13-jährigem Wallach die Angst nehmen

Diskutiere 13-jährigem Wallach die Angst nehmen im Pferde Ausbildung und Reiten Forum im Bereich Pferde Forum; Sorry wusste grad nicht was ich als Überschrift nehmen sollte :D Notiz von Morastbiene: Hab' einen aussagekräftigeren Titel gebaut. Und zwar...
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Sorry wusste grad nicht was ich als Überschrift nehmen sollte :D
Notiz von Morastbiene: Hab' einen aussagekräftigeren Titel gebaut.

Und zwar Reite ich seit knapp 5 Jahren den 13 Jährigen Friesenwallach meiner Freundin
Ich darf mit dem Pferd alles machen was ich will, ich darf umgehen mit ihm als wärs mein eigener :)
Leider hat Diabolo vor mir ein paar schlechte erfahrungen sammelm müssen die ich jetzt versuche wieder auszubügeln.
Die RB vor mir hat ihn ziemlich " versaut "
Sie hat ihn NUR mit scharfer Trense und Kandarre Geritten, danach war er Hart im Maul und lies sich nicht mehr bremsen, er biss richtig aufs Gebiss. Mittlerweile haben wir das so eingermaßen wieder hinbekommen, ich reite NUR mit einer ganz Normalen Trense, ohne Gerte und Sporen.
Dann meinte die damalige RB ihn mit dem Glücksrad reiten zu müssen ( kannte Diabolo damals noch garnicht ) sie ritt ihn einmal auf der Weide damit probe und ging danach SOFORT raus ins Gelände.
Wir müssen bei uns erstmal über eine Straße bevors losgehen kann mit dem Ausritt und auf dieser Straße wär Diabolo mit dem Glücksrad fast vor einem Laster gesprungen weil er es eben noch nicht kannte.
Seitdem hat er panische Angst vor LKW´s und Traktoren, und denen begnen wir natürlich ständig!
Ich steig jetzt immer ab wenn es brenslich wird, da ich 2 kleine Kinder hab und ich es mir nicht leisten kann mal böse vom Pferd zu fallen.
Naja jetzt mal meine Frage

Er ist jetzt 13 Jahre, kann ich ihm jetzt noch die Angst einigermaßen nehmen? Also das er ohne rießen Panikattacken an einem Traktor vorbei gehen kann? Ich hätte vorgehabt mit ihm nochmal ganz von vorna Anzufangen, also viel Bodenarbeit und Arbeit mit Folien und Regenschirme, also auch alles was Raschelt und wovor man sich erschrecken kann.

Findet ihr das sinnvoll? Und wie kann ich da am besten damit anfangen?
Ich hab jetzt vor 1 qoche angefangen mit Longierarbeiten und Stangenarbeit.
---
EDIT (automatische Beitragszusammenführung):

Danke für die Überschrift :uups:
 
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  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen

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  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #2
Bodenarbeit etc. wird dir evtl. nicht viel bringen, wenn das Pferd zuvor keine großartige Angst vor Traktoren hatte.
Dann macht er die Angst nämlich von der Situation abhängig, d.h. Ritt im Gelände.
Erstmal wäre es gut, wenn du im Gelände eine souveräne Begleitung hättest. Dann brauchst du eine Ausweichmöglichkeit.
Sobald ein Traktor kommt, wählst du einen größtmöglichen Abstand. Das andere Pferd sollte gelassen dich am Traktor bleiben.
Wenn dein Pferd zittert und wehrig wird, solltest du darüber hinweg reiten. Nicht loben und nicht strafen.
Mein nächster Tipp ist vermutlich für dich am schwierigsten umzusetzen. Verabschiede dich von deiner Erwartungshaltung. Nicht schon beim ersten Brummen die Zügel aufnehmen und dem Pferd signalisieren 'jetzt kommt was Schlimmes'. Sobald das Pferd jedoch verspannt, korrigiere es in die Tiefe und lass dann aber wieder los, so dass es merkt, dass du dich entspannst und ihm vertraust. Das Wegspringen und die Hektik lässt sich meist durch absolute Souveränität des Reiters und erhöhte Rittigkeit des Pferdes früher oder später in den Griff bekommen.
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #3
Ich kann Machtnix nur zustimmen. Sobald du ein Traktor oder ähnliches siehst verspannst du dich und diese Spannungen merkt das Pferd. Versuch wirklich total ruhig zu bleiben, verändere in keinster weise deine Hilfen. Duch dies signalisierst du dem Pferd: Achtung jetzt passiert etwas! Versuch evtl dich vor ausritten mit Bachblüten oder ähnlichem etwas zu beruhigen. Die ganzen Erfahrungen habe ich mit meiner RB auch schon gemacht. Er tut so als würe er total schreckhaft und hätte vor allem angst. Manchmal ist ein ausgeschalteter Troktor schlimmer als einer der auf nem Acker rumfährt aber nur weil ihm kangweilig ist oder ähnliches. Wie genau äußert es sich denn das er Angst hat? Will er nu nich dran vorbei oder fängt er an zu steigen oder ähnliches? Bei meinem ist es nömlcih manchmal so das er irgendwo nicht vorbei will und wenn ich ein paar oder auhc mal mehr schritte rückwärts an den sachen langreite dann merkt er das er mich nicht verarschen kann und geht auch vorwärt vorbei.
Bodenarbeit ist gut für das Vertrauen also kann es durchaus helfen aber du wirst damit nicht das Problem beheben können. Hast du villeicht schonmal überlegt dem Pferd eine Trense draufzumachen und eine Longe anzuhänegn und damit mal eine Runde raus zu gehen? Vielleicht kannst du dadurch genauer beobachten was genau ihn so panisch macht...
Beobachte ihn genau und suche seine Ängste villeicht komms du so auf eine Hilfreiche Idee.
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #4
Danke für die Tipps

Das mit dem Ruhig bleiben versuch ich, fällt aber doch schwer weil wir shcon einiges mit Traktoren durchgemacht haben.
Seine Angst zeigt sich durch starkes Schnauben, Scheiß und totale unruhe, er geht zwar dran vorbei aber wirklich nur unter höchster Anspannung, er fängt das Zittern an und ist auch Absprungbereit.
Letztes Jahr hat es uns sogar hingehaun als wir bei nem Traktor vorbei gehen wollten, er fing so das spinnen , rannte los und stolperte über seine eigenen Füße, GsD ist nichts passiert, aber das sind solche sachen die mich angespannt reagieren lassen wenn soeine situation kommt.
Die Stute die bei uns immer mit reitet ist dagegen sehr sehr ruhig, sie geht ohne Mucks dran vorbei.
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #5
...Letztes Jahr hat es uns sogar hingehaun als wir bei nem Traktor vorbei gehen wollten, er fing so das spinnen , rannte los und stolperte über seine eigenen Füße, GsD ist nichts passiert, aber das sind solche sachen die mich angespannt reagieren lassen wenn soeine situation kommt.
Die Stute die bei uns immer mit reitet ist dagegen sehr sehr ruhig, sie geht ohne Mucks dran vorbei.
Das war letztes Jahr, dieses Jahr ist es ja schon um Vieles besser. Du musst dich bemühen, diese schlimme Erfahrung zu vergessen -aber immer schön im Hinterkopf behalten.
Du kannst als 'Trockenübung' deine Reflexe trainieren. Also von jetzt auf gleich von totaler Entspannung große Körperspannung und Körperkontrolle aufzubauen. Etwas Gymnastig, damit du dich lockerst -nicht nur ein Pferd soll locker sein-, Konzentrationstraining und Körpertraining (hier ist progressive Muskelentspannung = Muskelentspannung durch Anspannen und aktives Entspannen der zuvor angespannten Muskulatur) super geeignet. Gerade durch die progressive Muskelentspannung lernt man alle möglichen Muskeln seinen Körper sehr gut einzeln zu kontrollieren.
Ich habe das mal während eines Trainerkurses gemacht und in der ersten Stunde anfangs darüber gelacht. Erst später erkannte ich den ungeheuren Wert fürs Reiten.
Man kann seine Muskulatur willentlich vollkommen entspannen und dann jeden benötigten Muskel einzeln auch sofort wieder anspannen. Das verhindert Fehlreaktionen und ungewollte Hektik. Auch lernt man seinen eigenen Stress zu erkennen und -noch wichtiger- zu kontrollieren.
Selbst in eigenen Stresssituationen kann man äußerlich völlig locker bleiben.
Es ist jedenfalls sehr gut, dass du ein ruhiges Leitpferd dabei hast, das bringt deinem Pferd sehr viel. Es geht aber jetzt darum, dass das Pferd auch dir vertraut und nicht nur dem anderen Pferd.

.....Seine Angst zeigt sich durch starkes Schnauben, Scheiß und totale unruhe, er geht zwar dran vorbei aber wirklich nur unter höchster Anspannung, er fängt das Zittern an und ist auch Absprungbereit.
Das ist ja schon richtig gut. Ich habe schon sehr viel schlimmere Pferde zur Korrektur gehabt. Wenn ihr schon auf dem Stand seit, liegt es an dir.
Wieder der Verweis auf progressive Muskelentspannung.
Was aber auf jeden Fall helfen wird, ist gute Rittigkeit des Pferdes. Das Pferd sollte in der Bahn in allen Situationen kontrolliert und locker laufen können - es darf ja gucken, darf aber keinen Stress oder Verspannungen zeigen. Das kann man in der Bahn kontrolliert üben. Hierfür eigenen sich Menschen, die plötzlich seltsame Dinge tun (Schirm aufspannen -bitte etwas Abstand und normal langsam bewegen- , Luftballon in der Hand halten), in die Bahn schießende Hunde, Menschen die in der Bahn wärhend des Reitens Zeitung lesen (mal umblättern, mal nicht) oder sich unterhalten (normale Gestik).
Das Pferd sollte dabei normal zu arbeiten sein.
Dann geht man dazu über in der Bahn zu reiten, während diese vom Bahnplaner oder sogar Traktor gezogen wird. Einfach ignorieren und locker drumrumreiten - Reitprogramm durchziehen.
Je öfter man die Chance hat, je besser. Dabei ist es egal ob man allein in der Bahn ist oder auch andere Pferde dabei sind.
In der bekannten Umgebung fühlt sich das Pferd sicherer und die Reitbahn gibt mehr Sicherheit als ein offenes Gelände.
Vielleicht hast du ja die Möglichkeit einige dieser Dinge umzusetzen.

Ansonsten einfach tief und lange in den Bauch ausatmen, wenn eine Kriesensituation kommt. Nicht loben oder beruhigen wenn das Pferd sich aufregt. Je rittiger das Pferd ist, je einfacher sind Kriesensituationen zu meistern. Die Zügel so lange wie möglich vollkommen locker lassen und vor allen Dingen - auch wenn der Zügel etwas angenommen wird- die Hand tief lassen. Sollte das Pferd lostraben und flüchten wollen, Konzentrationsübungen reiten (ich nehme dafür gern das Flexen im Schritt auf einem kleinen Kreis. Nur Vorsicht, diese Art des Flexens muss man können, man kann dabei auch viel falsch machen also lass dich dafür bitte erst unterweisen).
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #6
Hallo!

@Machtnix
Finde es toll wie genau und bildhaft Du die Vorgehensweise erklärst. Klasse!

Ich selbst unterrichte auch, behandle aber auch austherapierte Pferde, die also lt. Vorbericht aufgrund körperlicher oder psychischer Probleme nicht mehr reitbar seien.

Über diese wirklich guten Tipps hinaus, erlaube ich mir deshalb, hier auch noch etwas beizutragen.

Zwei Dinge:

Zuerst das, was einfacher umzusetzen ist.

Bodenarbeit um die Rangordnung zu klären, dies sollte eigentlich immer Grundlage sein bevor man sich auf ein (fremdes) Pferd setzt. Rückwärtsrichten ohne Berührung sollte möglich sein, weicht das Pferd allein vor Deinem Handzeichen zurück, mit oder ohne Unterstützung durch Stimme, dies ist egal, akzeptiert es Dich als ranghöher. Nicht zu oft und nicht zu lange üben, da das Zurückweichen vor einem Anderen die "größtmögliche" Demütigung für ein Pferd ist!
Es weicht nur vor einer "geborenen Leitstute" ohne Körperkontakt zurück.
Dadurch bringst Du Dich in die bestmögliche Ausgangssituation.
Simple, aber nicht in jedem Fall unbedingt einfach umzusetzen.

Das Zweite wird für Dich bedeutend schwieriger zu beurteilen und ggfs. zu beheben sein:

Der Umgang, den das Pferd genoß, und die Tatsache, daß es übermäßig heftig ängstlich reagiert, läßt die Vermutung zu, daß das Pferd Schmerzen hat, durch Verspannungen und Blockaden im Bewegungsapparat. Diese führen zu einer Sympathikusaktivierung, dadurch wird der Organismus auf "Fluchtmodus" gestellt und führt über kurz oder lang bei Menschen wie Tieren zu Angstzuständen und Panikattacken. Für diesen Mechanismus ist es nicht notwendig, daß der Schmerz so groß oder auffällig ist, daß man ihn als Reiter wahrnimmt. Pferde leiden still, lange und ertragen dabei immense Schmerzen, bevor sie sich melden durch ein Verhalten, daß Reiter gern als Widersätzlichkeit oder Unrittigkeit bezeichnen.
Da aber viele Rückenprobleme beim Pferd "angeritten" sind, ist die Wahrscheinlichkeit, allein aufgrund Deiner Ausführungen zu der vorherigen Reitbeteiligung, schon extrem hoch, daß dieses Pferd aufgrund von Schmerzen so überreagiert.

Nun kannst Du über die genannten Maßnahmen von Machtnix und meiner ersten oben vieles eindämmen und zum Teil unter Kontrolle bringen, aber sicher wird das Pferd erst wieder sein, wenn nun doch wahrscheinliche Schmerzen abgestellt sind.

Dazu sollte aber gleichzeitig an der Muskulatur und dem Skelett gearbeitet werden, sprich gleichzeitig Physiotherapie und zB Chiropraktik, sonst würden sich die Probleme wieder gegenseitig bedingen und nach kurzer Zeit auch wieder auftreten.
Danach sollte das Pferd eine angemessene Zeit über in leichter Arbeit, immer am Zügel stehend, mit aufgewölbtem Rücken, extrem viele Biegungen geritten werden um es zu gymnastizieren und die Muskulatur so aufzubauen, das es in eine tragfähige Konstitution versetzt würde.

Sicherlich werden meine Antwort nun einige als anmaßend bezeichnen, aber die Erfahrung hat mich dies nun mal leider gelehrt, ein Großteil der Reitpferde läuft unter Dauerschmerzen und dies hat weder mit der Reitweise noch mit dem Ausbildungsstand des Reiters zu tun, sondern allein mit der Umsetzung.

Und ja, da Ihr es natürlich nicht wissen könnt, ich bin ein so guter Therapeut, mit entsprechender Ausbildung und Background, daß ich die kleinsten Signale für Schmerz deuten kann und Angstzustände sind in der Regel doch schon ein sehr Klares!

Deshalb würde ich an Deiner Stelle mit der Besitzerin einmal gemeinsam darüber nachdenken, von einer wirklich sehr kompetenten Person, daß Tier anschauen und ggfs. behandeln zu lassen.

Leider hat mich meine Arbeit aber auch gelehrt, daß viele Therapeuten nicht sehr gut sind, deshalb meine Bitte an Dich, erkundigt Euch lieber vorher einmal mehr, bevor Ihr Geld falsch investiert.

Ich wünsche Dir und "Deinem" Pferd viel Glück und Erfolg!

Und Du verdienst wirklich großen Respekt dafür, daß Du nicht aufgibst und dem Pferd, trotz Deiner berechtigten Bedenken, immer wieder eine Chance gibst und Dich weiterhin bemühst! Danke!

Lg Nebelchen
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #7
Die Ausführungen von Nebelchen sind wirklich gut.
Du kannst im Vorfeld jedoch schon einige Dinge klären.
Mit etwas Geschick und Übung ist das ganz leicht.

Stell dein Pferd einfach mal hin und sieh es dir an. Den Hals, den Übergang Hals-Widerrhist-Rücken, die Schultern, die Lende, die Kruppe, die Hufstellung.

Dann stellst du dein Pferd ganz peniebel korrekt hin, beide Beinpaare geschlossen. Es ist absolut wichtig, dass das kein Fuß auch nur 1cm weiter vorn steht als der andere. Ein Helfer sollte den Hals gerade halten. Der Untergrund muss eben sein. Die Mähne muss aus dem Weg.
Dann stellst du einen Hocker o.Ä. hinter das Pferd und stellst dich drauf. Schau mal von oben auf dein Pferd.
Wie und wo ist der Hals bemuskelt, ist der Hals gerade.
Wie stehen die Schultern, sehen sie gleich aus.
Wie ist die Wirbelsäule, hat das Pferd evtl eine Krümmung drin oder ist sie gerade.
Wie ist der Rücken bemuskelt, gleich oder ist eine Seite stärker.

Je mehr Pferde du dir anschaust, je geübter wird dein Blick.

Dann lass einen Helfer das Pferd im flotten Schritt in gerader Linie mit geradem Hals von dir weg führen. Achte auf seine Hüfte.
Geht die Hüfte auf beiden Seiten gleichtmäßig vor und zurück.
Geht die Hüfte überhaupt vor und zurück oder wirkt sie steif.

Achte dann auf die Kruppe. Gehen die Sitzhöcker rechts und links gleichmäßig auf und ab.

Schau dir die Hufe genau an.
Sind die Hufe in der richtigen Winkelung - nicht zu flach. Das würde dazu führen, dass das Vorderbein zu lange am Boden bleibt und das Pferd schlecht abfußt wodurch die Schulter nach unten hängt.
Sind die Hufe gleichmäßig und auch gleichmäßig abgelaufen.
Sind die Hufe gleichhoch.
Sind irgendwo Knicke, Beulen o.Ä. Das führt nämlich ungleichen Belastungsspitzen im Bein.
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #8
...

Mein Pferd hatte als ich sie bei mir aufgenommen hatte auch Panik vor Lastwagen, Treckern, etc.

Neben Vertrauensübungen, die für mich eh Grundlage waren, haben wir an diesem Fahrzeug-Angst-Problem so gearbeitet.

Anfangs wählte ich einen so großen Abstand zum beängstigend Gegenstand, dass mein Pferd noch nicht in Panik ausbrach. Ich sprach sie immer einmal an und hielt ihr dann ein Stück Möhre direkt vor das Maul. So war sie dann damit beschäftigt an die Möhre zu kommen, während wir an den beängstigenden Sachen vorbei gingen.
Die Entfernung zu LKW's etc. veringert wird dann. Im weiteren Verlauf sprach ich das Pferd nur noch an und zückte die Möhre erst, wenn wir vorbei waren - um die Futtererwartung wieder etwas abzubauen. ;D

Inzwischen können wir auch an der Bundestraße entlang reiten oder unter einem stehenden Trecker durch.

Nun ja - diese Methode ist vielleicht etwas sehr aus der Hundeerziehungsecke, aber zumindest hat es bei meinem Pferd sehr gut geholfen. :)
~§~
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #9
Ehrlich gesagt würde ich von Erziehungsmethoden per Leckerchen abratan.
Je nach Pferd, kann das ganz schön ins Auge gehen.

Ein Hund vom Grundsatz her der Jäger. Er verbindet Fressen mit Jagderfolg der Gruppe.
Ein Pferd jedoch, ist natürlicherseits der Gejagte. Fressen ist für das Pferd Futteraufnahme in stressfreien Zeiten. Ein ängstliches Pferd lässt sich sehr viel schwerer durch Futter ablenken.
Nervöse Pferde fressen daher nicht und verweigern z.B. sogar das Öffnen des Mauls, wenn die Möhre davor ist. Eine typische Situation ist z.B. der Hänger. Hat ein Pferd große Angst vorm Hänger und hat man es endlich reinbugsiert, steht es schlotternd da und wird es das hingehaltene Möhrchen nicht fressen. Es beginnt zu fressen, sobald der Stress sich ein wenig abgebaut hat.
Es gibt auch die Pferde, die aus Verfressenheit in jeder Situation ein Leckerchen ganz automatisch annehmen, jedoch dann das Kauen und oft auch das Schlucken vergessen. Der pos. Effekt bleibt aus.

Pferde sind als Fluchttiere extrem reaktionsschnell.
Sie können ein Leckerchen nehmen und sich dann plötzlich der Gefahr bewust werden und ansatzlos einen Satz zur Seite machen. Das Leckerchen wird hektisch genommen, was zu einer sehr schnellen Bewegung des Pferdes führt. Auf Asphalt oder ungeradem Boden, kann das schon abenteuerlich sein, wenn das Pferd gleichzeitig versucht sich so zu drehen, dass es die Gefahr im Auge behält (in beiden Augen. Bei Angst schaut ein Pferd immer mit beiden Augen, da bei Pferden die rechte und linke Gehirnhälfte nicht so gut kommuniziert als beim Menschen).
Ein Pferd, das dann mit so verbogenem Hals (es nimmt ja das Leckerchen des Reiters) einen Satz zur Seite versucht kann schnell seinen Reiter dabei verlieren oder gar selber stürzen.
Mit dem Leckerchen rührt man an Urinstinkten, die nicht zusammenpassen. Während ein Hund noch hektisch ein paar Bissen runterschlingen kann, bevor er flüchtet, kann ein Pferd das nicht.

Nach wie vor halte ich eine Desensibilisierung unter gesicherten Bedingungen (der Reiter kann sich darauf einstellen) und eine souveräne Führung des Pferdes (Entspannen), für die sicherste und erfolgversprechendste Methode.
Die Desensibilisierung sollte nur unbedingt alle möglichen Situationen beinhalten. Es ist egal ob es ein Trecker, ein Fahrzeug, ein plötzlich durchs Gebüsch schießender Hund oder ein an das Hallentor schlagender Ast ist.
Ein Pferd muss lernen, dass Menschen zwar komisch - aber niemals gefährlich sind.
Je nachdem wie stark sich die Angst im Pferd schon gefestigt hat, je länger dauert die Korrektur.

Mal eine kleine Geschichte:
Ich habe selber ein Pferd, das mit 2 Jahren angeritten wurde. Es hat nie gelernt dem Reiter zu vertrauen - im Gegenteil. Selbst beim putzen durfte es nicht entspannen, geschweige denn ruhen. Es musste permanent militärisch 'stramm stehen'. Lob war, wenn es keine Strafe gab.
Die Ausbildung war hart und so, dass das Pferd beim ersten Mal gleich merken sollte, wo es lang geht (es gehörte einem Bereiter).
Die Stute wurde brutal überfordert und war nach einigen Jahren nur noch unter permanenten Hormonen und teilweise nur sediert zu reiten.
Dieses Martyrium hat das Pferd 7 Jahre lang mitgemacht, bis wir es schließlich als 'zwischen Genie und Wahnsinn', hochtalentiert aber untrainierbar kauften.
Die Medikamente wurden sofort abgesetzt. Nach 6 Monaten spielerischem Reiten (Bodenarbeit war nicht möglich), war das Pferd nett reitbar. Es lief durch 2 Pylonen (wenn diese nicht zu eng standen) und über 4 Stangen. Zwischenfälle aufgrund von plötzlichem Schatten-Lichtwechsel gab es zwar noch, diese waren jedoch harmlos.
Danach kam das Pferd 2,5 Jahre in eine Herde, wo es sich zu einer Führungspersönlichkeit entwickelte. Es ist also eine Stute, die eine Führungspersönlichkeit ist, jedoch diese nie ausleben konnte und da ihr das Vertrauen fehlte, war sie permanent ängstlich, denn sie hatte keine Kontrolle, was mit ihr geschah. In dieser Zeit bekam die Stute ein Fohlen, das Erwartungsgemäß eine Führungspersönlichkeit und grottencool ist. Die neuen Besitzerin (er 1,5 Jahre) ist mit ihm jetzt schon so weit, dass sie mit ihm beginnt mit Knallfröschen zu arbeiten. Er geht in der Therapiepferdeherde mit. Lt. der neuen Besitzerin ist er neugierig, super vertrauensvoll, leicht zu führen und total angstfrei.
Die Stute wird jetzt seit 5 Monaten wieder geritten. Sie ist recht artig und auch anfängergeeignet.
Bei Anfängern ist sie ja die Verantwortliche und passt hervorragend auf ihren Reiter auf.
Bei der Ausbildung (es gibt große Ausbildungsmankos, da der Besitzer/Bereiter nach einigen schweren Unfällen z.B. kaum noch galoppiert ist) muss man aufpassen und ihr klar sagen was man verlangt.
Zur Desensibilisierung lassen wir uns immer wieder neue Dinge einfallen. Das geht von Ausritten bei Sturm (mit Begleitung eines rangniederen Pferdes) über beginnende Bodenarbeit (Arbeit mit Angstsituationen oder erlernten Angstsituationen z.B. Gerte und Druck an der HH), bis zu 30 Min. Rumstehen in der Halle und Zusehen wie andere Pferde gearbeitet werden (ich trinke mittlerweile meinen Kaffee dabei, anfangs war Halle gar nicht möglich, sondern nur Reitplatz, da sie dort alle Geräusche sehen und leichter einordnen kann), 2 stündigem Angebunden sein und entspannen, da vor und nach dem Anbinden hart gearbeitet wird (Anbinden ging zuvor nur an bestimmten Stellen) bis hin zur Rinderarbeit (sie hat kein Deut Cuttingtalent, daher treibe ich mit ihr nur eine komplette Herde im Schritt vor uns her, damit sie lernt, dass Angstgegner weichen, wenn ich sie lenke).
Diese Stute ist noch lange nicht fertig korrigiert, aber schon sehr sicher. Rückschritte haben wir zwar noch immer, diese halten sich aber stark in Grenzen, da sie jetzt schon versucht mir alles recht zu machen.
Die Korrektur wird vermutlich noch 6 Monate dauern, da sie von einem sehr jungen Alter an und über 7 Jahre hinweg falsch behandelt wurde.


Wenn du dich bis hierher durch meinen Beitrag gekämpft hast, wirst du merken, dass dein Problem ein eher kleines ist. So was bekommt man durch Konsequenz, ein gut durchdachtes Arbeitsprogramm und Geduld locker und relativ schnell in den Griff. Für eine solche Korrektur würde ich ca. 2-3 Monate einplanen, dann geht das Pferd auch völlig gelassen und lässt sich von einem noch so dichten Trecker nicht aus der Fassung bringen.
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #10
...

Hatte ja auch geschrieben, dass unsere Methode nicht wirklich perfekt für jedes Pferd wäre.
Bei uns funktionierte es dennoch sehr gut.
Ich saß auch nicht oben auf dem Pferd, sondern führte es anfangs in einer so großen Entfernung am beängstigend Gegenstand vorbei, wo sich mein Pferd noch auf mich konzentrieren konnte.

Letztlich konnte ich sie damit gut an vorbeifahrenden LKWs vorbei führen, damit sie die Erfahrungen sammeln konnte, dass so ein LKW keine Bedrohung ist, sondern eher etwas positives Bedeutet.

Bei -uns- passte und funktionierte dieser Teil mit 'Futter' recht gut. - Aber klar, grundsätzlich denke ich auch, dass wir da eher eine Ausnahme darstellen. ;)

--
Und stellst du einen in überaus ängstlichen Hund vor einen vollen Futternapf, wird dieser genauso wenig fressen, wie das ängstliche Pferd. ;) Bzw. kommt es auch hier immer auf das jeweilige Tier ansich und der Intensivität der Angst an.

--
Wichtig ist bei allen Methoden, dass an der Basis zwischen Pferd und Reiter/Führer gearbeitet wird, um dem Pferd so viel Sicherheit zu vermitteln, dass es nicht unter extremen Stress durchgeht. ;)
Dazu sind die von Machtnix genannten Methoden wirklich gut geeignet. :)
~§~
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #11
Hatte ja auch geschrieben, dass unsere Methode nicht wirklich perfekt für jedes Pferd wäre.
Bei uns funktionierte es dennoch sehr gut.
Ich saß auch nicht oben auf dem Pferd, sondern führte es anfangs in einer so großen Entfernung am beängstigend Gegenstand vorbei, wo sich mein Pferd noch auf mich konzentrieren konnte.
Ganz Wichtig.
Bei dieser Methode darf man nicht auf dem Pferd sitzen. An der Hand gibt es verschiedene Möglichkeiten mit dem Pferd zu arbeiten. Das Leckerchen ist zwar nicht die Methode meiner Wahl, funktioniert bei vielen Pferden aber recht gut. Da seit ihr keine Riesenausnahme.


Und stellst du einen in überaus ängstlichen Hund vor einen vollen Futternapf, wird dieser genauso wenig fressen, wie das ängstliche Pferd. ;) Bzw. kommt es auch hier immer auf das jeweilige Tier ansich und der Intensivität der Angst an.
Das liegt daran, dass unsere Hunde zu satt sind. Viele Hundetrainer arbeiten mit Leckerchen, die aber in Wirklichkeit die normale Futterration des Hundes sind (es wird also nicht daheim aus dem Napf gefüttert). Damit arbeitet man an Urinstinkten und das funktioniert immer - wenn man es richtig macht und kann.
Mit Filmtieren wird übrigens auch so gearbeitet. Das sind eigentlich keine Leckerchen, sondern das normale Futter. Ein Hund von Natur aus nicht dazu gemacht, jeden Tag die gleiche Ration zu fressen, er muss sein Futter physiologisch erarbeiten.
Gerade bei Zootieren sieht man das sehr gut (egal ob Hund oder irgend ein anderer Jäger). Die Tiere verkümmern geistig und werden gestört, wenn sie ihr Futter einfach so bekommen. Bei Jägern muss entweder die Fütterung interessant sein oder es muss auch mal eine Hungerphase eingelegt werden.
Polizeihunde z.B. dürfen nicht über Futter trainiert werden, sie werden über ihren Spieltrieb und Herdentrieb trainiert. Daher ist nicht jeder Hund dafür geeignet. Die Fütterung ist bei diesen Hunden nebensache. Spiel- und Herdentrieb sind jedoch genauso Urinstinkte an denen man dann eben arbeitet.
Drogensuchhunde hingegen werden über das Futter trainiert.


Wichtig ist bei allen Methoden, dass an der Basis zwischen Pferd und Reiter/Führer gearbeitet wird, um dem Pferd so viel Sicherheit zu vermitteln, dass es nicht unter extremen Stress durchgeht. ;)
Jep. Ein Pferd muss wissen, dass Menschen komisch aber ungefährlich sind und Sicherheit und Schutz bedeutet. Das ist insofern schwierig, da man ja nicht die ganze Zeit mit dem Pferd zusammen sein kann, sondern eher ein Stundengast in den Augen der Pferdeherde ist. Daher dauert das bedinnungslose Vertrauen zum Menschen einfach länger als das Vertrauen auf die Führungsperson der Herde (mit Pferden, die selber Führungspersönlichkeiten sind, hat mans manchmal noch schwerer - oft aber auch leichter).


Dazu sind die von Machtnix genannten Methoden wirklich gut geeignet. :)
Danke. Ich weiß aber, dass meine Methoden langwierig und nicht unbedingt für Jederman so durchführbar sind. Bei Korrekturen kommt es eben sehr stark auf den Einzelfall an und ein Forum ist eben recht allgemein und aus der Distanz heraus.
Das Führen mit Leckerchen ist sicher nicht das Schlechteste was man machen und anderen raten kann. Man kann -richtig angewendet- damit viel erreichen, wenn das Pferd nicht zu verfressen oder ignorant ist.
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #12
...

Langwierig ist doch fast jede Methode bei 'Angstproblemen'. *find*

Aber lieber sich etwas mehr Zeit lassen und dann richtig als zu vorschnell sein und am Ende andere Probleme in die Welt setzen.

--
Was die Hunde hier angeht, kann ich dir auch wieder zustimmen.
Wobei ich hungrige Hunde kenne, die nichts aus dem Napf bekommen und dennoch alles stehn und liegen lassen, wenn sie 'Panik' haben. Jedes Wesen, was z.B. traumatisiert ist, wird sich selten von den tollsten Sachen der Welt so einfach ablenken lassen.
~§~
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #13

Was die Hunde hier angeht, kann ich dir auch wieder zustimmen.
Wobei ich hungrige Hunde kenne, die nichts aus dem Napf bekommen und dennoch alles stehn und liegen lassen, wenn sie 'Panik' haben. Jedes Wesen, was z.B. traumatisiert ist, wird sich selten von den tollsten Sachen der Welt so einfach ablenken lassen.
Stimmt auch wieder, ich habe selber mit unserer Hündin 30 Min. auf einer Verkehrsinsel verbracht (sie im Sitz, damit ich sie stehend erreichen kann) um ihr zu zeigen, dass vorbeifahrende LKW und Busse kein Grund zur Panik sind. Da half kein Futter, sondern nur ein strenges Kommando und meine kraulende Hand.
Dieses Problem konnten wir lösen, jedoch auch eher durch den Berührungsreflex als durch Futter -was ich übrigens auch beim Hund als Trainingsmethode nicht anwende.
Dieser Hund ist jedoch eine wandelnde psycho Baustelle (Malinois oder Malimix, mind. 1x ausgesetzt, 2x ins Tierheim zurückgebracht) und ich werde mit ihr vermutlich erst in ihrem nächsten Hundeleben fertig werden.
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #14
Hallo, ihr Lieben!

Auch hier kann ich nur wieder sagen, daß ich die von Machtnix beschriebenen Methoden super verständlich erklärt finde und ihr grundlegend zustimme.

Nur beim Grundmechanismus Hund/Pferd - Fressen habe ich andere Dinge gelernt/erfahren.

Pferde entspannen durch die Kautätigkeit, was aber nur bedeutet, sind sie noch weit genug von dem angsteinflössenden Gegenstand entfernt, so kann man sie schneller entspannen, wenn man sie dort füttert. Das sie durch Kauen entspannen, sollten Reiter ja vom Reiten kennen, da Kauen die Pferde halt auch nur ab, wenn sie sich entspannen.

Hunde als Jäger fressen in Streßsituationen weder, noch können sie mit Zuneigung in Form von Liebkosung etwas anfangen, letzteres würde die Bestätigung ihres Verhaltens bedeuten und Angstverhalten verstärken. Ihre Nase zu benutzen hingegen ist ein Instinkt und ist beim Hund angeborener Weise einer ihrer Hauptsinne, somit kann man ihnen antrainieren sich wieder darauf zu besinnen und Gerüchen zu folgen, was ihr Selbstbewußtsein stärkt (da sie nun wieder als Hund agieren), ist der Hund gestreßt, wird er dann aber trotzdem kein Futter aufnehmen, erst wenn der Streßpegel sinkt, was ja auch Sinn ergibt, wenn mir ein Futterkonkurrent meine Beute abjagen und mich daher attackieren möchte, sollte ich mich wohl eher nicht niederlassen um sie in Ruhe zu Fressen! ;)

Lg Nebelchen
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #15
Erstmal Danke für deine Meinung.
Zum Kauen bei Pferden:
Beim Pferd kommt die Entspannung nicht vom Kauen. Das Kauen ist nur ein Indiz für die Entspannung.
Ein Pferd, kaut weil es entspannt ist, es entspannt sich nicht durch das Kauen. Das wäre auch als Fluchttier ganz fatal.
Trotz, dass ein Pferd frisst und kaut, ist es dennoch bereit, sofort das Kauen einzustellen und in voller Körperspannung um sein Leben zu flüchten.

Das ist das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus.
Der Parasympathikus regelt die Vitalfunktionen also Darmtätigkeit, Verdauungssäfte, Kauen... Er nimmt Einfluss auf die glatte Muskulatur der Hohlorgane (Ausnahme Herz). Er ist für die Entspannung zuständig.

Der Sympathikus regelt u.A. die Funktionen der quergestreiften Muskulatur des Skelettes.
Er ist sozusagen für die Aufregung zuständig.
Er ist -wie auch der Parasympathikus- für die Ausschüttung bestimmter Hormone und Mineralien zuständig, die dafür sorgen, dass sich unsere Augen verengen, das Herz schneller schlägt, der Parasympathikus unterdrückt wird, die Muskelspannung zunimmt...

Bei Fluchttieren ist die Reizschwelle des Sympathikus sehr viel niedriger als die des Parasympathikus.
Wenn ich also an der Entspannung eines Pferdes arbeite, muss ich immer zusehen, Parasympathikus und Sympathikus in einem mir angenehmen Zusammenspiel sind, da Entspannung und gleichzeitige Aufmerksamkeit ohne große Umweltorientiertheit mein Ziel sind.
Das geht relativ tief in die Physiologie und Psychologie, daher will ich das nicht noch weiter vertiefen.
Man arbeitet bei extrem schreckhaften Tieren immer an Urinstinkten, die es zu Überwinden gilt. Dieses kann man leicht durch Lernfähigkeit und Domestizierung erreichen. Domestiziert sind unsere Reitpferde zum Großteil sehr gut, daher besitzen sie eine entsprechende Lernfähigkeit.
Pferde lernen durch Erfahrungen und Wiederholungen. Macht ein Pferd eine schlechte Erfahrung, wird es diese Situation meiden. Ständige Wiederholungen bilden den Lernprozess.
Je länger das Pferd also einer Negativsituation ausgesetzt wurde, je stärker ist seine Ablehnung.
Pferde lernen, wie viele Tiere, in jungen Jahren sehr intensiv. Nicht so wie der Mensch, der zwar in jungen Jahren geprägt wird, jedoch diese Prägung selbst nach Jahren relativ schnell verlieren kann.
Je älter ein Pferd wird, je schwerer ist es umzuerziehen, da es das in jungen Jahren gelernte immer wieder automatisch abspult.

Bei einem einmaligen Lernprozess, wie im vorliegenden Fall, mit zuvorig manifestierten leichten Angstzuständen ist daher durch ständige Wiederholungen relativ leicht in den Griff zu bekommen. Die Wiederholungen müssen nur regelmäßig und wohldosiert sein -nicht übertrainieren.
Daher ist es sehr wichtig, dass der Reiter vollkommen locker bleibt. Ein noch so hektisches Pferd wird seine Angstsituation (z.B. Traktor) leicht überwinden, wenn die komplette Herde völlig locker reagiert. Es schließt sich den Erfahrungen der anderen Pferde und dem Herdenchef an.

Daher ist es ganz wichtig bei der Umerziehung schwieriger Pferde herauszufinden, wo das Pferd in der Herde steht. Ein Pferd, das Chef ist, will nicht unbedingt Chef sein. Es nimmt diese Position auch dann ein, wenn ihm die anderen Tiere in der Herde noch schwächer erscheinen - Überlebenswille.
Ein Pferd, das sich gut als Chef eignet, jedoch von klein auf in der Herde unterdrückt wird, wird sich als Außenseiter, Querulant oder mit einem Freund begnügen.
Wir haben sogar die Situation, dass unsere Herde von 2 Stuten vollkommen einträglich geführt wird - beide sind dominatne Tiere, wenn eine der Stuten Tragend ist, hält sie sich ein wenig zurück. Sie scheinen gemeinsam zu entscheiden, wohin die Herde geht. Sie sorgen beide für Ruhe in der Herde und vertrauen sich gegenseitig so sehr, dass sie sogar nicht gemeckert haben als sich beim abendlichen Einstallen die Fohlen vertauschten. Auch steht schonmal eine der Stuten mit 2 Fohlen in der Box und die andere (steht daneben in sehr offenen Kontaktboxen) reagiert nicht.
Die eine Stute fühlt sich sogar so sicher, dass sie auf der Wiese in der Herde abfohlt und nicht nachts in der Box (wir haben Videoüberwachung).
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #16
Machtnix hat vollkommen recht, daß kein Tier bei Sympathikusaktivierung Futter aufnehmen wird, das hatte ich ja auch nicht gemeint, sondern, daß der Abstand zum angstauslösenden Objekt noch groß genug sein muß und sich die Entspannung dann durch Kauen leichter einstellt, letztendlich dient es nur als Erleichterung beim Desensibilisieren.

Und wichtig war mir, hier nochmal den Unterschied zum Hund darzustellen, da der Hund im Gegensatz zum Pferd, in der gleichen Situation eine Verbindung zwischen Belohnung (Futter) und der unangemessenen Reaktion herstellen würde.
Was also beim Pferd in solch einer Situation eine Verbesserung der Übung darstellt, würde beim Hund einen Fortschritt eher hemmen.

Ansonsten sind wir vollkommen einer Meinung!
Was mich, nebenbei bemerkt, ausgesprochen freut, da man selten Menschen mit entsprechendem Background trifft! :clap:
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #17
Was mich, nebenbei bemerkt, ausgesprochen freut, da man selten Menschen mit entsprechendem Background trifft! :clap:
OT
Danke. Bin Pharmazeut. Außerdem bin ich schon zur Vorbereitung auf meinen ersten Trainerschein einige Zeit mit einer Ärztin und Tierheilpraktikerin gefahren, halte engen Kontakt zu einem int. Ostheopathen und bin leiert mit einem Huftechniker/Huforthopäden.
Wenn man sich auf angeblich unreitbare oder bösartige Pferde spezialisiert hat, muss man viele Dinge beachten, wenn die Knochen heil bleiben sollen ;).

In vielen Dingen hast du recht, ich liebe Streitgespräche und Diskussionen (ohne Zickerei - wie eben mit dir). Man wird ja nicht dümmer dadurch.
Einige Ansätze werde ich sicher mal -wenn ich ein Pferd mit den entsprechenden Voraussetzungen vor mir habe- übernehmen.
Bisher habe ich z.B. Leckerchen nur bei Pferden eingesetzt, die nicht aufsteigen ließen (hatte mal einen Fall, bei dem ein Helfer dem Pferd den Kopf nach unten drücken musste -reflektorisches Ausschalten des Fluchtinstinkts- und ich nach 4-5 Versuchen in den Sattel kam ohne, dass mir die Hufe um die Ohren flogen, so sehr tobte das Pferd aufgrund schlechter Erfahrungen).
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #18
SORRY das ich mich jetzt erst melde, hatte die letzte Zeit ein wenig stress.

Also wir haben jetzt einen Trainer der mit ihm scheutraining macht!
Ich wollte die sache nicht alleine anpacken, hatte da Angst mehr kaputt zu machen als ihm zu helfen.
Der Trainer war Gestern das erste mal da und ich bin begeistert.
Die ersten 10 Minuten hat er erstmal klargestellt wer hier das sagen hat danach hat er angefangen mit ihm zuarbeiten.
Plastiktüte an nem Stecken war ein Grund für Diabolo auszuflippen.
Nach 30 Minuten hat er sich dann aber auf einer seite von der Plastiktüte abreiben lassen. :clap:
Ich war total Fasziniert über das was der Trainer erreicht hat! Und das alles OHNE stress und immer mit dem Auge beim Pferd
Nach dem Trainig haben wir uns noch unterhalten und er meinte auch das Diabolo ein großes Problem hat, gerade im Schulter, Brust bereich ( Attackierende Raubtiere ) wir das aber mit viel üben in den Griff bekommen. Er meinte auch das er lernen muss sich erstmal den sachen zu stellen bevor er die flucht ergreift und dafür brauchen wir ein selbstsicheres Pferd, und das is er eben nicht.
Der Trainer wird jetzt regelmäßig kommen und uns Helfen damit wir wieder entspannt ausreiten können.
 
  • 13-jährigem Wallach die Angst nehmen Beitrag #19
So wollte nur mal eben berichten wie es läuft!

Also der Trainer kommt regelmäßig und es wird LANGSAM besser.
Er meinte auch das Diabolo doch ein großes Problem hat, er will sich nicht mit der sache einfach nicht auseinander setzten, vor denen er Angst hat, er will lieber gleich flüchten und das ist sein Problem.
Wir arbeiten jetzt gerade dadran das er lernen muss sich mit der sache auseinander zusetzen, sich es erst einmal ansehen bevor er die Flucht ergreift.
Die Arbeit mit der Tüte geht langsam mit kleinen schritten vorwärts. Heute lies er sich das erste mal an der Brust, rücken, Bauch und Flanke mit der Tüte abreiben.
Wir werden jetzt da jeden Tag weiter arbeiten.
Wir werden jetzt auch Round Pen arbeiten machen, Cheftraining und vertrauensübungen.
Unser Trainer ist einfach klasse, er hilft wirklich super, Diabolo hat vertrauen zu ihm und ich auch. Er macht die sache super und erklärt sehr viel.
Er macht sehr viel mit Join - Up wo wir jetzt auch damit anfangen werden.
Ich muss auch lernen mehr vertrauen in mich und in das Pferd zu haben.
Aber der Trainer ist fest davon überzeugt das Diabolo irgendwann viel gelassener wird!!
 
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13-jährigem Wallach die Angst nehmen

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