Die Pferdemaschinerie

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SoylentGreen

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Hallo ihr!
Mich plagen seit einiger Zeit Gedanken und ich wäre froh, sie einmal teilen zu können und hoffentlich doch auch eure Sicht auf die Dinge erfahren zu können.

Ich habe mich ja nun seit gut zwei Jahren langsam aber stetig aus der Reiterei zurückgezogen. Ich habe einfach die Freude daran verloren.

Manchmal frage ich mich, wie andere sich überhaupt noch für das Reiten begeistern können.
Wenn ich einigen Tieren so in die Augen sehe, sehe ich da nur unterdrücktes Leid, Unzufriedenheit, missverstandene Tiere.
Es fängt ja bereits bei der Haltung an. Ein Lauftier wir in einem Käfig gehalten, in dem es gerade einmal Platz hat sich umzudrehen und sich hinzulegen. Da steht es auf einer kuscheligen Matratze aus aufgetürmten Mist mit einer 20cm dicken Lage Dekostroh oben drauf. Damit das ganze nicht so blöd klingt, nennt man es nicht Käfig sondern Box. Wer ganz spendabel ist gönnt seinem Pferdchen noch ein Fenster oder einen Paddock, den es mit vier strammen Schritten durchwandern kann, damit es blöd in der Gegend herumglotzen kann, bis das Frauli vorbeischaut und sich knappe 3 Stunden, wenn denn so viel Zeit ist, mit dem Gaul beschäftigt. Übriger Aufreger des Tages ist nur der Depp, der da vielleicht 4 mal vorbeischaut, um ein bisschen Mist raus zu kratzen und was zu mampfen reinzuschieben. Das erledigt er in völliger Ignoranz gegenüber dem Tier. Hierbei hat das Pferd dann Zeit das ganze Repertoire von Stress zum Ausdruck zu bringen, das ihm zur Verfügung steht, vom wild-um-sich-Beißer über den Weber oder Kopper, die jetzt ganz besonders eifrig werden bis hin zum wüsten Scharrer, der sich schon bis zum Beton durchgraben hat und dem Dagobert Duck unter den Pferde, der wie von Sinnen seine Runden in der Box dreht.
Wer sein Pferd noch etwas lieber hat, lässt es hin und wieder mal ein wenig auf einen 40x20 Auslauf, um sich einreden zu können, das Pferd könne sich so ja ausreichend bewegen und die Standzeit in der Box dadurch kompensieren. Andere sagen: Der bewegt sich doch eh nicht, dann kann er auch drin bleiben. Aus welchem Anreiz sollte sich ein Pferd auch stundenlang auf einer Einöde bewegen...? Wenn es Glück hat, stehen noch andere Pferde parat mit denen sie dann zumindestens ein wenig reellen Sozialkontakt pflegen können. Wenn sie denn noch können... gibt ja bereits Pferde, die dermaßen asozial sind, dass sie mit anderen gar nicht mehr zurecht kommen. Aus Angst vor ihnen fliehen oder extrem aggressiv sind.
Würde man eine Katze oder einen Hund in einem Käfig unter ähnlichen Bedingungen halten, würden die Leute aufschreien. Warum ist es also in Ordnung soetwas mit Pferden zu machen? Weil es bequemlich ist und sich der Wattebausch so nicht verletzen kann - zumindestens rein äußerlich. Wie viele Reitpferde haben Arthrose oder Lungenerkrankungen? Wie kann es Menschen geben, die ernsthaft glauben, dass es ihren Pferden unter diesen Bedingungen gut geht?

Der Pferdesport setzt dem ganzen noch die Krone auf. Und dabei ist es völlig egal, ob es das popelige Hausturnier oder Olympia ist. Überall sieht man gestresste Pferde. Das Gehetze über Hindernisse, die unschöne Wahrheit vor der Dressurprüfung auf dem Abreiteplatz. Ich war jüngst als Zuschauer bei einem großen Turnier, aufgehende Sterne am Turnierhimmel durfte ich begutachten von Klasse A-S alles dabei - ich wollte eigentlich gar nicht, habe mich breit schlagen lassen und es bereut - es war schrecklich.
Das fängt bereits im Reitunterricht an, der alles erlaubt um das Pferd irgendwie gefügig zu machen. Sätze wie "der verarscht dich nur" oder "jetzt hol ihn dir doch mal richtig ran", "der hat zu machen, was du willst". Und das Ganze wird schön geredet. Das Pferd brauch ja eine Leitfigur, es muss ja so, weil das in der Prüfung gefordert wird und man ist ja so ehrgeizig und das Pferd erst...
Dabei ist es übrigens völlig Banane welche Art der Bewegung eines Pferdes oder welchen Stil man bevorzugt, es ist überall eine gleiche Grundstimmung zu spüren. Minishettys, die ihren Besitzer fast die Hand abbeißen vor lauter Gier bei ausführen von Zirkuslektionen finde ich genauso schrecklich wie Quarter Horses, die aus dem vollen Galopp die Notbremse ziehen.
Geht das nur mir so?
Kein Tier darf im Sinne des Tierschutzgesetzes so dermaßen missbraucht werden wie Pferde. Schulpferde mit toten Augen, Sportpferde, denen die blaue Zunge schon an der Brust klebt... und das ist okay, es gibt inzwischen sogar Preise, für faires Reiten, wenn man den Zossen auf dem Abreiteplatz nicht ganz so vergewaltigt hat, statt das als selbstverständlich anzusehen und herbe Strafen für Menschen, die ihr Tier quälen, anzusetzen.
Aber das ist wohl so bei der Reiterei, man muss schon so dermaßen offensichtlich quälen, dass das wirklich keiner mehr als "Momentaufnahme" entschuldigen kann.

Was ist schön an einem Pferd das bekloppt über das Dressurviereck mit Einerwechseln tippelt oder im Krebsgang durch die Bahn wechselt? Es sieht einfach nur eklig aus. Was beweist es, wenn Olympiareiter das einstudierte Programm mit ihrer gequälten Seele auch ohne Sattel und Trense reiten können? Selbst Stefan Raab war einst fähig ein solch hoch ausgebildetes Pferd erstaunlich gut zu reiten... Es beweist doch nur, dass das Pferd dermaßen psychisch durch ist, dass es den Zwang selbst ohne Zwangsjacke noch spürt.

Es werden Pferde gezüchtet, die kaum widerstandsfähig sind, die Gehirne sind schon geschädigt, bevor das kleine Pferd überhaupt das Licht der Welt erblickt.
Ein Windzug zu viel und es lahmt auf allen vier Beinen.

Ich bin manchmal einfach nur angeekelt von dieser "Pferdeliebe"...
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #2
Ich hab zwar eigentlich selbst rein gar nichts mit Pferdesport zu tun, wohne aber quasi direkt über den Boxen zweier "Turnierpferde" und habe nur mit den jeweilig dazu gehörigen Pferdemenschen zu tun.

Da wird nachts gegen die Boxenwände geschlagen, geschrien wie am Spieß, wenn das jeweile andere Pferd fürs Training geholt wird usw. usf., man darf nicht mal mit einer knisternden Regenjacke an ihnen vorbei gehen, direkt Panik hoch 10.

Aktuell steht hier ein "Altpferd" und eine junge Stute, die jetzt "fertig gemacht" wird.

Mir blutet das Herz, wenn die Jüngere pumpend, vollkommen erschöpft und einfach nur noch gebrochen nach dem Longieren wo es halt "eine drauf" gibt, wenn sie nicht spurt, auf dem Platz steht.

Hier halten aber auch wirklich absolut alle Nachbarn Pferde, die auf Turniere gehen und bei allen das gleiche Bild.
Da wird dann unten getratscht und sich noch gegenseitig auf die Schulter geklopft, wenn ein Jungpferd (mal wieder) X Halfter zerrissen hat, jetzt aber spurt nachdem mal Blut geflossen ist. Das sei jetzt verkaufsreif.

Merke: ALLE sagen, dass sie Pferde lieben.

Wie gesagt, ich habe nichts mit Reitsport direkt zu tun, sondern eben nur mit den Menschen oder dem was man halt so an Bildmaterial mitbekommt (unabhängig von reißerischen Dokus o.ä.) und gibt zwar Reiter, die wirklich so weit wie möglich versuchen dem Pferd entgegen zu kommen usw., aber joa...generell kann ich mich deinem Eindruck anschließen.
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #3
Hallo Soylent

Einer der vielen Gründe, warum ich nach der Ausbildung die Pferdewirtschaft beruflich nicht weiter verfolgt habe....als Kind ist alles schön, Pferde sind toll und das Reiten erst. Aber wenn man beruflich damit zu tun hat, fällt man ganz schon wieder zurück in die Realität und die ist alles andere als schön.
Gerade in der Pferdewirtschaft ist manchmal der aktuelle Stand "uralt" - viele Höfe sitzen auf ihren Sätzen "Was bisher gut funktioniert hat, wird künftig auch gut funktionieren" und über neue Erkenntnisse und Systeme macht man sich keine Gedanken.

Ich habe mein Praktika damals in einem Hof in NÖ verbracht....er war bergab gehalten, es gab Anbindehaltung und uralte Kuhstall-Fenster. Es war so dunkel und man musste mit den Pferden im Stall direkt steil bergauf auf Beton gehen...aus heutiger Sicht und Erfahrung unmöglich.

Eine gute Freundin von mir ist Dressurreiterin und kämpft aktiv und vehement gegen die Rollkur und andere Themen, die so ziemlich falsch laufen wie nur sonst etwas. Damit macht sie sich bei Turnieren und Richtern natürlich alles andere als beliebt. Aber mittlerweile scheint Gott sei Dank langsam auch in der Pferdebranche ein Umdenken stattzufinden.
Bei kleineren Betrieben, denen die Tiere eh nicht so wichtig sind, bemerkt es wahrscheinlich nicht (Geld etc.) aber bei größeren Betrieben die ich so beobachtet habe, wendet sich derzeit wirklich sehr viel zum Positiven.
Zumindest was die Haltung und den Stallbau angeht.

Zum Reiten kann ich dazu nichts sagen...ich war das letzte Mal bei meiner Ausbildung damals auf einem Pferd/bei einem Turnier....und das ist auch wieder 10 Jahre her.

Es werden Pferde gezüchtet, die kaum widerstandsfähig sind, die Gehirne sind schon geschädigt, bevor das kleine Pferd überhaupt das Licht der Welt erblickt.
Ein Windzug zu viel und es lahmt auf allen vier Beinen.

