Ich finde man sollte sich die Freiheit gönnen, Träume zu haben
Hier mal eine meinem Kopf entsprungene Liste, warum ich nie mehr als Pferdewirt arbeiten will und es auch keinem anderen raten würde, zugegeben teilweise etwas überspitzt

:
1. Das Gehalt
1.1 Die Bezahlung ist schlecht. Ich habe alles in allem ca. 950 € Netto zur Verfügung gehabt. Ich habe allerdings auch noch Reitunterricht erteilt und dafür einen gewissen Betrag steuerfrei erhalten - das ist auch rechtlich korrekt gewesen. Eventuell noch ein paar Kröten mehr, weil ich irgendwen ganz besonders nett angelächelt habe und der dann mal ordentlich Trinkgeld spendiert hat. Bei einem anderen Betrieb gabs 800€ mit Gefängniszelle hofansässig inklusive - unumstößlich!
Bei einem anderem Betrieb ist mir angeboten worden offiziell auf 400€-Basis zu arbeiten und hinter der Hand einen festen Betrag in bar zugesteckt zu bekommen - dass das nicht legal ist, war mir natürlich auch klar, ich habe dieses Angebot auch nicht angenommen.
1.2 Die Bezahlung erfolgt nicht regelmäßig. In keinem Betrieb, bei dem ich gearbeitet habe ist mir mein Gehalt pünktlich zu einem Termin gezahlt worden, es scheint fast so als wäre der Dauerauftrag völlig an landwirtschaftlichen Betrieben vorbeigegangen. Es kam irgendwie, irgendwann... mal Anfang des Monats, mal Ende, mal mittendrin - es ist unmöglich sich so selber anständig zu organsieren. Auch nach Aufforderung oder Androhung man käme nicht zur Arbeit trat keine Besserung ein - bestenfalls gabs nen Hunni auf die Hand, damit man sich noch die Tankfüllung zur Arbeit und was zu Futtern leisten kann.
2. Arbeitszeiten
Die Arbeitszeiten sind dehnbar... auf dem Papier sind es 8 Stunden, tatsächlich, waren es auf einem Hof sogar häufiger bis zu 12 Stunden arbeiten - mehr oder weniger anstrengende Arbeit, aber definitiv Arbeit und keine Freizeit! Auf einem anderen Hof sah es schon besser aus, in Hochzeiten kam ich auf 10 Stunden. Alle Überstunden sind als selbstverständlich betrachtet worden und sind weder mit Geld noch freien Tagen vergütet worden.
Auf beiden Höfen war Wochenenddienst Pflicht. Während auf Hof 1 nach Gutdünken der Chefs hier und da mal 1 1/2 Tage frei gewährt wurden - das konnte auch mal 1-2 Wochen dauern - , habe ich auf Hof zwei regelmäßigere Zeiten erhalten, musste aber durchaus auch mal 2 Wochen am Stück durcharbeiten.
3. Abwesenheit
Abwesenheit wird mit Verachtung gestraft!
3.1 Urlaub ist nicht so gerne gesehen und auch nur mit Missgunst und viel Nerverei möglich. Wenn der Chef dann seinen Kalender von oben bis unten durchforstet hat, ob ihm nicht doch noch irgendein hanebüchener Grund einfällt, warum du jetzt halt nicht gehen kannst und unfündig bleibt, hast du schonmal Glück gehabt.
Aber... Selbst wenn man Urlaub oder frei hat, passiert es trotzdem, dass man spontan mal um 8 Uhr morgens aus dem Bett geklingelt wird, weil der Chef, irgendwas nicht finden kann, was gestern oder vor 3 Wochen irgendwer in deinen Händen gesehen haben will... Es ist ebenso kein Problem deinen Urlaub zwischenzeitlich abzubrechen, weil allen anderen sonst das Dach überm Kopf zusammenbricht - egal wo du gerade bist!
