- Der ganz normale Wahnsinn (oder: Ein ganz normaler Schultag ;) ) Beitrag #1
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So, ich glaube, heute ist es mal wieder soweit...
Mein neues erstes Schuljahr hat die ersten Schulwochen hinter sich, meine grauen Haare haben sich drastisch vervielfältigt und ich könnte täglich schreiend im Kreis rennen :shock:
Der heutige Tag war mal wieder repräsentativ für die gesamten vergangenen Wochen....
1. Stunde:
Wir warten, bis alle Kinder ihren Kram aufgeräumt haben und an ihrem Platz stehen.
Wir warten.
Wir warten immer noch.
Endlich können wir unser Begrüßungslied singen.
Alle Kinder setzen sich.
Wir warten, bis alle Kinder zur Tafel gucken, wo das Tagesprogramm notiert wird.
Wir warten.
Wir warten immer noch.
Wir notieren das Ta- nein, wir warten wieder.
Wir notieren das Tagespro - nein, wir müssen nochmal warten.
Wir notieren endlich das Tagesprogramm.
Der erste muss zum Klo.
Der zweite muss auch zum Klo.
Wir warten, bis jeder seine Anlauttabelle aus der Tasche geholt und seine Plättchen sortiert hat.
Wir warten.
Ach ja - wir warten einfach noch ein bisschen, denn inzwischen sind diverse Plättchen runtergefallen.
Wir hören den ersten Laut und versuchen, unser Plättchen auf das richtige Bild/Buchstabe zu legen.
Wer´s gefunden hat, brüllt´s laut durch die Klasse, die Anweisung, dass man sich bitte meldet, konsequent ignorierend.
Wir warten, bis es wieder leise ist, um den nächsten Laut zu hören.
Wir warten.
Wir hören den nächsten Laut - siehe oben...
Schließlich holen wir unsere Hefte heraus, um zwei lautgetreue Wörter mit Hilfe der Anlauttabelle zu Papier zu bringen.
Wobei - wir müssen ja erstmal warten, bis alle ihre Hefte herausgeholt haben.
Wir warten also.
Wir warten, bis es leise wird, damit jeder das Wort gut verstehen und lautieren kann.
Das dauert eine Weile, aber wir haben ja Zeit.
Wir warten, bis die Mehrzahl der Kinder das Wort zumindest ansatzweise im Heft stehen hat.
Wir warten, bis es leise wird, damit wir das Wort gemeinsam an die Tafel schreiben und es Schritt für Schritt erlesen können.
Wir warten, bis es leise wird, damit alle das zweite Wort hören und lautieren können.
Wir warten....
Weiter siehe oben....
Mit Mühe steht schließlich das zweite Wort an der Tafel, und es wird höchste Zeit, sich aufzustellen und in den Musikraum zu gehen, wo schon die Musiklehrerin - richtig - WARTET....
2. Stunde:
Die überspringe ich jetzt einfach mal, jedenfalls haben wir Xylophon und Metallophon und Glockenspiel ausprobiert und es war ziemlich laut...
3. Stunde:
Wir warten, bis alle ihren Platz aufgeräumt haben und wollen mit der Mathestunde beginnen.
Wir warten.
Wir warten immer noch.
Die Kinder 3, 4, 5, 6, 7 und die Kinder 1, 2 müssen zum Klo.
Wir warten.
Wir sammeln kreischende Kinder vom Flur und warten auf den Rest.
Wir warten, bis alle leise sind, damit die Aufgabe erklärt werden kann.
Das dauert, aber wir haben ja endlos Zeit.
Wir verteilen die Arbeitsblätter und vernehmen ca. 10x die Frage: "Was muss ich da machen?"
Wir wiederholen die Aufgabenstellung.
Wir arbeiten. Endlich.
Naja, bis auf die Kinder 8, 9, 10, 11 und 3, die zum Klo müssen.
Nach der Arbeitsphase warten wir, bis alle ihre Stifte hingelegt haben, sodass die Hausaufgabe erklärt werden kann.
Wir warten.
Wir erklären die Hausaufgabe, packen alle Blätter in die Mathe-Mappe und schreiben die Hausaufgabe ins Hausaufgabenheft.
Dieser Vorgang geht ganz schnell, es dauert nur ca. eine Viertelstunde.
