Ich bin ja persönlich der Meinung (bitte dafür nicht schlagen), dass von anderen Menschen wahnsinnig viel Leistungsdruck auf Hundebesitzer kommt. Deshalb ist es auch schwer - bei all diesen Ratgebern so selbstsicher zu sein um zu sagen - schieb ich mal alles weg - ich habe das schon mal gemacht, ich kann das und lebe dann auch mit den resultierenden Konsequenzen. Ich sehe es immer bei unseren Nachbarn, was - der Hund darf noch gar nicht frei laufen (der hund war die ersten 14 monate nicht bei uns- warum sollte ich einen Hund der sich noch nicht an mich gebunden hat - frei laufen lassen - damit ich ihn nachjagen kann, weil ernst nehmen tut er mich ja dann auch nicht). Ein Hund muss, Sitz, platz, aus (und vor 10 Jahren noch Fass) können. Mein Hund muss in die Hundeschule (tschuldigung ich habe seit über 35 Jahre Hunde), der ist 14 Monate alt, der muss zum Agility (dafür ist er aber noch zu jung - Knochenweise), der muss fährte, Jagdprüfung, er muss etwas "beweisbares" haben, damit der Besitzer zeigen kann - seht her, mein Hund - seine Auszeichnungen, ich bin stolz auf (mich)ihn und mich. Die einen hängen sich Marathonmedaillien um den Hals, die anderen die hundeschleiferln.
Es kommt mir manchmal vor als wäre der heutigen Hund, gleichgesetzt mit dem Kind. Das Kind muss mit 2 Jahren schwimmen können, mit 3 Jahren ohne Stützen Radfahren können und wenn es mit 12 noch kein Abi hat - ist es Minderbemittelt. Im Fernsehen sieht man den Kommissar Rex, Dogdance-Legende Falco oder Drogenspür und Polizeihunde... ja, mein Hund soll das bitte auch können, ich investiere 1 Stunde Zeit pro Tag (mit füttern und gassi gehen - gehen sich noch 5 Minuten training aus). Nein, ein Hund will grundsätzlich gefallen, der will lernen und der will auch seinem Besitzer zeigen, dass dieser stolz auf ihn sein kann. Also erlernt er Kunststücke auch Selbstständig und ohne viel Zwang. Man muss natürlich etwas nachhelfen, und vor allem Konsequent bleiben. Aber es ist nun nicht so - dass der Mensch sein Wissen mit dem Rohrstock in den Hund hineinprügeln muss, weil der Hund sonst "blöd" wird, sich "niederen Trieben ergibt", oder den ganzen Tag nur schlafen würde...
Die Hunde erlernen sehr viel im Spiel und durch ausprobieren. Das können Menschen die mit Druck arbeiten nicht fördern. Entspannung - auf beiden Seiten - dann klappt es auch mit einem ganz tollen hund (kommissar rex braucht auch keiner - der hat wahrscheinlich längst HD).
Wie sozialisiert ein Hund ist - ist immer ein Glückstreffer, meine 14 jährige war z.b. in einer Pflegefamilie in Rudelhaltung (da waren von 19 jährigen bis hin zu 1 jährigen Hunden alles dabei). Mein Hund kann und konnte mit jedermann Hund. Egal ob Soka, Beagle, Windhund oder Hütehund... Den Hund brauchte man nicht an der Leine führen - der machte alles selbstständig... irgendwann musste man ihn einsammeln um ihn ins Auto zu bringen. Mein jetziger Hund - sozialkontakt im ersten Jahr gleich 0, (da er ein sehr präpotentes auftreten hatte und die besitzer ihn bestenfalls weggezerrt haben - oder er hats mit den Besitzern gemacht). Binnen 6 Wochen hat er sein Sozialverhalten perfektioniert, es gibt mittlerweile nur 1 Hund mit dem er nicht kann (und da war es die Schuld meiner Freundin, die ihren Labi obwohl meiner ihren Hund angestarrt hat nicht an die Leine genommen hat, ihrer hat meinen Erwischt, ist auf ihn aufgeritten - hat ihn gezwickt und den armen - in der ersten Woche bei uns Hund von der Leine genommen - damit dieser flüchten kann. Den mag er bis dato nicht). Lernen muss er noch - achtsamer zu sein, die kleinen haben vor ihm Angst und signalisieren das auch - blöderweise kriegt er die Angst zwar mit - und muss nachsehen gehen wovor sie sich fürchten (ah so. die fürchten sich ja vor mir...). Er hat ja einen lieben Charakter und will auch andere Hunde beschützen.
Ich arbeite mit dem Grundprinzip: welpenzeit geniessen bis sie 9 Monate alt sind, dann kommen sie in die Pupertät, da kann man wissen hineinbuttern was geht - das geht bei einem Ohr rein - und beim anderen wieder raus - zwischendurch dank leckerli bleibt was kleben (das hat nichts mit gehorsam zu tun - sondern ist ganz einfach so) , und irgendwann mit 3 sind das dann meist Hunde die man sich so halbwegs aufgebaut hat, die können denken, arbeiten und sind auch willig. bis 6 Jahre perfektioniert sich das ganze dann und ab dann heisst es - den Wissenstand am besten halten und geniessen, geniessen und nochmals geniessen.