Sommer

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Abbey

Abbey

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Sanfter Wind strich über die Klippen, flüsterte leise zu den abendlichen Schatten und brachte den salzigen Geruch des Meeres mit sich. Die Sonne war bereit ihrem Bruder zu weichen und die Sterne am Firmament funkeln zu lassen.
Erleichtert begann die Erde aufzuatmen, erlöst von den sengenden Strahlen des Tages. Es raschelte in den Büschen und Sträuchern als immer mehr Tiere erwachten und ihre geschützten Höhlen verließen, um in der bald einsetzenden Dunkelheit den alltäglichen Kampf ums Überleben zu fechten. Grillen stimmten ihr Lied an.
Auf einer der Klippen hob sich eine zierliche Silhouette vom in Rot getauchten Abendhimmel ab, so dicht am Rande dass man fürchten könne, wer auch immer dort für sich allein saß könne jederzeit mehrere Meter tief in das tobende Meer stürzen. Völlig unbeeindruckt schien die Gestalt von den unzähmbaren Wellen, welche mit Wucht gegen die Felsen prallten und die Gischt fast bis hoch zu ihren Fußsohlen spritzen ließ.
Den Kopf in den Nacken gelegt blickte ein junges Mädchen in den Himmel.
Die immer weiter versinkende Sonne malte düstere Schatten auf die feinen Gesichtszüge und der Wind spielte mit dem langen Haar, wehte es spielerisch nach hier und dort, doch das Mädchen kümmerte es nicht. Was auch immer es denken mochte, seine Miene war unergründlich.
Zweifellos schön waren die schimmernden Augen, so oft bezeichnet als Spiegel der Seele, in welchen sich die flammenden Wolken am Himmel widerspiegelten, doch genauso traurig. Sie stellten Fragen, die nie beantwortet werden konnten. Sie sahen noch immer Dinge, die nie hätten gesehen werden dürfen.
Zierliche Finger umklammerten ein hellblaues Tuch aus Seide, mit fein gestickten Muscheln und Seesternen darauf. Der immer heftigere Wind zerrte daran genauso wie an dem schneeweißen Kleid des Mädchens. Langsam wurde der Blick auf die Hände gesenkt, der Mund ein wenig geöffnet. Das Mädchen lockerte den Griff um das Tuch fast unbewusst und der Wind riss es mit sich fort, trug es über die Klippen hinaus durch die Luft.
Fasziniert sah das Mädchen dem Stoff hinterher, und fast schon sehnsüchtig. Das Tuch stieg vom Wind getragen höher und höher, bis es schließlich kurz in der Luft schwebte und dann langsam nach unten sank. Immer weiter kam es dem Meer entgegen, die peitschenden Wellen schienen hungrig nach ihm zu greifen, wieder und wieder, bis sie es erreichten, mit sich trugen, und verschlangen.
Während dem Flug hatte sich das Mädchen aufgerichtet und war noch näher zur Kante der Klippe getreten, sah hinunter zur tobenden See, die Zehen bereits über dem Abgrund. Einige Herzschläge lang stand es so da. Atemlose, flatternde Herzschläge voller Angst und Versuchung. Wie in Zeitlupe breitete es die Arme aus und öffnete den Mund weit, atmete tief die salzige Luft ein.
Sekunden wurden zu Stunden, Minuten zu Tagen. Der Wind wurde stärker und stärker, das Meer brüllte, die Sonne verschwand vollständig am Horizont. Es schien so verlockend, einfach loszulassen und zu gehen. Und es war so endgültig. Unwiderruflich, unwiederbringlich. Mit verzerrtem Gesicht, donnerndem Herzen und wirbelnden Gedanken stand das Mädchen an der Schwelle des Todes, mit erhobener Hand, um an die Pforte zu klopfen.
Was tun? Gab es einen Ausweg? Konnte es ihn geben?
Nein!, schrie es. Nein!
Der Wind wurde sanfter, das Brüllen des Meeres leiser, als wären die Wellen bereit das Mädchen zu empfangen. Ein leises Seufzen kam über die Lippen des Mädchens, ein ergebenes Seufzen.
Seine Gesichtszüge entspannten sich, wurden weich und furchtlos. Das Mädchen hatte die Entscheidung getroffen, die für es selbst am Besten war.
Vorsichtig hob es einen Fuß an und setzte ihn rückwärts, weg von dem Abgrund und der Feigheit, fort von den kalten Fingern des lauernden Todes.
Das Mädchen spürte den scharfen Stein unter den nackten Fußsohlen, den Wind über seine Haut streichen, hörte die Grillen zirpen und sah still dabei zu, wie sich der Himmel verfinsterte. Es würde eine Nacht werden, dunkel und kalt. Voll Angst und ohne Hoffnung. Doch danach würde auch ein Tag anbrechen, an dem die Sonne warm vom Himmel strahlte und wieder hoffen ließ, auf eine Zukunft in der Angst und Trauer langsam schwanden,
Denn die Zeit heilte alle Wunden. Man musste sich selbst nur diese Zeit lassen.
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Es gibt keine Quelle - mein Werk.
 
  • Sommer Beitrag #2
Abbey, dieser Text ist wirklich von Dir? Du bist genial. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte ich sagen, das hat meine Lieblingsbuchautorin geschrieben. Wäre ziemlich exakt ihr Style.... Hut ab, liebe Abbey. Bitte gib Bescheid, wenn Dein erstes Buch auf dem Markt ist, ich werde es kaufen...
 
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