Gebet eines Kaninchens

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Kenshin

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Eine kleine Geschichte......

Gebet eines Kaninchens


Dunkel war es um mich herum, alles was ich hörte waren pochende Herzen.
Als ich das erste Mal Licht sah, wusste ich nicht was Leben bedeutet und was es mir bringt, doch ich war voller Zuversicht und Tatendrang. Alle waren sie da, meine liebe Mutter und meine verspielten Geschwister. Noch war unser Zuhause groß genug.

Als ich das erste Mal laufen, springen und frei sein wollte, packte mich plötzlich etwas von oben und drückte mich so fest, dass ich kaum atmen konnte. Ich hatte diese kreischenden Wesen schon gehört, gerochen, gesehen.
Noch wusste ich nicht, was Angst ist.
In meiner Atemnot begann ich mich frei zu strampeln, plötzlich war jeder Halt verloren und ich stürzte ins Nichts.
Jetzt wusste ich, was Schmerz ist.

Auch meine Geschwister wollten laufen, springen und frei sein.
Jetzt wusste ich, dass unser Zuhause nicht mehr groß genug war.

Eines Tages kamen fremde, große Wesen zu unserem Zuhause. Meine Geschwister und ich kuschelten gerade mit unserer Mama. Sie putzt uns sanft, doch sie redet nie. Wusste sie bereits was dieses Leben bringt?

Die fremden Wesen und unsere Futterspender gaben Laute von sich, die ich nicht verstand. Wir Kaninchen hören mit den Augen und verständigen uns mit unserem Körper.
Die Laute waren in etwa so: „Ostergeschenk für unsere Tochter, zu verschenken, ja ab und zu Babys wegen der Kinder“
Sie klangen fröhlich.
Nun kamen sie zu unserem Käfig. Wieder packte mich etwas von oben.

Nun bin ich hier. Dunkel ist es um mich herum, alles was ich höre ist Stille.
Noch wusste ich nicht was Einsamkeit ist.
Nach jedem Sonnenaufgang werde ich gepackt und die Angst lähmt meinen Körper. Ich höre die Laute, die ich nicht verstehe: „Es ist so lieb“
Ich werde getragen, ich werde abgesetzt. Doch dies ist nicht mein Käfig. Unter meinen Pfoten fühle ich kühle, feuchte Wiese. Wie der Ort von dem ich kam. Sie schmeckt so gut.
Ich begann zu rennen, zu springen. Zum ersten Mal war ich wirklich frei.
Plötzlich höre ich Schreie, wieder packt mich etwas von oben.

Ich bin wieder in meinem Zuhause. Dunkel ist es um mich herum, alles was ich höre, ist das Gluckern meines Bauches.
Was Schmerz ist, weiss ich bereits.

Die Zeit vergeht, ich werde größer. Wieder ist mein Zuhause nicht groß genug. Ich will rennen, springen, will frei sein. Ich bin wütend und traurig zugleich. Da kommt wieder das kleine, laute Wesen und will mich packen. Diesmal weiche ich aus. Lass mich, sagt mein Körper. Doch seine Pfote kommt immer näher, ich weiss nicht wohin. Ich kann nur nach vorne und beiße mir den Weg frei.
Plötzlich ein Schrei.
Die großen Wesen kommen und ich bin starr vor Schreck. Wieder packt mich etwas von oben.

Als die Angst meinen Körper wieder freigab, war ich hier. Der Ort war fremd und mein neues Zuhause noch kleiner. Ich hörte wieder diese Laute, die ich nicht verstand: „ Ist bissig, zum Schutz unserer Kinder“

Dunkel war es um mich herum. Alles was ich hörte war das Hoppeln derer, die so sind wie ich. Doch auch sie reden nicht mehr. Sie haben die Augen meiner Mutter.

Die Zeit verging. Menschenwesen kamen und gingen. Manchmal ging einer derer die so waren wie ich, mit ihnen.
Ich träumte nicht mehr von der Freiheit. Nachts war es still. Dunkel war es um mich herum.
Nun wusste ich was Einsamkeit ist.

Eines Tages kamen wieder Menschenwesen. Diesmal kamen sie auf mein Zuhause zu. Diesmal war es anders. Solche Augen hatte ich nie zuvor gesehen. Es war als würden sie in mich hineinsehen. Es war als würden sie Mich sehen.
Wieder packte mich etwas von oben. Mein Körper wurde nicht mehr starr vor Angst. Er war nicht mehr so stark.

Jetzt bin ich hier. Mein Zuhause ist größer, als es je war. Ich blicke in die Augen derer, die so sind wie ich. Solche Augen hatte ich zuletzt bei meinen Geschwistern gesehen.
Ich begann zu laufen, ich wollte rennen, springen, frei sein. So wie sie. Doch mein Körper war nicht so stark wie mein Wille.

Es wurde Nacht. Dunkel war es um mich herum. Alles was ich hörte, waren pochende Herzen. Alles was ich fühlte, waren die warmen Körper meiner neuen Freunde. Erinnerung kam auf, Erinnerung an meine Mutter und meine Geschwister. Was tun sie in diesem Moment?

