- Lucy – ein Rattenleben Beitrag #1
Nienor
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Auf Wunsch einer einzelnen Dame
stell ich die Geschichte auch hier mal ein. Sie ist eigentlich vollkommen fiktiv und heute Nachmittag meinem Hirn entsprungen, ich hoffe, dass kein Tier soetwas erleben muss, auch nicht ansatzweise
Jeglich Parallelen zu realen Personen, so fern vorhanden, sind dementsprechend zufaellig.
Hallo, mein Name ist Lucy. Ich bin gerade über die Regenbogenbrücke gegangen, aber ich dachte mir, ich werde noch schnell meine Geschichte weitererzählen, bevor ich mich auf die Suche nach meiner Mama, meinen Geschwistern und meinen Babies mache, die ich nun bald ein Jahr lang nicht mehr gesehen habe.
Geboren wurde ich in so einem komischen Glaskasten, da waren noch viele andere Ratten, auch mein Papa, obwohl mir Mama nie genau sagen konnte, welcher der Jungs es war. Als wir noch ganz klein waren, wurden einige von uns weggenommen, die Menschen murmelten etwas von einer Schlange und schon verschwanden einige in einer komischen Plastikbox und wir haben nie wieder etwas von ihnen gehört. Auch gingen gelegentlich einige der grösseren Ratten, manche in solchen Plastikboxen, andere kamen ins Pappboxen und dazu wurde noch reichlich Zubehör gekauft. Auch dieses staubige Streu, das wir hier auch hatten. Wenn ich daran denke, juckt mir schon wieder die Nase. Als wir verbliebene Zwerge dann vier Wochen alt waren, wurden wir auch nacheinander verkauft. An einem Tag war da so ein Mädchen, das klopfte die ganze Zeit gegen die Scheibe und am Ende hat sie meinen Bruder in einer Pappbox mitbekommen. Dazu gab es noch so einen kleinen pinken Kaefig mit vielen Roehren und so eine runde Kugel. Hoffentlich ging es ihm da gut. Mama ging es von einem Tag auf den naechsten sehr schlecht, sie hatte viel Sekret an der Nase und war ziemlich viel am Niesen. Sie wurde auch recht schwach. Nette Menschen haben den Verkäufer dann darauf aufmerksam gemacht. Er hat sie auch gleich rausgeholt und in einen hinteren Raum gebracht. Was aus ihr wurde, weiss ich nicht, ich habe sie nur am Abend noch einmal laut schreien gehört.
Eines Tages stand dann so ein Mädchen mit einer lustigen bunten Frisur vor unserem Glaskasten und schaute sich die Jungs an. Ihre Freundin meinte aber, die Eier wären eklig, sie solle doch ein Mädchen nehmen. Da hörte ich auf und machte mich so hübsch, wie ich nur konnte. Ich machte Männchen und setzte mein süsses Gesicht auf, und so wählte sie mich. Der Verkäufer kam und packte mich am Schwanz in so eine Pappbox. Danach ging es eine ganze Weile durch die Kälte. Ich glaube, da habe ich mir dann den Schnupfen eingefangen. Als wir dann endlich bei dem Mädchen zuhause waren, steckte sie mich erst einmal in eine Schublade, die sie vorher mit Zeitung ausgepolstert hatte. Eine Schale Wasser und etwas Meerschweinchenfutter bekam ich auch. Nun sass ich dort ganz allein im Dunkeln und fragte mich, warum ich nicht doch still in der Ecke geblieben war. Ich dachte ja, es konnte nicht schlimmer werden als dort in dem staubigen, stickigen Glaskasten, aber irgendwie war diese dunkle Schublade auch nicht besser.
Wenigstens holte sie mich täglich raus und spielte mit mir. Sie hiess Maria und nannte mich Scratchy. Auf ihrer Schulter, durfte ich die Welt erkunden. Aber nur, wenn ihre Mama nicht da war. Ansonsten wurde ich in Jackentaschen gesteckt. In der Schule war ich auch oft. Meist aber in ihrem Schliessfach in einem kleinen Schuhkarton. Mein Schnupfen wurde irgendwie auch nicht besser, obwohl sie mir leckeren Hustensaft zu trinken gab. Nach zwei Wochen wurde ich ziemlich dick, sodass Marie einen gewaltigen Schock bekam. Ich habe dann meine Kleinen in der Schule im Schliessfach bekommen. Leider hat sie an dem Tag nur mich mit nach Hause genommen, die Kleinen hat sie mit Karton stehen lassen. Am nächsten Tag hat keiner mehr gepiept und sie hat den Karton einfach weggeworfen und mir einen neuen gegeben. Meine armen kleinen Babies, sie sind sicher erfroren oder verhungert.
