Ich bin - wie ja viele hier - entschieden
gegen eine Frühkastration. Der Hund kann sich nicht nur seelisch/psychisch nicht entwickeln, nicht richtig erwachsen werden, sondern Hunde brauchen die Sexualhormone auch für das Skelettwachstum. Probleme mit den Knochen oder Gelenken bei frühkastrierten Hunden sind nicht ausgeschlossen! Dann gibt es (vor allem bei großen Hündinnen) noch das Risiko der Inkontinenz im Alter.
Die Amerikaner machen diese Frühkastrationen auch, weil die Hunde dann was Kindliches behalten und ein weicheres Fell (Welpenfell eben), aber das dürfte
niemals ein Grund sein!
Die Kastration ist ein entscheidender körperlicher Eingriff. So eine OP und die damit verbundene Verletzung des Tieres sollte niemals einfach aus Bequemlichkeit erfolgen, (weil einem die Läufigkeiten nervig sind, oder ähnliches) sondern nur, wenn es aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist, also z.B. bei ständiger Scheinträchtigkeit, oder wenn die Gefahr, dass die Hündin ungewollt gedeckt wird, allzu groß ist, aus was für Gründen auch immer.
Ich kann Euch nur die Lektüre des folgenden Artikels nahelegen:
http://www.homoeotherapie.de/tiergesundheit/kastration/kastration.html
Hier werden einige Zahlen und Erkenntnisse aus der Bielefelder Kastrationsstudie von Dr. Gabriele Niepel zitiert. Hiernach ist es keineswegs so, dass intakte (also nicht kastrierte) Hunde eine kürzere Lebenserwartung hätten als kastrierte Tiere, sondern eher
im Gegenteil! Im Artikel werden einige gesundheitliche Störungen aufgezählt, an denen kastrierte Hündinnen häufiger erkranken als nicht kastrierte Hündinnen.
Meine beiden Hündinnen sind nicht kastriert. Bei der älteren (sie ist jetzt sechs Jahre alt), waren die Läufigkeiten immer unkompliziert, und sie gehorcht auch in diesen Tagen gut. Sie ist gesund, nie scheinträchtig gewesen, und Kastration kam darum nie infrage. Die Kleinere ist als Junghund manchmal ausgebüxt, deshalb hatte ich die Kastration eine Zeitlang erwogen. Aber die zweite Läufigkeit war nun schon erheblich einfacher als die erste, der Grundgehorsam besser und ich hatte sie halt immer an der langen Leine. Ich muss einfach gut auf sie aufpassen während der kritischen Tage. Und nun erfahre ich, wie schön es ist, dass sie erwachsener werden konnte. Sie war als Junghund so huschig und wuselig! Man stelle sich vor, ich hätte
immer so einen "kindischen", wuseligen und oft auch unsicheren Hund gehabt, vierzehn Jahre lang! :eusa_eh: Jetzt ist sie insgesamt ruhiger geworden, weiblicher, besonnener, und das Arbeiten mit ihr ist richtig schön geworden!
Ich finde nicht, dass irgendein Grund, der nicht mit der Gesundheit des Hundes zu tun hat, ausschlaggebend sein darf, so einen Eingriff vorzunehmen und so in das Leben und die Entwicklung des Tieres einzugreifen - schon gar keine Gründe wie Bequemlichkeit oder Egoismus! Echte Indikationen für eine Kastration sind im o.g. Artikel auch genannt.
Es gibt Leute, die sagen, die Läufigkeiten seien für die Hündinnen Stress, man könne ihnen das doch ersparen. Aber was ist mit dem Stress von Hündinnen, die ständig von anderen Hunden angezickt oder gar bestiegen werden, weil sie geruchsneutral sind und vor allem - keine Persönlichkeit entwickeln konnten? :roll: