- Weihnachten ohne Gina Beitrag #1
G
Gast103524
Guest
Gina
Heute ist der Vierte Advent und der Schneeregen und kalte Wind spiegeln unsere Stimmung.
Seit 34 Tagen ist unser Familienmitglied, die Hündin Gina nicht mehr bei uns.
Sie lebte, seit wir sie im Juli 2021 über das Tierheim Ostermünchen aus einer Familie bekamen, bei meiner Frau und mir. Eine wunderschöne 65cm hohe, große schwarze Mischlingshündin, Dogge, Beauceron und im Kopf viel vom Galgo. Gina kam als Straßenhund aus einer Tötungsstation in die Familie, die sie wegen einer Herzerkrankung nicht halten konnten. Ich bekam nachdem Gina eingezogen war, eine schlechte medizinische Diagnose und verlor meine Festanstellung bei Lufthansa. Doch nun war ja Gina da und ich widmete mich ihr jeden Tag. Immer größer wurden unsere Ausflüge, schließlich 8 Kilometer Runden, die ich schließlich mit einem Tretroller unternahm. Nach einem halben Jahr war die Probezeit vorbei und wir durften Gina endlich behalten. Kurz darauf wurde meine Frau schwanger und wir erlebten diese besondere Zeit miteinander. Gina schien instinktiv zu spüren, dass sie zu Hause ihre unbändige Kraft dosieren musste. Als im Herbst 22 unser Sohn geboren wurde, war sie neugierig nervös, doch wir gaben ihr nochmal mehr Zuwendung und Zärtlichkeit. Unser großes Vertrauen bestätigte sich in wachsender Nähe zwischen Hund und Baby. Wir kauften einen Kleinbus und unternahmen Reisen, ins Baltikum, nach Slowenien und so waren wir auch bei Konzertreisen mit dem Bayerischen Rundfunkchor alle beieinander. Wir zogen aus der Nähe Münchens in die Pfalz und teilten, da ich noch nicht wieder arbeitete, den Alltag miteinander. Theo war inzwischen zwei Jahre alt und probierte seine starke Stimme und Temperament aus. Nachdem ich durch einen Verkehrsunfall vor Jahren unter anderem einen Tinnitus diagnostiziert bekommen hatte, merkte ich nun, wie empfindlich ich auf die hohen und lauten Töne unseres Sohnes reagierte. Statt nach mir zu schauen, äußerte ich nun wiederholt meine Sorgen um Ginas Gehör und meinte plötzlich, Gina in ein ruhiges zu Hause geben zu müssen.
Meine Frau, die sich vor allem um unseren Sohn kümmerte und wusste, dass für Gina vor allem ich da war, äußerte nur leise Widerstand, meinte aber, es sei doch ein Verrat an Gina, an ein Weggeben zu denken.
Ich inserierte in Kleinanzeigen und schnell meldete sich eine junge Frau, die mit ihrem Bruder und einem Labrador, umgehend zu uns gefahren kam. Sie wirkte unglaublich herzlich und offen, kommunikativ und ich übersah Punkte, die mir sonst wohl aufgefallen wären. Ihr Pflegehund hinkte mit weher Pfote und war übergewichtig, auch schien er länger nicht ausgeführt, da er sofort einen Haufen an unser Haus setze. Doch wir fuhren am Folgetag eine Stunde entfernt, zu ihr auf den Hunsrück, in ein kleines Dorf neben dem Flughafen Hahn. Sie hatte bereits eine Freundin mit Hund dazu organisiert und sie stellten prüfende Fragen nach Vorerkrankungen von Gina, welche ich alle verneinen konnte. Ich sah, dass die drei Hunde harmonierten und so kam, nachdem eine Probezeit vereinbart war, dass wir Gina dort ließen und abfuhren. Auf der Rückfahrt waren wir abwechselnd am Weinen und riefen noch aus dem Auto an, dass wir direkt wiederkämen, Gina abzuholen. Die junge Frau meinte, sie habe Verständnis und wolle uns unseren Hund ja nicht wegnehmen. Aber bischen böse sei sie schon, weil sie das ja schon einmal erlebt habe. Auch diese Aussage, die mich hätte warnen müssen, nahm ich nicht wahr. Nein ich fühlte mich gar, als stände ich in ihrer Schuld.
