Es gibt bei Ratten ein relativ häufig zu beobachtendes Phänomen: gelähmte Hinterbeine.
Betroffen sind häufiger Böcke als Weibchen und es trifft oft große, schwere Tiere.
Die Lähmung beginnt meist
schleichend.
Zuerst fast unbemerkt werden die Hinterbeine beim Gehen seitlich verdreht, später wird das Tier sichtlich unbeweglicher und unsicherer, kann nicht mehr klettern oder sich kratzen.
Der Prozeß endet schließlich mit der vollständigen Lähmung der Hinterbeine.
Tritt plötzlich eine Lähmung eines oder mehrerer Beinchen auf, ist dies ein Alarmsignal ersten Grades. Mehr dazu
hier
Erste Alarmsignale können neben dem veränderten Bewegungsablauf Druckgeschwüre an den Unterseiten der Fußgelenke sein (sog. Bumblefoot) oder auch veränderte Krallen an den Hinterpfoten, da sie sich durch die Fehlstellung des Fußen beim Gehen anders oder gar nicht mehr abnutzen.
Auslöser und Behandlung sind unklar, bzw. umstritten.
Man vermutet degenerative Veränderungen im Nervensystem oder auch ein Absterben der Muskelzellen als Auslöser; zur näheren Erforschung bräuchte es neben Geld aber auch geeignete Präparate von verstorbenen Tieren mit dieser Erkrankung.
Selten gibt es andere auslösende Momente, zum Beispiel Bandscheibenvorfälle oder massiv schädigende Haltung der Tiere. (Sehnenverkürzung durch Haltung in viel zu flachen Käfigen beispielsweise)
Als Behandlung wird die Gabe von Vitamin B in konzentrierter Form (z.B. Bryonon) empfohlen. Einen Beweis für die Wirksamkeit gibt es aber nicht, da ohne genaue Kenntnis der Ursachen und ohne Vergleichsmöglichkeit zum behandlungslosen Krankheitsverlauf keine Aussage getroffen werden kann.
Eine Heilung ist nicht möglich.
Was ist zu tun, wenn Symptome auftreten?
Zunächst, wie eigentlich immer:
Der Gang zum Tierarzt.
Dieser kann andere Erkrankungen ausschließen und mit einer Behandlung möglicherweise das Fortschreiten der Krankheit verhindern.
Außerdem ist der Käfig *behindertengerecht* umzubauen.
Da das Tier über kurz oder lang nicht mehr klettern können wird, sollte man ihm die Wege möglichst erleichtern.
Also:
- kurze Wege zum Futter und zur Tränke.
- Ersetzen der Leitern durch möglichst breite, flache Rampen
- Sichern aller möglichen Absturzorte durch Hängematten, Zwischenetagen oder ähnliches
Später - bei zunehmender und schließlich vollständiger Lähmung - können weitere Aufgaben hinzukommen.
So muss der Besitzer unter Umständen die Körperpflege des Tieres übernehmen.
Wichtig wird dann zum Beispiel, täglich den After, die Geschlechtsteile und den Bauch zu kontrollieren und gegebenenfalls zu säubern (mit lauwarmem Wasser und einem geeigneten Schwämmchen oder einem Q-Tipp), um Infektionen zu vermeiden.
Besonderes Augenmerk verdienen auch die Ohren, die das Tier nicht mehr richtig pflegen kann. Die richtige Kontrolle und das Reinigen der Ohren sollte man sich ebenfalls vom Tierarzt zeigen lassen!
Im Endstadium können selbst Rampen zum unüberwindlichen Hindernis werden und es ist angezeigt, den Käfig so umzubauen, dass der Patient sich auf einer einzigen Etage aufhalten kann.
Dann empfiehlt sich leider auch, genau über den verbleibenden Lebenskomfort des Tieres nachzudenken und gegebenenfalls eine Einschläferung in Betracht zu ziehen.
Quelle:
http://www.rattenforum.de/phpbb/faq/