Vielen Dank ihr Lieben :049:
Ringo ist schon am 18.10 gestorben, ich konnte zwei Wochen lang nicht herkommen und brauchte etwas Abstand. Mittlerweile geht es mir aber schon wieder etwas besser.
Ja, wir hatten schon viel durchgemacht und irgendwie war ich noch nicht darauf vorbereitet, dass uns das Ende schon bevorsteht.
Hier ist die ganze Geschichte:
Ende September ist Ringo noch kurze Strecken am Rad mitgelaufen und war munter wie eh und je, hatte aber offensichtlich hin und wieder Rückenschmerzen. Um den ersten Oktober waren wir deswegen bei unserer Tierärztin die ihm Schmerzmittel und ein leichtes Kortison gab, sie und wir auch haben geglaubt es wäre einfach eine Alterserscheinung, sie lobte noch wie fit Ringo ansonsten sei und meinte er hätte locker noch zwei Jahre. Durch die Medikamente ging es ihm viel besser und er lief wieder fröhlich und ausgelassen, wenn auch etwas langsam.
Eine Woche später fing er aber an zu humpeln, wir waren bei einer Physiotherapeuten, sie glaubte an ein Bandscheibenproblem und war ebenfalls zuversichtlich, dass Ringo sich davon wieder erholen könnte weil er so einen guten Allgemeinzustand hat.
Tage später waren wir wieder bei unserer Tierärztin, da er nicht nur humpelte sondern auch verzögerte Reflexe an den Hinterpfoten hatte, nun vermutete sie einen größeren Bandscheibenvorfall.
Wir machten einen Termin in einer Tierklinik in Hamburg die auf sowas spezialisiert ist, bekamen allerdings erst einen Termin für den 12.10.
Über das davor liegende Wochenende ging es rapide bergab, Ringo konnte kaum noch stehen, kaum noch laufen, er hatte offenbar keine Schmerzen, aber eine voranschreitende Lähmung an den Hinterbeinen (taub war er aber nicht, hat reagiert wenn man ihn gekniffen oder gekitzelt hat).
Am Montag den 10.10 fuhren wir als Notfall in die Klinik nach Hamburg (wohlgemerkt immer noch in dem Glauben, dass es sich um einen Bandscheibenvorfall handelte, der höchstwahrscheinlich behandelt werden könnte, aber auf jeden Fall erstmal nicht akut lebensbedrohlich ist).
Im Kontraströntgen zeigten sich wunderschöne Bandscheiben und für einen alten Hund ein "außerordentlich guter" Rücken, allerdings auch eine Veränderung im Rückenmark.
Wenn es interessiert, hier sind die Aufnahmen der Myleographie:
https://www.youtube.com/watch?v=rERlqrEDv2w
Ab etwa einer Minute sieht man eine helle Struktur im Rückenmark durch die das Kontrastmittel nicht durchkommt.
Vermutet wurde ein Infarkt, ein Tumor oder eine degenerative Veränderung aufgrund des Alters.
Ich habe die Bilder an meine Tierärztin und alle Leute die ich kenne und die Ahnung haben geschickt. Alle sagten mir was ich am wenigsten hören wollte, dass es nicht gut aussieht, es für derartige Veränderungen direkt am Rückenmark keine Behandlungsmöglichkeiten gibt.
Falls es ein Rückenmarksinfarkt ist gibt es eine geringe Chance dass er sich davon (teilweise) erholt, wenn der Körper das Blutgerinsel abbaut, bei einem Tumor oder einem degenerativen Vorgäng müsste man allerdings damit rechnen dass es sich verschlimmert.
Es war wirklich schlimm, vorne hat er mich angelächelt war aufmerksam wie immer und hatte einen gesegneten Appetit, aber man konnte von Tag zu Tag sehen wie er hinten Kraft verlor. Zwei Tage später am Mittwoch konnte er selbst mit Unterstützung nicht mehr stehen oder seine Beine bewegen (obwohl immer noch Gefühl drin war), in meiner Verzweiflung habe ich einen Hunderollwagen bestell, selbst wenn mir da schon klar war, dass wir nur noch sehr wenig Zeit haben, ich wollte nichts unversucht lassen. Raus gehen konnten wir nur noch indem wir ihn hinten in einer Tragehilfe komplett hochhielten.
Der Rollwagen kam trotz ausgewähltem Expressversand nicht gleich am Donnerstag, sondern erst am Samstag den 15.10 (wenn schon Dinge schief gehen, dann richtig).
Leider passte er nicht gut und Ringo hasste es in dem Teil zu hängen. Mittlerweile verlor er ständig Urin und ich konnte die Ursache auch nicht mehr auf das Kortison schieben, was auch immer die Ursache für seine Lähmung war es schritt weiter voran und ich musste einsehen, dass es mittlerweile nahezu unmöglich war, dass es etwas war, wovon er sich noch erholen konnte.
Ringo selbst war immer noch interessiert an seiner Umwelt, ansprechbar und hatte großen Appetit (hatte aber trotzdem zusehends abgenommen in der letzten Woche). Zudem war der dauermüde und schlief wann immer es ging tief und fest.
