- Mein Hund aus dem Tierheim langweilt sich enormst Beitrag #1
Rapunzel
- Beiträge
- 29
- Punkte Reaktionen
- 0
Hallo! 
Seit Anfang des Monats habe ich mir den Traum vom Hund erfüllt. Ich bin Studentin und eigentlich dachte ich mir, ich würde mit einem "großen" Haustier warten bis ich sicher weiß wo ich wohne, was ich mache, wie viel ich verdiene. Aber schlussendlich ist mir der Hund dann doch sehr abgegangen, zumal man einen Hund ja mit sich nehmen kann; anders als etwa Ratten oder eine Katze. Da ich weit weg von zu Hause studiere, hat sich das zu einem kleinen Problem entwickelt. Ich bin immer wieder mal auf der Suche nach jemanden, der sich alle paar Wochen ein paar Tage um die Kleinen kümmert, während ich bei meiner Familie vor Sorge und Rattenheimweh vergehe. xD
(Drama: Kind, komm nach Hause! / Nein, ich kann nicht. Ich will sie nicht schon wieder fast ganz alleine lassen. / Gib sie weg. / Nein, das sind meine Haustiere. Ich liebe sie. / Du hast jetzt doch einen Hund. / Sie sind wie Hunde. )
Meine Eltern haben einen großen Berner-Border-Schäfer-Mix, der viel Bewegung und Beschäftigung fordert. Da ich zu Hause einen solchen Hund hatte, hätte ich mich jetzt ehrlich gesagt auch nicht als hundeunerfahren bezeichnet - allerdings fühle ich mich jetzt wirklich so.
Meine Hündin ist eine kleine, schwarze Promenadenmischung aus einem Tierheim. Sie war die einzige, die sich hat einladen lassen und nach ausgiebigem Schmusen und einer Gassirunde war klar, wer das neue Familienmitglied wird. Sie ist 1 1/2 und schon zwei Mal zurückgebracht worden. Ich habe noch nie ein Tier fort- oder aufgegeben und auch bei meinem Hund wird das bestimmt nicht passieren. Ganz abgesehen davon, dass sie das auch überhaupt nicht verdient. Sie ist so eine liebevolle, kleine Hundedame.
Anfangs hatte sie einfach vor allem Angst. Flatternden Zeitungsständern, Autos, anderen Leuten, Radios,... Sie ist mir vorgekommen, als hätte man sie vom Mond auf die Erde verfrachtet. Darum bin ich die ersten paar Tage von der Wohnung nur bis zum Park und wieder zurückgegangen und zwar alle zwei Stunden, wie mit einem Welpen. Nachts alle drei. Da ich nebenbei auch eine Prüfung nachschreiben musste, war ich ziemlich tot, zumal mein Hund noch ein anderes Problem hatte. Sie hat sich NIE hingelegt. Sie ist ständig herum gelaufen, außer ich habe mich mit ihr ins Bett gelegt. Eigentlich gehören Hunde ja nichts ins Bett, meiner Meinung nach, aber sie war wirklich nur am Rumlaufen und wenn sie sich kurz hingestellt, NICHT hingelegt, hat, habe ich nur eine Bewegung machen müssen und sie ist wieder auf Zack gewesen.
Das hat natürlich ordentlich an unserer beider Nerven gezerrt. Inzwischen haben wir das aber hinbekommen, indem ich bei Fressnapf eine Tube Geflügelpaste gekauft habe. Jedes Mal wenn sie sich etwas beruhigt hat, hat sie etwas Paste bekommen. Das war hart, weil ich ständig auf sie achten musste. Aber es hat funktioniert. Inzwischen legt sie sich brav hin und läuft mir nur noch hinterher.
Ich arbeite daran, indem ich die Tür hinter mir immer anlehne und regelmäßig die Wohnung auf die unmöglichste Art und Weise putze. Immer brav von einem Raum in den nächsten. Meine Wohnung funkelt und meinem Hund ist es irgendwann zu blöd und wenn sie mir nicht nachläuft, bekommt sie ein Leckerli. Bisher zeigt die Taktik wenig Wirkung.
Sobald ich wieder am Schreibtisch sitze und aufstehe um mir Tee zu holen oder aufs Klo zu gehen, ist alles wieder beim Alten. Und ich will sie deswegen nicht schimpfen, weil sie so ein ängstlicher, unsicherer Hund ist. Sie klebt sehr an mir.
Unser nächstes Problem ist, dass sie bestimmte Altersklassen anknurrt bzw. verbellt. Nicht draußen beim Gassigehen, aber zum Beispiel in der Wohnung oder im Haus meiner Eltern. Meine Großmutter, meine Mutter und mein Vater (er hat eine Krankheit, die ihn manchmal laute Geräusche machen lässt) sind die Betroffenen. Andererseits liebt sie meine Schwester, meine Freunde und vor allem alle jungen Männer, die groß und blond sind. Sie lässt dann alles mit sich machen; sich überall anfassen.
Aber bei den beschriebenen Altersklassen schnappt sie zwar nicht und sie macht entweder Beschwichtigungsgesten oder zeigt eine "Bitte, bitte, tu mir nichts"-Körperhaltung, aber sie hat eindeutig Angst.
Meine Mutter hat ein bisschen zu viel Cesar Milan geschaut und sie gegen meinen Willen als sie einen Beißkorb oben hatte, in eine Ecke getrieben und dann auf den Bauch gelegt. Anders als der besagte "Hundetrainer", hat sie sie dann aber gestreichelt und ihr Leckerlis gegeben. Bis zum Ende des Besuchs gab es dann keine Probleme mehr, allerdings hat sie vermehrt gegen meinen Vater gewettert und ich weiß nicht, wie es beim nächsten Zusammentreffen sein wird.
Auch vor anderen Hunden hatte sie Respekt und wenn jemand sich über sie stellt, zeigt sie ebenfalls die Zähne und knurrt. Allerdings schnappt sie auch hier nicht.
Anfangs hat sie nie mit Hunden gespielt. Nachdem ich aber ständig auf alle Hunde zugegangen bin, ist sie nun aber etwas aufgetaut. Vor zwei Tagen hat sie das erste Mal gespielt.
Ich bin mir nicht sicher, wie intelligent ich sie einstufen soll (sie knurrt ihr Spiegelbild regelmäßig an :mrgreen: ), aber wir haben Probleme mit den Grundkommandos.
Hier und den Namen hat sie sehr schnell gelernt und anfangs auch sehr brav angewandt. Inzwischen werde ich im Park regelmäßig ignoriert. Wie kann ich denn dagegen vorgehen?
Ich gebe ihr immer wieder mal ein Leckerli wenn sie kommt und rufe sie auch in der Wohnung öfter, worauf eine Belohnung folgt. Mehr kann ich doch nicht machen, oder? Ich lobe auch immer, wenn sie auf mich zuläuft und schimpfe sie nicht, wenn sie vorher was Doofes gemacht hat. Sobald sie folgt, wird gelobt, auch wenn vorher geschimpft wurde. Verwirre ich sie??? :roll:
Also, das erste Problem war "Sitz". Ich wollte so früh wie möglich damit anfangen, ihr das beizubringen, um ihr dann "Platz" und "Bleib" beizubringen. Das war an und für sich die erste Idee, um ihr das Herumlaufen abzugewöhnen. Hat aber nicht funktioniert. Weder mit der Leckerli- noch mit der Herumschiebmethode. Ich habe daher gewartet, bis sie sich so weit eingelebt hatte, dass sie in der Wohnung auch ohne dass wir im Bett kuscheln, entspannt.
Aber auch als sie in der Wohnung endlich ruhiger geworden war, habe ich gefühlte vier Leckerlipackungen für "Sitz" verbraucht. Mein Familienhund zu Hause hat das in einer Minute gelernt. :eusa_doh:
Ich habe ihr wie gewohnt das Leckerchen vor die Nase gehalten, es dann über ihren Kopf geführt. Wenn es den Platz erreicht hat, wo sie nur sitzend herangekommen wäre, ist sie einfach ein paar Schritte zurückgegangen.
Wenn ich ihr das Leckerli nun nicht gegeben hätte, wäre sie frustriert gewesen. Ich bin also von ihr weg und habe sie gerufen, um die Belohnung wertig zu machen. Aber auch das hat sie bald frustriert.
Ich weiß gar nicht, wie genau das gegangen ist, aber irgendwann hat sie sich dann doch hingesetzt und ich hab sie gelobt bis zum Gehtnichtmehr, woraufhin sie sich gedacht hat "Ui, das freut mein Frauerl aber. Setzen wir uns jedes Mal hin, wenn sie ein Leckerli in der Hand hat."
Danach habe ich das Zeichen und dann das Kommando eingeführt. Jetzt macht sie "Sitz". Auf Kommando und vorsichtshalber auch schon vorher. :angel: Es ist in Ordnung. Ich bin glücklich damit.
Aufgrund des fehlenden Anbietens der Positionen, arbeite ich jetzt mit Klicker, um jede passende Bewegung zielgenau belohnen zu können. Das klappt besser, aber bringt auch nicht den durchschlagenden Erfolg.
Die letzten paar Tage habe ich erst versucht ihr Platz beizubringen. Sie steht immer auf und kommt auf mich zu, wenn ich sie erst "Sitz" machen lasse und das Leckerli dann nach unten und zu mir hin führe. Sie steht auf und knabbert meine Hand an.
Ich habe ihr jetzt "Schau" und "Stups" beigebracht. Bei "Schau" blickt sie mir kurz in die Augen, was wirklich schwer für sie ist. Sie schaut dann gleich wieder betreten weg. Es ist ihr unangenehm, weil sie nicht sehr selbstsicher ist. Aber sie macht es und ich glaube, dass das keine schlechte Übung für sie ist, auch um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Und "Stups" ist, dass sie meine ausgestreckten Mittel- und Zeigefinger mit der Schnauze berührt. Fällt manchmal noch sehr feucht aus, aber sie versteht das auch mit der anderen Hand und mit dem Fuß. An und für sich ist es einfach nur eine Abwechslung, um die Grundkommandos zu üben ohne sie zu frustrieren. "Stups" will ich dann irgendwann zu "Folgen" ausbauen, sodass die Finger zum Target werden.
Ja, bezüglich "Platz" sind wir immer noch nicht weiter gekommen. "Stups" war die einzige Übung, die sie sich schnell angeeignet hat. Ich komme mir vor, als würde ich bei ihr absolut alles falsch machen. Es muss an mir liegen... Sie ist ein Hund, der gefallen will, auch wenn sie manchmal stur ist. Aber wer ist das nicht?
Aber unser größtes Problem ist, dass sie sich langweilt und deswegen oft depressiv wirkt. Sie hat eine aufgedrehte Rute und als ich sie zu mir genommen habe, war die zwar komisch gebogen, aber als gerade zu bezeichnen. Ein paar Tage später hatte ich plötzlich einen "Staubwedelhund".
In letzter Zeit hängt die Rute aber immer öfter gerade nach unten, sie schläft viel (was auf eine Krankheit hindeuten könnte, aber das ist durch nächsten Punkt widerlegt) und zerrt sämtliche Sachen ins Bett. Sie klaut Schuhe, Scheren, Handtücher, einfach alles und schleift sie ins Bett. Entweder kaut sie darauf oder aber sie legt sich nur daneben hin. Ich halte das für Langeweile oder Aufmerksamkeitsdefizit.
Ich fühle mich inzwischen überfordert. Ich will sie ja beschäftigen, aber sie lässt sich nicht beschäftigen. Ich weiß auch nicht, wie ich das ausdrücken soll...
Also, unsere Routine ist, gleich nach dem Aufstehen vor dem Frühstück in den Park, damit sie pinkeln und schnüffeln kann. Das dauert etwa 20 bis 30min. Danach gehe ich erst Zähne putzen, duschen und frühstücken. Wenn ich mehr mache, als mir eine Jeans drüberzuziehen und die Jacke an, dann pinkelt sie mir ins Wohnzimmer.
Wenn wir zurückkommen, bekommt sie einen Dentastick und ich mache erst einmal Sachen für mich oder den Haushalt. Was halt so anfällt.
Zwischendurch übe ich mit ihr Kommandos, die sie kann. Das beansprucht aber nicht so viel Zeit. Ich unterbreche meine Sachen auch immer um zum Park zu gehen, weil sie eben immer noch nicht stubenrein ist. :uups: Manchmal macht sie Lackerl im Wohnzimmer. Auch wenn wir Gassi waren; ab und an pinkelt sie im Park einfach nicht.
Vor dem Mittagessen oder während das Essen "steht", also köchelt, im Backrohr ist oder so, nehme ich mir die Zeit, wirklich konzentriert mit ihr zu arbeiten. Da arbeiten wir dann eben auch am "Platz". Inzwischen will sie gar nicht mehr so recht, weil das einfach nicht funktioniert und sie sich etwas verarscht vorkommt, glaube ich.
Nach dem Mittagessen gehen wir entweder eine große Gassirunde, die so eine Stunde dauert oder gehen auf den Wilhelminenberg, was je nach Lust und Laune zwei bis drei Stunden aufwärts dauern kann.
Am späten Nachmittag bis Abend mache ich was mit Freunden, obwohl das sehr selten geworden ist, weil mein Hund nicht wirklich allein sein kann und leidet. Sie pinkelt definitiv immer und wenn ich heimkomme, weiß ich, dass sie direkt vor der Tür gelegen und auf mich gewartet hat. Sie freut sich dann natürlich riesig, wenn ich endlich wieder da bin.
Wenn ich zurückkomme, wische ich erst das Lackerl weg und gehe dann mit ihr spazieren.
Nun, es ist ihr nicht genug. Ich mache regelmäßig Hundemassage mit Entspannungsmusik. Suchspiele à la Leckerli unter einem Becher oder verstecken funktionieren bei ihr nicht.
Sie hat zwar Spielsachen, aber sie benutzt sie nicht, obwohl sie einen Spieltrieb hat. Mit meinen Kleidungsstücken läuft sie regelmäßig und schüttelt diese auch. Dann strahlen ihre Augen. Ich nehme ihr dann das Kleidungsstück weg und will ihr ihr Spielzeug (dieses Gummigongteil, einen Reifen zum Kauen, einen Gummiknochen, einen Ball, einen Kauknochen, einen Stoffknochen, ein Stofftier) anbieten, aber sie legt sich dann nur hin und seufzt tief.
Ich habe schon Leckerlis und Paste in den Gong gestopft, aber sobald nichts mehr drinnen ist, ist ihr auch der Gong egal. Die anderen Sachen bis auf den Stoffknochen und den Kauknochen nimmt sie gar nicht an.
Ich kann auch nicht mit ihr Spielen, weil sie keinen Jagdtrieb hat und mich nur blöd anschaut, wenn ich mit den Spielsachen wedle oder werfe. Das einzige Beschäftigen meinerseits sind Gehorsamsübungen (Stups, Schau, Sitz, Komm) oder Fangen (Ich jag dich, du jagst mich und dann umgekehrt; was sie liebt. Ich übernehme quasi einen Hundepart...)
Den Stoffknochen habe ich Ewigkeiten am Leib getragen und dann "unabsichtlich" auf den Boden fallen gelassen. Sie hat ihn sich sofort geschnappt und benutzt ihn jetzt als Kauknochen.
Der (echte) Kauknochen war eine sehr harte Aufgabe. Sie hat Kabeln geliebt. Mein Laptopkabel, drei Mal das Kabel der Kopfhöhrer,... Irgendwann habe ich ihr den Knochen mit Leberpastete eingestrichen und ins Maul gestopft und es ihr ständig hinterhergetragen bis sie mir zu Liebe endlich daran zu nagen begonnen hat und ich sie ewig gelobt habe. Danach scheint ihr der Knochen wohl doch gemundet zu haben, auch wenn sie ihn nicht immer nimmt, so knabbert sie doch des Öfteren daran. Inzwischen sucht sie aber ständig mein Handy um es zum Nagen zu missbrauchen - und ja, sie macht es gezielt.
Ich weiß nicht, was ich noch machen soll.
Und ich frage mich auch, was mein Hund denn da alles erlebt hat in ihren 1 1/2 Jahren. Rein vom Verhalten her wurde sie geschlagen, im Keller eingesperrt und von jeglicher außerweltlichen Stimulation ferngehalten.
Ich will ihr so gern ein gutes Leben geben, aber irgendwie kommt sie mir vor, als wäre ihr einfach nur langweilig und sie wird depressiv...
Mit meinem Familienhund war ich inlineskaten, wir haben Suchspiele gespielt und Apportieren. Er war halt ein ganz normaler Hund, nur dass er sehr viel Aufmerksamkeit und Bewegung brauchte. Allerdings hat er sich eben auch beschäftigen lassen. Bei meiner Hündin ist das anders. Sie geht auf nichts ein, was ich ihr anbiete und beim TA habe ich sie schon vorgestellt. Alles in Ordnung; sie hat nur die Krallen geschnitten bekommen.
