Huhu,
Pressebeiträge zu sowas finde ich immer enorm schwierig. Ich erinnere mich noch an eine Reportage, bei der irgendeine C-Promi-Tussi-wasweißich als Tierschützerin zu dem Thema befragt wurde. Ihr Statement war, dass sich im Discounterfutter Reifenabrieb, medizinische Abfälle und Co. finden würden. Wie sie darauf kommt weiß ich nicht, aber es ist schlicht falsch. Sie meinte glaube ich sogar, das wäre legal, was es nicht im geringsten ist.
Hier schockt mich schon die BILD-artige Überschrift. Dieses Reißerische mag ich gar nicht, das gibt der Sache schon einen gewissen Dreh, bevor man den Text überhaupt gelesen hat. Im Text gehts dann nicht besser weiter, zumal gleich zu Beginn stark vereinfacht und verallgemeinert wird.
Zweitens, für Eilige, eine Faustregel: weniger Fertigfutter, dafür mehr Frisches vom Metzger. Innereien, Knochen, Pansen. Das ist billig und spart den Tierarzt.
Das sind immer solche Leitsätze zum Barfen. Doch dass es mit ein bisschen Frischem eben noch lange nicht gesund und ausgewogen ist schreibt man lieber erstmal nicht dazu.
Auch das hier halte ich für eine mutige Behauptung:
Richtig bekömmlich und gesund scheine das jedoch nicht zu sein. "Immer mehr Vierbeiner leiden an Krankheiten, die es unter Tieren eigentlich nicht gibt: Diabetes, Allergien, Krebs." Dass mit den Umsatzzahlen der Futterindustrie die Krebsrate bei Hunden und Katzen massiv angestiegen ist, behaupten inzwischen viele Tierärzte.
Ob ein Wolf irgendwann mal Alterszucker bekommen würde – Who knows? Zumal kaum einer in der Natur mit der Spritze und dem Urinbehälter rumrennt und Proben nimmt. Solche Vergleiche finde ich daher immer schwierig. Zumal da andere Faktoren wie Zucht, kleinere Genpools, fehlende natürliche Auslese, Umweltbelastung in der Stadt, längere Lebenszeiten durch bessere medizinische Diagnostik und Versorgung etc. gar nicht einbezogen werden. Das wird hier auch stark vereinfacht nur auf die Ernährung bezogen. Und der Anstieg der Umsatzzahlen muss nicht zwangsläufig in einem Verhältnis dazu stehen.
Sie beobachtet vor allem die Diät- und Trockenfutter der großen Hersteller mit Misstrauen: "Macht man sich die Mühe, den Inhalt zu entschlüsseln, sieht man, dass oft kein Fleisch drin ist". Trotzdem werde es als hochwertiges Diätfutter verkauft.
Dem hier stimme ich allerdings zu. Gerade Diätfutter werden oft mit Inulin und Getreide für einen möglichst hohen Rohfasergehalt und einen geringen Energiegehalt vollgestopft. Die Idee ist einfach: Ich kann viel füttern, hab aber wenig Kalorien. So umgeht der Mensch Rationsreduzierung und Bewegung.
Um den Geschmack zu überdecken, würde dem Futter vor allem künstliche Geschmacksstoffe zugesetzt. "Die Tiere sind nicht dumm. Ohne Geschmackskorrekturen würden sie diesen Müll niemals anrühren."
Auch das ist so ein Mythos, der irgendwie nie recht bewiesen wird. Das meiste muss deklariert werden und wenn man sich mal so umschaut findet man von den angeblichen Lock- und Geschmacksstoffen gar nicht so viel. Man nennt die übrigens sensorische Zusatzstoffe, die sich meist hinter E-Nummern verbergen.
Das hier finde ich auch etwas fragwürdig:
Neben den Klassikern wie Glutamat, Hefeextrakt, Zucker, Karamell und Melasse hat die Industrie Leberspray, Fettgeschmack, Aromen und Gewürze im Angebot. Sie verstärken den Hunger, machen Zutaten schmackhaft, schmeicheln der menschlichen Nase und geben Tierfutter exotische Geschmacksnoten, die bis zur Erfindung des Fertigfutters kein Haustier je vor der Schnauze hatte.
