- Wenn alles anders kommt... Latente Leukose Beitrag #1
Morastbiene
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Ich erstelle diesen Thread in erster Linie, um zu sensibilisieren, zumal es in Foren praktisch keine aktuellen Threads zu diesem Thema gibt. Das Ganze natürlich wie immer unter dem Vorbehalt, dass ich kein Veterinär bin und hier nur unsere Erfahrungen schildern kann. Es geht mir nicht um Symptome oder Behandlungen. Eine ausgebrochene Leukose kann sich auf so viele verschiedene Arten äußern, dass ohnehin in jedem Fall individuell entschieden werden muss, welche Maßnahmen sinnvoll sind.
Wie manche von euch wissen werden, mussten wir Fernanda im April gehen lassen. Was ich hier nicht gepostet hatte, war ein Wort, das am Tag der letzten Diagnose fiel. Aber ich hatte es zur Seite geschoben, weil ich durch fehlende Kenntnis davon ausgegangen war, es würde letztendlich keine weitere Relevanz haben: Nierenleukose.
Man findet im Netz nicht viel dazu, fast gar nichts, nur ganz alte Beiträge in anderen Foren. Dort las ich u.A. von der Aussage eines Tierarztes zu einem ebenfalls betroffenen Tier, es sei "nicht ansteckend" und es hätte mit der "normalen" Leukose nichts zu tun, weil die Krankheit nur das jeweilige Organ (meist Nieren oder Darm, daher die jeweilige Bezeichnung Nieren- oder Darmleukose) lokal betreffen würde. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, wie es aussieht, zumindest wenn man diese Aussagen wörtlich nimmt. Dass es sich nicht um die "übliche" Leukose handelt, hatte auch unsere Tierärztin gesagt, insofern war ich beruhigt (wollte es sicherlich auch sein) und hatte nichts Böses denken wollen.
Wir waren ja auf der Suche nach einer neuen Zweitkatze als Gesellschaft für Rieke, hatten uns eine ganz tolle Kandidatin ausgeguckt. Es sah alles sehr gut aus, wir waren schon voller Vorfreude. Bis unsere Kontaktperson im Verein mich zur Absicherung darum bat, bei unserer Madame Tests machen zu lassen, wofür ich ihr (aufgrund meines Unwissens) im Nachhinein sehr dankbar bin. Gewünscht waren ein Schnelltest auf FIV und Leukose und ein gezielter PCR-Test auf Leukose.
Der Hintergrund: Bei Leukose gibt es nicht nur positiv und negativ. Es gibt außerdem eine latente Form, bei der sich das Virus ins Knochenmark zurückzieht und dort eingekapselt schlummert, bis es (z.B. durch Stress oder Schock) aktiviert wird oder eben auch nicht. Latente Leukose wird vom Schnelltest nicht erfasst. Das ändert sich erst, wenn sie bereits ausgebrochen ist. In dem Fall scheidet das Tier die Viren wieder aus, der Schnelltest liefert ein positives Ergebnis und der Kuchen gegessen, ganz platt gesagt...
Im Kontext zu unserem Fall ergibt das mit der Aktivierung durch Stress definitiv Sinn. Es ist natürlich nur eine Mutmaßung meinerseits, aber die ersten völlig subtilen (und auf dem Papier unbedeutenden) Verhaltensänderungen bei Fernanda haben wir nur wenige Monate nach ihrer unumgänglichen Zahn-OP festgestellt. Vor Tierarztbesuchen hatte sie immer furchtbare Angst. So sehr, dass sie ganz erbärmlich zu schreien anfing, wenn sie in die Box musste. Es klang, als würde man auf ein Quietsche-Spielzeug treten...
Um latente Leukose nachzuweisen, muss ein PCR-Test gemacht werden. Dieses Testverfahren gibt es, so wurde mir gesagt, noch nicht lange und hat zum Zeitpunkt von Fernandas Vermittlung noch gar nicht existiert. Wenigstens in diesem Punkt muss ich mir keine Vorwürfe machen, obwohl ein Teil von mir sich sicherlich immer fragen wird, was gewesen wäre, hätten wir uns keine zweite Katze geholt. Aber ob das für Rieke schlussendlich besser gewesen wäre, kann bezweifelt werden und was man nicht weiß, kann man nicht umgehen... Ungeachtet dessen, dass Fernanda der verrückteste Knallkopf war, den man uns hätte schicken können. Hätte-Wäre-Wenn-Szenarios bringen niemanden weiter.
