- Graf von Krolock (Tanz der Vampire) - Teil 1 Beitrag #1
Tompina
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[FONT="] „Endlich Nacht. Kein Stern zu sehn. Der Mond versteckt sich, denn ihm graut vor mir. Kein Licht im Weltenmeer. Kein falscher Hoffnungsstrahl. Nur die Stille. Und in mir die Schattenbilder meiner Qual.“[/FONT]
(Die unstillbare Gier - Tanz der Vampire)
(Die unstillbare Gier - Tanz der Vampire)
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Er stand aufrecht am Fenster und starrte in das unendliche Schwarz der einbrechenden Dunkelheit. Graue Silhouetten der Erinnerung durchzogen seine Gedanken und er spürte seine aufkeimende Wut.
Blasse, tote Gesichter starrten ihn vorwurfsvoll an und ihr jämmerliche Seufzen dröhnte in seinen Ohren.
Er wusste nicht mal mehr wie viele es waren. Hundert? Zweihundert?
Schon vor vielen Jahrzehnten hatte er aufgehört zu zählen, denn letztendlich war ihre Anzahl egal.
Die düstere Erinnerung quälte ihn trotzdem Nacht für Nacht.
Er fühlte wie ihre kalten, toten Hände nach ihm griffen, er spürte wie sie sich an ihn klammerten, verzweifelt und traurig. Ihr eiskalter Sog zog ihn mit. Er betrachtete seine eigene weiße Haut und der Schmerz der Aussichtslosigkeit erfasste ihn mit voller Wucht.
Seine feingliedrige, blasse Hand ballte sich zu einer Faust und schlug auf das steinerne Fensterbrett. Knirschend bröckelte ein Stück der Mauer auf seine Stiefel und um die Stelle des Schlages bildeten sich unzählige feine Risse.
Mit Leichtigkeit könnte er die gesamte Wand zertrümmern, aber auch das brächte nur einen kurzen Moment der Erleichterung. Aufbrausende, sinnlose Ausbrüche hatte er sich schon vor langer Zeit verboten.
Sein Blick schweifte über den nächtlichen Wald, er hörte ein Käuzchen rufen, ansonsten war es unerträglich still, wie als sei die Welt stehen geblieben. Seine Welt stand seit fast vierhundert Jahren still.
Er beobachtete den kleinen Schotterpfad, der durch das Dickicht des Waldrandes hinauf zu seinem Schloss führte und hoffte wie immer vergebens darauf dort unten eine Bewegung zu erspähen. Schon lange kamen die Menschen nicht mehr freiwillig in die Nähe seiner Residenz. Schon lange verirrte sich niemand mehr in die Einöde seiner Grafschaft. Manchmal gelang es ihm einen einzelnen Wanderer aufzuspüren und ihn in seine steinerne Wohnstätte zu locken. Aber die Momente der Wärme waren auch eben so schnell vorbei, wie sie begannen.
Das uralte Gemäuer hatte inzwischen wahrscheinlich schon vergessen wie menschliches Lachen klang.
Hier gab es nur noch Angst, Kälte und Tod. In der Ferne konnte er die Rauchfahnen aus den Kaminen des kleinen Dorfes erkennen. Die einzige menschliche Siedlung weit und breit und in vielen, langen Wintern seine einzige Nahrungsquelle. Aber schon lange war der Spaß der einfachen Beute vorbei. Die Dorfbewohner kannten ihn und wehrten seine Raubzüge mit aller Macht ab. Erfolg war ihnen selten gegönnt, aber die Gegenwehr zerstörte auch sein Gefühl der morbiden Freude.
Schon lange war er nicht mehr das starke, gierige Raubtier von einst.
Viel mehr kam er sich verschlagen und erbärmlich vor, wenn er, wurde sein Hunger unerträglich, einen der kränklichen, schwachen Bauern überwältigte.
Die ersten Regentropfen bahnten sich ihren Weg aus den dunklen Wolken und das Brausen des Windes wurde stärker. Heute würde er sein Schloss nicht mehr verlassen. Heute nicht.[/FONT]