Sehr geehrte Damen und Herren,
Meine Mutter liest regelmäßig ihre Zeitschrift und auch ich schaue hin wieder hinein um einige ausgewählte Artikel zu lesen. Eigentlich waren wir immer zufrieden bis ich diesen Ratschlag in der Ausgabe vom 23. Februar auf der Seite 34 fand:
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Mehr Kalk für Kaninchen?
Einmal pro Woche darf mein Zwergkaninchen (2 Jahre) raus seinem Gehege und in einem Zimmer auf Reisen gehen. Seit Wochen knabbert es heftig die Tapeten an. Das hat es früher nie getan…
Das Knabbern an Tapeten kann auf Kalkmangel hinweisen. In diesem Fall sollte das Zwergkaninchen ein Zusatzfutter mit einer Extraportion Mineralstoffe bekommen und eine Zeit lang keinen Ausflug machen. Es ist aber auch möglich, dass die Zähne des Zwergkaninchens zu lang sind und es deshalb die Tapete anknabbert. Dann sollte es Hartfutter bekommen. Eine Untersuchung beim Tierarzt ist jedoch in jedem Fall ratsam.“
Dieser Ratschlag schockierte mich wirklich, denn das ist schlicht und ergreifend falsch. Ein Kaninchen knabbert nicht aufgrund von Kalkmangel oder weil seine Zähne zu lang sind an Tapeten. Dem armen Tier war höchstwahrscheinlich einfach nur langweilig. Von einem Kaninchenpartner war nichts zu lesen und des weiteren brauchen diese Tiere täglich Auslauf. Er wird in diesem Zimmer rumgehoppelt sein und sich nach Aufmerksam durch einen artgleichen Partner gesehnt haben.
Die Empfehlungen zu diesem Hartfutter sind ebenfalls falsch. Ein Kaninchen braucht kein Trockenfutter!!! Der Mineralienbedarf wird durch das wöchentlich Füttern von Kräutern gedeckt und nicht durch irgendein fröhlich buntes Trockenfutter, wie es häufig verkauft wird. Für eine ausgewogene Ernährung genügen Heu, und Obst und Gemüse.
Auch der Zahnabrieb wird dadurch nicht gefördert, sondern eher im Gegenteil. Das so genannte Hartfutter ist durch den Speichel aufgeweicht bis zu den hinteren Zähnen gelangt und hat so keine Wirkung, außerdem macht es sehr schnell satt und das Kaninchen benutz dadurch seine Zähne weniger als beim Fressen von Heu. So entsteht eher das Gegenteil. Man sollte auch noch regelmäßig Äste von Obstbäumen zum Nagen geben. So bleiben die Zähne schön kurz.
Hier ist noch mal eine sehr gute Seite, warum das Füttern von Trockenfutter unterlassen werden sollte:
http://www.diebrain.de/k-trofu.html
Besonders schlimm fand ich auch den Tipp, dass das Tier auf weitere Ausflüge verzichten sollte. Wie schon erwähnt, es braucht täglichen Auslauf! Auch in der Natur legt ein Kaninchen mehrere Kilometer am Tag zurück. Mein Tipp wäre gewesen, dass die Wand für das Kaninchen unerreichbar gemacht wird, z.B. durch einen davor gestellten Gegenstand oder durch aufstellen von Gittern, als Auslaufbegrenzung. Ich mach es doch mit meinen Haustieren nicht anders und weiß genau, dass die beiden sonst die Tapete auch abnagen würden. Ich denke, dass es normal für diese Tiere ist.
Eine Woche später fand ich wieder einen tollen Tipp in der Zeitschrift, der mich noch wütender machte:
Unsere Kaninchen vertragen sich nicht
"Unsere Tochter hat vor zwei Monaten zu ihrem Zwergkaninchen (Weibchen) ein kastriertes Männchen geschenkt bekommen. Wir müssen sie getrennt halten, da sie sich immer noch nicht aneinander gewöhnt haben. Wie lange dauert das normalerweise?"
Da das Problem schon seit 2 Monaten besteht, ist es wahrscheinlich, dass sich die Tiere gar nicht aneinander gewöhnen. Kaninchen, besonders Weibchen, können in dieser hinsicht sehr eigen sein. Oft fügen sie sich gegenseitig schwer Verletzungen zu. Deshalb wär es besser, die Tier dauerhaft getrennt zu halten.
Der „gute“ Tierarzt hätte lieber über eine Vernünftige Vergesellschaftung sprechen sollen. Für mich hört es sich als wenn die Tiere immer mal wieder zusammengesetzt wurden und es bei den normalen Rangordnungskämpfen sofort zu einer Trennung kam. Dann ist es natürlich verständlich, dass diese Tier sich nicht vertragen. Hier noch einmal zum nachlesen für eine richtigen Vergesellschaftung:
http://www.diebrain.de/k-vergesellschaftung.html
Hätte dies wie erforderlich auf neutralem Boden stattgefunden, wären die beiden wahrscheinlich schon ein glückliches in der Ecke kuschelndes Kaninchenpaar. Aber durch diesen Tipp wird die absolut abzulehnende Einzelhaltung unterstützt.
Außerdem denke ich, dass viele dieser Tipps schlecht über eine Zeitung gegeben werden können. Da auf eine Frage des Lesers Gegenfragen durch den Tiersarzt folgen müssten. Zum Beispiel würde im letzten Artikel die Käfiggröße eine Rolle spielen und das kann ja dann wohl schlecht nachgefragt werden.
Viele andere Leser werden diesen Tipp nun auf ihre eigenen Haustiere übertragen und falsche Schlussfolgerungen aufstellen. Vielleicht denken sie, dass Einzelhaltung in Ordnung ist und auch das Trockenfutter und das ist eben nicht der Fall.
Ich habe all diese Aspekte auch mit Usern aus dem Forum
https://www.tierforum.de diskutiert und auch diese waren meiner Meinung.
Ich würde zum Beispiel eine Informationsseite über die richtige Haltung von Kaninchen und anderen Kleintieren in Zeitschriften wie ihre es ist, besser finden.
Viele Frauen mit Kindern lesen diese und halten ein Kleintier für ein ideales Geschenk. Meist wissen sie gar nicht wie viel man mit so einem kleinen Tier zutun hat. Auch wird noch oft und in vielen Zoohandlungen z.B. die Haltung von einem Meerschweinchen und einem Kaninchen empfohlen. Das ist aufgrund der verschiedenen Sprachen jedoch natürlich nicht möglich und kann für ein Meerschweinchen tödlich enden.
Wenn sie über solche grundlegenden Dinge wie Käfiggröße, die richtige Nahrung usw. informieren würden, wäre wohl viel mehr Menschen und vor allem den Tieren geholfen.
Mit freundlichen Grüßen
Juliane K.