, da ich durch die Übernahme ja die Praxis der Frühkastration billigend in Kauf genommen habe.

Was also tun? Für mich kommt nur ein jüngerer Hund in Frage (bis maximal drei Jahre), am liebsten eine Hündin, aber es scheint ziemlich schwer zu sein eine junge Hündin im Tierschutz zu finden, die nicht frühkastriert wurde.

Wie seht ihr das, oder habt ihr dahingehend Erfahrungen? Wie steht ihr zur Frühkastration im Tierschutz und wäre es für euch ein Kriterium dass ihr vor der Übernahme überdenkt, oder wäre es euch egal ob euer Welpe vor der Reise zu euch noch kastriert wird oder eben nicht?
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration

Anzeige

  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #2
Ich würde da keinen Hund herholen. Mir kann auch niemand erzählen, dass man in deutschen Tierheimen keinen Hund unter 3 Jahren findet.

Ich würde keinen sogenannten Tierschutzverein unterstützen, wo Hunde frühkastriert werden. Ich habe genug frühkastrierte Problemhunde in der Hundeschule gesehen. Und die Probleme, welche durch die frühe Kastration entstanden sind kriegt man halt nicht mehr weg.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #3
Ich rate mal bisschen rum:
Hunde im Auslandstierschutz - wer kann garantieren wo die landen? Evtl. nicht in Deutschland, wo das Thema "kastrieren" anders gehandhabt wird?
Hier bei mir in Irland sind nur wenige Hunde kastriert. Da wird lustig aufeinander losgelassen und um den Rest kümmert man sich später....
Eine ehemalige Arbeitskollegin (mit sehr, sehr vielen Hunden mittlerweile....) fragte mich vor 3 Jahren, was das bedeutet, wenn ihr Hund auf dem anderen Hund draufhockt und sich nicht mehr lösen kann für 30min.
Ich hab ihr natürlich nur gratulieren können zum anstehenden Wurf :roll: Sie glaubte mir nicht, bis es offensichtlich war, dass die Hündin gedeckt wurde. Sie bekam 8 Welpen und für keinen einzigen konnten sie ein passendes Zuhause finden.
Ich hab ihr wochenlang in den Ohren gelegen, die beiden Althunde kastrieren zu lassen, bevor es wieder passiert.
Aufpassen ist ja offensichtlich nicht so angesagt. Ich hab keine Ahnung, wie das ausgegangen ist - ich sehe sie nicht mehr.
So, und Situationen wie diese, sind hier in Irland an der Tagesordnung. Und genau deswegen werden Hunde kastriert in dem Moment, wo sie sich im Tierschutz wiederfinden. Ohne Ausnahme und ohne aufs Alter zu schauen. Hauptsache man verhindert weitere Hunde um jeden Preis.
Die Hundehaltung wie in Deutschland ist hier in Irland kaum vertreten. Hunde sind draussen auf dem Grundstück und wenn sie ausbüxen, dann interessiert das niemanden. Wird schon wiederkommen. Oder auch nicht.
Ich verstehe die Verzweiflung der Tierschutz-Orga's und die generelle Kastrierung von allen Hunden, die reinkommen, ohne Rücksicht aufs Alter.
Wenn Du einen unkastrierten Hund möchtest, wirst Du wohl a)sehr lange suchen müssen, oder b) Dir aus deutscher Hand einen Hund suchen müssen.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #4
Wie ich bereits sagte gelten für den Tierschutz in anderen Ländern oft andere Gesetze, das rechtfertigt für mich aber nicht, dass man nicht mehr nach Einzelfall entscheidet.