Also, Hilfe, bitte. :shock::roll::?:|
Liebe Grüße
Rapunzel
Seit Anfang des Monats habe ich mir den Traum vom Hund erfüllt. Ich bin Studentin und eigentlich dachte ich mir, ich würde mit einem "großen" Haustier warten bis ich sicher weiß wo ich wohne, was ich mache, wie viel ich verdiene. Aber schlussendlich ist mir der Hund dann doch sehr abgegangen, zumal man einen Hund ja mit sich nehmen kann; anders als etwa Ratten oder eine Katze. Da ich weit weg von zu Hause studiere, hat sich das zu einem kleinen Problem entwickelt. Ich bin immer wieder mal auf der Suche nach jemanden, der sich alle paar Wochen ein paar Tage um die Kleinen kümmert, während ich bei meiner Familie vor Sorge und Rattenheimweh vergehe. xD
(Drama: Kind, komm nach Hause! / Nein, ich kann nicht. Ich will sie nicht schon wieder fast ganz alleine lassen. / Gib sie weg. / Nein, das sind meine Haustiere. Ich liebe sie. / Du hast jetzt doch einen Hund. / Sie sind wie Hunde. )
Meine Eltern haben einen großen Berner-Border-Schäfer-Mix, der viel Bewegung und Beschäftigung fordert. Da ich zu Hause einen solchen Hund hatte, hätte ich mich jetzt ehrlich gesagt auch nicht als hundeunerfahren bezeichnet - allerdings fühle ich mich jetzt wirklich so.
Meine Hündin ist eine kleine, schwarze Promenadenmischung aus einem Tierheim. Sie war die einzige, die sich hat einladen lassen und nach ausgiebigem Schmusen und einer Gassirunde war klar, wer das neue Familienmitglied wird. Sie ist 1 1/2 und schon zwei Mal zurückgebracht worden. Ich habe noch nie ein Tier fort- oder aufgegeben und auch bei meinem Hund wird das bestimmt nicht passieren. Ganz abgesehen davon, dass sie das auch überhaupt nicht verdient. Sie ist so eine liebevolle, kleine Hundedame.
Anfangs hatte sie einfach vor allem Angst. Flatternden Zeitungsständern, Autos, anderen Leuten, Radios,... Sie ist mir vorgekommen, als hätte man sie vom Mond auf die Erde verfrachtet. Darum bin ich die ersten paar Tage von der Wohnung nur bis zum Park und wieder zurückgegangen und zwar alle zwei Stunden, wie mit einem Welpen. Nachts alle drei. Da ich nebenbei auch eine Prüfung nachschreiben musste, war ich ziemlich tot, zumal mein Hund noch ein anderes Problem hatte. Sie hat sich NIE hingelegt. Sie ist ständig herum gelaufen, außer ich habe mich mit ihr ins Bett gelegt. Eigentlich gehören Hunde ja nichts ins Bett, meiner Meinung nach, aber sie war wirklich nur am Rumlaufen und wenn sie sich kurz hingestellt, NICHT hingelegt, hat, habe ich nur eine Bewegung machen müssen und sie ist wieder auf Zack gewesen.
Das hat natürlich ordentlich an unserer beider Nerven gezerrt. Inzwischen haben wir das aber hinbekommen, indem ich bei Fressnapf eine Tube Geflügelpaste gekauft habe. Jedes Mal wenn sie sich etwas beruhigt hat, hat sie etwas Paste bekommen. Das war hart, weil ich ständig auf sie achten musste. Aber es hat funktioniert. Inzwischen legt sie sich brav hin und läuft mir nur noch hinterher.
Ich arbeite daran, indem ich die Tür hinter mir immer anlehne und regelmäßig die Wohnung auf die unmöglichste Art und Weise putze. Immer brav von einem Raum in den nächsten. Meine Wohnung funkelt und meinem Hund ist es irgendwann zu blöd und wenn sie mir nicht nachläuft, bekommt sie ein Leckerli. Bisher zeigt die Taktik wenig Wirkung.
Sobald ich wieder am Schreibtisch sitze und aufstehe um mir Tee zu holen oder aufs Klo zu gehen, ist alles wieder beim Alten. Und ich will sie deswegen nicht schimpfen, weil sie so ein ängstlicher, unsicherer Hund ist. Sie klebt sehr an mir.
