Ich würde das Pferd -wenn es sich abklappt, so wie du schreibst - nicht sofort loslassen. Das Abklappen ist einfach ein Anzeichen dafür, dass das Pferd den Druck im Maul auszuweichen versucht.
Er soll aber das Gebiss suchen und nicht so lange gegen den Druck arbeiten, bis es ihm zu viel wird und er davor flüchtet.
Wenn er abklappt (nette Beschreibung - wirklich, man kann sich das richtig gut vorstellen), lass den Zügel nur etwas nach und treib ihn sanft aber energisch vorwärts. Das Vorwärtstreiben sollte sanft und aufbauend auf sehr großen gebogenen Linien (Zirkel) oder auf der Geraden (möglichst auf dem 3. Hufschlag) erfolgen.
Das Pferd soll eine sanfte Anlehnung an die Hand suchen.
Kommt das Pferd ans Gebiss, ist dein Feingfühl gefragt. Gib ganz langsam und gefühlvoll (Zunge des Pferdes fühlen, der Zügel darf nicht springen) nach und treibe dabei schön weiter vorwärts. Das Pferd soll im Idealfall dann mit der Nase weiter nach vorn kommen und sich nach vorwärts abwärts strecken.
Hebt das Pferd sich dann heraus - passiert sehr häufig- reite einfach wieder eine große gebogene Linie, dann fällt die ruhige Führung dem Pferd leichter.
Bei solchen Pferden, die früh durch verkriechen dem Gebiss ausweichen wollen, verwende ich ein sehr weiches Gebiss bei dem ich schon mal etwas auf die Hand bekomme. Das Pferd soll lernen, dass das Gebiss nicht weh tut, sondern ihm eine echte Hilfe ist.
Als sehr weiche Gebisse verwende ich meist folgende: Doppelt gebrochen mit anatomisch geformter und gedrehter Mittelolive, Nathe (wenn kein trockenes Maul), Leder (bei trockenem Maul), einfach gebrochen und anatomisch geformt mit Kupfereinlage, doppelt gebrochen und anatomisch geformt mit Rolle in der Mitte.
Ein Pferd, das schon durch Biegung und Lösung den Hals fallen lässt (nicht nur den Kopf abknickt) kann man auch sehr schön gebisslos reiten (keine gebisslose Zäumung, die den Kopf kompremiert und Druck aufs Genick oder den Unterkiefer ausübt). Das hat bei Jungpferden den Vorteil, dass man bei evtl. sensiblen Pferden im Zahnwechsel weitertrainieren kann.
Off-Topic
Ich hatte mal einen Hengst, der enorme Probleme im Zahnwechsel hatte. Die Hengstzähne kamen erst als er schon anfang 6 war und schön nacheinander. Er hatte Schmerzen und verweigerte das Gebiss - mir war sofort klar, dass das nur die Zähne sein könnten und siehe da, der Kiefer war rot und geschwollen. Gebisslos ließ er sich aber super reiten, denn er arbeitet sehr gern wenn er motiviert wird (ach, den muss man immer mit Lob überschütten aber dann funzt er als wenn es um die WM geht).
Gut, dass er gebisslos geritten werden konnte, denn er verweigerte das Gebiss glattweg mehrere Monate. So konnten wir wenigsten das Training weiterführen und auch Ausritte genießen.
Da er western geritten wird, konnte er sogar noch Turniere bestreiten und auf der Hengstkörung in Aachen den Vizekörsieger stellen.