Fernanda war per Schnelltest (ELISA) negativ getestet, bevor sie hier einzog. Es kann natürlich auch sein, dass Rieke von Anfang an der Träger war. Das lässt sich nicht mehr nachweisen und ist am Ende auch egal. Aber da Fernanda wesentlich mehr Kontakt zu anderen Katzen gehabt haben wird, bevor sie zu uns kam, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich infiziert hat, zumindest höher. Fernandas Immunsystem stand schon immer auf etwas wackeligen Beinen, während Rieke in all den Jahren nur rassebedingten Zahnbelag und eine leichte Blasenentzündung hatte.
Anyway... Letzte Woche Mittwoch waren wir zur Blutabnahme beim Tierarzt und am Montag nach dem Einkaufen hatten wir eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter. Der Schnelltest war negativ, der PCR-Test jedoch positiv. Rieke ist also ebenfalls latent mit Leukose infiziert. Nachdem wir die Nachricht abgehört haben, habe ich erst mal zehn Minuten am Stück geheult. Das Schreckgespenst war plötzlich wieder da und die Aufnahme einer Zweitkatze damit selbstverständlich vom Tisch. Ein gesundes Tier hat hier keinen Platz, weil es sich infizieren könnte, wie es bereits passiert ist. Das wäre unverantwortlich. Der Gedanke, ein positives Tier zu nehmen, liegt im ersten Moment nahe, doch auch das ist keine Option. Ein positives Tier scheidet das Virus dauerhaft aus. Da Rieke latent infiziert ist, würde es auf diesem Weg zu einer sog. Superinfektion kommen und damit würde "der Timer" wahrscheinlich tatsächlich gestartet werden. Davon abgesehen, dass eine Vergesellschaftung immer Stress bedeutet und der, wie oben bereits erwähnt, die Krankheit ebenfalls zum Ausbruch bringen kann. Uns wurde dringend davon abgeraten, dieses Risiko einzugehen.
Unsere Aufgabe wird jetzt sein, Rieke ein schönes Leben als alleinige Herrscherin zu machen, solange es uns beschieden ist. Ob das Monate oder Jahre sein werden, das kann uns niemand sagen. Aber das wäre auch nicht anders, wenn es diesen Befund nicht geben würde. So langsam kommt sie sowieso in ein Alter, in dem man damit rechnen muss, dass sich gesundheitlich etwas ändert. Wir können nur das Beste aus dem machen, was uns gegeben ist und Rieke weiß nicht, dass sie einen Virus trägt oder was das bedeutet. Sie wie eine Todkranke zu behandeln, würde weder ihr noch uns helfen.
Ich kann nicht leugnen, dass die Angst nun irgendwie stiller Beifahrer geworden ist. Aber dann sehe ich sie an und ich sehe keine kranke Katze. Ich sehe meine Zaubermaus. Meine kleine Prinzessin mit den blassblauen Augen und dem flauschigen Fell, die absolut fit und munter ist, einen wunderbaren Appetit hat, gut genährt ist und ihre Spiel- und Streicheleinheiten genauso ausgiebig genießt wie die zusätzliche Aufmerksamkeit, mit der sie bei uns verwöhnt wird.
Ich bringe mich dazu, an die Fakten zu denken, wenn ich bemerke, dass die Trauer sich anschleicht. Solange die Krankheit nicht ausgebrochen ist, gibt es keinen Grund, sich wahnsinnig zu machen. Wir können begünstigen, dass sie nicht ausbricht, indem wir uns gut um unsere Prinzessin Flausch kümmern, sie gesund halten und sie vor Stress schützen. Alles andere liegt nicht in unserer Hand, denn wie man es dreht und wendet, das Leben ist endlich. Nichtsdestotrotz hoffen wir von ganzem Herzen, dass wir noch eine lange Zeit mit unserer Motte verbringen dürfen.
Allgemein glaube ich, dass es angesichts fortschreitender Wissenschaft für Mensch und Tier nur den Wenigsten heutzutage noch vergönnt ist, im hohen Alter einfach friedlich zu entschlafen, wie man so schön sagt. Aber das nur am Rande.
Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn ihr im Rahmen eurer Katzenhaltung jemals mit dem Wort Leukose in Kontakt kommt, kann nur ein PCR-Test endgültige Gewissheit darüber bringen, ob tatsächlich alles gut ist. Falls es einen Todesfall gab, der auf Leukose zurückzuführen ist und noch weitere Katzen im Haus sind oder dazukommen sollen, kann ich ihn nur dringend empfehlen, vor allem im letzten Punkt.
Wie manche von euch wissen werden, mussten wir Fernanda im April gehen lassen. Was ich hier nicht gepostet hatte, war ein Wort, das am Tag der letzten Diagnose fiel. Aber ich hatte es zur Seite geschoben, weil ich durch fehlende Kenntnis davon ausgegangen war, es würde letztendlich keine weitere Relevanz haben: Nierenleukose.
Man findet im Netz nicht viel dazu, fast gar nichts, nur ganz alte Beiträge in anderen Foren. Dort las ich u.A. von der Aussage eines Tierarztes zu einem ebenfalls betroffenen Tier, es sei "nicht ansteckend" und es hätte mit der "normalen" Leukose nichts zu tun, weil die Krankheit nur das jeweilige Organ (meist Nieren oder Darm, daher die jeweilige Bezeichnung Nieren- oder Darmleukose) lokal betreffen würde. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, wie es aussieht, zumindest wenn man diese Aussagen wörtlich nimmt. Dass es sich nicht um die "übliche" Leukose handelt, hatte auch unsere Tierärztin gesagt, insofern war ich beruhigt (wollte es sicherlich auch sein) und hatte nichts Böses denken wollen.
Wir waren ja auf der Suche nach einer neuen Zweitkatze als Gesellschaft für Rieke, hatten uns eine ganz tolle Kandidatin ausgeguckt. Es sah alles sehr gut aus, wir waren schon voller Vorfreude. Bis unsere Kontaktperson im Verein mich zur Absicherung darum bat, bei unserer Madame Tests machen zu lassen, wofür ich ihr (aufgrund meines Unwissens) im Nachhinein sehr dankbar bin. Gewünscht waren ein Schnelltest auf FIV und Leukose und ein gezielter PCR-Test auf Leukose.
Der Hintergrund: Bei Leukose gibt es nicht nur positiv und negativ. Es gibt außerdem eine latente Form, bei der sich das Virus ins Knochenmark zurückzieht und dort eingekapselt schlummert, bis es (z.B. durch Stress oder Schock) aktiviert wird oder eben auch nicht. Latente Leukose wird vom Schnelltest nicht erfasst. Das ändert sich erst, wenn sie bereits ausgebrochen ist. In dem Fall scheidet das Tier die Viren wieder aus, der Schnelltest liefert ein positives Ergebnis und der Kuchen gegessen, ganz platt gesagt...
Im Kontext zu unserem Fall ergibt das mit der Aktivierung durch Stress definitiv Sinn. Es ist natürlich nur eine Mutmaßung meinerseits, aber die ersten völlig subtilen (und auf dem Papier unbedeutenden) Verhaltensänderungen bei Fernanda haben wir nur wenige Monate nach ihrer unumgänglichen Zahn-OP festgestellt. Vor Tierarztbesuchen hatte sie immer furchtbare Angst. So sehr, dass sie ganz erbärmlich zu schreien anfing, wenn sie in die Box musste. Es klang, als würde man auf ein Quietsche-Spielzeug treten...
Um latente Leukose nachzuweisen, muss ein PCR-Test gemacht werden. Dieses Testverfahren gibt es, so wurde mir gesagt, noch nicht lange und hat zum Zeitpunkt von Fernandas Vermittlung noch gar nicht existiert. Wenigstens in diesem Punkt muss ich mir keine Vorwürfe machen, obwohl ein Teil von mir sich sicherlich immer fragen wird, was gewesen wäre, hätten wir uns keine zweite Katze geholt. Aber ob das für Rieke schlussendlich besser gewesen wäre, kann bezweifelt werden und was man nicht weiß, kann man nicht umgehen... Ungeachtet dessen, dass Fernanda der verrückteste Knallkopf war, den man uns hätte schicken können. Hätte-Wäre-Wenn-Szenarios bringen niemanden weiter.
Fernanda war per Schnelltest (ELISA) negativ getestet, bevor sie hier einzog. Es kann natürlich auch sein, dass Rieke von Anfang an der Träger war. Das lässt sich nicht mehr nachweisen und ist am Ende auch egal. Aber da Fernanda wesentlich mehr Kontakt zu anderen Katzen gehabt haben wird, bevor sie zu uns kam, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich infiziert hat, zumindest höher. Fernandas Immunsystem stand schon immer auf etwas wackeligen Beinen, während Rieke in all den Jahren nur rassebedingten Zahnbelag und eine leichte Blasenentzündung hatte.
Anyway... Letzte Woche Mittwoch waren wir zur Blutabnahme beim Tierarzt und am Montag nach dem Einkaufen hatten wir eine Nachricht auf unserem Anrufbeantworter. Der Schnelltest war negativ, der PCR-Test jedoch positiv. Rieke ist also ebenfalls latent mit Leukose infiziert. Nachdem wir die Nachricht abgehört haben, habe ich erst mal zehn Minuten am Stück geheult. Das Schreckgespenst war plötzlich wieder da und die Aufnahme einer Zweitkatze damit selbstverständlich vom Tisch. Ein gesundes Tier hat hier keinen Platz, weil es sich infizieren könnte, wie es bereits passiert ist. Das wäre unverantwortlich. Der Gedanke, ein positives Tier zu nehmen, liegt im ersten Moment nahe, doch auch das ist keine Option. Ein positives Tier scheidet das Virus dauerhaft aus. Da Rieke latent infiziert ist, würde es auf diesem Weg zu einer sog. Superinfektion kommen und damit würde "der Timer" wahrscheinlich tatsächlich gestartet werden. Davon abgesehen, dass eine Vergesellschaftung immer Stress bedeutet und der, wie oben bereits erwähnt, die Krankheit ebenfalls zum Ausbruch bringen kann. Uns wurde dringend davon abgeraten, dieses Risiko einzugehen.
Unsere Aufgabe wird jetzt sein, Rieke ein schönes Leben als alleinige Herrscherin zu machen, solange es uns beschieden ist. Ob das Monate oder Jahre sein werden, das kann uns niemand sagen. Aber das wäre auch nicht anders, wenn es diesen Befund nicht geben würde. So langsam kommt sie sowieso in ein Alter, in dem man damit rechnen muss, dass sich gesundheitlich etwas ändert. Wir können nur das Beste aus dem machen, was uns gegeben ist und Rieke weiß nicht, dass sie einen Virus trägt oder was das bedeutet. Sie wie eine Todkranke zu behandeln, würde weder ihr noch uns helfen.
Ich kann nicht leugnen, dass die Angst nun irgendwie stiller Beifahrer geworden ist. Aber dann sehe ich sie an und ich sehe keine kranke Katze. Ich sehe meine Zaubermaus. Meine kleine Prinzessin mit den blassblauen Augen und dem flauschigen Fell, die absolut fit und munter ist, einen wunderbaren Appetit hat, gut genährt ist und ihre Spiel- und Streicheleinheiten genauso ausgiebig genießt wie die zusätzliche Aufmerksamkeit, mit der sie bei uns verwöhnt wird.
Ich bringe mich dazu, an die Fakten zu denken, wenn ich bemerke, dass die Trauer sich anschleicht. Solange die Krankheit nicht ausgebrochen ist, gibt es keinen Grund, sich wahnsinnig zu machen. Wir können begünstigen, dass sie nicht ausbricht, indem wir uns gut um unsere Prinzessin Flausch kümmern, sie gesund halten und sie vor Stress schützen. Alles andere liegt nicht in unserer Hand, denn wie man es dreht und wendet, das Leben ist endlich. Nichtsdestotrotz hoffen wir von ganzem Herzen, dass wir noch eine lange Zeit mit unserer Motte verbringen dürfen.
Allgemein glaube ich, dass es angesichts fortschreitender Wissenschaft für Mensch und Tier nur den Wenigsten heutzutage noch vergönnt ist, im hohen Alter einfach friedlich zu entschlafen, wie man so schön sagt. Aber das nur am Rande.
Der langen Rede kurzer Sinn: Wenn ihr im Rahmen eurer Katzenhaltung jemals mit dem Wort Leukose in Kontakt kommt, kann nur ein PCR-Test endgültige Gewissheit darüber bringen, ob tatsächlich alles gut ist. Falls es einen Todesfall gab, der auf Leukose zurückzuführen ist und noch weitere Katzen im Haus sind oder dazukommen sollen, kann ich ihn nur dringend empfehlen, vor allem im letzten Punkt.