Nehmen wir an in einem Tierheim in Spanien/Italien/Griechenland/Portugal/Rumänien ...etc wurde ein Wurf Welpen aufgelesen. Zuckersüß wie die kleinen Welpen sind finden sie dank Internet sehr schnell Interessenten in Deutschland. Damit sie legal einreisen können müssen sie mindestens 4 Monate alt sein und gegen Tollwut geimpft. In der Zeit die man abwarten muss bis der Welpe in sein neues Heim in Deutschland reisen darf, wird er dann noch schnell frühkastriert weil man das eben so macht im Tierschutz und 'kastrieren immer gut ist'. Mit gerade verheiltem Kastrationsschnitt sitzt dann der etwa rund 5 Monate alte Welpe in der Transportbox Richtung Deutschland um da von seiner neuen Familie in Empfang genommen zu werden.
Für mich ist das eher blinder Aktionismus und fehlende Differenzierung und hat im Grunde nichts mehr mit Tierschutz zu tun. Die Folgen der Spätkastration belasten die Hunde unter Umständen ein Leben lang.

Wenn also klar ist, dass ein junger Hund sehr bald zu seiner Familie nach Deutschland umziehen wird gibt es für mich keine Rechtfertigung warum man ihn zwangsweise kastrieren sollte, im Gegenteil ich finde das dann kein Stück besser als wenn hierzulande (oder in den USA wo das sogar üblich ist) jemand seinen Welpen kastrieren lassen will damit dieser eben immer so schön kindlich, welpenhaft und "einfach" bleibt und weniger Dreck macht.
Zum Glück wird man in Deutschland kaum einen Tierarzt finden, der einem ohne medizinische Notwendigkeit einen Welpen frühkastriert - aus meiner Sicht zu Recht.

Ich für meinen Teil fühle mich in der Lage auch einen intakten Hund so zu führen, dass sie oder er keinen ungewollten Nachwuchs bekommt, das jemand anders das vielleicht nicht kann ist für mich trotzdem kein Grund mir persönlich einen frühkastrierten Welpen ins Haus zu holen und dann dem Hund und mir die daraus resultierenden Probleme anzutun. Wenn der Hund kastriert werden soll unterschreibe ich jederzeit einen Schutzvertrag in dem verankert ist, dass ich dies später auf Eigenkosten durchführen lassen wenn der Hund erwachsen ist.

In der Tat werde ich deswegen wohl länger suchen müssen bis ich irgendwann wieder "meinen" Hund gefunden habe, aber ich hoffe und denke ja noch, dass es nicht unmöglich sein wird und einige Tierschutzvereine doch noch mit ein wenig Verstand und Differenzierung an die Themen Vermittlung und Kastration rangehen.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #5
Zum Glück wird man in Deutschland kaum einen Tierarzt finden, der einem ohne medizinische Notwendigkeit einen Welpen frühkastriert - aus meiner Sicht zu Recht.

Schön wärs.
Ich hatte regelmäßig welche im Training, die in Deutschland geboren und frühkastriert wurden.

Highlight war ein mit 5 Wochen frühkastrierter Dobermann. Der musste wegen irgendwas (keine Ahnung mehr was das war...^^) operiert werden mit eben 5 Wochen und weil man grad dabei war wurde halt auch direkt kastriert.


Ganz grundsätzlich:

Frühkastraten würde ich persönlich mir bewusst und/oder gezielt nicht ins Haus holen.
Ich verstehe durchaus die Praxis, die dahinter steckt, aber ich hätte einfach keine Lust auf ein so ewiges Baby.
Zumal ich Frühkastraten im Training auch durchaus als recht...anstrengend empfunden habe.

Durchaus lernwillig und so, aber häufig einfach eben Welpe im Kopf.
Mit allen Konsequenzen, die das halt so nach sich zieht.

Davon abgesehen:

Warum ein Hund aus dem Ausland?
Gibt es da ein bestimmtes Kriterium nach dem du da gehst?

Unkastrierte Hündinnen wirst du mit ziemlicher Sicherheit eher hier vor Ort finden.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #6
Es gibt aber immer wieder genug "Upsala-Würfe" und ich glaube, genau das wollen die Tierschützer damit vermeiden.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #7
Schön wärs.
Ich hatte regelmäßig welche im Training, die in Deutschland geboren und frühkastriert wurden.
Echt, ist es soweit, dass hierzulande mit dem Mist jetzt auch schon angefangen wird :shock:

Davon abgesehen:

Warum ein Hund aus dem Ausland?
Gibt es da ein bestimmtes Kriterium nach dem du da gehst?