Er hatte offenbar keine Schmerzen (was die Tierärzte bestätigten, abgestorbenes Nervengewebe tut nicht weh), doch eine so schnell voranschreitende Lähmung konnte auch zu einer Darmlähmung führen, oder sich auf den Vorderkörper ausdehnen und dort zu einer Atemlähmung führen. Beides wären schlimme Todesarten gewesen. Das wollte ich ihm nicht antun, vor allem wenn es so schnell voranschritt und man damit rechnen musste, dass dies sehr bald passieren könnte, vielleicht schon in ein paar Tagen. Außerdem konnte er nur noch liegen, nicht mehr alleine zum Wassernapf, sich nichtmal mehr alleine umdrehen oder hinsetzen. Auch wenn sein Blick noch aufmerksam war, so sprach doch zusehends die Verzweiflung aus ihm.
Am montag Morgen haben wir nach einer durchheulten Nacht beim Tierarzt angerufen und einen Termin für den Abend gemacht, dass er vorbeikommt um Ringo einzuschläfern (leider war meine Tierärztin im Urlaub, was es nicht einfacher machte).
Um Ringo seinen letzten Tag so schön wie möglich zu machen fuhren wir zum Strand, ich wickelte ihn in eine Decke und wir gucken aufs Wasser und die Möwen kreisten über uns. Wir saßen keine 10 Minuten als Ringo aufstehen wollte, aber natürlich nicht konnte, ich habe nicht so schnell geschaltet und er hat sich dann von oben bis unten eingekotet (jetzt auch Darminkontinenz?). Es war kalt und regnerisch an dem Tag und von der halben Stunde am Strand verbrachten wir 20min damit den Hund einigermaßen wieder sauber zu kriegen um nach Hause fahren zu können.
Zuhause war ich so fertig, dass ich dem Tierarzt für den Abend abgesagt habe, ich hatte Angst, dass es vielleicht egoistisch ist ihn so noch einen Tag leben zu lassen, aber ich konnte einfach nicht, es fühlte sich alles so falsch an. Für mich war er trotzdem noch mein Hund den ich über alles liebe und ich kam mir so schrecklich vor ihn umzubringen, selbst wenn mir klar war, dass es mittlerweile das einzig richtige war.
Am Dienstag schien die Sonne und Ringo schlief so tief und fest dass ich ihn regelrecht wachrütteln musste damit wir rausgehen konnten. Wir fuhren auf einen großen Sportplatz in der Nähe wo er immer sehr gerne gerannt ist. Es war sogar richtig warm an dem Tag, in eine Decke gewickelt saßen wir ganz lange im Gras und haben gekuschelt und geredet. Ringo hat genüsslich eine Dose Thunfisch verspeist. Dann war er wieder so müde, dass er gleich wieder eingeschlafen ist (ich glaube das war das erste Mal, dass ich erlebt habe, dass mein Hund draußen schläft anstatt sich fürs Rennen und für Abenteuer zu interessieren). Das zweite Bild im Anfangspost ist von diesem letzten Tag.
Nachdem Ringo sich ein wenig ausgeruht hatte setzten wir uns ins Auto (ich mit Ringo im Arm auf der Rückbank, so wie die ganze letzte Woche) und fuhren all unsere Lieblingsspazierwege ab. Ringo guckte jedes Mal interessiert und hat sich sicher gefragt warum wir nicht aussteigen, damit er losrennen kann.
Zuhause waren wir um fünf und als ich ihn in sein Körbchen legte schien die Sonne dorthin, er war so müde, dass er gleich wieder einschlief. Um kurz nach 18:00 Uhr kam der Tierarzt, Ringo hat sich nicht wirklich dafür interessiert. Die Einschläferung dauerte mit Narkose vorneweg etwa 5 Minuten und war sehr schnell und friedlich (ich hatte sogar vorher noch angerufen um zu fragen welche Mittel sie verwenden, damit ich mir sicher bin, dass es nichts ist womit ich nicht einverstanden wäre). Es war schrecklich, aber es war auch das richtige und der ganze Tag vorher war wirklich schön (sofern so ein Tag das eben sein kann). Ich denke und hoffe, es war der richtige Zeitpunkt.
Am nächsten Morgen haben wir ihn auf einem Haustierfriedhof in der Nähe beerdigt, er hat ein eigenes Grab mit einem Stein vom Strand auf dem sein Name steht.
Ich bin sehr traurig und er fehlt hier einfach an allen Ecken und Enden, ständig denke ich, ich höre ihn um die Ecke tapsen, oder er kommt mich begrüßen wenn ich heim komme. Keiner da zum Quatsch machen und knuddeln. Keiner der einen morgens fröhlich angrinst und auf Frühstück wartet.
Gestern waren wir eineinhalb Stunden im Wald unterwegs weil das Wetter so schön war, aber ohne Hund macht das alles irgendwie keinen Sinn….und auch keinen Spaß.
Ich sage mir, dass Ringo alt war und das seine Zeit gekommen war (und wenn ich mir angucke wie schnell die ganze Sache vorangeschritten ist, innerhalb von nur rund 3 Wochen und wie schnell er abgebaut hat, dann denke ich, dass es wahrscheinlich wohl doch Krebs war und gegen diesen Mist kann man nunmal einfach gar nichts machen), ich sage mir, dass er ein gutes Leben hatte und dass mehr als 14 Jahre auch ein hohes Alter sind für einen Hund. Aber das ist nur mein Kopf, mein Herz vermisst ihn trotzdem mit ungebremster Kraft.
Für mich steht dennoch bereits fest, dass Ringo einen Nachfolger haben wird, jetzt wo er nicht mehr da ist fällt mir umso mehr auf, dass man – wie Heinz Rühmann sagte – zwar ohne Hund leben kann, aber es sich einfach nicht lohnt.