Nach einiger Zeit verbrachte ich immer mehr Zeit in der doofen Schublade und durfte nur noch abends mit ihr raus zu ihren Freunden. Als ich dann anfing, und versuchte mich ins freie zu Nagen, wurde sie nur noch saurer und sperrt mich gelegentlich auch in so eine kleine durchsichtige Plastikbox mit Plastikgitter oben, wo ich mich kaum drin drehen konnte. Eines Abends waren wir wieder draussen, mit ihren Freunden beim Lagerfeuer machen, da bekam ich kaum Luft wegen dem Qualm. Irgendwas hat dann die Menschen verschreckt, da war so ein blaues Licht und Lärm und alle sind weggerannt. Dabei habe ich das Gleichgewicht verloren und fand mich plötzlich ganz allein im Gras neben einem Spielplatz wieder. Ich hatte riesige Panik und verkroch mich sofort. Die ganze Nacht sass ich allein in einer Röhre und bibberte. Ich hatte, Angst, dass mich irgendein Ungeheuer findet und frisst. Irgendwann schlief ich dann aber erschöpft ein.
Am nächsten Morgen weckten mich 2 kleine Hände, die mich hochhoben und durch die Gegend trugen. Dabei schrie das kleine Mädchen : „Mama, schau mal, eine grosse Maus. Darf ich die behalten ?“ Natürlich durfte sie mich behalten, und kurz darauf zog ich in so einen kleinen pinken Käfig mit vielen Röhren, wie ihn auch mein Bruder bekommen hatte. Der war richtig gross, im Vergleich zu der Schublade, in der ich bisher lebte. Auch bekam ich da ab und zu leckere Karotten. Leider musste ich dort auch auf so staubiger Streu leben, aber dafür lebte nicht mehr in totaler Dunkelheit. Jeden Abend steckte mich das Mädchen – sie hiess übrigen Susann und nannte mich Mausi - in so einen durchsichtigen Ball und stellte den auf den Boden. Wenn ich darin lief, rollte der über den Boden. Anfangs machte das richtig Spass, nur mit der Zeit tat mir immer mehr der Rücken weh. Gelegentlich durfte ich auch ohne diesen Ball raus und sie spielte mit mir. Ich durfte durch ihr Barbiehaus turnen und musste mit ihren Plüschtieren spielen. Bis ich mal eines kaputtgebissen hatte. Danach durfte ich nur noch in den Ball. Und das wurde mit der Zeit auch seltener. Da ich am Fenster stand, konnte ich wenigstens die Leute ein wenig beobachten, die draussen vorbeiliefen. Ich sah sie zwar nur sehr unscharf, aber immerhin etwas Abwechslung.
Mein Schnupfen war immer noch da, aber niemand kümmerte sich darum. Eines Tages wachte ich mit starken Kopfschmerzen und Schwindel auf. Ich konnte nicht mehr gut gerade aus laufen und drehte mich fast nur noch. Als das Mädchen das sah, rief es seine Mama. Diese erzählte etwas von einem Arzt und schickte das Kind in die Schule. Dann nahm sie einen Pappkarton und setzte mich hinein. Ich hatte zwar ein wenig Angst, aber mir wurde gesagt, dass ein Arzt uns helfen kann. Also fuhren wir ein Stück mit dem Auto und dann stiegen wir aus und sie lief ein Stück, bis sie mich absetzte. Dann hörte ich, wie sie weg ging. Ich wartete brav darauf, dass der Arzt mir hilft. Und wartete und wartete. Irgendwie kam kein Arzt, aber eine Katze. Diese öffnete meinen Karton und nur durch Glück, konnte ich entkommen. Mein Magen knurrte gewaltig und ich begab mich auf die Suche nach etwas Fressbarem. Leider waren die guten Fressplätze schon von meinen wilden Kollegen besetzt, für mich gab es nur noch eklige Reste, besser als nichts. Aber nach ein paar Tagen fand ich in so einem Gittergestell verführerisch riechendes Futter. Der Hunger war stärker als die Angst davor und trieb mich hinein. Was mein grosses Glück war. Endlich hatte ich auch mal Glück im Leben.
Nachdem ich einige Zeit in dieser Falle sass, kamen nette Menschen, um mich abzuholen. Sie waren entsetzt von dem Anblick, den ich ihnen bot. Zerbissen mit schiefem Köpfchen, schniefend und fast nur im Kreis drehend. Auch sie redeten von Tierarzt, aber sie brachten mich auch dort hin. Der Tierarzt war auch nicht sonderlich optimistisch, aber er meinte, man solle es mal versuchen. Ich bekam einen Pieks nach dem anderen und wurde dann von den Leuten mit nach Hause genommen. Dort kam ich in einen riesigen Käfig. Mit Häuschen, Zeitung, WC mit nicht staubiger Einstreu. Dazu noch Nagematerial. Und ich roch andere Ratten. Ich hatte da auch so ein cooles Handtuch, was man aufgehangen hatte. Die Menschen nannten das Hängematte. Das habe ich sofort als Lieblingsplatz auserkoren. Es gab auch ganz leckere Sachen, Banane und richtiges leckeres Rattenfutter. Und Erdbeerjoghurt, der hatte aber anfangs einen fiesen Beigeschmack, sodass ich den recht bald stehen liess. Dann kamen sie mit Käsepaste – hm lecker, das müsst ihr mal probiert haben. Die hatte zwar anfangs auch einen fiesen Beigeschmack, aber war so lecker, da konnte man den ignorieren.
Nach zwei Wochen bekamen meine neuen Menschen Falten auf der Stirn und waren nicht mehr so glücklich, wenn sie mich sahen. Zwar waren meine Kopfschmerzen weg und die Wunden gut verheilt, aber ich hatte ganz schön zugenommen. Mein Schnupfen sollte eigentlich auch weg gewesen sein, der Arzt sagte etwas von chronischem Schnupfen. Naja, ich war es ja gewohnt, ich nieste ja schon, ja eigentlich, seit ich aus diesem komischen Glaskasten damals rauskam. Aber die Menschen meinten, ich hätte zu viel zu genommen und wäre birnenförmig geworden – na hört mal, so toll kann eine schwangere Frau nicht aussehen, aber birnenförmig empfinde ich als Beleidigung.
Also bekam ich genau 3 Wochen nach meiner Ankunft meine 7 kleinen Babies. Sie waren wirklich herzig und diesmal durfte ich sie sogar grossziehen. Meine Menschen waren auch ganz entzückt von der kleinen braunen Bande, wussten aber nicht so recht, wohin mit meinen 5 Jungs. Sie redeten ständig etwas von HaWis und schwer vermittelbar. Aber das störte uns vorerst nicht, wir genossen es, zusammen zu sein. Das hatte ich nun ein halbes Jahr lang vermisst, endlich wieder Artgenossen, auch wenn es nur meine Babies sind. Mit vier Wochen wurden dann die Jungs abgeholt. Ich habe gehört, man hatte ein gutes Zuhause mit einem Dom für die Fünf gefunden. Was so ein Dom ist, sollten wir drei verbliebenen auch bald noch lernen. Die Menschen haben uns im Übrigen auch Namen gegeben. Mich nannte man jetzt Lucy. Meine Töchter heissen Mia und Lisa. Sie liessen uns auch ab da täglich durch das Zimmer wuseln und es gab jeden Tag etwas neues zu entdecken, sowohl im Auslauf, als auch kulinarisch. Leider wussten das meine Mädels nicht zu schätzen, sie begannen recht bald, die Menschen zu beissen. Sie hatten Angst vor ihnen, dabei waren die doch voll nett. Nach 6 Wochen Dreisamkeit lernten wir endlich die anderen Ratten im Haushalt kennen und zogen dann zu ihnen in den Dom. Der Dom ist ein schönes grosses Heim, wir haben da zu siebt drin gelebt. Zusammen mit der Neomi, Sally, Shira und dem Freddy. Dem armen Kerl hatte man die Eierchen geklaut, damit er mit Mädels leben kann. Wobei, einmal so ein Haufen Flöhe sind mehr als genug und der war so ein lieber Kerl, mit dem man super kuscheln konnte.
