Roten Augen entstehen durch einen Mangel an Pigment. Durch diesen Mangel sind die im Augenhintergrund befindlichen Adern durch die Iris hindurch zu sehen. Die Augen erscheinen rot.
Pigmente sind Melanine. Es gibt verschiedene Varianten dieser Melanine, das braun-schwärzliche Eumelanin und das hellere gelblich-rötliche Phäomelanin. Gebildet werden Melanine in den Melanozyten bzw. in den Melanosomen. Das sind kleine membranumschlossene Bläschen innerhalb der Melanozyten. Eine wichtige Rolle bei der Synthese von Melanin spielt die Tyrosinase, ein Enzym.
Es gibt verschiedene Formen von Albinismus. Albinismus bezeichnet eine Störung der Synthese der Melanine. Allerdings bezeichnet man bei Tieren nur eine Form des Albinismus als Albino. Teilweise werden andere Formen als Teilalbino bezeichnet.
Ist die Tyrosinase komplett ausgefallen, hat das Tier weißes Fell, eine rosa Haut und rote Augen. Diese fehlende Pigmentierung wird dann als Albino bezeichnet.
Es gibt Mutationen, bei denen die Funktionsfähigkeit der Tyrosinase beeinflusst, aber nicht komplett ausgeschaltet ist.
Dies findet man z.B. bei Marder- bzw. russenfarbigen Kaninchen. Die Tyrosinase ist bei dieser Mutation hitzeempfindlich, kann also nur dann arbeiten, wenn es ausreichend kühl ist. Körperregionen, die nicht so warm sind, sind gefärbt bzw. intensiver gefärbt als Regionen, die kühler sind, wie Ohren, Pfoten und Schwanz. Zudem spielt natürlich auch die Umgebungstemperatur eine wichtige Rolle.
Bei Lutions ist das Fell aufgehellt, die Augen enthalten wenig bis kein Pigment. Ursache dafür ist ein gestörter Transport der Tyrosinase. Die Melanosomen sind kleiner und enthalten weniger Pigment. Betroffen ist insbesondere das Eumelanin. Es kommt zur Aufhellung.
Es gibt auch eine Form des Albinimus (okulärerer Albinismus), bei dem nur die Augen betroffen sind. Allerdings wäre mir bei Kaninchen diesbezüglich kein Auftreten bekannt.
Verlust von Pigment tritt auch beim Leuzismus auf. Im Gegensatz zum Albino ist das Enzym zur Farbbildung zwar vorhanden, aber es fehlt an pigmentbildenden Zellkörperchen in den Farbzellen der Haut. In der frühembryonalen Entwicklung wandern die Pigmentkörperchen in die Farbzellen. Dieser Prozess ist bei Leuzismus komplett oder teilweise gestört. Bereiche die in direkten Zusammenhang mit dem zentralen Nervensystem stehen, haben teilweise noch Pigmentzellen. Dadurch beleiben in der unteren Schicht der Regenbogenhaut Pigmente erhalten, die Augen sind also nicht rot sondern blau.
Eine komplette Störung führt zu weißen Kaninchen mit blauen Augen, eine teilweise Störung zu gescheckten Tieren (z.B. Holländer).
Ein kleiner Ausflug in die Entstehung von verschiedenen Fellfarben. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass es durch verschiedene Mutationen zum Verlust von Pigment kommen kann, wodurch sie verschiedene Auswirkungen auf Fell- und Augenfarbe ergeben.
Schwarze Kaninchen mit roten Augen sind eher unwahrscheinlich, da das Fell komplett pigmentiert, die Augen ohne Pigment sein müssten. Aber es gibt durchaus die Möglichkeit, das Mutationen nur in bestimmten Bereichen einen Pigmentverlust verursachen.
Alle Klarheiten beseitigt?:lol: