Soziales Verhalten ist jegliches Verhalten, welches Artgenossen beeinflusst, bzw. durch welches Artgenossen wiederum beeinflussen.
Das Verhalten von Ratten ist äusserst komplex. Ratten lernen in zeitlich begrenzten Abschnitten bestimmte Verhaltensweisen. Diese Prägung ist in verschiedene Phasen unterteilt, in denen sie Sozialverhalten, Erkundungsverhalten usw. erlernen.
Der Einfluss, der durch Umwelteinflüsse auf spezifisches Verhalten genommen werden kann, ist ebenfalls nur in bestimmten Zeiträumen wirkungsvoll. Hat eine Ratte erst einmal ihre eigenen Verhaltensmuster entwickelt, so ist dieser Einfluss auf ihr Verhalten danach nur noch schwer zu beeinflussen, oft ist er gar nicht mehr möglich.
Holt sich der Mensch ein oder mehrere Rattenbabys zu sich ins Haus, so kann er durchaus dazu beitragen, auf das Verhalten der Tiere Einfluss zu nehmen. Die Grundcharakterzüge der Ratten sind zwar genetisch festgelegt, jedoch kann durch entsprechenden Umgang der Charakter der Ratten "geformt" werden.
Die Entwicklung von Rattenbabys wird bereits im Mutterleib angelegt. Werden Rattenmütter während der Trächtigkeit oder beim Säugen Stress ausgesetzt, so kann dies später zu deutlichen Unterschieden im Verhalten führen. Auch Erfahrungen mit anderen Ratten, ob positiver oder negativer Natur, nehmen grossen Einfluss auf das Sozialverhalten. Negative Erfahrungen können sogar zu einem Trauma führen und sind nur noch schwer wieder rückgängig zu machen. Werden Ratten z. B. in einem zu kleinen Käfig gehalten und können ihrem Bewegungsdrang daher nur sehr ungenügend nachkommen, so kann dies immer wieder zu Fehlverhalten dem Artgenossen oder auch dem Menschen gegenüber führen. Auch Einzelhaltung führt zu anormalen Verhaltensmustern und verursacht spätere Unverträglichkeit in einer sozialen Gruppe.
Kleine Veränderungen, die vielleicht vom Menschen gar nicht als solche wahrgenommen wurden, können fatale Auswirkungen auf die Tiere, bzw. ihr Sozialverhalten haben. Ist die Ratte dann nicht in der Lage, sich den veränderten Bedingungen anzupassen, entwickelt sich Stress, der sich als Krankheit oder eben anormales Verhalten äussert. Es ist daher nicht sinnvoll, die gewohnte Umgebung der Ratten ständig zu verändern. Dies trifft auch auf die Regelmässigkeit beim Füttern usw. zu. In Untersuchungen wurde zweifelsfrei festgestellt, dass die Art und Weise des Umgangs des Menschen mit den Ratten einen wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit der Tiere hat!
Verhaltensstörungen
Jedes Lebewesen ist in seiner jeweiligen Umwelt Konfliktsituationen ausgesetzt, die es durch angeborenes oder erlerntes Verhalten zu bewältigen sucht. Kann es dies nicht, aus welchen Gründen auch immer, kommt es zu Fehlverhalten.
Agonistisches Fehlverhalten:
Kennt ein Tier "seinen" Futternapf, sowie die bislang immer regelmässigen Zeiten, in der dieser auch tatsächlich gefüllt war, kann es Artgenossen gegenüber aggressiv werden, sobald der Napf zu den erlernten Zeiten leer bleibt.
Ambivalentes Verhalten:
"2 Seelen streiten in einer Brust". Ein Tier will zum Futternapf, "etwas" in ihm will aber nicht. Wenn beide Komponenten gleich stark sind, kommt es zu Kreisbewegungen um das "Ziel" herum.
Ersatzverhalten:
Wenn ein Tier sein Ziel nicht erreichen kann (es will zum Beispiel aus einem Käfig hinaus) oder Angst davor hat, kann das Verhalten auf ein anderes Ziel ausgerichtet werden (das kann sich z B durch aggressives Verhalten dem Menschen oder Artgenossen gegenüber äußern).
Zusatzverhalten:
Typisch ist hierbei, dass es wenig oder nichts mit dem Konflikt an sich zu tun hat, was es aber natürlich schwer macht, es als Konfliktverhalten überhaupt zu erkennen. Wenn Tiere miteinander kämpfen, kann es vorkommen, dass eines plötzlich anfängt sich zu putzen oder, besonders bei Hahnenkämpfen zu beobachten, auf dem Boden herumpickt, als wäre gerade Futter hingestreut worden.