4. Stunde:
Dann warten wir wieder - diesmal darauf, dass wir für das am Vortag fehlende Kind und für alle anderen vergesslichen Kinder noch einmal die Aufgabe für den Kunstunterricht wiederholen: Aus Prospekten bereits bekannte Buchstaben ausschneiden und auf einem Din A3-Blatt entweder als Muster oder als Wörter oder als entsprechende Buchstaben aufkleben (also ein A aus lauter A´s usw...)
Wir teilen die bereits angefangenen Blätter und Prospekte aus.
Wir schlichten an 3 Tischgruppen Streit um Prospekte.
Wir kleben Pflaster auf zerschnittene Hände.
Wir wundern uns, warum einige ihr Blatt Papier zerschneiden, statt die Prospekte.
Wir zerschneiden Mc-Doof-Coupons und teilen sie an der Tischgruppe auf, obwohl sie seit 3 Tagen abgelaufen sind - egal, kann man fein mit zu Hause spielen.
Wir erinnern uns dunkel daran, dass die eigentliche Aufgabe etwas anders lautete.
Wir schneiden Barbiepuppen aus, weil die ja so toll aussehen.... wie die eigentliche Aufgabe lautete, ist ja ziemlich egal.
Wir kleben Buchstaben auf, die wir noch überhaupt nicht gelernt haben - egal, Hauptsache geschnitten und geklebt.
Wir kleben Zeitungsschnipsel auf die Fensterbank - wie gesagt, egal, Hauptsache geschnitten und geklebt. Wir stellen fest: Kleber geht nur schwer wieder von der Fensterbank ab, auf den Fensterscheiben klappt es etwas besser.
So schaffen wir es, in 2 Unterrichtsstunden insgesamt 5 Buchstaben aufs Papier zu kleben. Ist doch toll, oder? Wir freuen uns.
Schließlich räumen wir auf - beklebte Blätter auf einen Tisch, Prospekte auf den anderen Tisch. Warum denn ordentlich? Ein zerknüllter Stapel sieht doch toll aus?
Wie, und jetzt sollen wir auch noch die Schnipsel unter unseren Tischen wegräumen? Die schieben wir doch besser unauffällig zum Nachbarn... Wir streiten uns mehrere Runden, welchem Kind jetzt welcher Schnipsel gehört. Das macht Spaß.
Als es klingelt, stürmen wir fröhlich nach draußen - wir hatten schließlich einen äußerst effektiven Schultag.
*umkipp*
Mein neues erstes Schuljahr hat die ersten Schulwochen hinter sich, meine grauen Haare haben sich drastisch vervielfältigt und ich könnte täglich schreiend im Kreis rennen :shock:
Der heutige Tag war mal wieder repräsentativ für die gesamten vergangenen Wochen....
1. Stunde:
Wir warten, bis alle Kinder ihren Kram aufgeräumt haben und an ihrem Platz stehen.
Wir warten.
Wir warten immer noch.
Endlich können wir unser Begrüßungslied singen.
Alle Kinder setzen sich.
Wir warten, bis alle Kinder zur Tafel gucken, wo das Tagesprogramm notiert wird.
Wir warten.
Wir warten immer noch.
Wir notieren das Ta- nein, wir warten wieder.
Wir notieren das Tagespro - nein, wir müssen nochmal warten.
Wir notieren endlich das Tagesprogramm.
Der erste muss zum Klo.
Der zweite muss auch zum Klo.
Wir warten, bis jeder seine Anlauttabelle aus der Tasche geholt und seine Plättchen sortiert hat.
Wir warten.
Ach ja - wir warten einfach noch ein bisschen, denn inzwischen sind diverse Plättchen runtergefallen.
Wir hören den ersten Laut und versuchen, unser Plättchen auf das richtige Bild/Buchstabe zu legen.
Wer´s gefunden hat, brüllt´s laut durch die Klasse, die Anweisung, dass man sich bitte meldet, konsequent ignorierend.
Wir warten, bis es wieder leise ist, um den nächsten Laut zu hören.
Wir warten.
Wir hören den nächsten Laut - siehe oben...
Schließlich holen wir unsere Hefte heraus, um zwei lautgetreue Wörter mit Hilfe der Anlauttabelle zu Papier zu bringen.
Wobei - wir müssen ja erstmal warten, bis alle ihre Hefte herausgeholt haben.
Wir warten also.
Wir warten, bis es leise wird, damit jeder das Wort gut verstehen und lautieren kann.
Das dauert eine Weile, aber wir haben ja Zeit.
Wir warten, bis die Mehrzahl der Kinder das Wort zumindest ansatzweise im Heft stehen hat.