Zehn Tage vergingen und das Problem mit meinem Ohr und dem temperamentvollen Sohn war immer noch da. Nach einer Autofahrt, wo ich Ohrenschutz trug, sprach ich der jungen Frau auf und meinte, ich wolle es doch nochmal versuchen. Sie wünschte sich ja so sehr einen eigenen Hund und versprach tausende Dinge für Gina zu tun. Hatte mir andere Interessenten ausgeredet und nun ging es ihr vor allem darum, zu signalisieren, dass man doch auf eine Probezeit verzichten könne. Meine Frau sagte, dass das ganz und gar unmöglich sei - immerhin hatten wir ja ein halbes Jahr Probezeit erfahren. Ich sagte, wir brauchen eine einwöchige Probezeit und sei es nur um uns auszutricksen. Das ist als Whatsapp Nachricht inzwischen auch anwaltlich hinterlegt.
Ich brachte am 17.11.24 unsere Gina mit ihrem Tobs XXL Hundebett, ihren Geschirren, mit Futter und Heimtierausweis, so wie wir das auch zweimal bei einem Hundehotel gehalten hatten, zu ihr. Es sollte unserer Gina an nichts fehlen.
Ginas Habseligkeiten und das Futter hatten ja immerhin einen Wert von 650 Euro und die Schutzgebühr war mit 300 Euro eingetragen.
Wieder war ihr Bruder dabei, denn sie wohnen beide, mit Mitte dreissig, bei der Mutter im Haus. Sie waren diesmal zurückhaltender, mir fiel auf wie atmosphärisch kalt es war und chaotisch es aussah. Doch ich hatte das Gefühl, nicht zurückziehen zu können und war gefühlt allein in der Situation. Ich fuhr ohne etwas in der Hand alleine ab. Ohne Vertrag, ohne ein Pfand, ohne einen Euro. Am nächsten Tag waren wir zu Hause total aufgelöst.
Meine Frau rief an und sagte, ob wir bitte kommen können, Gina endgültig heimzuholen.
Wir haben gesehen, dass es sich falsch anfühlt und Gina gegenüber nicht recht sei, gerade weil sie schon einige Brüche erlebt habe. Die junge Frau zeigte Verständnis, obschon sie diesmal schimpfte. Die Abholung sagte sie uns für den folgenden Tag zu. Meine Frau fuhr umgehend und kaufte einen riesigen Blumenstrauss für sie. Am folgenden Tag, ganz in der Früh, kam eine mail. Kurz gefasst, sie habe es sich anders überlegt, Gina verbleibe bei ihr. Kontakt nur noch schriftlich. Wir waren wie paralysiert und konnten es nicht fassen. Gina war einmal wenige Stunden und einen Tag und eine Nacht dort gewesen und sie erhob Besitzansprüche? Schließlich fuhren wir wie ursprünglich ausgemacht, zu ihr hin. Alle Jalousien waren unten, Gina sprang hinter der Balkontüre, als sie mich auf der Straße sah, doch wurde sie schnell weggezogen. Schließlich öffnete die Frau auf mein Klingeln, es kam auch eine durch sie herbeigerufene Freundin, die mich umgehend verbal anging. Ich habe ja meine Chance gehabt, wir hätten keinerlei Recht mehr auf den Hund. Sie selbst fungiere als rechtliche Beratung, da die junge Frau eine Angststörung habe und sich nicht gut abgrenzen könne und der Hund ihr nunmal gut tue. Ich sei ein Egoist und so fort. Ich ging, da ich sah, dass wir so nichts erreichen können. Meine Frau wurde noch ins Haus gelassen, um Gina nochmal streicheln zu dürfen. Die schlimme Zeit sollte jetzt erst beginnen.
Denn in der Folgezeit lernte ich, was der Verlust eines Lebewesens bedeutet, welches jede Nacht zu meinen Füßen geschlafen hatte. Das Schlimmste sollte sein, nicht zu wissen, wie es Gina geht. Denn es kam gar nichts mehr. Die junge Frau sandte nach zwei Tagen sogar ein Haus und Hofverbot für ihr Grundstück. Wir waren nun von Gina wie abgeschnitten. Ich dachte, dass es so Angehörigen von Entführten ergehen müsse, die völlig im Ungewissen sind, wie es den Liebsten gehe.
Ich setzte eine Frist. Sie verstrich. Weiter Stille. Auch lief ich Nacht um Nacht die Wege entlang, die ich zuvor täglich mit Gina gegangen war.
Hatte schlimme Träume, wo ich sie nach Autounfall leidend oder mit Elektrohalsband sah.