Unser nächstes Problem ist, dass sie bestimmte Altersklassen anknurrt bzw. verbellt. Nicht draußen beim Gassigehen, aber zum Beispiel in der Wohnung oder im Haus meiner Eltern. Meine Großmutter, meine Mutter und mein Vater (er hat eine Krankheit, die ihn manchmal laute Geräusche machen lässt) sind die Betroffenen. Andererseits liebt sie meine Schwester, meine Freunde und vor allem alle jungen Männer, die groß und blond sind. Sie lässt dann alles mit sich machen; sich überall anfassen.
Aber bei den beschriebenen Altersklassen schnappt sie zwar nicht und sie macht entweder Beschwichtigungsgesten oder zeigt eine "Bitte, bitte, tu mir nichts"-Körperhaltung, aber sie hat eindeutig Angst.
Meine Mutter hat ein bisschen zu viel Cesar Milan geschaut und sie gegen meinen Willen als sie einen Beißkorb oben hatte, in eine Ecke getrieben und dann auf den Bauch gelegt. Anders als der besagte "Hundetrainer", hat sie sie dann aber gestreichelt und ihr Leckerlis gegeben. Bis zum Ende des Besuchs gab es dann keine Probleme mehr, allerdings hat sie vermehrt gegen meinen Vater gewettert und ich weiß nicht, wie es beim nächsten Zusammentreffen sein wird.
Auch vor anderen Hunden hatte sie Respekt und wenn jemand sich über sie stellt, zeigt sie ebenfalls die Zähne und knurrt. Allerdings schnappt sie auch hier nicht.
Anfangs hat sie nie mit Hunden gespielt. Nachdem ich aber ständig auf alle Hunde zugegangen bin, ist sie nun aber etwas aufgetaut. Vor zwei Tagen hat sie das erste Mal gespielt.
Ich bin mir nicht sicher, wie intelligent ich sie einstufen soll (sie knurrt ihr Spiegelbild regelmäßig an :mrgreen: ), aber wir haben Probleme mit den Grundkommandos.
Hier und den Namen hat sie sehr schnell gelernt und anfangs auch sehr brav angewandt. Inzwischen werde ich im Park regelmäßig ignoriert. Wie kann ich denn dagegen vorgehen?
Ich gebe ihr immer wieder mal ein Leckerli wenn sie kommt und rufe sie auch in der Wohnung öfter, worauf eine Belohnung folgt. Mehr kann ich doch nicht machen, oder? Ich lobe auch immer, wenn sie auf mich zuläuft und schimpfe sie nicht, wenn sie vorher was Doofes gemacht hat. Sobald sie folgt, wird gelobt, auch wenn vorher geschimpft wurde. Verwirre ich sie??? :roll:
Also, das erste Problem war "Sitz". Ich wollte so früh wie möglich damit anfangen, ihr das beizubringen, um ihr dann "Platz" und "Bleib" beizubringen. Das war an und für sich die erste Idee, um ihr das Herumlaufen abzugewöhnen. Hat aber nicht funktioniert. Weder mit der Leckerli- noch mit der Herumschiebmethode. Ich habe daher gewartet, bis sie sich so weit eingelebt hatte, dass sie in der Wohnung auch ohne dass wir im Bett kuscheln, entspannt.
Aber auch als sie in der Wohnung endlich ruhiger geworden war, habe ich gefühlte vier Leckerlipackungen für "Sitz" verbraucht. Mein Familienhund zu Hause hat das in einer Minute gelernt. :eusa_doh:
Ich habe ihr wie gewohnt das Leckerchen vor die Nase gehalten, es dann über ihren Kopf geführt. Wenn es den Platz erreicht hat, wo sie nur sitzend herangekommen wäre, ist sie einfach ein paar Schritte zurückgegangen.
Wenn ich ihr das Leckerli nun nicht gegeben hätte, wäre sie frustriert gewesen. Ich bin also von ihr weg und habe sie gerufen, um die Belohnung wertig zu machen. Aber auch das hat sie bald frustriert.
Ich weiß gar nicht, wie genau das gegangen ist, aber irgendwann hat sie sich dann doch hingesetzt und ich hab sie gelobt bis zum Gehtnichtmehr, woraufhin sie sich gedacht hat "Ui, das freut mein Frauerl aber. Setzen wir uns jedes Mal hin, wenn sie ein Leckerli in der Hand hat."