Ohne jetzt in eine Diskussion Auslandshunde ja/nein auszubrechen; für mich ist Auslandstierschutz grundsätzlich nicht mehr oder weniger Wert als Innlandstierschutz, zumal Hunde im Ausland oftmals ganz konkret von Tod und extrem schlechter Haltung bedroht sind, im Gegensatz zu Hunden in deutschen Tierheimen. Dennoch kommt natürlich auch ein Hund aus einem hiesigen Tierheim für mich in Frage. Allerdings empfinde ich es dort als sehr viel schwieriger einen Hund zu finden, zumindest wenn man eine mittelgroße, freundliche und jüngere Mischlingsdame haben möchte.
Trotzdem schaue ich auch in den Anzeigen der umliegenden Tierheime, da es natürlich einen unschlagbaren Vorteil bietet wenn man den Hund direkt vor Ort kennen lernen kann.

Unkastrierte Hündinnen wirst du mit ziemlicher Sicherheit eher hier vor Ort finden.
Die muss ja nicht unkastriert sein, sie sollte halt nur nicht frühkastriert sein, aus all den Gründen die du auch aufgezählt hast. Eine Hündin die erst nach der Reife kastriert wurde wäre überhaupt kein Problem für mich :)
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #8
Leider, ja. Zumindest bei einem TA weiß ich, dass da die Kastra mit 4 Monaten empfohlen wird...

Ich wollte da auch nicht diskutieren, sondern nur wissen was da wichtige Kriterien für dich sind :)

Mh.
Wenn eine spät kastrierte Hündin für dich ok wäre findet sich bestimmt was :)

Gerade Hunde, die erwachsen von der Straße geholt werden fallen ja da rein :)

Gesendet von meinem RAINBOW 4G mit Tapatalk
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #9
Nun sind derartige Frühkastrationen aber durchaus ein kontroverses Thema, in den USA sind sie beliebt, wegen der damit verbundene Neotenie (der Kindbleibung), die Hunde sind anhänglicher, unterwürfiger, verspielter und zeigen auch anderen Hunden gegenüber nur ein welpenhaft-verträgliches Sozialverhalten.

Ich kenne nicht einen Hund, der aus diesen Gruenden Fruehkastriert wurde.

Im Tierschutz hier ist das ein absolutes Muss. Man kann das nicht mit einem deutschen Tierheim vergleichen. Es gibt keine Nachkontrollen oder Vorkontrollen. Ich wurde einmal angerufen, ob es Coco gut geht. Ich haette denen sonstwas erzaehlen koennen.

Das die Hund nur kastriert rausgegeben werden ist eine ganz feine Sache. Es gibt zuviele Idioten. Meine beiden Huendinnen wurden mit ca. 1 Jahr kastriert und das wuerde ich jederzeit wieder so machen. Hier auf dem Land hat man dann naemlich ganz ploetzlich 10 Rueden vor der Haustuer sitzen. Meine beiden sind zwar nie unbeaufsichtigt draussen, aber jeder Spaziergang waere ja eine Qual.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #10
Ich bin überrascht, wie sehr sich die Folgen von Frühkastrationen bei Hunden und Katzen zu unterscheiden scheinen.

Bei Katzen werden Frühkastrationen offenbar immer populärer und es wird behauptet, dass es keinerlei Probleme dadurch gibt, höchstens ein minimaler Wachstumsunterschied, dies kann angeblich auch durch Studien belegt werden.

Nur interessehalber, gibt es Publikationen über die Folgen von Frühkastration bei Hunden?