Meine Frau aß nicht mehr, die Stimmung kippte schnell. Unser Sohn, den wir damit verschonen wollten, fing an, immer wieder von ihr zu sprechen. Wenn ihm etwas Essen herunterfiel, fragte er in den Raum hinein - Gina? Leute im Ort fragen, wo ich denn meinen Hund gelassen habe.
Es gibt nun keinen der 34 Tage, an dem wir nicht geweint hätten, denn der Schmerz ist anhaltend. Wir kontaktierten einen Anwalt, der eine Frist von fünf Tagen setzte. Nach Ablauf kam ein Schreiben der Gegenseite, man benötige noch einmal vierzehn Tage um sich auszutauschen. Sogar das wurde gewährt. Und verstrich. Dann kamen wenige Zeilen, die besagten, das Eigentum sei auf sie übergegangen, wir haben kein Recht.
Nun kommt mit Ablauf der Woche fünf wieder Warten.
Warten auf einen Gerichtstermin.
Weihnachten, Silvester, all das wird mit dem Schmerz über einen Verlust vorbeigehen.
Ich fuhr noch mit einer Nachbarin, um durch sie eine Geldzahlung anzubieten, doch die Türe blieb verschlossen. Nachbarn sagen, es sei bekannt dass sie vernarrt in Hunde sei und verstehen nicht, warum sie nicht einem Hund aus dem Tierheim eine Chance gibt.
Offenbar hat sie nun auch unsere Gina auf sich registriert und die Daten bei Tasso hinterlegt, um Fakten zu schaffen.
Uns sind die Hände gebunden, wir sind zum Warten verdammt,
im Wissen, dass ein Monat des Menschen, für einen Hund einem Jahr gleichkommt.
Das Schlimmste ist, dass Gina wohl meint, wir haben sie fallenlassen.
Und das wollte ich niemals tun. Dass ich für unser häusliches Problem eine Lösung im Außen gesucht habe, war ein großer Fehler, den ich tief bereue.
Es gibt kaum etwas auf was ich nicht verzichten würde, um Gina wieder in der Familie zu wissen. Doch die Mauer des Schweigens sind, wie Jalousien unten.
In drei Tagen ist Weihnachten.
Nicht für uns.
Hat jemand eine Idee, was wir tun können?
Heute ist der Vierte Advent und der Schneeregen und kalte Wind spiegeln unsere Stimmung.
Seit 34 Tagen ist unser Familienmitglied, die Hündin Gina nicht mehr bei uns.
Sie lebte, seit wir sie im Juli 2021 über das Tierheim Ostermünchen aus einer Familie bekamen, bei meiner Frau und mir. Eine wunderschöne 65cm hohe, große schwarze Mischlingshündin, Dogge, Beauceron und im Kopf viel vom Galgo. Gina kam als Straßenhund aus einer Tötungsstation in die Familie, die sie wegen einer Herzerkrankung nicht halten konnten. Ich bekam nachdem Gina eingezogen war, eine schlechte medizinische Diagnose und verlor meine Festanstellung bei Lufthansa. Doch nun war ja Gina da und ich widmete mich ihr jeden Tag. Immer größer wurden unsere Ausflüge, schließlich 8 Kilometer Runden, die ich schließlich mit einem Tretroller unternahm. Nach einem halben Jahr war die Probezeit vorbei und wir durften Gina endlich behalten. Kurz darauf wurde meine Frau schwanger und wir erlebten diese besondere Zeit miteinander. Gina schien instinktiv zu spüren, dass sie zu Hause ihre unbändige Kraft dosieren musste. Als im Herbst 22 unser Sohn geboren wurde, war sie neugierig nervös, doch wir gaben ihr nochmal mehr Zuwendung und Zärtlichkeit. Unser großes Vertrauen bestätigte sich in wachsender Nähe zwischen Hund und Baby. Wir kauften einen Kleinbus und unternahmen Reisen, ins Baltikum, nach Slowenien und so waren wir auch bei Konzertreisen mit dem Bayerischen Rundfunkchor alle beieinander. Wir zogen aus der Nähe Münchens in die Pfalz und teilten, da ich noch nicht wieder arbeitete, den Alltag miteinander. Theo war inzwischen zwei Jahre alt und probierte seine starke Stimme und Temperament aus. Nachdem ich durch einen Verkehrsunfall vor Jahren unter anderem einen Tinnitus diagnostiziert bekommen hatte, merkte ich nun, wie empfindlich ich auf die hohen und lauten Töne unseres Sohnes reagierte. Statt nach mir zu schauen, äußerte ich nun wiederholt meine Sorgen um Ginas Gehör und meinte plötzlich, Gina in ein ruhiges zu Hause geben zu müssen.