Das habe ich in der USA massiv gesehen. In Wisconsin oben hat eine Familien-Angehörige ihre Cow Horses gebracht, und der Unterschied war enorm. Ich habe so entspannte Pferde in meinem Leben hier noch nie gesehen.
Bin dann mit dem Besitzer ins Reden gekommen und bei meinen Erzählungen hat er nur fassungslos den Kopf geschüttelt und über die Europäer und ihr Reiten geschimpft.
DEie Pferde waren so tiefenentspannt...laute Geräusche, Bewegungen, Tiere....und hier brechen die meisten schon panisch aus, wenn ein Ast irgendwo knackt....
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #4
Ich hatte als Kind lange Reitunterricht, vor 15 Jahren auch mal für 2 Jahre ein Pflegepferd (ein Norweger in Robusthaltung) und habe darüber hinaus nicht wirklich viel aktuellen Kontakt zur Reiterwelt. Aber diese Gedanken habe ich dennoch auch schon oft gehabt. Es fühlt sich manchmal an, als wären Pferde vom Tierschutz ausgenommen.

Andererseits denke und hoffe ich, dass diese Misstände überwiegend dort auftreten wo es um Geld und Prestige geht, denn die Freizeitreiter mit eigenen Pferden die ich kenne sind eigentlich schon sehr darauf bedacht, dass ihre Tiere in guten Ställen stehen, Weidegang und Kontakt zu Artgenossen haben, selbst wenn das eben bedeutet, dass das Pferd vielleicht nicht jederzeit zum Reiten verfügbar ist. Diese Reiter haben allerdings auch alle keine sportlichen Ambitionen.

Ganz aktuell kommt übrigens der Wunsch in mir auf vielleicht auch selber wieder mal auf einem Pferd zu sitzen. Ich würde gerne ein paar Reitstunden nehmen, muss allerdings zugeben, dass es mir nicht leicht fällt in der Nähe einen Stall zu finden mit dem ich mich anfreunden kann. Wenn ich auf den Internetseiten schon sehe, dass da teilweise mehrere Reitstunden am Tag und hintereinander stattfinden, in Gruppen mit zum Teil 10 Leuten und viele Pferde noch dazu mit Ausbindern verschnürt sind, dann vergeht mir eigentlich schon die Lust.
Als Kind (damals wusste ich es nicht besser) war ich oft genug in solchen Reitschulen, stumpfe Pferde die sich jeden Tag Stunde um Stunde im Kreis rumquälen mit dauernd wechselnden, unfähigen Reitschülern. Gelernt habe ich da sicherlich auch nicht viel, denn vernünftigen Theorieunterricht gab es nie, dafür die Anweisung die Gerte zu benutzen wenn das Pferd faul war :(

Ich würde wirklich gerne mal wieder reiten, aber nicht um den Preis der Tierquälerei, leider scheint dieser Wunsch aber wie ihr schon beschrieben habt schwer erfüllbar zu sein, wenn man sich dabei auf die Korrektheit von Reitbetrieben verlassen muss.
Wahrscheinlich tritt hier mal wieder der Wert des Lebens hinter den Wert des Geldes zurück :(
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #5
Andererseits denke und hoffe ich, dass diese Misstände überwiegend dort auftreten wo es um Geld und Prestige geht, denn die Freizeitreiter mit eigenen Pferden die ich kenne sind eigentlich schon sehr darauf bedacht, dass ihre Tiere in guten Ställen stehen, Weidegang und Kontakt zu Artgenossen haben, selbst wenn das eben bedeutet, dass das Pferd vielleicht nicht jederzeit zum Reiten verfügbar ist. Diese Reiter haben allerdings auch alle keine sportlichen Ambitionen.

Das möchte ich so erstmal unterschreiben. Sicher läuft überall einiges schief, aber gerade was die Haltung angeht sehe ich im Bereich der Freizeitpferde eigentlich stetig eine Tendenz zum Positiven. Im Turniersport kann ich das nicht beurteilen.
Sonst kann ich aber das Problem leider nachvollziehen. Hatte hier speziell zum Thema Boxenhaltung schonmal ein Thema eröffnet. Box ohne Weidegang (und das sind für mich mindestens 9 Stunden am Tag) kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Weiß nicht wo diese Leute ihren Verstand ablegen und das meine ich noch nichtmal böse, aber viele scheinen es ja wirklich gar nicht zu sehen, dass das nicht pferdegerecht ist.

Bei der Reiterei ist es ja nichts anderes, leider auch völlig vom Reitlehrer abhängig. Ich persönlich sehe erstmal nichts dramatisches daran, ein Pferd zu halten und zu reiten. Nur sollte man nie vergessen, was dabei im Vordergrund steht und das ist nunmal immer das Wohl und die Gesundheit des Pferdes, für das man nunmal verantwortlich ist.
Man hat heute ja auch für nichts mehr Zeit. Hab die Tage erst gelesen, dass früher Pferde ihren sportlichen Höhepunkt mit 14 oder 15 hatten. Da werden sie heute bereits als komplette Wracks aus dem Sport gezogen und mit Glück als Samenspender auf die Koppel geschickt.
Bei den Freizeitreitern fehlt dann oft das Können und das Mitdenken, sodass dann hier stolz erzählt wird, man gehe ja nur ins Gelände und dem Pferd gehe es prima, weil es nicht am Dressurplatz gequält wird. Dass die durch das Laufen auf der Vorhand gesundheitliche Schäden nehmen können, wird gekonnt ignoriert.

Ich glaube, zu diesem Thema kann man Stunden diskutieren. Habe mir auch schon sagen lassen, wie schlimm mein Pferd läuft und dass da mal was vorwärts gehen muss und ich den mal anständig reiten muss. Komisch, in letzter Zeit kam nix mehr, außer von anderer Seite, dass mein Pferd immer erfreulich locker im Genick sei beim Reiten. Aber es braucht eben seine Zeit. Und man sollte dabei offen bleiben für Kritik, denn es gibt Dinge, die nimmt man irgendwann selbst gar nicht mehr wahr.
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #6
@cali schade das es hier keinen like Button gibt:clap:
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #7
Mir geht es ähnlich. Habe mit ca. 13 angefangen regelmäßig zu reiten, erst in einer Reitschule, die im Nachhinein nicht so super war, dann in einer, wo ich auch in der Rückschau den besten Reitunterricht hatte (er Bereiter, sie Tierärztin und heute aktiv in der Pferdeforschung - Schulpferde stundenlang in der Herde auf der riesigen Weide etc.). Nach längerer Pause hatte ich eine RB auf einem Western-Isländer, der rassebedingt seinen eigenen Kopf hatte und gegen die vorwiegende Mini-Boxenhaltung mit Ausbrüchen protestiert hat (was u.U. schon mal auf der Straße endete). Ich habe mich sehr für ihn gefreut, als er verkauft wurde (die neuen Besitzer haben Verspannungen und kaputte Zähne vorgefunden, worauf ich ein schlechtes Gewissen hatte, obwohl ich weiß, dass meine Pferdekenntnis nicht soweit reicht, dass ich das hätte erkennen können). Mittlerweile steht er fast den ganzen Tag mit 2-3 Ponydamen auf der Weide, ist ausgeglichen und nie mehr ausgebrochen.

Mittlerweile (mit 32) reite ich nur noch sporadisch. Das Western-Reiten erschien mir anfangs die bessere Reitweise (langer Zügel, Impuls-Reiten etc.), aber da wird es sicherlich auch viele schwarze Schafe geben. Irgendwann habe ich erfahren, dass Pferde keinen Laut für Schmerzen haben, sie können also nicht "sagen", wenn/dass was weh tut und sind darauf angewiesen, dass ihr Besitzer es merkt. Den Beweis lieferte eine Bekannte, die erzählte, dass ein Pferd im Stall wochenlang mit verrutschtem Wirbel rumlief (Dank gebrochenem Sattelbaum), große Schmerzen haben musste und letzten Endes total ausgeflippt ist, als es diese nicht mehr aushielt. Das Schlimme: Der Besitzer hat einen Trainerschein!

Auch bezüglich Besitzerwechsel tun mir Pferde leid. Die meisten haben im Laufe ihres Lebens locker 3-4 Besitzer und das dürfte optimistisch sein. In der Hinsicht werden Pferde schon rumgereicht wie Gegenstände, habe ich das Gefühl. Oder wer macht sich groß Gedanken darüber, was ein Pferd dabei fühlt? Ein eigenes Pferd kam für mich auch deshalb nie in Frage, weil ich einfach nicht die Zeit habe, jeden Tag mehrere Stunden in den Stall zu fahren und das ist für mich eigentlich obligatorisch. Von Weidegang und Boxenhaltung will ich gar nicht erst anfangen.

Kurz gefasst sind das jedenfalls die Gründe, dass ich nicht mehr so gerne reiten gehe wie früher, v.a. wenn man mit angeblicher/falscher/überzogener Tierliebe konfrontiert wird... In der Hinsicht bin ich leider (?) sensibel und mit geht so etwas sehr nahe (v.a. wenn ich nichts dagegen tun kann)...
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #8
Ich kann mich da nur anschließen. Wenn ich mir hier so im Dorf umsehe dann stehen hier 4 Turnierpferde, die im Winter praktisch nie die Box verlassen und im Sommer auch nur bei 18 bis 22 Grad und Sonnenschein für ein paar Stunden.

Ein paar Hundert Meter weiter steht ein Pferd bestimmt schon seit 10 Jahren alleine auf der Weide, es müsste mindestens 30 Jahre alt sein, was für ein Warmblut ja schon recht alt ist. Der Besitzer arbeitet nie mit dem Pferd, es hat einen leichten Senkrücken und eindeutig kaum Muskulatur. Dennoch wird es noch geritten.

Einzig die vier Shettland Ponys die hier noch leben im Dorf führen ein Leben in der Herde mit viel Platz, dafür stehen sie allerdings den ganzen Tag auf der fetten Weide, wodurch ein qualvolles Ende durch Rehe ja praktisch vorprogrammiert ist.

Allerdings denke ich, dass es anderen Haustieren auch nicht besser geht.
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #9
Ich überlege jetzt seit einiger Zeit, mit dem Reiten anzufangen. Allerdings verunsichert mich euer Geschriebenes.

Als Kind fand ich den nächstgelegenen Reiterhof seltsam. Mir gefiel nicht, dass die Pferde den ganzen Tag in kleinen Boxen standen und wenn keine Zeit war, eben in ein Gerät gestellt wurden, wo sie ne Stunde im Kreis liefen.
Aber vor allem fand ich die anderen "Pferdemädchen" irgendwie doof - also diese Klischeemädchen, die ihre Pferdche anbrüllen, aufstampfen, rumziehen und stolz auf ihre Schleifchen waren - während ich liebend gern nur eine Stunde am Zaun stand und den Pferden beim Pferd-sein zugesehen hab :lol: (Wenn dann mal ein paar Exemplare auf einer Weide rumstanden)

Allerdings gabs bei uns schon immer viele kleinere Ställe mit 2-3 Tieren. Entweder waren sie komplett in Offenstallhaltung oder kamen nur abends spät in die Box. Ich kenne auch viele Islandreiter, dessen Pferde in kleinen (4-5 Tiere) oder großen Herden in Offenstallhaltung mit Weidegang leben.
Ist das auch Quälerei?

Ich frage mich also: Darf man mir als erwachsene, tierliebe Person raten, das Reiten trotzdem anzufangen? Oder ist das generell Quälerei, weil es einfach kaum einen Stall gibt, der den Tieren gerecht wird.
Und wenn es doch solche Ställe gibt: Woran erkennt man die?
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #10
Einen pferdegerechten Stall erkennst du meiner Meinung nach mit gesundem Menschenverstand ;). Wie du selbst sagst, sind Pferde Lauf- und Herdentiere. Koppelgang ist daher ein Muss. Ob sie jetzt spät abends im die Box kommen oder im Offenstall stehen, ist Geschmackssache und kann von Fall zu Fall besser oder schlechter sein. Am Umgang wirst du schnell merken, ob dir das passt oder nicht.
Reiten muss nicht immer Tierquälerei sein, wenn du Lust darauf hast, suche dir einen Stall in dem du dich wohlfühlst.
Möglich ist prinzipiell alles, in unserem Stall stehen auch alle Schulpferde in der Herde und den ganzen Tag draußen oder nur nachts in der Box. Da läuft auch kein Pferd mehrmals am Tag oder so. Also guck ruhig, bis du einen Stall hast, der dir wirklich zusagt und dann genieße es, das Reiten lernen zu dürfen :)
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #11
Hi,

Ich arbeite jetzt im vierten Betrieb mit Pferden und ich habe sowohl als auch gesehen. Wobei ich zum Reiten ansich nicht viel sagen kann, weil ich nur in der Pflege und Versorgung tätig bin und selber nicht reite.

1. Stall
Ein älteres Ehepaar, dass von verschiedenen Quellen Pferde und Ponys bekam, insgesamt dann 8 Tiere hatte und alles in ihrer Macht stehende getan, damit es den Tieren gut ging. Mehrere Weiden, wenn auch nicht perfekt gepflegt, die einzeln beweidet wurden, ein fahrbarer Unterstand gegen Sonne und Regen. Keines der Tiere wurde mehr geritten oder longiert, teilweise waren sie Handscheu oder schreckhaft bei schnellen BEwegungen oder lauten Geräuschen aber im großen und Ganzen ging es den Tieren gut.

Einziges Manko war - meiner Meinung nach - dass es keinen festen Unterstand oder Stall gab.

2. Stall
Reiner Schulbetrieb mit zwei Großpferden und fünf Ponys. Ein Stall mit umliegenden Paddock, insgesamt sieben Boxen, die Tag und Nacht offen standen, sprich eine Art Laufstall. Leider mitten in der Stadt gelegen und daher so gut wie keine Weiden, und das wenige Grün war halt schnell abgefressen. Jedes Pferd ist am Tag maximal 3 Stunden im Unterricht gelaufen. Jede Stunde begann mit Pferd holen, putzen, satteln trensen und dann los auf den Reitplatz,oder mal einen Ausritt für die Fortgeschrittenen. Die Reitlehrerinnen waren sehr aufmerksam was den Umgang mit den Tieren angeht.

Hier halt 24 h in Herdenhaltung und im Endeffekt nie wirklich in einer Box eingesperrt sondern auf dem Paddock rund um den Stall, meiner Meinung nach für 7 Pferde aber viel zu klein. Dazu keine weiteren Weiden, die Tiere hätten eigentlich mehr Auslauf gebraucht.

3. Stall
Schulbetrieb mit ca. 20 Großpferden und Pensionsstall mit ca. 30 Einstellern.
Normaler Ablauf war früh die Pferde auf die Koppeln oder das Paddock (Bei Verletzungen oder so) und zum Mittag wieder rein, oder die Besitzer haben es dann im Laufe des Tages selber rein geholt. Nachmittag war dann Reitstunde, maximal 3 Stunden pro Pferd. Die Schüler haben ihre Tiere selber fertig gemacht, oft war keiner dabei, der da mal aufgepasst hätte aber es gab halt auch keine reinen Anfänger. Man half sich untereinander. Wie der Unterricht war, kann ich nicht sagen, war ich nie dabei.
Bei den Einstellern gab es solche und solche. ES gab Einsteller, die haben ihr Pferd draußen gelassen bis sie es selber geholt haben und es gab Einsteller, die das Tier von uns zum Mittag haben reinholen lassen obwohl sie erst um fünf oder sechs abends kamen - ihnen war der Weg zur Koppel zu weit. Es gab gute Reiter, schlechte Reiter, gute Halter, schlechte Halter, wo so viele Menschen aufeinander treffen, kommt es zwangsläufig zu Konflikten über die "korrekte" Haltung und Pflege von Pferden.

Ich habe hier aufgehört weil ich den Irrsinn mancher Einsteller nicht mehr ausgehalten habe. Da war die Frau, deren Pferd wir fast rund und tod füttern sollten weil er angeblich immer dünner wird. Ja, er hat Muskeln abgebaut weil mit ihm nicht gearbeitet wurde, sein Bauch wurde dafür immer dicker und wir waren schuld.
Genau wie am Wahnsinn des Wallachs eines anderen Einstellers, der sich in der Box die Vorderbeine aufgebissen hat. Das hatte natürlich nichts mit den 3 Kilo Hafer zu tun, die er bekommen hat und dann nicht wusste wohin mit seiner Energie.

Es gab auch sehr vernünftige Halter aber die waren leider in der Minderzahl.

4. Stall und mein momentaner Arbeitsort
Ein privater Zuchtstall für Kaltblüter mit ein paar Einstellern und Jungstutenaufzucht. Zuchtstuten samt Fohlen, pausierende Stuten und ausgediente Zuchtstuten stehen auf der 24h Weide über den Sommer/Herbst, je nach Wetter. Im Winter und Frühjahr geht es in Gruppen auf den Reitplatz zum Auslauf. Einsteller gehen tagsüber von früh bis Abends auf die Weide, je nach Wetter und Bodenbeschaffenheit. Jungstuten stehen in der Laufbox mit Paddock und anschliessender Weide. Junghengste gehen auf ein befreundetes Gestüt zur Aufzucht.

