Das Wettern gegen Tierärzte und füttern mit Halbwahrheiten hier ist manchmal wirklich zum Zehennägel aufrollen.
Jede Hündin wird scheinträchtig, daher kann man bei einer trächtigen Hündin auch keinen Progesterontest machen, da eine trächtige und eine nichtträchtige Hündin denselben Progesteronspiegel haben, da alle Hündinnen im Rudel nach Möglichkeit Milch geben sollten. Da eingeschossene Milch bei unseren Haushunden normalerweise nicht abgemolken wird, sollte man den Milcheinschuss durchaus behandeln, spätestens dann wenn die Zitzen verhärtet sind.
Eine Kastration birgt Vor- und Nachteile und jeder Hundehalter muss für sich selbst überlegen, was er will. Das Risiko für Mammatumore sinkt wenn man vor der zweiten Läufigkeit kastriert, da sich die Milchdrüsen eben nicht 2-3 mal im Jahr an- und wieder abbilden und damit auch nicht mehr die Chance haben, zu entarten. Durch die fehlenden Hormonschwankungen kann es auch nicht mehr zu eine HGCE kommen und damit wird auch eine Pyometra höchst unwahrscheinlich.
Die Inkontinenz betrifft v.a. größere Rassen und von diesen v.a. wieder den Deutschen Schäferhund, Boxer und die Dogge, bei denen steigt das Risiko bis auf 60%, bei anderen Rassen liegt es unter 1%. Das Risiko steigt bei eine Kastration vor der ersten Läufigkeit.
Das Wachstum wird nicht beeinflusst durch eine Kastration vor der ersten Läufigkeit. Es mag sein, dass rein von Literaturdaten bzw. Praxisstudien ein erhöhtes Risiko manch anderer Tumorarten mit der Kastration steigt, wurde bei diesen allerdings mit beachtet, wie hoch das Risiko des speziellen Tumors überhaupt ist? Oder was für Rassen vertreten waren? Wie viele Patienten beurteilt wurden und und und? Mich würde diese Studie wirklich mal interessieren, ich hab sie noch nicht gefunden, kenn nur diese Auflistung, die durchs Internet geistert.
Wenn man kastriert, ist eine SEHR wichtige Grundregel zu beachten, die viele Tierärzte, wenn nicht sogar die meisten ignorieren. Hündinnen haben im Gegensatz zu Menschen eine Hormonfreie Phase, den Anöstrus. Das ganze läuft grob so ab: Proöstrus und Östrus (etwa 4 Wochen) unter Östrogeneinfluss, 9 Wochen Metöstrus unter Progesteron und dann 3 Monate Anöstrus "ohne" Hormone, dann geht das Spiel von vorne los. Eine kastrierte Hündin, ist eine Hündin, die dauerhaft im Anöstrus hängt, es ist also nicht total widernatürlich. Voraussetzung ist natürlich, dass man im Anöstrus kastriert, alles andere kann zunächst zu Wundheilungsstörungen nach der Kastration oder massivstem Milcheinschuss oder langfristig zu gestörtem Sozialverhalten führen.
Daher kommt der Vorschlag 3-4 Monate nach der Läufigkeit zu kastrieren. Um ganz sicher zu gehen, kann man noch das Progesteron bestimmen lassen und/oder eine Vaginalzytologie anfertigen lassen.
Unterm Strich ist und bleibt es die Entscheidung des Besitzers, als Tierarzt kann ich nur die Fakten auf den Tisch legen und btw: ich kastrier selber gar nicht ...