Was ich auch spannend finde, ist dass du evtl. auftretende Verhaltensprobleme offensichtlich von einer Frühkastration abhängig machen würdest.
Ich weiß, dass dies keine Diskussion über Auslandstierschutz werden soll.
Aber man muß auch im Hinterkopf haben was diese Hunde alles durchmachen bis sie beim neuen Besitze landen. Und damit meine ich nicht nur das Leben bevor sie zu Tierschützern kamen, sondern auch das was danach für sie folgt.
Da würde ich mir eher Gedanken machen, ob ungewöhnliches Verhalten nicht auch damit zusammenhängt was die Hunde an Erfahrungen gesammelt oder auch bisher nicht gesammelt haben.


Vor einigen Wochen habe ich mich intensiver mit einem weiteren Punkt was den Auslandstierschutz betrifft, beschäftigt:
Den LKW Transporten mit denen die Tiere teilweise nach Deutschland gebracht werden, den Vorschriften die einzuhalten wären sowohl was Transportbedingungen als auch die Auflagen vom Vet-Amt bezüglich dem Umgang mit den angekommen Tieren betrifft und bin schockiert wie im Namen des Tierschutzes genau die Auflagen die zum Schutz der Tiere gemacht wurden fast überall nicht beachtet werden. Welch Ironie. :?

Das scheint vielen Adoptanten zumindest im Vorfeld nicht klar zu sein, sollte aber zum Schutz der Tiere auch eine große Rolle bei der Auswahl der geeigneten Auslandstierschutzorga sein. Nur als Hinweis, falls du dich damit noch nicht befasst hast.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #11
Der Unterschied ist schon seit einigen Jahren bekannt .

Zu Hunden sei hier das Buch "Kastration und Verhalten beim Hund" von Gansloßer erwähnt.

Die Studie zu Katzen verlinke ich gleich nochmal, wenn ich den Link gefunden habe.

Bei Katzen gibt es ja auch durchaus erwünscht wegfallendes Verhalten - Markieren, hohes Territorialbewusstsein, Prügeleien usw...

Allerdings besteht bei Katzen schlicht eine gewisse Notwendigkeit zur Kastration durch Dauerrolligkeiten, Entartungen der Gebärmutter und Eierstöcke usw., die, anders als bei Hunden bei unkastrierten Katzen extrem wahrscheinlich sind.

Und einen markierenden Kater im Haus...nä:p
Auch ein Problem, das bei Hunden in dieser Form nicht besteht.




Gesendet von meinem RAINBOW 4G mit Tapatalk

EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

und Krieg auf dem Handy leider grad kein OT hin, sorry :X

Gesendet von meinem RAINBOW 4G mit Tapatalk
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #12
Danke für deine Mühe, da konnte ich jetzt echt noch was dazulernen :)
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #13
Ich kenne nicht einen Hund, der aus diesen Gruenden Fruehkastriert wurde.
Lebst du in den USA? Ich muss gestehen, dass ich die Info, dass in den USA der Trend zur Frühkastration geht auch nur in anderen Artikeln gelesen habe und nicht aus erster Hand weiß, vielleicht wurde dort also übertrieben und es ist gar nicht so verbreitet wie behauptet wurde :eusa_think:


Was ich auch spannend finde, ist dass du evtl. auftretende Verhaltensprobleme offensichtlich von einer Frühkastration abhängig machen würdest.
(...)
Da würde ich mir eher Gedanken machen, ob ungewöhnliches Verhalten nicht auch damit zusammenhängt was die Hunde an Erfahrungen gesammelt oder auch bisher nicht gesammelt haben.
Ich sage ja nicht, dass ich dann sämtliche Verhaltensauffälligkeiten immer auf nur auf die Frühkastration zurückführen würde, aber sicher würde ich mir die Frage stellen, ob die Frühkastration nicht auch ihren Teil beigetragen hat.