Meine Frau, die sich vor allem um unseren Sohn kümmerte und wusste, dass für Gina vor allem ich da war, äußerte nur leise Widerstand, meinte aber, es sei doch ein Verrat an Gina, an ein Weggeben zu denken.
Ich inserierte in Kleinanzeigen und schnell meldete sich eine junge Frau, die mit ihrem Bruder und einem Labrador, umgehend zu uns gefahren kam. Sie wirkte unglaublich herzlich und offen, kommunikativ und ich übersah Punkte, die mir sonst wohl aufgefallen wären. Ihr Pflegehund hinkte mit weher Pfote und war übergewichtig, auch schien er länger nicht ausgeführt, da er sofort einen Haufen an unser Haus setze. Doch wir fuhren am Folgetag eine Stunde entfernt, zu ihr auf den Hunsrück, in ein kleines Dorf neben dem Flughafen Hahn. Sie hatte bereits eine Freundin mit Hund dazu organisiert und sie stellten prüfende Fragen nach Vorerkrankungen von Gina, welche ich alle verneinen konnte. Ich sah, dass die drei Hunde harmonierten und so kam, nachdem eine Probezeit vereinbart war, dass wir Gina dort ließen und abfuhren. Auf der Rückfahrt waren wir abwechselnd am Weinen und riefen noch aus dem Auto an, dass wir direkt wiederkämen, Gina abzuholen. Die junge Frau meinte, sie habe Verständnis und wolle uns unseren Hund ja nicht wegnehmen. Aber bischen böse sei sie schon, weil sie das ja schon einmal erlebt habe. Auch diese Aussage, die mich hätte warnen müssen, nahm ich nicht wahr. Nein ich fühlte mich gar, als stände ich in ihrer Schuld.
Zehn Tage vergingen und das Problem mit meinem Ohr und dem temperamentvollen Sohn war immer noch da. Nach einer Autofahrt, wo ich Ohrenschutz trug, sprach ich der jungen Frau auf und meinte, ich wolle es doch nochmal versuchen. Sie wünschte sich ja so sehr einen eigenen Hund und versprach tausende Dinge für Gina zu tun. Hatte mir andere Interessenten ausgeredet und nun ging es ihr vor allem darum, zu signalisieren, dass man doch auf eine Probezeit verzichten könne. Meine Frau sagte, dass das ganz und gar unmöglich sei - immerhin hatten wir ja ein halbes Jahr Probezeit erfahren. Ich sagte, wir brauchen eine einwöchige Probezeit und sei es nur um uns auszutricksen. Das ist als Whatsapp Nachricht inzwischen auch anwaltlich hinterlegt.
Ich brachte am 17.11.24 unsere Gina mit ihrem Tobs XXL Hundebett, ihren Geschirren, mit Futter und Heimtierausweis, so wie wir das auch zweimal bei einem Hundehotel gehalten hatten, zu ihr. Es sollte unserer Gina an nichts fehlen.
Ginas Habseligkeiten und das Futter hatten ja immerhin einen Wert von 650 Euro und die Schutzgebühr war mit 300 Euro eingetragen.
Wieder war ihr Bruder dabei, denn sie wohnen beide, mit Mitte dreissig, bei der Mutter im Haus. Sie waren diesmal zurückhaltender, mir fiel auf wie atmosphärisch kalt es war und chaotisch es aussah. Doch ich hatte das Gefühl, nicht zurückziehen zu können und war gefühlt allein in der Situation. Ich fuhr ohne etwas in der Hand alleine ab. Ohne Vertrag, ohne ein Pfand, ohne einen Euro. Am nächsten Tag waren wir zu Hause total aufgelöst.
Meine Frau rief an und sagte, ob wir bitte kommen können, Gina endgültig heimzuholen.