Danach habe ich das Zeichen und dann das Kommando eingeführt. Jetzt macht sie "Sitz". Auf Kommando und vorsichtshalber auch schon vorher. :angel: Es ist in Ordnung. Ich bin glücklich damit.
Aufgrund des fehlenden Anbietens der Positionen, arbeite ich jetzt mit Klicker, um jede passende Bewegung zielgenau belohnen zu können. Das klappt besser, aber bringt auch nicht den durchschlagenden Erfolg.
Die letzten paar Tage habe ich erst versucht ihr Platz beizubringen. Sie steht immer auf und kommt auf mich zu, wenn ich sie erst "Sitz" machen lasse und das Leckerli dann nach unten und zu mir hin führe. Sie steht auf und knabbert meine Hand an.
Ich habe ihr jetzt "Schau" und "Stups" beigebracht. Bei "Schau" blickt sie mir kurz in die Augen, was wirklich schwer für sie ist. Sie schaut dann gleich wieder betreten weg. Es ist ihr unangenehm, weil sie nicht sehr selbstsicher ist. Aber sie macht es und ich glaube, dass das keine schlechte Übung für sie ist, auch um ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Und "Stups" ist, dass sie meine ausgestreckten Mittel- und Zeigefinger mit der Schnauze berührt. Fällt manchmal noch sehr feucht aus, aber sie versteht das auch mit der anderen Hand und mit dem Fuß. An und für sich ist es einfach nur eine Abwechslung, um die Grundkommandos zu üben ohne sie zu frustrieren. "Stups" will ich dann irgendwann zu "Folgen" ausbauen, sodass die Finger zum Target werden.
Ja, bezüglich "Platz" sind wir immer noch nicht weiter gekommen. "Stups" war die einzige Übung, die sie sich schnell angeeignet hat. Ich komme mir vor, als würde ich bei ihr absolut alles falsch machen. Es muss an mir liegen... Sie ist ein Hund, der gefallen will, auch wenn sie manchmal stur ist. Aber wer ist das nicht?
Aber unser größtes Problem ist, dass sie sich langweilt und deswegen oft depressiv wirkt. Sie hat eine aufgedrehte Rute und als ich sie zu mir genommen habe, war die zwar komisch gebogen, aber als gerade zu bezeichnen. Ein paar Tage später hatte ich plötzlich einen "Staubwedelhund".
In letzter Zeit hängt die Rute aber immer öfter gerade nach unten, sie schläft viel (was auf eine Krankheit hindeuten könnte, aber das ist durch nächsten Punkt widerlegt) und zerrt sämtliche Sachen ins Bett. Sie klaut Schuhe, Scheren, Handtücher, einfach alles und schleift sie ins Bett. Entweder kaut sie darauf oder aber sie legt sich nur daneben hin. Ich halte das für Langeweile oder Aufmerksamkeitsdefizit.
Ich fühle mich inzwischen überfordert. Ich will sie ja beschäftigen, aber sie lässt sich nicht beschäftigen. Ich weiß auch nicht, wie ich das ausdrücken soll...
Also, unsere Routine ist, gleich nach dem Aufstehen vor dem Frühstück in den Park, damit sie pinkeln und schnüffeln kann. Das dauert etwa 20 bis 30min. Danach gehe ich erst Zähne putzen, duschen und frühstücken. Wenn ich mehr mache, als mir eine Jeans drüberzuziehen und die Jacke an, dann pinkelt sie mir ins Wohnzimmer.
Wenn wir zurückkommen, bekommt sie einen Dentastick und ich mache erst einmal Sachen für mich oder den Haushalt. Was halt so anfällt.
Zwischendurch übe ich mit ihr Kommandos, die sie kann. Das beansprucht aber nicht so viel Zeit. Ich unterbreche meine Sachen auch immer um zum Park zu gehen, weil sie eben immer noch nicht stubenrein ist. :uups: Manchmal macht sie Lackerl im Wohnzimmer. Auch wenn wir Gassi waren; ab und an pinkelt sie im Park einfach nicht.
Vor dem Mittagessen oder während das Essen "steht", also köchelt, im Backrohr ist oder so, nehme ich mir die Zeit, wirklich konzentriert mit ihr zu arbeiten. Da arbeiten wir dann eben auch am "Platz". Inzwischen will sie gar nicht mehr so recht, weil das einfach nicht funktioniert und sie sich etwas verarscht vorkommt, glaube ich.