Alle Pferde sind beritten - außer die Jungen natürlich - und teilweise gefahren. Nicht jedes Pferd jeden Tag aber regelmässig. Ja, auch hier könnten die Tiere gerade im Winter öfters raus, man könnte Weiden im Winter zertrampeln lassen weil es hier einfach nicht richtig gefriert aber das macht meine Chefin nicht, die Weiden werden dann lieber für das restliche Jahr geschont. Wenn es wirklich mal ordentlich gefrieren würde, also tiefer Bodenfrost, würden die Tiere auch im Winter auf die Weide kommen.

Beim Zuchthengst scheiden sich dann die Geister, ja, er führt ein relativ einsames Leben, wie eigentlich jeder Zuchthengst und er könnte bestimmt öfters raus aber es ist in diesem Fall einfach so.


Ich finde an jeder Haltung findet man Stellen, die man verbessern könnte. Egal bei welchem Tier, nur fällt es bei Tieren, die man als Außenstehender sieht, eher auf. Es fällt halt eher auf ob ein Pferd oder ein Hund nicht artgerecht gehalten wird als bei einem kleinen Haustier, was nur drinnen gehalten wird. Deswegen aber jetzt alle Reiter gleich als Tierquäler hinzustellen - nein, nicht auf jemanden hier gemünzt aber durfte ich auch schon hören - ist übertrieben.

@Keisuke: Ja, auch als tierlieber Erwachsener kann man das Reiten anfangen und betreiben. Einfach, wie Calimero sagt, auf den gesunden Menschenverstand hören und aufs Bauchgefühl. Vielleicht muss man etwas länger suchen bis man das Passende gefunden hat aber es ist nicht unmöglich. :)

Lg Demona
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #12
Ich denke, der erste Punkt, den man sich beim Reiten und der Pferdehaltung eingestehen muss, ist, dass Reiten für den Menschen stattfindet. Das Pferd macht vielleicht gern mit (abhängig von den Trainingsmethoden), aber es braucht den Menschen nicht wirklich. Bzw. es braucht den Menschen nur, weil es bei den meisten Haltungsformen nicht genügend Möglichkeiten hat, sich selbst zu beschäftigen.
Meiner Meinung nach sind wir es den Pferden eigentlich schuldig, dass wir ihnen ein schönes Leben ermöglichen, wenn wir sie schon als Sportgeräte nutzen.

Ich selbst bin Freizeitreiter mit gewissen Dressurambitionen - zumindest für mich privat, weil ich Spaß daran habe und weil ich es wichtig finde, dass Pferd vernünftig bemuskelt ist, wenn ich mich schon aus purem Egoismus da drauf setze.
Und mein Eindruck ist, dass man nicht zwischen Turnier- und Freizeitreiter unterscheiden kann, wenn es um artgerechte Haltung und Umgang mit dem Pferd gibt. Es gibt Turnierreiter, die ihr Pferd täglich mit Gesellschaft auf die Koppel stellen, genauso wie Freizeitreiter die wöchentlich ein schärferes Gebiss ins Maul schnallen, weil Pferd im Gelände sonst nicht händelbar ist.

Allerdings habe ich schon das Gefühl, dass in vielen Bereichen ein Umdenken stattfindet: Einige Turnierreiter "werben" quasi mit Bildern ihrer Toppferde auf der Weide, pferdegerechtes Reiten wird immer mehr zum Thema und die Haltungsformen werden auch immer mehr hinterfragt und optimiert.
Die Reiterwelt muss immernoch einen seeeehr weiten Weg gehen bis man davon reden kann, dass sie pferdegerecht ist. Aber ich finde, dass es zumindest einen kleinen Trend in die richtige Richtung gibt.
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #13
ShiGi, ich kann dir da prinzipiell zustimmen. Insbesondere in dem Punkt, dass Reiten natürlich für den Menschen stattfindet. Aber wie du sagst, sind wir eben auch in der Verantwortung, es richtig zu betreiben, wenn wir es tun wollen. Deshalb sind eben die reinen "durchs Gelände dümpler" auch nicht unbedingt die größten Pferdehelden meiner Meinung nach.

Es geht ja auch nicht bei jedem Turnierreiter um Geld, die meisten stecken ja doch deutlich mehr rein, als dass was dabei raus kommt. Aber viele der wirklich erfolgreichen und damit natürlich auch teuren Pferde stehen eben doch weiterhin in der Box.
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #14
@Keisuke:
Meine persönliche Meinung: Artgerechte Reitställe findest du nur mit dem blauen LAG-Siegel. Alles andere kannst du meiner Meinung nach vergessen. Kannst ja mal auf der Webside von LAG schauen, da findest du Ställe, welche das Siegel haben.
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #15
Und selbst bei der LAG Plakette kann man vieles verbessern.

Ich denke gerade als Reiterneuling kann man auf verschiedene Faktoren achten.
Gepflegte Tiere, gut passendes Sattelzeug, artgerechtere Haltung, gedankenvoller Einsatz, ein angemessenes Preis Leistungsverhältnis und ja, sogar solche "Kleinigkeiten" wie, das jedes Pferd eigenes Putzzeug hat und die Eleven vor und nach der Stunde nicht alleine gelassen wird. Kann man das nicht selber Einschätzen unbedingt jemanden mit Erfahrung mitnehmen.