Obige Verhaltensweisen sind meist von kurzer Dauer und/oder stark ausgeprägt. Kann das jeweilige "Problem" durch das Tier nicht gelöst werden, kommt es zu chronischem Stress, ausgelöst durch das Fehlverhalten, bzw. deren Ursache. In dem Fall kann man auf Mängel in der Tierhaltung durch den Menschen schliessen.
Eine 2. Art von Verhaltensstörungen sind die sogenannten Stereotypien, die häufig in der Tierhaltung festgestellt werden. Diese sind beständig, also nicht wie obige Störungen von kurzer, vorübergehender Art, und werden laufend wiederholt. Ein bestimmter Zweck ist nicht zu erkennen und die Art und die Stärke dieser Störungen sind für das einzelne Individuum charakteristisch. Untersuchungen bei Ratten, die in zu kleinen Käfigen gehalten wurden, ergaben, dass Stereotypien durch den Einsatz des Opiat-Antagonisten Naloxon reduziert werden können. D. h., das Auftreten von Stereotypien geht einher mit der Freisetzung von Endorphin durch das Zentralnervensystem. Endorphine wirken schmerzstillend und euphorisierend, wodurch man dem Auftreten von Stereotypien eine biologische Bedeutung dem Tier gegenüber zusprechen kann. Grundsätzlich aber weisen S. darauf hin, dass sich die jeweiligen Tiere in einem Zustand von chronischem Stress befanden oder diesem noch ausgesetzt sind.
Anpassung
Wie eine Ratte eine Gegebenheit, bzw. Änderung der bestehenden Verhältnisse verarbeiten kann, hängt sowohl von der ihrer Art zur Verfügung stehenden Mechanismen als auch vom Individuum selbst ab. Nicht jede Ratte also kann den gleichen Konflikt auch gleich gut meistern. Bei Ratten gibt es 2 extreme Verhaltensmuster. Während die einen höchst aktiv versuchen, eine Zustandsänderung zu bewältigen, indem sie z. B. auf einen Eindringling zugehen und diesen zu vertreiben suchen, können dies andere wiederum nicht. Oder die einen erstarren quasi in "Ehrfurcht", andere verstecken sich, wobei beides zunächst einmal gleichermassen erfolgreich ist: in jedem Fall wurde dem Konflikt aus dem Weg gegangen. Allerdings sind die Voraussetzung für diese entweder aktive oder passive Anpassung in der Heimtierhaltung u. a. immer genügend Platz und gut zusammengeführte Gruppen (sh. dazu auch Kapitel Integration und Neue Ratten. Nur dadurch können sich feste und gut funktionierende Verhaltensweisen bilden.
Ratten sind, wie schon erwähnt, Rudeltiere und dürfen deshalb nicht alleine gehalten werden.
Es ist ein Ammenmärchen, wenn man sagt, dass Ratten, die alleine gehalten werden, eher zahm werden.
Im Gegenteil. Viele alleingehaltene Ratten weisen früher oder später Verhaltensauffälligkeiten auf.
Ein Mensch kann der Ratte ihren rattigen Partner nicht ersetzen. Ein Mensch kann nicht in Rattensprache sprechen und auch nicht im Häuschen mit ihr kuscheln. Und wer schon mal gesehen hat, wie eine Ratte die andere putzt und wie sie gemeinsam spielen, der wird uns Recht geben und keine Einzelratte halten.
Indien ist eines der Länder, das von der Rattenproblematik ganz besonders betroffen ist, dennoch werden auch Ratten als Gottesgeschöpfe anerkannt und sogar verehrt. Wer sie verletzt oder gar tötet, verliere sein gutes Karma und setze sich damit schlimmem Unheil aus . . .
Ratten zählen zu den Nagern. Man unterscheidet zwei Arten: die Wanderratte (Rattus norvegicus) und die Hausratte (Rattus rattus). Ratten sind intelligente Tiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Sie besitzen ein Gebiss mit je einem Paar Schneidezähnen in Ober- und Unterkiefer. Diese Nagezähne wachsen ständig nach und werden durch ständiges Nagen kurz und scharf gehalten. Nage- und Backenzähne sind durch eine Lücke getrennt. Dadurch ist es ihnen möglich, sogar Metalle wie Blei, Aluminium, Kupfer und Blech durchzunagen.
Haus- und Wanderratten sind Allesfresser. Die Hausratte bevorzugt jedoch eher pflanzliche Kost, während Wanderratten auch gerne mal einen Happen Fleisch zu sich nehmen. Die Hausratten bevorzugen warme und trockene Plätzchen in den oberen Etagen von Häusern. Da man heute vermehrt Dachböden als Wohnraum ausbaut, wurde der Hausratte der Lebensraum entzogen. Inzwischen gilt die Hausratte in Mitteleuropa als vom Aussterben bedroht.