3.2 Wage es ja nicht krank zu sein! Nachdem man am Tag deiner Abwesenheit ordentlich die Sau über deine Unzuverlässigkeit rausgelassen hat, wird man dich wochenlang für diesen faux pas mit bösen Blicken bedenken, die dir das Wort "Simulant" nur so auf die Stirn brennen. Ein ehemaliger Arbeitsgeber sagte zu einem Kollegen, wohlbemerkt ich zitiere (!!!): "Wenn du nicht so viel herumf?!=en [aus Jugendschutzgründen zensiert] würdest, hättest du auch keine Rückenschmerzen!"
4. Bürokratie
Was bitte? Gibts nicht... Zwischen irgendwelchen wuseligen Zetteln auf denen du deinen Pfotenabdruck zum besten gibst, kannst du auf Gehaltsabrechnungen ewig warten. Bei einem Betrieb habe ich nach 2 Jahren Arbeit, glaube ich genau 4 erhalten - in die Hand, wäre ja auch zu viel verlangt die per Post zu schicken, kost ja schließlich... Ein Arbeitsvertrag ist auch vööööllig überbewertet und wird erst laaange nachdem du mit der Arbeit begonnen hast und nach vielem flehen und betteln in deine schmutzigen Hände überlassen.
5. Der Umgangston
Hier kann man verdammt Pech und verdammt Glück haben. Pech scheint aber öfters der Fall zu sein, wenn ich mich recht an den Meinungsspiegel meiner Berufsschulklasse erinnere.
Ich wurde in meinen vergangenen Pferdewirtjahren stets wie ein Kind behandelt. Mir wurde nicht geraten eine Mütze anzuziehen, wenn es kalt war, es wurde mir befohlen! Ich war bereits in den Anfangsjahren über 20, durchaus Herr meiner Sinne und fähig zu eigenen Entscheidungen... vielleicht... glaube ich... na ja... ich habe aber grundsätzlich noch Glück gehabt, wenn meine Chefs mal ausfallend wurden, entschuldigte man sich auch stets bei mir. Kollegen und Bekannte haben da durchaus schon heftiger einstecken müssen. Ich spreche hier von ausgesprochenen Beleidungen, teilweise in seltenen Fällen auch Körperlichkeiten etc. pp., das möchte ich hier nicht aufrollen, aber da fliegen harte Worte in der Landwirtschaft, nicht nur als Tier brauch man ein dickes Fell - besser hats wer gleich einen Schildkrötenpanzer mitbringt ...
Wenn einem nicht der Chef persönlich die Hölle heiß macht, wird unter Kollegen gemobbt und gezickenkriegt was das Zeug hält. Das hohe Arbeitspensum, die knappe Zeit und das Hoffen auf frühen Feierabend macht schlechte Laune und die wird auch offen zur Schau getragen, wer nicht funktioniert, wird fertiggemacht.
6. Flauschkontakt
Viele freuen sich ja auf den tollen Kontakt mit den Tieren. Nun ich muss enttäuschen: Ja, man hat Kontakt zu den Tieren, aber wirklich nur sehr oberflächlich. Mich als Pferdeliebhaber hat das immer sehr frustriert.
Es bleibt einem einfach nicht die Zeit ein Pferd mal liebevoll zu streicheln. Ich durfte auch viel reiten, teilweise sogar während der Arbeitszeit, das ist aber nicht unbedingt die Regel, wenn man nicht gerade den Schwerpunkt Reiten gewählt hat. Es war aber stets so eine Zeitdruckgeschichte, dass man das alles gar nicht wirklich genießen konnte. Ich habe es zum Schluss tatsächlich eher als Last empfunden...
Natürlich ist es schön, wenn die Tiere sich auf einen freuen, weil man ja schließlich der Futtermeister ist, wenn sie glücklich sind... es bleibt einem aber einfach nicht die Zeit um durchzuatmen und das alles wirklich wahrzunehmen.
So das klingt alles sehr hart, ich möchte aber betonen, dass ich dennoch auch viel Spaß bei der Arbeit gehabt habe! Es ist grundsätzlich ein schöner Beruf, verlangt einem aber meiner Meinung nach viel zu viel ab. Als Hobby ist das ganze tausend mal schöner