Es war wirklich ein tolles Leben bei diesen Menschen dort. Sie nannten mich immer Vorzeigeratte, weil ich so zutraulich war und immer sofort am Gitter stand, wenn jemand den Raum betrat. Auch war ich immer freundlich zu allen Fremden, die sich über uns informieren wollte. Da zeigte ich auf gern mal meine Kunststückchen. Das fanden immer alle lustig. Eines Morgens bin ich mit extremen Bauchweh aufgewacht und verlor Blut. Meine Menschen waren ganz entsetzt, als sie das sahen und brachten mich gleich zum Arzt. Dieser meinte, da stimmt etwas mit meiner Gebärmutter nicht, man müsse mich operieren. Also liessen sie mich da. Die ganze Nacht verstand ich die Welt nicht mehr und am nächsten Morgen kam ich in so eine Plastikbox und plötzlich wurde ich müde. Als ich wieder aufwachte, fühlte ich keinen Schmerz, hatte aber ein komisches Gefühl im Bauch. Meine Menschen holten mich endlich ab. Ich durfte auch gleich wieder zu den anderen und meinen Kleinen, die sehr lieb zu mir waren. Die Menschen sagten, ich habe alles gut überstanden.
Ich war schon auf dem Weg der Besserung, als ich wieder diese starken Kopfschmerzen bekam. Von da an drehte ich mich nur noch im Kreis und die Schmerzen waren fast unerträglich. Meine Menschen gaben mir noch ein paar Tage Käsepaste mit komischem Beigeschmack, aber es wurde nicht besser. Sie wurden immer trauriger. Dann packten sie mich morgens weinend in die Transportbox und sagten, ich sollte mich von den anderen verabschieden. Sie brachten mich wieder zu dem Arzt. Dieser gab mir einen Pieks und ich wurde wieder müde. Diesmal durfte ich aber in den Händen meiner Menschen einschlafen und plötzlich war aller Schmerz weg. Ich sah vor mir eine Regenbogenbrücke und wusste instinktiv, dort muss ich hin. Also folgte ich dem Regenbogen und bin nun hier im Regenbogenland gelandet.
Nun verabschiede ich mich von euch, und suche meine Familie. Und was ich mir noch wünsche, könntet ihr bitte uns Ratten so halten, wie meine letzten Menschen ? Mit viel Platz, leckerem Essen, Artgenossen und ärztlicher Versorgung ? Und wenn uns niemand mehr helfen kann, dann erlöst uns doch bitte von unseren Schmerzen, wir warten dann hier drüben auf euch im Regenbogenland.
Macht‘s gut. Eure Lucy.
©Nienor
Hallo, mein Name ist Lucy. Ich bin gerade über die Regenbogenbrücke gegangen, aber ich dachte mir, ich werde noch schnell meine Geschichte weitererzählen, bevor ich mich auf die Suche nach meiner Mama, meinen Geschwistern und meinen Babies mache, die ich nun bald ein Jahr lang nicht mehr gesehen habe.
Geboren wurde ich in so einem komischen Glaskasten, da waren noch viele andere Ratten, auch mein Papa, obwohl mir Mama nie genau sagen konnte, welcher der Jungs es war. Als wir noch ganz klein waren, wurden einige von uns weggenommen, die Menschen murmelten etwas von einer Schlange und schon verschwanden einige in einer komischen Plastikbox und wir haben nie wieder etwas von ihnen gehört. Auch gingen gelegentlich einige der grösseren Ratten, manche in solchen Plastikboxen, andere kamen ins Pappboxen und dazu wurde noch reichlich Zubehör gekauft. Auch dieses staubige Streu, das wir hier auch hatten. Wenn ich daran denke, juckt mir schon wieder die Nase. Als wir verbliebene Zwerge dann vier Wochen alt waren, wurden wir auch nacheinander verkauft. An einem Tag war da so ein Mädchen, das klopfte die ganze Zeit gegen die Scheibe und am Ende hat sie meinen Bruder in einer Pappbox mitbekommen. Dazu gab es noch so einen kleinen pinken Kaefig mit vielen Roehren und so eine runde Kugel. Hoffentlich ging es ihm da gut. Mama ging es von einem Tag auf den naechsten sehr schlecht, sie hatte viel Sekret an der Nase und war ziemlich viel am Niesen. Sie wurde auch recht schwach. Nette Menschen haben den Verkäufer dann darauf aufmerksam gemacht. Er hat sie auch gleich rausgeholt und in einen hinteren Raum gebracht. Was aus ihr wurde, weiss ich nicht, ich habe sie nur am Abend noch einmal laut schreien gehört.
Eines Tages stand dann so ein Mädchen mit einer lustigen bunten Frisur vor unserem Glaskasten und schaute sich die Jungs an. Ihre Freundin meinte aber, die Eier wären eklig, sie solle doch ein Mädchen nehmen. Da hörte ich auf und machte mich so hübsch, wie ich nur konnte. Ich machte Männchen und setzte mein süsses Gesicht auf, und so wählte sie mich. Der Verkäufer kam und packte mich am Schwanz in so eine Pappbox. Danach ging es eine ganze Weile durch die Kälte. Ich glaube, da habe ich mir dann den Schnupfen eingefangen. Als wir dann endlich bei dem Mädchen zuhause waren, steckte sie mich erst einmal in eine Schublade, die sie vorher mit Zeitung ausgepolstert hatte. Eine Schale Wasser und etwas Meerschweinchenfutter bekam ich auch. Nun sass ich dort ganz allein im Dunkeln und fragte mich, warum ich nicht doch still in der Ecke geblieben war. Ich dachte ja, es konnte nicht schlimmer werden als dort in dem staubigen, stickigen Glaskasten, aber irgendwie war diese dunkle Schublade auch nicht besser.
Wenigstens holte sie mich täglich raus und spielte mit mir. Sie hiess Maria und nannte mich Scratchy. Auf ihrer Schulter, durfte ich die Welt erkunden. Aber nur, wenn ihre Mama nicht da war. Ansonsten wurde ich in Jackentaschen gesteckt. In der Schule war ich auch oft. Meist aber in ihrem Schliessfach in einem kleinen Schuhkarton. Mein Schnupfen wurde irgendwie auch nicht besser, obwohl sie mir leckeren Hustensaft zu trinken gab. Nach zwei Wochen wurde ich ziemlich dick, sodass Marie einen gewaltigen Schock bekam. Ich habe dann meine Kleinen in der Schule im Schliessfach bekommen. Leider hat sie an dem Tag nur mich mit nach Hause genommen, die Kleinen hat sie mit Karton stehen lassen. Am nächsten Tag hat keiner mehr gepiept und sie hat den Karton einfach weggeworfen und mir einen neuen gegeben. Meine armen kleinen Babies, sie sind sicher erfroren oder verhungert.
Nach einiger Zeit verbrachte ich immer mehr Zeit in der doofen Schublade und durfte nur noch abends mit ihr raus zu ihren Freunden. Als ich dann anfing, und versuchte mich ins freie zu Nagen, wurde sie nur noch saurer und sperrt mich gelegentlich auch in so eine kleine durchsichtige Plastikbox mit Plastikgitter oben, wo ich mich kaum drin drehen konnte. Eines Abends waren wir wieder draussen, mit ihren Freunden beim Lagerfeuer machen, da bekam ich kaum Luft wegen dem Qualm. Irgendwas hat dann die Menschen verschreckt, da war so ein blaues Licht und Lärm und alle sind weggerannt. Dabei habe ich das Gleichgewicht verloren und fand mich plötzlich ganz allein im Gras neben einem Spielplatz wieder. Ich hatte riesige Panik und verkroch mich sofort. Die ganze Nacht sass ich allein in einer Röhre und bibberte. Ich hatte, Angst, dass mich irgendein Ungeheuer findet und frisst. Irgendwann schlief ich dann aber erschöpft ein.
Am nächsten Morgen weckten mich 2 kleine Hände, die mich hochhoben und durch die Gegend trugen. Dabei schrie das kleine Mädchen : „Mama, schau mal, eine grosse Maus. Darf ich die behalten ?“ Natürlich durfte sie mich behalten, und kurz darauf zog ich in so einen kleinen pinken Käfig mit vielen Röhren, wie ihn auch mein Bruder bekommen hatte. Der war richtig gross, im Vergleich zu der Schublade, in der ich bisher lebte. Auch bekam ich da ab und zu leckere Karotten. Leider musste ich dort auch auf so staubiger Streu leben, aber dafür lebte nicht mehr in totaler Dunkelheit. Jeden Abend steckte mich das Mädchen – sie hiess übrigen Susann und nannte mich Mausi - in so einen durchsichtigen Ball und stellte den auf den Boden. Wenn ich darin lief, rollte der über den Boden. Anfangs machte das richtig Spass, nur mit der Zeit tat mir immer mehr der Rücken weh. Gelegentlich durfte ich auch ohne diesen Ball raus und sie spielte mit mir. Ich durfte durch ihr Barbiehaus turnen und musste mit ihren Plüschtieren spielen. Bis ich mal eines kaputtgebissen hatte. Danach durfte ich nur noch in den Ball. Und das wurde mit der Zeit auch seltener. Da ich am Fenster stand, konnte ich wenigstens die Leute ein wenig beobachten, die draussen vorbeiliefen. Ich sah sie zwar nur sehr unscharf, aber immerhin etwas Abwechslung.
Mein Schnupfen war immer noch da, aber niemand kümmerte sich darum. Eines Tages wachte ich mit starken Kopfschmerzen und Schwindel auf. Ich konnte nicht mehr gut gerade aus laufen und drehte mich fast nur noch. Als das Mädchen das sah, rief es seine Mama. Diese erzählte etwas von einem Arzt und schickte das Kind in die Schule. Dann nahm sie einen Pappkarton und setzte mich hinein. Ich hatte zwar ein wenig Angst, aber mir wurde gesagt, dass ein Arzt uns helfen kann. Also fuhren wir ein Stück mit dem Auto und dann stiegen wir aus und sie lief ein Stück, bis sie mich absetzte. Dann hörte ich, wie sie weg ging. Ich wartete brav darauf, dass der Arzt mir hilft. Und wartete und wartete. Irgendwie kam kein Arzt, aber eine Katze. Diese öffnete meinen Karton und nur durch Glück, konnte ich entkommen. Mein Magen knurrte gewaltig und ich begab mich auf die Suche nach etwas Fressbarem. Leider waren die guten Fressplätze schon von meinen wilden Kollegen besetzt, für mich gab es nur noch eklige Reste, besser als nichts. Aber nach ein paar Tagen fand ich in so einem Gittergestell verführerisch riechendes Futter. Der Hunger war stärker als die Angst davor und trieb mich hinein. Was mein grosses Glück war. Endlich hatte ich auch mal Glück im Leben.
Nachdem ich einige Zeit in dieser Falle sass, kamen nette Menschen, um mich abzuholen. Sie waren entsetzt von dem Anblick, den ich ihnen bot. Zerbissen mit schiefem Köpfchen, schniefend und fast nur im Kreis drehend. Auch sie redeten von Tierarzt, aber sie brachten mich auch dort hin. Der Tierarzt war auch nicht sonderlich optimistisch, aber er meinte, man solle es mal versuchen. Ich bekam einen Pieks nach dem anderen und wurde dann von den Leuten mit nach Hause genommen. Dort kam ich in einen riesigen Käfig. Mit Häuschen, Zeitung, WC mit nicht staubiger Einstreu. Dazu noch Nagematerial. Und ich roch andere Ratten. Ich hatte da auch so ein cooles Handtuch, was man aufgehangen hatte. Die Menschen nannten das Hängematte. Das habe ich sofort als Lieblingsplatz auserkoren. Es gab auch ganz leckere Sachen, Banane und richtiges leckeres Rattenfutter. Und Erdbeerjoghurt, der hatte aber anfangs einen fiesen Beigeschmack, sodass ich den recht bald stehen liess. Dann kamen sie mit Käsepaste – hm lecker, das müsst ihr mal probiert haben. Die hatte zwar anfangs auch einen fiesen Beigeschmack, aber war so lecker, da konnte man den ignorieren.
Nach zwei Wochen bekamen meine neuen Menschen Falten auf der Stirn und waren nicht mehr so glücklich, wenn sie mich sahen. Zwar waren meine Kopfschmerzen weg und die Wunden gut verheilt, aber ich hatte ganz schön zugenommen. Mein Schnupfen sollte eigentlich auch weg gewesen sein, der Arzt sagte etwas von chronischem Schnupfen. Naja, ich war es ja gewohnt, ich nieste ja schon, ja eigentlich, seit ich aus diesem komischen Glaskasten damals rauskam. Aber die Menschen meinten, ich hätte zu viel zu genommen und wäre birnenförmig geworden – na hört mal, so toll kann eine schwangere Frau nicht aussehen, aber birnenförmig empfinde ich als Beleidigung.