Nach dem Mittagessen gehen wir entweder eine große Gassirunde, die so eine Stunde dauert oder gehen auf den Wilhelminenberg, was je nach Lust und Laune zwei bis drei Stunden aufwärts dauern kann.
Am späten Nachmittag bis Abend mache ich was mit Freunden, obwohl das sehr selten geworden ist, weil mein Hund nicht wirklich allein sein kann und leidet. Sie pinkelt definitiv immer und wenn ich heimkomme, weiß ich, dass sie direkt vor der Tür gelegen und auf mich gewartet hat. Sie freut sich dann natürlich riesig, wenn ich endlich wieder da bin.
Wenn ich zurückkomme, wische ich erst das Lackerl weg und gehe dann mit ihr spazieren.
Nun, es ist ihr nicht genug. Ich mache regelmäßig Hundemassage mit Entspannungsmusik. Suchspiele à la Leckerli unter einem Becher oder verstecken funktionieren bei ihr nicht.
Sie hat zwar Spielsachen, aber sie benutzt sie nicht, obwohl sie einen Spieltrieb hat. Mit meinen Kleidungsstücken läuft sie regelmäßig und schüttelt diese auch. Dann strahlen ihre Augen. Ich nehme ihr dann das Kleidungsstück weg und will ihr ihr Spielzeug (dieses Gummigongteil, einen Reifen zum Kauen, einen Gummiknochen, einen Ball, einen Kauknochen, einen Stoffknochen, ein Stofftier) anbieten, aber sie legt sich dann nur hin und seufzt tief.
Ich habe schon Leckerlis und Paste in den Gong gestopft, aber sobald nichts mehr drinnen ist, ist ihr auch der Gong egal. Die anderen Sachen bis auf den Stoffknochen und den Kauknochen nimmt sie gar nicht an.
Ich kann auch nicht mit ihr Spielen, weil sie keinen Jagdtrieb hat und mich nur blöd anschaut, wenn ich mit den Spielsachen wedle oder werfe. Das einzige Beschäftigen meinerseits sind Gehorsamsübungen (Stups, Schau, Sitz, Komm) oder Fangen (Ich jag dich, du jagst mich und dann umgekehrt; was sie liebt. Ich übernehme quasi einen Hundepart...)
Den Stoffknochen habe ich Ewigkeiten am Leib getragen und dann "unabsichtlich" auf den Boden fallen gelassen. Sie hat ihn sich sofort geschnappt und benutzt ihn jetzt als Kauknochen.
Der (echte) Kauknochen war eine sehr harte Aufgabe. Sie hat Kabeln geliebt. Mein Laptopkabel, drei Mal das Kabel der Kopfhöhrer,... Irgendwann habe ich ihr den Knochen mit Leberpastete eingestrichen und ins Maul gestopft und es ihr ständig hinterhergetragen bis sie mir zu Liebe endlich daran zu nagen begonnen hat und ich sie ewig gelobt habe. Danach scheint ihr der Knochen wohl doch gemundet zu haben, auch wenn sie ihn nicht immer nimmt, so knabbert sie doch des Öfteren daran. Inzwischen sucht sie aber ständig mein Handy um es zum Nagen zu missbrauchen - und ja, sie macht es gezielt.
Ich weiß nicht, was ich noch machen soll.
Und ich frage mich auch, was mein Hund denn da alles erlebt hat in ihren 1 1/2 Jahren. Rein vom Verhalten her wurde sie geschlagen, im Keller eingesperrt und von jeglicher außerweltlichen Stimulation ferngehalten.
Ich will ihr so gern ein gutes Leben geben, aber irgendwie kommt sie mir vor, als wäre ihr einfach nur langweilig und sie wird depressiv...
Mit meinem Familienhund war ich inlineskaten, wir haben Suchspiele gespielt und Apportieren. Er war halt ein ganz normaler Hund, nur dass er sehr viel Aufmerksamkeit und Bewegung brauchte. Allerdings hat er sich eben auch beschäftigen lassen. Bei meiner Hündin ist das anders. Sie geht auf nichts ein, was ich ihr anbiete und beim TA habe ich sie schon vorgestellt. Alles in Ordnung; sie hat nur die Krallen geschnitten bekommen.
Also, Hilfe, bitte. :shock::roll::?:|
Liebe Grüße
Rapunzel