Wanderratten leben bevorzugt im Untergrund. Sie bevölkern mit Vorliebe die Gänge der städtischen Kanalisationen oder sie und legen sich weit verzweigte, unterirdische Gangsysteme an.
Ratten sind in ihrem gewohnten Rudel ruhig im Umgang miteinander, zwischendurch kommt es aber auch hier zu kleinen Kämpfen untereinander, bei denen es aber nicht sonderlich ernst zugeht. Wenn Ratten für einige Zeit getrennt waren, beschnuppern sie sich gegenseitig im After- und Schnauzenbereich. Das dient der Wiedererkennung der Gruppenmitglieder. Jede Ratte hat ihren eigenen Geruch. Sie markieren sich auch gegenseitig mit Harntröpfchen, um einen sogenannten Gruppenduft zu erzeugen.
Ratten sind sehr reinliche Tiere die sich oft minutenlang putzen. In einer Gruppe putzen sich die Ratten gegenseitig, was als freundliche Geste verstanden wird. Dominante Ratten lassen sich aber nicht von jeder Ratte putzen. Allerdings haben sie das Privileg jedes andere Gruppenmitglied zu putzen wann sie wollen.
Ratten schlafen eng zusammengekuschelt in ihrem Häuschen. Sie suchen die Nähe und die Wärme der anderen Tiere.
Auseinandersetzungen zwischen ranghöheren und rangniedrigeren Ratten sind meist nicht wirklich gefährlich. Als erstes wird versucht sich gegenseitig einzuschüchtern und herauszufinden wer der Stärkere ist. Das wird durch fauchen, Zähnefletschen und Haarsträuben erreicht. Wenn dadurch nichts erreicht wird und keiner der beiden sich unterwirft, wird geboxt, d.h. die beiden Ratten stellen sich auf und boxen sich gegenseitig mit den Vorderpfoten. Unterwirft sich eines der Tiere, wirft es sich Rücken und streckt die Vorder- und Hinterpfoten von. So bleibt die Ratte dann einige Sekunden lang liegen.
Ratten sind sehr neugierige Tiere. Wenn eine Ratte in eine neue Umgebung gesetzt wird, wird sie erst die Umgebung erkunden, bevor sie etwas frisst oder trinkt.
Wenn man sich eine Ratte kauft, weiß man nie wie sie in ihrem vorigen Leben behandelt wurde. Manche Tiere wurden nicht genug an den Menschen gewöhnt und sind deshalb scheu oder bissig. Diese Ratten brauchen sehr viel Geduld, und man sollte sich täglich um sie kümmern damit sie neues Vertrauen zum Menschen gewinnen.
In diesem Buch werden verschiedene Tierarten vorgestellt, vor denen der Mensch bis heute Ekel, Angst und Abscheu empfindet und der Autor versucht, zu diesen Tieren ein paar aufklärende Worte anzubringen. Ich habe nur das Kapitel über Ratten gelesen und mußte feststellen, daß 1981 wohl noch sehr wenig über Ratten bekannt war, bzw. kann es auch sein, daß der Autor mit älteren Datenbeständen gearbeitet hat.
Ob nun dieses der Grund war oder der Autor allgemeiner etwas zu der Thematik beitragen wollte weiß ich nicht, aber außer über Ratten im engeren Sinne ist hier auch einiges über bspw. Mäuse und Bisam“ratten“, Politik und Staatsformen oder auch anderweitig querbeet zu finden. Interessant sind die Beschreibungen einiger Versuche, die mit Ratten gemacht wurden, obschon ebenfalls etwas abschweifend und sicherlich zu hinterfragen.
Ein schönes Photo ziert den Umschlag des Buches, jedoch wird die Ratte gleich am Beginn (S. 108) als Urfeind des Menschen bezeichnet. Mittlerweile und auch damals schon gibt bzw. gab es wesentlich mehr Ratten als Menschen auf der Erde - Aussage 4 Mrd. Ratten 1981 (S. 109). Im Kapitel „Wissenswertes über den Hauptfeind“ erfahren wir auf Seite 110, daß Ratten mit zu den gefährlichsten Tieren für den Menschen zählen, ja womöglich die gefährlichsten sind. Ich persönlich bevorzuge als Gegenüber doch u.U. lieber eine Ratte egal welcher Art anstelle beispielsweise einer Raubkatze.
Negiert wird diese Aussage durch die realistische Betrachtungsweise ein paar Sätze später, wo der Autor selbst darauf hinweist, daß erst durch die unhygienische Lebensweise des Menschen die Ratten sich zu einer Gefahr entwickeln können, unabhängig davon aber mit eine der interessantesten Tierarten sind.
Die Behauptung, daß die Mehrzahl der Rattenarten untereinander kaum zu unterscheiden sind, weder physiologisch noch ob ihres Verhaltens, stimmt nicht, demzufolge sollte mit Verallgemeinerungen vorsichtig umgegangen werden (S. 114). Interessant hingegen ist die Beschreibung einer Versuchsanordnung aus dem Jahre 1929 zur Intelligenz von Ratten – selber lesen!