Das Wesen mit den seltenen Augen öffnet die Tür zu unserem Zuhause. Wieder packt mich etwas von oben, doch diesmal fühle ich mich sicher.
Als ich wieder abgesetzt wurde, fühlte ich das kühle, feuchte Gras unter meinen Pfoten. Diesmal fresse ich nicht zu viel.
Ich fühle meine Freunde. Ich bin glücklich.
Ich beginne zu rennen, ja sogar zu springen. Ich bin frei!

Plötzlich wird es dunkel um mich herum. Alles was ich höre, ist mein Gebet. Mein Gebet, vor langer Zeit:
„Lieber Gott, hilf denen, die so sind wie ich. Lass sie nicht allein, in Dunkelheit und Stille. So wie mich.
Glaub mir, ich hätte jeden meiner Kräcker geteilt.
Sorg dafür, dass sie nicht lernen müssen, was Schmerz ist.
Hab Acht, dass sie nicht spüren müssen, was Einsamkeit bedeutet.
Lass sie sehen, was Glück ist.
Zeig ihnen, was es bedeutet frei zu sein“

Mit meiner letzten Kraft, sprach meine Seele diese Worte.
Wenn Gott mein Gebet erhört, dachte ich, dann hatte meine Zeit in dieser Welt einen Sinn gehabt.
Es wurde hell, sehr hell. Ich fühlte kühle, feuchte Wiese unter meinen Pfoten. Ich hatte keine Schmerzen mehr. Mein Körper war stark. Um mich herum, so viele, die so sind wie ich. Ich beginne zu rennen, zu springen. Jetzt wusste ich was Leben bedeutet.
Ich bin wieder Zuhause!
 
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  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #2
kenshin das ist wunderschön

[VERSTECK]ich hoffe das klingt jetzt nicht wie Spamm. ich wollte nur loswerden das es echt Toll klingt[/VERSTECK]
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #3
boah...ich bin hier grad am weinen..das ist wunderschön..das sollten sich viele einzelhalter zu herzen nehmen.*sniff* hat jemand n taschentuch?
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #4
Mir kommen gerade die Tränen, ich kann kaum die Tasten sehen, das ist so traurig schön. Mich hat das tief berührt, schnief.:089::022:
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #5
Wow, wunderschön!
aber gleichzeitig so traurig... ich muss gleich weinen :022:
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #6
Ich musste auch fast weinen als ich es geschrieben hab. Irgendwie überkams mich :022:
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #7
Die Geschichte ist traurig schön !!!

Da kommen einem echt die Tränen :089:
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #8
wieso schreibste sowas trauriges und zugleich schönes:( es ist wunderschön haste sowas erlbet mit einem Ninchen oder hast du sie dir ausgedacht??
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #9
Hab da mal eine Frage, hab ich das richtig verstanden, daß das Kaninchen am Schluss stirbt?:uups::roll:
Meiner Mutter hab ich es übrigens am Telefon vorgelesen, die fand es auch total schön geschrieben.
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #10
ich hab es verstanden aber trotzdem ist das gedicht wunderschön auch wenn es traurig ist
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #11
ich hab jetzt gerade ne richtige gänsehaut :) trotzdem ist es sehr traurig
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #12
Hallo,

woah, dieses Gedicht ist so traurig, da kann man die Tränen nicht mehr zurückhalten :( aber göeichzeitig ist es so schön!
GsD ist es für dieses Kaninchen im Gedicht nochmal gut ausgegangen! :(

WIESO sind die Menschen nur so egoistisch??? Wie kann man ein Kaninchen alleine halten??

Sehr traurig... Und wenn ich dran denke, dass ich ca. 20 solcher armen Tierchen hier sitzen habe... Sie alle waren ein seelisches Wrack als ich sie bekam, es ist so schön, wie sie auftauen in ihrer richtigen Kaninchenfamilie!
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #13
wow.. das ist wunderschön.. ich musste die ganze zeit an mein altes kaninchen denken :( man, war ich naiv damals.. es tut mir so leid dass ich ihn alleine gehalten hab.. mein Knöpfchen. ich werde ihn nie vergessen..

aber um so glücklicher bin ich, dass ich nun 4 nasen hier sitzen hab, die dank meines freundes und meines papas ein wunderbares gehege haben :)
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #14
Sehr schön geschrieben und zugleich auch die traurige Wahrheit wie manche Menschen mit den Tieren umgehen !
Hast du das selbst geschrieben oder ?

Lg ;)
 
  • Gebet eines Kaninchens Beitrag #15
Das ist sehr schön geschrieben. Mir stehen die Tränen in den Augen wenn ich denke das es leider mit vielen Tieren so ist! Ich werde nie ein Tier alleine Halten! Außer eine Katze und einen Hund! Den wer die hat muss auch eigentlich genug Zeit für sie haben!
 
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