Wir haben gesehen, dass es sich falsch anfühlt und Gina gegenüber nicht recht sei, gerade weil sie schon einige Brüche erlebt habe. Die junge Frau zeigte Verständnis, obschon sie diesmal schimpfte. Die Abholung sagte sie uns für den folgenden Tag zu. Meine Frau fuhr umgehend und kaufte einen riesigen Blumenstrauss für sie. Am folgenden Tag, ganz in der Früh, kam eine mail. Kurz gefasst, sie habe es sich anders überlegt, Gina verbleibe bei ihr. Kontakt nur noch schriftlich. Wir waren wie paralysiert und konnten es nicht fassen. Gina war einmal wenige Stunden und einen Tag und eine Nacht dort gewesen und sie erhob Besitzansprüche? Schließlich fuhren wir wie ursprünglich ausgemacht, zu ihr hin. Alle Jalousien waren unten, Gina sprang hinter der Balkontüre, als sie mich auf der Straße sah, doch wurde sie schnell weggezogen. Schließlich öffnete die Frau auf mein Klingeln, es kam auch eine durch sie herbeigerufene Freundin, die mich umgehend verbal anging. Ich habe ja meine Chance gehabt, wir hätten keinerlei Recht mehr auf den Hund. Sie selbst fungiere als rechtliche Beratung, da die junge Frau eine Angststörung habe und sich nicht gut abgrenzen könne und der Hund ihr nunmal gut tue. Ich sei ein Egoist und so fort. Ich ging, da ich sah, dass wir so nichts erreichen können. Meine Frau wurde noch ins Haus gelassen, um Gina nochmal streicheln zu dürfen. Die schlimme Zeit sollte jetzt erst beginnen.
Denn in der Folgezeit lernte ich, was der Verlust eines Lebewesens bedeutet, welches jede Nacht zu meinen Füßen geschlafen hatte. Das Schlimmste sollte sein, nicht zu wissen, wie es Gina geht. Denn es kam gar nichts mehr. Die junge Frau sandte nach zwei Tagen sogar ein Haus und Hofverbot für ihr Grundstück. Wir waren nun von Gina wie abgeschnitten. Ich dachte, dass es so Angehörigen von Entführten ergehen müsse, die völlig im Ungewissen sind, wie es den Liebsten gehe.
Ich setzte eine Frist. Sie verstrich. Weiter Stille. Auch lief ich Nacht um Nacht die Wege entlang, die ich zuvor täglich mit Gina gegangen war.
Hatte schlimme Träume, wo ich sie nach Autounfall leidend oder mit Elektrohalsband sah.
Meine Frau aß nicht mehr, die Stimmung kippte schnell. Unser Sohn, den wir damit verschonen wollten, fing an, immer wieder von ihr zu sprechen. Wenn ihm etwas Essen herunterfiel, fragte er in den Raum hinein - Gina? Leute im Ort fragen, wo ich denn meinen Hund gelassen habe.
Es gibt nun keinen der 34 Tage, an dem wir nicht geweint hätten, denn der Schmerz ist anhaltend. Wir kontaktierten einen Anwalt, der eine Frist von fünf Tagen setzte. Nach Ablauf kam ein Schreiben der Gegenseite, man benötige noch einmal vierzehn Tage um sich auszutauschen. Sogar das wurde gewährt. Und verstrich. Dann kamen wenige Zeilen, die besagten, das Eigentum sei auf sie übergegangen, wir haben kein Recht.
Nun kommt mit Ablauf der Woche fünf wieder Warten.
Warten auf einen Gerichtstermin.
Weihnachten, Silvester, all das wird mit dem Schmerz über einen Verlust vorbeigehen.
Ich fuhr noch mit einer Nachbarin, um durch sie eine Geldzahlung anzubieten, doch die Türe blieb verschlossen. Nachbarn sagen, es sei bekannt dass sie vernarrt in Hunde sei und verstehen nicht, warum sie nicht einem Hund aus dem Tierheim eine Chance gibt.
Offenbar hat sie nun auch unsere Gina auf sich registriert und die Daten bei Tasso hinterlegt, um Fakten zu schaffen.
Uns sind die Hände gebunden, wir sind zum Warten verdammt,
im Wissen, dass ein Monat des Menschen, für einen Hund einem Jahr gleichkommt.
Das Schlimmste ist, dass Gina wohl meint, wir haben sie fallenlassen.
Und das wollte ich niemals tun. Dass ich für unser häusliches Problem eine Lösung im Außen gesucht habe, war ein großer Fehler, den ich tief bereue.
Es gibt kaum etwas auf was ich nicht verzichten würde, um Gina wieder in der Familie zu wissen. Doch die Mauer des Schweigens sind, wie Jalousien unten.
In drei Tagen ist Weihnachten.
Nicht für uns.
Hat jemand eine Idee, was wir tun können?