Also bekam ich genau 3 Wochen nach meiner Ankunft meine 7 kleinen Babies. Sie waren wirklich herzig und diesmal durfte ich sie sogar grossziehen. Meine Menschen waren auch ganz entzückt von der kleinen braunen Bande, wussten aber nicht so recht, wohin mit meinen 5 Jungs. Sie redeten ständig etwas von HaWis und schwer vermittelbar. Aber das störte uns vorerst nicht, wir genossen es, zusammen zu sein. Das hatte ich nun ein halbes Jahr lang vermisst, endlich wieder Artgenossen, auch wenn es nur meine Babies sind. Mit vier Wochen wurden dann die Jungs abgeholt. Ich habe gehört, man hatte ein gutes Zuhause mit einem Dom für die Fünf gefunden. Was so ein Dom ist, sollten wir drei verbliebenen auch bald noch lernen. Die Menschen haben uns im Übrigen auch Namen gegeben. Mich nannte man jetzt Lucy. Meine Töchter heissen Mia und Lisa. Sie liessen uns auch ab da täglich durch das Zimmer wuseln und es gab jeden Tag etwas neues zu entdecken, sowohl im Auslauf, als auch kulinarisch. Leider wussten das meine Mädels nicht zu schätzen, sie begannen recht bald, die Menschen zu beissen. Sie hatten Angst vor ihnen, dabei waren die doch voll nett. Nach 6 Wochen Dreisamkeit lernten wir endlich die anderen Ratten im Haushalt kennen und zogen dann zu ihnen in den Dom. Der Dom ist ein schönes grosses Heim, wir haben da zu siebt drin gelebt. Zusammen mit der Neomi, Sally, Shira und dem Freddy. Dem armen Kerl hatte man die Eierchen geklaut, damit er mit Mädels leben kann. Wobei, einmal so ein Haufen Flöhe sind mehr als genug und der war so ein lieber Kerl, mit dem man super kuscheln konnte.
Es war wirklich ein tolles Leben bei diesen Menschen dort. Sie nannten mich immer Vorzeigeratte, weil ich so zutraulich war und immer sofort am Gitter stand, wenn jemand den Raum betrat. Auch war ich immer freundlich zu allen Fremden, die sich über uns informieren wollte. Da zeigte ich auf gern mal meine Kunststückchen. Das fanden immer alle lustig. Eines Morgens bin ich mit extremen Bauchweh aufgewacht und verlor Blut. Meine Menschen waren ganz entsetzt, als sie das sahen und brachten mich gleich zum Arzt. Dieser meinte, da stimmt etwas mit meiner Gebärmutter nicht, man müsse mich operieren. Also liessen sie mich da. Die ganze Nacht verstand ich die Welt nicht mehr und am nächsten Morgen kam ich in so eine Plastikbox und plötzlich wurde ich müde. Als ich wieder aufwachte, fühlte ich keinen Schmerz, hatte aber ein komisches Gefühl im Bauch. Meine Menschen holten mich endlich ab. Ich durfte auch gleich wieder zu den anderen und meinen Kleinen, die sehr lieb zu mir waren. Die Menschen sagten, ich habe alles gut überstanden.
Ich war schon auf dem Weg der Besserung, als ich wieder diese starken Kopfschmerzen bekam. Von da an drehte ich mich nur noch im Kreis und die Schmerzen waren fast unerträglich. Meine Menschen gaben mir noch ein paar Tage Käsepaste mit komischem Beigeschmack, aber es wurde nicht besser. Sie wurden immer trauriger. Dann packten sie mich morgens weinend in die Transportbox und sagten, ich sollte mich von den anderen verabschieden. Sie brachten mich wieder zu dem Arzt. Dieser gab mir einen Pieks und ich wurde wieder müde. Diesmal durfte ich aber in den Händen meiner Menschen einschlafen und plötzlich war aller Schmerz weg. Ich sah vor mir eine Regenbogenbrücke und wusste instinktiv, dort muss ich hin. Also folgte ich dem Regenbogen und bin nun hier im Regenbogenland gelandet.
Nun verabschiede ich mich von euch, und suche meine Familie. Und was ich mir noch wünsche, könntet ihr bitte uns Ratten so halten, wie meine letzten Menschen ? Mit viel Platz, leckerem Essen, Artgenossen und ärztlicher Versorgung ? Und wenn uns niemand mehr helfen kann, dann erlöst uns doch bitte von unseren Schmerzen, wir warten dann hier drüben auf euch im Regenbogenland.
Macht‘s gut. Eure Lucy.
©Nienor