Wir warten, bis es leise wird, damit wir das Wort gemeinsam an die Tafel schreiben und es Schritt für Schritt erlesen können.
Wir warten, bis es leise wird, damit alle das zweite Wort hören und lautieren können.
Wir warten....
Weiter siehe oben....
Mit Mühe steht schließlich das zweite Wort an der Tafel, und es wird höchste Zeit, sich aufzustellen und in den Musikraum zu gehen, wo schon die Musiklehrerin - richtig - WARTET....
2. Stunde:
Die überspringe ich jetzt einfach mal, jedenfalls haben wir Xylophon und Metallophon und Glockenspiel ausprobiert und es war ziemlich laut...
3. Stunde:
Wir warten, bis alle ihren Platz aufgeräumt haben und wollen mit der Mathestunde beginnen.
Wir warten.
Wir warten immer noch.
Die Kinder 3, 4, 5, 6, 7 und die Kinder 1, 2 müssen zum Klo.
Wir warten.
Wir sammeln kreischende Kinder vom Flur und warten auf den Rest.
Wir warten, bis alle leise sind, damit die Aufgabe erklärt werden kann.
Das dauert, aber wir haben ja endlos Zeit.
Wir verteilen die Arbeitsblätter und vernehmen ca. 10x die Frage: "Was muss ich da machen?"
Wir wiederholen die Aufgabenstellung.
Wir arbeiten. Endlich.
Naja, bis auf die Kinder 8, 9, 10, 11 und 3, die zum Klo müssen.
Nach der Arbeitsphase warten wir, bis alle ihre Stifte hingelegt haben, sodass die Hausaufgabe erklärt werden kann.
Wir warten.
Wir erklären die Hausaufgabe, packen alle Blätter in die Mathe-Mappe und schreiben die Hausaufgabe ins Hausaufgabenheft.
Dieser Vorgang geht ganz schnell, es dauert nur ca. eine Viertelstunde.
4. Stunde:
Dann warten wir wieder - diesmal darauf, dass wir für das am Vortag fehlende Kind und für alle anderen vergesslichen Kinder noch einmal die Aufgabe für den Kunstunterricht wiederholen: Aus Prospekten bereits bekannte Buchstaben ausschneiden und auf einem Din A3-Blatt entweder als Muster oder als Wörter oder als entsprechende Buchstaben aufkleben (also ein A aus lauter A´s usw...)
Wir teilen die bereits angefangenen Blätter und Prospekte aus.
Wir schlichten an 3 Tischgruppen Streit um Prospekte.
Wir kleben Pflaster auf zerschnittene Hände.
Wir wundern uns, warum einige ihr Blatt Papier zerschneiden, statt die Prospekte.
Wir zerschneiden Mc-Doof-Coupons und teilen sie an der Tischgruppe auf, obwohl sie seit 3 Tagen abgelaufen sind - egal, kann man fein mit zu Hause spielen.
Wir erinnern uns dunkel daran, dass die eigentliche Aufgabe etwas anders lautete.
Wir schneiden Barbiepuppen aus, weil die ja so toll aussehen.... wie die eigentliche Aufgabe lautete, ist ja ziemlich egal.
Wir kleben Buchstaben auf, die wir noch überhaupt nicht gelernt haben - egal, Hauptsache geschnitten und geklebt.
Wir kleben Zeitungsschnipsel auf die Fensterbank - wie gesagt, egal, Hauptsache geschnitten und geklebt. Wir stellen fest: Kleber geht nur schwer wieder von der Fensterbank ab, auf den Fensterscheiben klappt es etwas besser.
So schaffen wir es, in 2 Unterrichtsstunden insgesamt 5 Buchstaben aufs Papier zu kleben. Ist doch toll, oder? Wir freuen uns.
Schließlich räumen wir auf - beklebte Blätter auf einen Tisch, Prospekte auf den anderen Tisch. Warum denn ordentlich? Ein zerknüllter Stapel sieht doch toll aus?
Wie, und jetzt sollen wir auch noch die Schnipsel unter unseren Tischen wegräumen? Die schieben wir doch besser unauffällig zum Nachbarn... Wir streiten uns mehrere Runden, welchem Kind jetzt welcher Schnipsel gehört. Das macht Spaß.
Als es klingelt, stürmen wir fröhlich nach draußen - wir hatten schließlich einen äußerst effektiven Schultag.
*umkipp*