Den LKW Transporten mit denen die Tiere teilweise nach Deutschland gebracht werden, den Vorschriften die einzuhalten wären sowohl was Transportbedingungen als auch die Auflagen vom Vet-Amt bezüglich dem Umgang mit den angekommen Tieren betrifft und bin schockiert wie im Namen des Tierschutzes genau die Auflagen die zum Schutz der Tiere gemacht wurden fast überall nicht beachtet werden.
Das klingt schrecklich, die meisten Organisationen die ich bisher im Internet gefunden habe fliegen die Hunde allerdings ein, mit einem Flugpaten geht das ja auch recht schnell und günstig. Von Transporten mit Auto oder Kleinbus habe ich auch schon gehört, aber da ging es eher um Einreisen aus unmittelbaren Nachbarländern und demnach nicht um ultralange Fahrten.
Der Transport ist natürlich immer stressig für das Tier, ich weiß nicht wie da die Bestimmungen des Vet-Amtes genau sind, aber ich denke ein Hund sollte am besten in einer sicheren Box reisen und sich wenn die Reise mehrere Stunden dauert auch mal die Beine vertreten können und etwas zu trinken angeboten bekommen. Wenn eine Orga sich nichtmal an solche Anforderungen hält ist das natürlich mies, aber leider kriegt man sowas als neuer Besitzer dann oft erst viel zu spät oder gar nicht mit.
Schwarze Schafe hat der Auslandstierschutz aber sicher nicht gepachtet, die findet man auch unter deutschen Tierheimbetreibern und Tierschützer, sowie unter Rassezüchtern.

Das die Hund nur kastriert rausgegeben werden ist eine ganz feine Sache. Es gibt zuviele Idioten.
Beziehst du das nur auf Kastrationen im Erwachsenenalter oder auch auf die strittigen Frühkastrationen?
Meine beiden Huendinnen wurden mit ca. 1 Jahr kastriert und das wuerde ich jederzeit wieder so machen.
Sicher hatten sie dort bereits eine Läufigkeit durchgemacht und befanden sich in der Pubertätsphase. Was ich kritisiere ist das Kastrieren ohne medizinische Gründe von sehr jungen Welpen weit vor Beginn der Reife, im Alter von 6 Monaten oder sogar noch jünger.

-----

Auch ich danke für die Links, Mido :)
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #14
Lebst du in den USA? Ich muss gestehen, dass ich die Info, dass in den USA der Trend zur Frühkastration geht auch nur in anderen Artikeln gelesen habe und nicht aus erster Hand weiß, vielleicht wurde dort also übertrieben und es ist gar nicht so verbreitet wie behauptet wurde :eusa_think:

Ja und ich kenne einige fruehkastrierte Hunde. Und ich weiss ganz sicher, dass das nicht gemacht wurde, um den Hund irgendwie kindlicher zu halten.

Beziehst du das nur auf Kastrationen im Erwachsenenalter oder auch auf die strittigen Frühkastrationen?

Das beziehe ich auf jedes Alter. Man eben sehr vielen Leuten nicht vertrauen. Das Tierheim aus dem meine Coco ist hat mal eine Statistik von 2012 veroeffentlicht. Die Stadt hat rund 150000 Einwohner. Im Jahr 2012 sind 15 000 Tiere ins staedtische Tierheim gekommen, von denen ca. 9 000 eingeschlaefert wurden. Kranke, verhaltensauffaellige oder alte Tiere oder weil einfach die Kapazitaet nicht gegeben ist.
Die geben nicht ein Tier unkastriert raus. Und das unterschreibe ich voll und ganz. Das besagt Tierheim ist ein recht modernes, gut besuchtes und auch professionel gefuehrtes. Jetzt kann man sich mal vorstellen, wie das auf dem Land zugeht.

Sicher hatten sie dort bereits eine Läufigkeit durchgemacht und befanden sich in der Pubertätsphase. Was ich kritisiere ist das Kastrieren ohne medizinische Gründe von sehr jungen Welpen weit vor Beginn der Reife, im Alter von 6 Monaten oder sogar noch jünger.