Im Kapitel „Vergleiche bieten sich an“ (S. 117) werden einige statistische Daten genannt, die jedoch keinesfalls der Realität entsprechen. Auch Wanderratten sind nicht erst ab einem Alter von 2 ½ Monaten geschlechtsreif, sondern können bereits mit 5 – 6 Wochen zeugungsfähig sein, bei der domestizierten Form der Wanderratte, unserer als Haustier gehaltenen Farbratte, kann die Geschlechtsreife noch früher, nämlich ab einem Alter von 4 – 5 Wochen, eintreten. Es gibt auch keine Wanderratte, die 5 – 10 Jahre alt wird, sondern sie kommen mit ca. 20 Monaten in die Menopause und sind ab dato für das Überleben der Art nicht mehr „notwendig“, das heißt sie werden, wie auch unsere Farbratten, nur ca. 2 – 3 Jahre alt. Hinzu kommt der Feind- und Mangeldruck in der Natur, der den wildlebenden Wanderratten sogar manchmal ein kürzeres Leben bescheren kann, als es unseren als Heimtieren gehaltenen Farbratten gegeben ist. Wanderratten haben ein komplexes Sozialverhalten, so trifft die Aussage, daß sich Männchen und Weibchen nur untereinander bekriegen, nicht zu (S. 117). Rangordnungskämpfe sind ab Eintritt der Geschlechtsreife zu beobachten, also mitnichten erst im Alter von 6 Monaten (Aussage S. 118).
Bei der Hierarchiebeschreibung (S. 121) muß hinzugefügt werden, daß es sich um eine Entartungserscheinung bezüglich des vordem beschriebenen Versuches handelt, diese also nicht normal ist. Vielleicht hätte hier mehr auf das normale Sozialverhalten der Tiere als denn auf experimentell wahllos erzeugte Entartungen eingegangen werden sollen. Der Leser möchte sich in erster Linie ein Bild über die Tierart machen können, doch das wird ihm hier eher erschwert, es sei denn er hat die Fähigkeit, die wenigen Puzzleteile richtig zusammenzufügen, obwohl ihm einige fehlen.
Ob sich Ratten nun in vielen Situationen wie Menschen verhalten, wage ich zu bezweifeln (S. 122), obwohl man sich schon manchmal fragen könnte, wer eigentlich die klügere Spezies sei. Auf Seite 125 wird darauf hingewiesen, daß Ratten wohl in der Lage seien, Wissen weiterzuvererben, als Beispiel wird verdorbene oder giftige Nahrung angeführt. Das entspricht natürlich nicht der Wahrheit, da die Welpen dieses Verhalten von der Mutter erlernen, Wissen ist nicht erblich – sonst müßte ich die Gewichtung in punkto klügere Spezies ganz eindeutig auf die Seite der Ratte verlagern, da sie ja eine wesentlich höhere Generationsfolge hat *lach*! Leider spinnt der Autor diesen essentiellen Fehler noch weiter aus (bis S. 127), und untermauert diesen Hokuspokus mit einem angeblichen Experiment von Ungar aus dem Jahre 1965, an dessen Existenz ich weniger Zweifel hege als an seiner Wissenschaftlichkeit. An diesen genetischen Humbug sollte auch damals keiner geglaubt haben, aber auch heute noch stellt ja bekanntlich bei einigen Publikationen der finanzielle den qualitativen Wert in den Schatten.
Störend ist die immer wiederkehrende Darstellung von Beobachtungen als Absolutum, bspw. im Sozialverhalten (S. 127). Sicher sind niederfrequente Ultraschallaute nun mittlerweile eindeutig als Beruhigungs- bzw. Unterwerfungsäußerung zu betrachten, aber damit dem Tier „nicht das Geringste“ geschieht sind noch viele andere Faktoren bzw. Umstände zu beachten. Genauso die Aussagen zur Gruppengröße – das orientiert sich an verschiedenen Bedingungen und bedingt nicht generell die freundliche Aufnahme rudelfremder Tiere.
Im abschließenden Kapitel auf Seite 130 wird das Terrarium als Unterbringungsmöglichkeit angegeben, darauf sollte zugunsten der Gesundheit der Tiere lieber verzichtet werden, dies nur nebenbei. Der Autor nennt hier die Möglichkeit, daß die Ratte ob ihrer Eigenschaften das „Haustier der Zukunft“ werden könnte (zu Beginn der 90-iger Jahre), aber aufgrund der immer noch bestehenden Vorurteile hat er seine Zweifel daran.
(Hatte ich nämlich auch schon mal gemacht

+ "Die Wanderratte")