Beim Zucker stimme ich zu, dass der keinen ernährungstechnischen Wert erfüllt. Aber Hefe ist gut für Haut und Fell, Kräuter können die Verdauung anregen, entgiften und sich positiv auf den gesamten Stoffwechsel auswirken. Eben deswegen sollte man da bei der Fütterung auch ein wenig aufpassen. Ich finde die teisl großen Mengen davon im Futter auch nicht unbedingt prickelnd, aber nicht, weil ich glaube, dass dem Hund damit eigentlich etwas ungesundes untergejubelt wird.
Ein Großteil der Hunde und Katzen in den Industrieländern ist inzwischen so grotesk fett, dass Forscher verzweifelt nach Gründen suchen – und sogar schon einen Virus als Ursache bemühen.
Warum einfach, wenns auch umständlich geht... Statt die Ursache in weiß Gott was zu suchen könnte man auch einfach die These vertreten, dass die Leute ihren Hunden viel zu viel füttern. Das fängt beim normalen Futter an, vll wirklich eines mit Zucker oder auch zu viel Energiegehalt, und geht über alle möglichen Knabbersachen. Dann kommt noch wenig Bewegung dazu (wie viele Leute gibt es, die glauben, ein gesunder Hund sei mit einer Stunde langsamem Laufen verteilt auf vier Spaziergänge doch voll ausgelastet? Zu viele.).
Es wird dann auch noch weiter verallgemeinert was die Zusammensetzungen angeht.
Und auch wenn ich kein Anhänger der "bei Barf hat der Hund jeden Monat Würmer"-Theorie bin:
"Die Tiere sind dann weniger verwurmt als die mit Industrienahrung gefütterten Artgenossen."
Da würden einige Tierärzte das genaue Gegenteil behaupten.
Das hier ist auch sehr einfach gesagt und stark verallgemeinert:
Wer drei Mal in der Woche Hund oder Katze fleischige Knochen anbiete (für Katzen auch durch den Fleischwolf gedreht), der müsse sich auch um den Calcium-Phosphorhaushalt seines Tieres keine Sorgen machen.
Lediglich in Bezug auf Bio wird vor falscher Ernährung gewarnt.
Und das hier:
Auch Gewürze und Kräuter können für Hunde und Katzen gefährlich werden, Bio hin oder her. So enthalten viele Belohnungen oder Futterergänzungen Knoblauch. In der Knolle finden sich Schwefelverbindungen, auf die Hunde und Katzen mit Vergiftungserscheinungen reagieren: Erbrechen, Durchfall, Schweratmigkeit und Blut im Urin. Für einen Hund können schon fünf Gramm toxisch wirken.
Das ärgert mich ein wenig. Angaben dieser Art werden normaler Weise pro Kilogramm Körpergewicht gemacht, denn 5g für einen Chi oder einen Bernhardiner sind ein Unterschied. Außerdem müsste eine entsprechende Menge auf einmal gefüttert werden. Über welchen Zeitraum sich das angeblich im Körper anreichert ist m.W. nicht bekannt. Ich kenne nur die Studie von Lee et. al. aus dem Jahr 2000, auf die sich hier wohl auch bezogen wird. Da sind es 5g pro Kilogramm Körpergewicht, die für eine
reversible Veränderung der roten Blutkörperchen, aber nicht für eine Anämie sorgen. Eine Zehe wiegt 2-3g, je nach Größe. Für einen 10kg schweren Hund bräuchte es also schon 50g Knoblauch auf einmal, um eine Veränderung an den roten Blutkörperchen herbeizuführen. Das sind etwa 17 Zehen. Da kann kaum von "schon toxisch" die Rede sein. Mit Leckerlis wird man die Menge auch kaum zusammen bekommen.
Es ist halt wie immer bei sowas: Der Autor muss sich auf die Statements der Interviewpartner verlassen. Dafür werden die Leute genommen, die gerade bekannt und anerkannt oder eben greifbar sind. Und er hat nur begrenzt Platz, um alle Seiten unter einen Hut zu bringen. Hier wurde aber m.E. zu reißerisch und hart formuliert, wenn man sich ansieht, wie grenzwertig manche der Schlussfolgerungen daraus sind, gerade z.B. das mit dem Knoblauch.