Meine Dackelhuendin, die wir mit 8 Wochen geholt haben, hatte eine Laeufigkeit hunter sich. Bei Coco weiss ichs nicht. Sie kommt aus dem Tierheim.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #15
Ich bin ja nun weiterhin auf der Suche nach einem Nachfolger für meinen Ringo und nach diesem Thread habe ich nun etwas mehr darauf geachtet wie die einzelnen Tierschutzorgas und Tierheime zu dem Thema (Früh-)Kastration stehen. Erfreut stelle ich fest, dass es offenbar doch noch so einige gibt die nicht pauschal kastrieren und tatsächlich doch viele Vereine (auch im Ausland) die Frühkastrationen offenbar gar nicht durchführen bzw sich sogar ausdrücklich dagegen aussprechen. Hier zum Beispiel ein Flyer des Tierheims Leipzig zum Thema Kastration:

Ich finde es gut, wenn auch Tierschutzvereine einen kritischen Blick behalten beim Thema Kastration und für den Einzelfall abgewägt wird ob sie Sinn macht oder nicht.

Einen kritischen Artikel der Sterilisation statt Kastration vorschlägt hat auch meine Aufmerksamkeit erlangt:

Ob Sterilisation tatsächlich auch für Straßenhunde eine Alternative sein kann weiß ich allerdings nicht, es klingt zwar logisch, dass damit die Reviere für die Hunde vor Ort erhalten bleiben und es dadurch nicht zu Zuwanderungen von weiteren nicht kastrierten Hunden kommt, aber soweit ich weiß sind Sterilisationen nicht 100%ig sicher. Für Haushunde könnte es aber vielleicht eine Alternative zur Standardkastration sein.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #16
Grundsätzlich gilt in westlichen Ländern, außer in den USA, so spät wie möglich zu kastrieren. Und zwar genau aus den Gründen, die hier im Forum bereits angesprochen wurden.
Wir sind seit rund zehn Jahren in Sri Lanka im Tierschutz aktiv und warten daher auch so lange, wie es geht. In unserem Fall kastrieren wir die Hunde, wenn sie 8 Monate alt sind. Dies hat zwei Gründe: zum einen konnten wir in all diesen Jahren feststellen, dass sich Hunde in Sri Lanka viel schneller entwickeln als in westlichen Ländern (das ist übrigens nicht nur bei den Tieren so, sondern auch die Mädchen bekommen früher ihre Periode als beispielsweise Mädchen in Deutschland). Zum anderen muss man sich die Situation in Sri Lanka auch vor Augen führen. Hier gibt es zig Millionen Straßenhunde, die unkontrolliert Welpen produzieren. Diese Hunde fristen ein elendiges Dasein. Da muss man sich natürlich auch fragen, ob es besser ist einen Straßenhund nicht dann zu kastrieren, wenn man zufällig auf ihn trifft, oder ob man zulässt, dass dieser weitere Welpen - und damit weiteres Hundeleid - produziert. Gerade in einem Land, in dem Tierschutz keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Auch die Hunde, die wir vermitteln, kastrieren wir mit acht Monaten, d.h. dass sie unkastriert mit ca. 4 Monaten unsere Klinik verlassen. Dies machen wir auch genau aus den Gründen, die ja schon genannt wurden. Wir vermitteln Hunde ausschließlich in der Umgebung unserer Klinik, so dass wir sie mit acht Monaten zur Kastration abholen können. In Sri Lanka laufen die Hunde (sofern sie das Glück habe nicht angekettet in einem Käfig zu sitzen) frei durch die Dörfer. Würden wir länger warten, würden diese Hunde Nachkommen produzieren und das gilt es unbedingt zu vermeiden.
Bei den Hunden, die bei uns auf dem Gelände leben, können wir etwas länger warten, da wir sie täglich sehen.
Es gibt leider viele Organisationen, v.a. in dem ärmeren Ländern, die die Welpen schon kastrieren, wenn sie sie vermitteln, also mit rund drei Monaten. Das ist schrecklich und wird nur praktiziert, weil es einfacher und günstiger ist. Für uns steht das Wohlbefinden der Tiere an erster Stelle, aber wir müssen auch die jeweiligen Umstände berücksichtigen.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #17
Ich habe heute einen Hund auf seiner Pflegestelle besucht.
Er ist sehr lieb und niedlich, allerdings auch sehr unsicher und zeigt viele Übersprungshandlungen. Menschen gegenüber war er sehr freundlich, auch mit Leuten die er nicht kannte wollte er ganz unbedarft kuscheln, sogar am liebsten auf den Schoß (trotz 60cm Stockmaß).
Der Rüde ist jetzt etwa ein Jahr alt und wurde mit etwa 9 Monaten kastriert.
Ich finde ihn eigentlich sehr sympatisch und niedlich, bin mir allerdings nicht sicher ob seine Unsicherheit jetzt eher darauf zurückgeführt werden sollte, dass er erst seit etwa 2 Monaten in Deutschland ist und seine ersten Monate als Straßenhund hinter sich gebracht hat, oder ob es an der sehr frühen Kastration liegt (er markiert übrigens auch nicht und sein Fell fühlt sich sehr weich an).
Ich möchte eigentlich keinen Hund der mir sein Leben lang welpenhaft bei jeder Kleinigkeit am Rockzipfel hängt und draußen im schlimmsten Fall von anderen Hunden gemobbt wird.
Meint ihr mit 9 Monaten war er schon erwachsen genug um nach einiger Zeit noch vernünftig zu werden, oder besteht die Gefahr, dass er jetzt so unsicher und kindlich-verschmust bleibt?
(Ich habe übrigens auch Angst vor HD (er ist ja doch relativ groß) und anderen Problemen für die das Risiko nach einer frühen Kastration erhöht ist, aber meine Hauptsorge betrifft doch eher sein Verhalten).

Er wurde übrigens nicht kastriert weil er irgendwie auffällig war, sondern offenbar weil der Verein das immer so macht bevor ein Hund nach Deutschland zur Pflegestelle kommt.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #18
Zu diesem Thema kann ich etwas beisteuern...

Mein Neufi-Mädchen Abby wurde mit fünfeinhalb Monaten kastriert.
Sie hatte eine chronische Vaginitis, welche einfach nicht in den Griff zu bekommen war. Wir waren bei zwei Ärzten und in einer Klinik.
Alle rieten uns zur Kastration, so schnell wie möglich.

Abby hat sich meines Erachtens ganz normal entwickelt, ähnelt vom Charakter her sehr ihren Eltern und ist einfach rassetypisch.

die Hunde sind anhänglicher, unterwürfiger, verspielter und zeigen auch anderen Hunden gegenüber nur ein welpenhaft-verträgliches Sozialverhalten.

Das kann ich so nicht wirklich bestätigen. Sie hat ganz normal die Pubertät durchlaufen und wird jetzt mit zweieinhalb Jahren merklich ruhiger, richtig erwachsen. Sie ist schon immer wahnsinnig selbstbewusst und alles andere unterwürfig :lol:
Besonders anhänglich war sie früher nicht, aber seit ca. einem halben Jahr schaut sie beim Spazierengehen, wo wir sind und lässt sich super zurück rufen.
Aber das liegt einfach daran, dass die Erziehung endlich fruchtet und sie schlicht und ergreifend erwachsen wird ^^

Es gibt aber einen Punkt, der eventuell zutrifft: Frühkastration soll schädlich für Gelenke und Knochen sein.
Jeder, der hier Abbys Geschichte kennt, weiß, dass sie mit 10 Monaten schwerste HD bekam.
Nun weiß man aber nicht sicher, ob es an der Kastration lag oder eben einfach genetisch vorprogrammiert war.

