Es gibt nicht "keine Gründe nicht zu kastrieren", wenn dann gibt es "Gründe, die eine Kastration nötig machen".
Eine Kastration ist ein erheblicher Einschnitt in den Hormonhaushalt, wo mehr dran hängt als nur Sexualverhalten und Läufigkeit. Östrogen ist vor allem für den Knochen- und Mineralstoffwechsel wichtig, aber auch das gesamte Gleichgewicht des Hormonhaushaltes hängt damit zusammen. Gerade so Dinge wie die mögliche Fellveränderung nach einer Kastration zeigen doch sehr deutlich, wie viel Einfluss dieses Hormon hat, den wir eigentlich gar nicht in Verbindung gebracht hätten.
Neben den bekannten (vor allem, weil sichtbaren) Nebenwirkungen wie Übergewicht, Antriebslosigkeit, Kastratenfell, Inkontinenz etc, gibt es noch wesentlich mehr, die wir auch noch gar nicht alle erforscht haben. Es gibt mittlerweile ein paar Studien die sich damit beschäftigt haben, aber leider bei weitem noch nicht genug. Bei den Studien kamen signifikante Verschlechterungen an Gelenken, Knochen, andere Krebserkrankungen (die entfernten Teile können natürlich nicht mehr an Krebs erkranken, das ist klar) etc. zum Vorschein. Vor allem bei Frühkastrationen sind die Auswirkungen auf die Knochen und Gelenke besonders schlimm.
Die Vorbeugung gegen Gesäugetumore (die übrigens in den seltensten Fällen bösartig sind) ist allerdings nur bei einer Frühkastration gegeben. Nach zwei Läufigkeiten ist davon nicht mehr viel übrig.
Ich empfehle für weitere Einsicht das Buch "Kastration und Verhalten beim Hund".
Dieses Interview ist auch recht empfehlenswert:
http://www.stadthunde.com/magazin/g...stration-interview-mit-dr-udo-ganslosser.html
Ich denke, dass es durchaus Gründe gibt, die eine Kastration rechtfertigen. Auch welche, die nicht nur medizinisch bedingt sind. Allerdings sehe ich in deinem Fall keinen davon. Ja, es ist doof, wenn man 1-2x im Jahr nicht mit den befreundeten Rüdenhaltern spazieren gehen kann, aber wenn das wirklich das einzige Problem ist, würde ich es keinesfalls als gerechtfertigt ansehen und ich bin wirklich überrascht und froh, dass dein Tierarzt das auch so sieht (viele Tierärzte verdienen lieber etwas dran und raten zu Pauschalkastrationen...).
sollte deine Hündin mal Probleme bekommen mit Scheinschwangerschaften etc. kann man immer noch eine Kastration abwägen.
Soweit zumindest meine Meinung.