Also wenn er aus dem Ausland kommt, schau, dass er vorher auf eine Pflegestelle kommt und der Verein nicht auf Quote vermittelt, sondern sich auch im Vorfeld schon ausgiebig Zeit nehmen kann. Wenn der Hund auf der Pflegestelle ist, solltest du die Möglichkeit haben ihn mehrfach zu besuchen und mal mit der PS aber auch mal ein Stück ohne spazieren zu gehen. Ich hab selbst aktuell zwei Hunde aus dem ATS und war im Vorfeld aber schon sehr gut informiert, weil ich viele Jahre im Tierheim mitgeholfen hab und mit den Hunden gearbeitet habe. Das hat mich sehr viel gelehrt. Zudem habe ich mehrere Jahre als Pflegestelle agiert und Hunde auf ihr neues Leben vorbereitet. Mir war es immer wichtig, dass ich mir ein Bild von den potentiellen Adoptanten machen konnte, habe sie oft einfach erzählen lassen, aber auch gezielt Fragen gestellt (und beantwortet) und die Interessenten mit dem Hund mal n Stück alleine laufen lassen, wenn ich in den ersten Minuten das Gefühl hatte, dass es passt. Es gab auch Interessenten, denen hab ich nicht mal die Leine gegeben, weil sie so desinteressiert waren (Hund war für Oma, Vater, Tante oder Nachbarin und nicht die Menschen, die gerade da waren) oder so von ihrem Wissen überzeugt waren, dass sie Tipps nicht hören wollten "ich hab schon x Hunde gehabt und da ist noch nie einer weggelaufen, wenn ich nach einem Tag die Leine abgemacht habe" usw.
Eine erfahrene Pflegestelle, die wirklich das Wohl des Hundes im Sinne hat, wird den Hund nicht schön reden, sondern auch Dinge ansprechen, die nicht bei jedem Halter gut ankommen oder die missverstanden werden könnten. Ich hab mich bei den Vereinen gerne unbeliebt gemacht, weil ich das ansprach, aber da ich sonst diejenige gewesen wäre, die den Hund danach wieder gebracht bekommen hätte, wollte ich den Zwischenstopp einfach vermeiden.

Lieber offen und ehrlich, als einen Wanderpokal haben.
Von einer Adoption direkt aus dem Ausland würde ich abraten als Anfänger, da die Hunde in den Beschreibungen selten entsprechen. Was ich schon alles als Pflegestelle hier aufgenommen habe und von den TSV schön geredet oder gar nicht beachtet wurde... "Junghund, braucht noch Erziehung" = Kann max. so lange alleine bleiben wie sie auf dem Klo sitzen, ansonst zerlegt er ihre Wohnung, pinkelt alles voll und bellt durchgehend.
Die Hunde sind anfangs oft in einer Phase, wo alles andere ausgeblendet sind und sie wie in einem Tunnel sind. Sie funktionieren einfach und alle Reize sind OK. Nach einigen Wochen legt sich aber dieser Tunnel zunehmend und die Reize kommen wieder beim Hund an, können nicht mehr ausgeblendet werden und ab da ist Hund dann nicht mehr so lieb an der Leine, reagiert auf die Mülltonne auf dem Weg oder beginnt zu knurren, wenn man in den Raum kommt.
Wichtig ist aber in jedem Fall, egal ob der Hund aus dem Tierheim, ATS oder hiesigen TSV stammt, dass man sich einen Trainer dazu nimmt, der nicht das Verhalten mit Dominanz, reiner Körpersprache o.ä. korrigieren will, sondern an der Ursache dafür arbeitet, Alternativen für den Hund erarbeitet und jegliche Abbruchsignale, die auch nur ansatzweise unangenehm sind (Hund wird nass, schreckt kurz zusammen oder unterlässt wegen psychischem Einfluss etc.) nicht nutzt. Es geht anders. Gute Trainer findet man im Netzwerk von Trainieren statt dominieren. Ich habe nach deren Prinzipien des Trainings schon Hunde wieder so hinbekommen, die andere schon als tickende Zeitbomben, die besser eingeschläfert gehören, abgeschrieben hatten. =)
Bedenke bitte auch, dass es viele Hunde gibt, die rein äußerlich nach Labrador aussehen, aber deren Gene noch etwas ganz anderes in sich tragen und die Überhand im Charakter, den Eigenschaften und dem Temperament haben

Vor allem im Auslandstierschutz (ATS) können die Eltern oft nicht genau bestimmt werden und demensprechend kann auch keiner sagen, was da tatsächlich drin steckt.
Ah: da auch die Frage nach dem Alter aufkam. Als Ersthund empfehle ich immer einen erwachsenen Hund, weil die anstrengenden Phasen und vor allem die Entscheidung "wo will ich mit dem Hund hin, wie erreiche ich es usw" schon vorbei ist. Man kann zuverlässiger sagen wie der Hund charakterlich drauf ist und dementsprechend viel besser einschätzen, ob der Hund zu dem Menschen passt oder eben nicht. Ich kenne viele Junghunde, die aufgrund ihrer Gene dann doch nicht zu den Vorstellungen der Menschen passten, da diese in der Pubertät und den Spookyphasen mit dem Hund überfordert waren. Deswegen lieber einen erwachsenen Hund nehmen, wissen, welcher Charakter unter dem Fell schlummert, ob er sehr agil ist oder eher Schlaftablette, viel Input braucht und nicht nach einigen Monaten feststellen: der Hund hat sich vollkommen anders entwickelt als das, was zu meinem Leben passt.
Ich hoffe, dass man meinen Gedanken folgen konnte. Bei Rückfragen, gerne her damit. Weit über 350 Hunde in Tierheim und Tierschutz, als (Notfall)Pflegestelle und die Arbeit auch mit den Hunden von Freunden und Nachbarn haben mich sehr viel gelehrt. Auch was die Seriosität des Vereins angeht, bin ich sehr viel kritischer als zu Anfang. Es gibt so viele schwarze Schafe, die aber sehr groß sind und einen ganz anderen Eindruck machen als das, was tatsächlich abläuft.