Aber alles in allem kann ich eben die hier angesprochenen Verhaltensauffälligkeiten von Frühkastraten nicht bestätigen.
Vielleicht ist Abby aber auch einfach nur eine Ausnahme...:mrgreen:

Im Normalfall hätte ich sie aber definitiv später kastrieren lassen.
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #19
Mein Neufi-Mädchen Abby wurde mit fünfeinhalb Monaten kastriert.
Sie hatte eine chronische Vaginitis, welche einfach nicht in den Griff zu bekommen war. Wir waren bei zwei Ärzten und in einer Klinik.
Alle rieten uns zur Kastration, so schnell wie möglich.
Mit welchem Argument wurde denn eine Kastration empfohlen, obwohl in jedem veterinärmedizinischen Standardwerk steht, dass bei einer juvenilen Vaginitis auf keinen Fall kastriert werden sollte?

Achtung: Hündinnen mit Junghundvaginitis sollten nicht vor der ersten Läufigkeit kastriert werden.
Quelle: Praktikum der Hundeklinik

Wird eine Hündin mit juveniler Vaginitis kastriert, werden die Selbstheilungsmechanismen der 1.Läufigkeit verhindert und es entwickelt sich häufig eine behandlungsresistente, permanente Vaginitis.
Quelle: Leitsymptome in der Gynäkologie und Geburtshilfe beim Hund:

Die Vaginitis kommt sogar häufiger vor bei kastrierten Hündinnen und gilt allgemein als Nebenwirkung der Kastration.
Auch die Gefahr für HD wird durch eine Frühkastration erhöht.
Für mich klingt die Frühkastration bei einer Hündin einer HD-gefährdeten Rassen und wegen einer juvenilen Vaginitis wie eine wirklich ganz, ganz abwegige Idee, daher würde mich wirklich sehr interessieren wie das begründet wurde :eusa_think:
 
  • Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration Beitrag #20
Es wurde uns in allen drei Praxen dazu geraten, da Abby schon Gewebeveränderungen am Gebärmutterhals aufwies und Neufundländer leider sehr anfällig für Gebärmutterkrebs sind.

Ich kann es leider nicht mehr ändern und hätte die Kastration unter anderen Voraussetzungen definitiv wesentlich später vornehmen lassen. Aber wir haben uns damals drei unabhängige Meinungen eingeholt und daraufhin beschlossen, den Eingriff durchführen zu lassen.

Grundsätzlich ging es hier aber ja mal um die Aussage, dass Frühkastraten unsicher, unterwürfig und im allgemeinen sehr welpig sind und das kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen.
Trotzdem möchte ich hier noch mal ganz deutlich sagen, dass ich absolut gegen Frühkastration ohne triftigen Grund bin!
Vielleicht wären wir ohne diese Geschichte um diese fiese HD samt Beckenosteotomie herum gekommen :?
 
Thema:

Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration

Der (Auslands-)Tierschutz und die Frühkastration - Ähnliche Themen

Tierschutzhund - Etwas gefrustet: Hallo, Ich melde mich bei euch derzeit, einfach um mir meine Gedanken ein bisschen von der Seele zu schreiben. Ich habe hier im Ort ein sehr...
Weihnachten ohne Gina: Gina Heute ist der Vierte Advent und der Schneeregen und kalte Wind spiegeln unsere Stimmung. Seit 34 Tagen ist unser Familienmitglied, die...
Tierschutzorganisation HELGA: Hallo an alle, da ich nur sehr alte Beiträge gefunden habe, möchte ich mit euch in einem neuen Thema meine Erfahrungen zur Tierschutzorganisation...
Wir bekommen ein Baby - und jetzt?: Hallo, Mein Lebensgefährte und ich haben uns dafür entschieden, dass wir einen Hund bei uns aufnehmen möchten. Nach gescheiterten Versuchen beim...
Erfahrungsbericht mit Züchter für "Labradoodle und Goldendoodle": Vorweg: Wir mussten hier wirklich eine traumatische Erfahrung machen…!!! Die Züchterin erfüllt zwar vordergründig viele Punkte der offiziellen...
Oben