- Der Abgrund Beitrag #1
Tompina
- Beiträge
- 6.069
- Punkte Reaktionen
- 116
Sein wutentbranntes Schreien zerschnitt die Nacht wie ein Donnerhall. Es übertönte das Brausen des Windes, das Knarren der Bäume und die Rufe der Eulen. Mit grimmiger Miene stand er am Abgrund und starrte in die schwarze, gähnende Tiefe. Wild flatterten seine Haare um seinen Kopf und das silberne Leuchten des Mondes ließ seine Haut glänzen wie poliertes Elfenbein.
Er riss die Arme in die Höhe und schrie erneut. Er schrie sich die ganze Wut von der Seele. Beziehungsweise von jenem ekelhaften Klumpen aus Gier und Mordsucht, der einmal seine Seele gewesen war. Er machte einen Schritt nach vorne. Die Steine unter seinen Stiefeln knirschten. Einige kamen ins Rutschen und suchten sich mit lautem Klacken einen Weg in die Tiefe.
Er sah ihnen nach und wünschte sich gemeinsam mit den kleinen, kalten Brocken im Nichts verschwinden zu können. Kalt und hart wie die Steine war er ja schon. Nur war es ihm nicht vergönnt mit dieser Leichtigkeit einfach den Abgrund hinunter zu stürzen. Er war dazu verdammt immer und immer wieder aufzustehen, auch wenn er am liebsten zu Staub zerbröselt wäre wie die kleinen Felsen, die nach ihrem Flug in die Tiefe hart aufschlugen und in tausend kleine Teile zersprangen. Er wollte ebenfalls zerspringen. In tausende Teile. Zu Staub zerfallen. Aber er konnte nicht.
Ein weiterer Schrei brach aus seiner Kehle und hallte finster und unheimlich durch die Nacht. Einige Vögel in den Bäumen über seinem Kopf flatterten erschrocken auf und er schickte ihrem hektischen Flügelschlagen ein grimmiges Knurren hinterher. Angst verbreiten konnte er gut. Sehr gut sogar. Nicht nur Vögel verfielen in Hektik wenn sie seiner gewahr wurden. Auch die Menschen stoben auseinander wie erschrockenes Federvieh, wenn er sich in ihre Nähe wagte. Wenn er auftauchte, erntete er schreckgeweitete Augen, Panik und lächerliche Versuche der Flucht. Flüchten konnte man vor ihm nicht. Nicht wenn er beschlossen hatte zu töten. Nicht wenn seine Hunger ihn trieb. Jene, die ihm entkamen, entkamen nur, weil er sich nicht für sie interessierte.
Aber er hatte keine Lust mehr sich wie der Fuchs im Hühnerstall zu fühlen. Er hasste die Angst, die er verbreitete. Er hasste seine eigne Perfektion. Er machte einen weiteren Schritt nach vorne und noch mehr Steine lösten sich unter seinen Sohlen und polterten in die Tiefe. Sein rechter Fuß begann zu rutschen, er spürte wie der Boden unter ihm endgültig nachgab und wie der Abgrund ihn anzog. Mit ausgebreiteten Armen ergab er sich der Schwerkraft. Er stürzte.
Und für den kurzen Augenblick, den er vollkommen frei in der Luft schwebte, fühlte er sich glücklich. Er schloss die Augen und ergab sich dem Fall. Seine Haare umwehten ihn und sein Mantel blähte sich wie ein Segel. Er stürzte in die Tiefe, er folgte den Steinen. Aber im Gegensatz zu ihnen zerschellte er nicht am Boden. Wie selbstverständlich landete er auf den Füßen und ein weitere Schrei entfuhr ihm. Wut, Verzweiflung, Selbsthass. Er schrie, wie er jedes Mal schrie, wenn er wieder in der Realität angekommen war. Es gab für ihn kein Entrinnen aus seinem Dasein. Es gab für ihn nur den kurzen Moment des Glücks während des Falles. Die Illusion, dass es gleich zu Ende sein würde, dass es gleich vorbei war.
Nicht umsonst stand er jede Nacht am Abgrund und sprang. Er sprang in sein lächerliches, kurzes Glück und kam doch immer wieder hart auf dem Boden der Tatsachen auf. Er rappelte sich auf, strich sich die Haare aus dem Gesicht und verschmolz mit der Nacht. Morgen würde er wieder oben am Felsvorsprung stehen. Morgen, übermorgen. Jede verdammte Nacht seines unendlichen Lebens.
Er riss die Arme in die Höhe und schrie erneut. Er schrie sich die ganze Wut von der Seele. Beziehungsweise von jenem ekelhaften Klumpen aus Gier und Mordsucht, der einmal seine Seele gewesen war. Er machte einen Schritt nach vorne. Die Steine unter seinen Stiefeln knirschten. Einige kamen ins Rutschen und suchten sich mit lautem Klacken einen Weg in die Tiefe.
Er sah ihnen nach und wünschte sich gemeinsam mit den kleinen, kalten Brocken im Nichts verschwinden zu können. Kalt und hart wie die Steine war er ja schon. Nur war es ihm nicht vergönnt mit dieser Leichtigkeit einfach den Abgrund hinunter zu stürzen. Er war dazu verdammt immer und immer wieder aufzustehen, auch wenn er am liebsten zu Staub zerbröselt wäre wie die kleinen Felsen, die nach ihrem Flug in die Tiefe hart aufschlugen und in tausend kleine Teile zersprangen. Er wollte ebenfalls zerspringen. In tausende Teile. Zu Staub zerfallen. Aber er konnte nicht.
Ein weiterer Schrei brach aus seiner Kehle und hallte finster und unheimlich durch die Nacht. Einige Vögel in den Bäumen über seinem Kopf flatterten erschrocken auf und er schickte ihrem hektischen Flügelschlagen ein grimmiges Knurren hinterher. Angst verbreiten konnte er gut. Sehr gut sogar. Nicht nur Vögel verfielen in Hektik wenn sie seiner gewahr wurden. Auch die Menschen stoben auseinander wie erschrockenes Federvieh, wenn er sich in ihre Nähe wagte. Wenn er auftauchte, erntete er schreckgeweitete Augen, Panik und lächerliche Versuche der Flucht. Flüchten konnte man vor ihm nicht. Nicht wenn er beschlossen hatte zu töten. Nicht wenn seine Hunger ihn trieb. Jene, die ihm entkamen, entkamen nur, weil er sich nicht für sie interessierte.
Aber er hatte keine Lust mehr sich wie der Fuchs im Hühnerstall zu fühlen. Er hasste die Angst, die er verbreitete. Er hasste seine eigne Perfektion. Er machte einen weiteren Schritt nach vorne und noch mehr Steine lösten sich unter seinen Sohlen und polterten in die Tiefe. Sein rechter Fuß begann zu rutschen, er spürte wie der Boden unter ihm endgültig nachgab und wie der Abgrund ihn anzog. Mit ausgebreiteten Armen ergab er sich der Schwerkraft. Er stürzte.
Und für den kurzen Augenblick, den er vollkommen frei in der Luft schwebte, fühlte er sich glücklich. Er schloss die Augen und ergab sich dem Fall. Seine Haare umwehten ihn und sein Mantel blähte sich wie ein Segel. Er stürzte in die Tiefe, er folgte den Steinen. Aber im Gegensatz zu ihnen zerschellte er nicht am Boden. Wie selbstverständlich landete er auf den Füßen und ein weitere Schrei entfuhr ihm. Wut, Verzweiflung, Selbsthass. Er schrie, wie er jedes Mal schrie, wenn er wieder in der Realität angekommen war. Es gab für ihn kein Entrinnen aus seinem Dasein. Es gab für ihn nur den kurzen Moment des Glücks während des Falles. Die Illusion, dass es gleich zu Ende sein würde, dass es gleich vorbei war.
Nicht umsonst stand er jede Nacht am Abgrund und sprang. Er sprang in sein lächerliches, kurzes Glück und kam doch immer wieder hart auf dem Boden der Tatsachen auf. Er rappelte sich auf, strich sich die Haare aus dem Gesicht und verschmolz mit der Nacht. Morgen würde er wieder oben am Felsvorsprung stehen. Morgen, übermorgen. Jede verdammte Nacht seines unendlichen Lebens.