Schindluder und unkorrektes Verhalten dem Tier gegenüber gibt es nicht nur beim Pferd.
Da ist es immer ein guter Anfang, vor der eigenen Tür zu kehren und sein eigenes Verhalten (auch Konsumverhalten) zu überdenken.

Ja, ich bin vegetös und denke trotzdem, dass Tiere im maßen genutzt werden müssen, in welcher Form auch.h

EDIT (automatische Beitragszusammenführung)

auch immer. Schaut man sich z.B. alte Rassen wie das Rottaler Pferd an, wäre dieses ohne Nutzung bereits ausgestorben.
Ähnliches beim heimischen Woll und Sattelschwein.
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #16
Tierhaltung ist doch im Grunde immer egoistisch, ich habe meinen Hund auch weil ich Spaß an und mit ihm haben will (ob er auch bei mir leben will hat ihn ja schließlich im Grunde niemand gefragt).
Gerade dieser Egoismus verpflichtet einen aber doch auch dem Tier nach bestem Wissen und Gewissen gerecht zu werden.

Was das Reitenlernen angeht so empfinde ich es doch sehr schwer zu erkennen was okay ist und was nicht. Wenn ich als Anfänger auf den Hof komme kriege ich ja kaum mit wie viel Weidegang die Pferde im Allgemeinen haben, ob mit ihnen (grundsätzlich) liebevoll umgegangen wird und ob sie gutes Futter kriegen.

Was ist z.B. mit den Hilfzügeln, ich kann kaum einen Schlaufzügel (soweit ich weiß sehr unangenehm und schnell schmerzhaft für das Pferd) von einem Martingal (soweit ich weiß noch als akzeptabel zu bezeichnen) unterscheiden. Wenn man in der Reitstunde nachfragt bekommt man vielleicht gesagt wie das verschiedene Gerät rund um das Pferd heißt, aber ob es moralisch vertretbar ist muss man sich selbst anlesen bzw sicher auch seine eigene Meinung dazu finden.
Als mein Hund jung war, war ich in ein paar Hundeschulen von denen genügend mit Leinenruck und Zwang gearbeitet haben, natürlich haben da auch alle immer behauptet, dass das überhaupt nicht schlimm ist und das man sich da keine Sorgen machen muss. Wer bei sowas nicht jedes Mal hinterfragt und sich in verschiedenen Quellen beließt, der macht dann einfach munter mit und ahnt wahrscheinlich noch nichtmal etwas böses dabei.

Als Kind habe ich auch erlebt, das mit den Pferden in den Reitschulen zum Teil eben sehr grob umgegangen wurde und mir als kleinen Reiterin dazu nur gesagt wurde, man müsse sich halt "Respekt verschaffen" sonst würde es nie was mit dem Reiten, bzw dass es sonst sogar gefährlich ist, weil das Pferd einen sonst beißt oder abwirft, weil es eben keinen "Respekt" hat.
Erst als ich mit Anfang 20 (und nach einigen Jahren Reitpause) ein Pflegepferd hatte welches fast ausschließlich von mir geritten wurde und mit dem ich demnach quasi machen konnte was ich wollte habe ich dann ganz deutlich gemerkt, dass man gerade erst mit positivem Umgang Vertrauen aufbaut und das ein Pferd das einem vertraut die beste Versicherung im Gelände ist und nicht eines, welches bloß so viel Angst vor Strafe hat dass es sich deswegen nicht traut einen falschen Schritt zu machen.

So schön die Zeit mit dem Pflegepferd damals aber war muss ich dennoch sagen, dass ich natürlich quasi "nach Gefühl" geritten bin und da auch das Pferd nicht sonderlich gut ausgebildet war habe ich halt oft einfach verbale Kommandos benutzt statt richtiger Hilfen. Wenn ich heute nochmal Reitunterricht nehme möchte ich es aber richtig lernen, nur dennoch mit oberster Priorität darauf MIT dem Pferd zusammen zu arbeiten, Spaß zu haben und auch mich eben auch mit dem Tier anzufreunden und gegenseitiges Vertrauen zu gewinnen.
Ich hoffe sehr, dass ich eine Reitschule finden kann die mich dabei unterstützt, habe aber natürlich Bedenken wegen all der schon genannten Punkte und den eben typischen Missständen unter denen viele Pferde leiden und die man sicher oft gar nicht auf den ersten Blick sieht als Laie.
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #17
@kompassquelle

Du wohnst in SH.
Falls du mal wieder RU nehmen willst melde dich gerne.

