Hallo FH04,
Amber hat alles Fachliche oben ja schon erklärt und verlinkt.
Knipsen - gerade der Schneidezähne - ist heute unter den ausgebildeten Nager- und Kaninchentierärzten wirklich kein Thema mehr. Die Zähne der Degus kannst Du Dir in etwa so vorstellen, dass sich hier in der Länge (vertikal) einige sehr sehr harte Schichten ziehen und dazwischen weichere (so kommen dann auch die sogenannten Zahnspitzen zustande, die als rasiermesserscharfe Reste beim ungleichmäßigen Abkauen stehenbleiben und den Degus die Zunge oder die Backe aufstechen. Bei jedem Biss. Oder die Brücken, die sich leider bei lange unbehandelten Tieren auch über die Zunge legen bis sie irgendwann nicht einmal mehr Brei fressen können. Das sind dann die härteren Teile ("Schmelzfalten"), die leider immer mehr ein Eigenleben entfalten, wenn die Backenzähne eben mal außer Form geraten sind und nicht mehr wie Mühlsteine aufeinander durch eine überwiegende Vor-/Rückbewegung glatt alles abmahlen. Geknipst wird allenfalls hinten in der Not auch mal, wenn man gar nicht mehr mit dem rotierenden Instrument Dremel drankommt).
Ok und eben
durch diese vertikal verlaufenden harten Teile kommt es zu diesen fatalen Haarrissen, die sich bis nach unten ziehen und dann das Einfalltor für Bakterien werden. Welche dann die unbehandelt tödlich endenden Kieferabszesse auslösen.
Bei den Schneidezähnen ist das nochmal fieser mit dem Knipsen, denn diese sind aus verschiedenen Schichten bestehende Hohlröhren: rundum eine spröde Außenwand, der zweite Ringe eine superarte/knochenähnliche Substanz, dann ein letzter weicher Innenring, dann hohl/nichts. Wenn man sie knipst, geht das nie ohne Rosse und Splitterungen - die Frage ist einzig, wie gravierend die Schäden sind.
Anschaulich vorstelln kann man sich das, wenn man versucht, mit den angepriesenen Superscheren ein Röhrchen aus richtig hartem Plastik zu schneiden: Das geht einfach nicht gut aus für das Röhrchen. Um möglichst sauber zu operieren, müsste man das Röhrchen eben mit einem kleinen sehr harten rotierenden Schleifgerät von oben runterschleifen. Das hat sich eben in der Zahnbehandlung bei Degus, CHinchillas, Meerscheichen und Kaninchen als das Beste herausgestellt. (HIer auf der Meerschweinchenseite kannst Du auch viel Vegrleichbares finden. Auch wenn die Kauflächen etwas anders stehen bei Meerscheinchen, sind die Proleme und Lösungen fast immer die gleichen. (Nur Makrodonte sind seltener beim Degu).
Zahnerkrankungen – Meerschweinchen-Info
Eine Zahnsanierung kann man wirklich nicht selber machen - das ist Tierquälerei und geht nich gut aus. Die Mäulchen sind so dermaßen klein, dass man schon in Narkose kaum gut weiter hinten einsheen und arbeiten kann.
Der Degu muss in eine gut verträgliche Narkose, damir der Tierarzt gut und in Ruhe arbeiten kann und der Kleine sich nicht gleich durch den Maulspreizer den Kiefer bricht. Der Tierarzt muss das können und die entsprechenden Geräte haben. Das ist leider keine Do-it-yourself -Sache ( in die Zeiten, in denen uns beim Schmied wach Zähne gezogen wurden oder wach Amputationen vorgenommen werden, wollen wir ja auch nicht zurück -oder?).
Bitte auch aufgrund Ambers Kommentar mit den Schneidezähnen nicht versuchen, diese selber zu ziehen! Diese reichen beim Degu sehr lang in den Kiefer rein und wenn sie nicht aus irgendeinem Grund schon wackeln, werden meiner Erfahrung nach die TÄ auch hier sagen, dass sie die beim Degu
nicht ziehen, da die CHance auf eine Komplikation direkt oder im Heilungsprozess sehr hoch ist. Bricht der Zahn beim Rütteln und Rummurksen, wächst er sowieso nach....
In der Regel ist das Ziehen der Scheidezähne auch nicht nötig.
Erfahrungsgemäß liegt das Problem eben zu 99% darin,d ass die Backenzähne hinten bereits längst eine viel zulange und völlig verwachsene Baustelllen sind. Das muss erst einmal regelmäßig links und rechts begradigt und oben glat runtergeschiffen werden
. Wenn man das regelmäßig macht, dazu richtig ernährt, eine UV B Lampe anschafft - und für den Start auch einmal eine mehrwöchige Kur mit einem Multivtiamin-Mneral-Spurenelemente-Präparat macht (ZB Korvimin oder Mispusan Ida Plus) - können sich viele erworbene Fehlstellungen und wackelnde Zähne wieder beheben lassen. Wenn nicht gerade retrogrades Zahnwachstum die Ursache ist oder eine angeborene Fehlstellung (letzteres führt aber weit früher zu Problemen).
Ganz wichtig in Deinem Fall auch: Sehr oft sind Entzündungen an den Zahnwurzeln die Ursache für eine Entfärbung oder eine solche Stellungsveränderung. Dein Degu braucht also möglicherweise nicht nur mechanisch Hilfe, damit Wunden heilen, das Mäulchen wieder richtig schließbar ist und der Zahnabrieb durch eine korrigierte Fläche hinten wieder möglich - sondern ein passendes
Antibiotikum und Schmerzmittel . Bitte also unbedingt zum Tierarzt fahren. Mit einer guten Transportbox, Schutzhäuschen und genug Futter ist auch eine mehrstüdige Fahrt kein Problem für die Degus.
Die längeren Fahrten zum Tierarzt sind auch hierzulande deshalb notwendig leider. Auch wenn Du vermutlich weit fahren musst, um überhaupt einen leidlich guten Tierarzt zu finden, der schon mal Nagerzähne behandelt hat. Wir suchen im guten Stundenumkreis nach möglichst guten TÄ.