Hallo Fritz,
Du sprichst da einen Trend an, den ich schon seit vielen Jahren mit Misstrauen beäuge. Liest man sich durch Fachforen, scheint es inzwischen unmöglich, ein Aquarium zu betreiben, ohne danebenstehende Armada aus Osmoseanlage, UV-Filter, Hightech-Beleuchtung mit App-Steuerung, CO2-Anlage, elektronischer Werteüberwachung und digitalisierter Düngung, zusammen mit dutzenden an Pülverchen, Wässerchen, Puddings und anderen Chemiecocktails. Aquaristik wirkt gelegentlich komplizierter als der Betrieb eines Atomreaktors. Für mich eine unzumutbare Entwicklung.
Ich betreibe aktive Aquaristik nunmehr seit ziemlich exakt 25 Jahren. Zur Zeit betreibe ich 7 Aquarien und bin eine Freundin des Lowtech. Filterung und Beleuchtung - das wars. Ich habe meine Aquaristik dahingehend optimiert, dass das gesamte Biotop mit dem auskommt, was meine Minimalistik hergibt. Das bedeutet, dass alle Pflanzen und Tiere mit meinem Leitungswasser leben können müssen, sowie keine gesteigerten Ansprüche an irgendwas haben dürfen. Freilich schränkt mich das in der Auswahl ein, aber ich bin mit meiner Art Aquaristik sehr zufrieden. Der einzige technische Luxus, den ich mir geleistet habe, ist eine Klimaanlage fürs Aquarienzimmer und einige PC-Ventilatoren, damit ich in den Sommermonaten eine anständige Temperatur in den Becken habe.
Ich dünge nach dem Estimate Index Prinzip, mehr Pi mal Daumen als nach Messwerten, denn Messreagenzien besitze ich seit Jahren nicht mehr. Statt zu messen, nutze ich Pflanzen als Indikatoren, was fehlt oder zu viel vorhanden ist, und passe meine Pflege an. Medikamente nutze ich ebenfalls lieber aus Mutter Naturs Küche, es gibt kaum etwas, was sich damit nicht beheben oder vorbeugen lässt. Ich achte auf eine maximale Passung zwischen allen Bewohnern, sodass die Bedürfnisse des einen im Idealfall durch Eigenschaften anderer befriedigt werden. Und im Endeffekt zeigen mir Tiere und Pflanzen sehr genau an, was ihnen fehlt, was sie benötigen, und welche direkten und indirekten Auswirkungen meine Pflege hat. Man kann durch Beobachtung viel interpretieren und dementsprechend handeln, ohne ein wissenschaftliches Labor im Nebenzimmer zu betreiben.
Welche Fische und Pflanzen können auch ohne jegliche Technik und Pflege gedeihen ? Oder ist dieses nicht möglich ?
Theoretisch ist das möglich. Sonnen- und Tageslicht kann u.U. als Beleuchtung ausreichen, und filterloser Betrieb ist auch möglich, aber nicht jedermanns Sache und nicht ganz einfach. Viele Aquarianer die ich kenne, betreiben die ein oder andere Vase auf dem Fensterbrett. Dazu braucht es aber schon mehr als grundlegende Kenntnisse über die Vorgänge in einem Biotop.
Was ist aber tatsächlich notwendig um ein gutes biologisches Gleichgewicht in einem Aquarium zu halten ?
Ich behaupte, das Gelingen eines AQs steht und fällt zu 90% mit einem intakten Biofilm. Steht die Mikroflora nicht geschlossen wie eine Armee dahinter, ist alles zum Scheitern verurteilt.