Habe noch Kontakte zu guten und Tierfreundlichen Ställen.
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #18
Bei uns auf der Insel werden die Arbeitspferde vom Chef möglichst gut gehalten. Sprich sie haben Padockboxen mit halb hohen Wänden draussen, sodass sie dort ihre Sozialkontakte halten können, während die Boxen leider mit Gitterstäben oben versehen sind. Dies ist so, weil dann auch schon mal Pferde, die sich nicht grün, oder extrem futterneidisch sind nebeneinander untergebracht werden müssen.
Allerdings haben die Kaltblüter mindestens den Samstagnachmittag und Sonntag frei, wo sie von Frühjahr bis Hersbst dann auf die Salzwiesen kommen. Die Weide ist gute 5 km lang und geht bis ans Watt. Ausserdem werden die Gespanne alle 4 Wochen gewechselt, dass heißt also, dass ein Gespann 4 Wochen sich auf der Weide austoben und erholen kann, weil solange das andere Gespann dran ist. Das diese Haltung noch nicht optimal ist ist uns allen klar, aber besser ist es momentan nicht zu handhaben und zum Glück gehen unsere Pferde maximal 6 Tage die Woche ein paar Stunden pro Tag vor den Schwerlasttransporten. Gerade heute haben wir alle Pferde, bis auf 2 hustende, rausgebracht, weil der Frachter erst Mittwoch wieder Ware bringt. Die 2 Kranken müssen morgen den Tierarzt über sich ergehen lassen, weil unser Wissen und die vorhandenen Medikamente nicht mehr weiter halfen.
Auch ich bin jahrelang lang geritten und habe irgendwann frustriert aufgehört, weil ich zusehen musste, wie die Tiere immer mehr zu Maschinen degradiert wurden. Ausserdem wurde ich von den anderen verachtet, weil ich mich durchaus u
auch für die Reitweise der Guardians interessiert habe. Das kommt wohl davon, wenn man mal auf einer artgerecht gehaltenen, schonend ausgebildeten, gelassenen und temperamentvollen Camarguestute stundenlang ausgerittwn ist.:arrow: Da habe ich das erste mal den Unterschied richtig gemerkt, vor allem war die Züchterin ganz klar der Meinung, dass ein Pferd nicht alles können und tun muss, aber ein vernünftiges Fundament muss da sein. Die Stute stand trotz durchhängendem Zügel ständig an den Hilfen und war vollkommen ausbalanciert. Alle Pferde standen in Offenstallhaltung und der Hengst lief das ganze Jahr über mit den Zuchtstuten und deren Fohlen auf der Weide.:D
 
  • Die Pferdemaschinerie Beitrag #19
Ich bin da auch eurer Meinung. Der Mensch ist ein Lebewesen das beherrschen will. - Gehts denn nicht auch ohne "Kür" und ohne "ich bin der stärkere". Einem Pferd den Tribut zu zollen den es verdient. Ein Pferd zu akzeptieren wie es ist. Hier im Internet stehen Haufenweise Pferde rum, zu verkaufen weil "ich möchte nun doch springreiten und nicht mehr die olle Dressur".. "Das Pferd ist nicht strassensicher".. "Huhu, mein 2 Monate altes Baby kann schon drauf sitzen und reiten". Sind das noch Tiere, Pferde die mit stolzem Blick in die Ferne und die zukunft schauen können. Ackergäule, bessere "Statusobjekte" - austauschbar wie ein T-Shirt. Ein Pferd das nicht strassensicher ist - benötigt seine Zeit, es benötigt die Zeit sich an diverse Umgebungen anzupassen und nicht hochzuschrecken. Vor einigen Jahren musste ich einen Friesen ablehnen, die Tochter ist runtergefallen - hat sich verletzt und ist nie wieder aufgestiegen... Das Pferd kostet geld. Und da stand nun eine schwarze Schönheit seit monaten in einem Stall - und war total überdreht und durcheinander, als ich ihn auf den umzäunten Reitplatz geführt habe und ausgelassen habe... Hacken schlagen, die Lebensfreude - vollbremsungen und bocken was das Zeug hält... Es ist ein Tier, es ist nicht bösartig, es möchte nur seine Energie loswerden, interessiert und übermütig, mit bocksprüngen auf einen zukommend - immer wieder wegschickend, weil ich mich nicht gerne niederrennen lassen möchte. Wir als Eltern sind mit diesem Tier überfordert, wir wissen nicht was wir tun sollen. Wir wollen nämlich keine Pferde :roll:. Und alle anderen die vor ihnen da waren, haben sattel und Zaumzeug draufgeschmissen und wollten reiten... Pferd ist leider nicht nur reiten - pferd ist liebe und achtung voreinander. Ich musste schweren herzens absagen, ich habe Kinder und nicht die Zeit ein Pferd wieder mühsam auf Körperkontakt, Nähe und das Gefühl des ständigen überfordernd seins wegzutrainieren. Denn erst dann wäre die Möglichkeitgegeben gewesen , in den Sattel zu steigen um akzeptiert zu werden und auch mal sagen zu dürfen -- komm wir probierens miteinander.

Ich mag Pferde, ich mag ihre Charaktäre, ich mag den Umgang mit Pferden. All das wird im heutigen Reitunterricht sowas von vernachlässigt. Eine Verbindung aufzubauen zwischen mir und dir - zwischen Pferd und Reiter. Ich traue mich wenn du dich traust, ich steige erst in den Sattel, wenn ich mich davon überzeugt habe, dass dieses Tier nicht schon beim aufsteigen überlegt wie es mich am schnellsten wieder runterbekommt. Gequälte Seelen.

Selbst hatte ich vor Jahren eine Begegnung, ein Mitreitpferd welches ich besichtigt habe. wir standen uns etwa 30 Minuten gegenüber, wir haben uns kennengelernt, und als ich mich dann umdrehte - ist das Tier mit etwas sicherheitsabstand ohne Zaum, Halfter oder führleine mir hintergegangen - vorsichtig, interessiert - gutmütig. Was ich für eine Standpauke mir anhören konnte, dass man so Tiere nicht führen darf und kann. Tiere sind unberechenbar (ja aber menschen aber auch). Das Tier hätte dich tottrampeln können. Ich denke nicht das irgendein halbwegs sozialisiertes Tier dermassen krank ist, dass es Jagd auf Menschen macht... RUndherum eine Riesenkoppel mit 2 anderen Pferden - das Tier hätte zumindest 340 Grad frei gehabt zum flüchten, also warum sollte es genau diese 20 Grad auswählen die von mir besetzt wurden.
 
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