- Viva la Revolution Beitrag #1
Mike1024
- Beiträge
- 24
- Punkte Reaktionen
- 0
Viva la Revolution
Katzen, so wissen wir, sind an Weltanschauungen und Ideologien nicht interessiert.
Obwohl ich manchmal denke, dass da einiges besser laufen würde, wenn eine Samtpfote als Kanzlerin anstelle von...
Aber lassen wir das.
Noch nie hat sich eine Fellnase sich für dererlei Dinge interessiert.
Warum auch, diese Dinge sind, so scheint’s, absolut menschlich.
Bei Miezka allerdings kommen mir in letzter Zeit leichte Zweifel.
*
Nach dem Ärger mit dem nächtlichen Besuch der Polizei und dem Gerede der Nachbarn beschloss ich, einfach einige Tage wegzufahren.
Meine Wahl fiel auf Uwe, ein alter Freunde von mir.
Einfach mal wieder eine gute Unterhaltung bei ein paar Bieren.
Er hat seit einiger Zeit auch eine Katze, Josephine.
In ihrem Tierpass ist Josephine Mutzenbacher eingetragen.
Über die Hintergründe dieser Namensgebung möchte ich mich hier lieber nicht auslassen.
Miezka kommt natürlich auch mit.
Das Katzenkörbchen wird eingepackt und dazu ein paar Spielsachen für Miezka.
Unter anderem ihr Lieblingsspielzeug: Jenes Hightechprodukt, das imstande ist, einen intensiven roten Punkt auf jeden beliebige Oberfläche zu werfen.
Genau, den Laserpointer.
Miezka ist ganz verrückt danach.
Wir unterhalten uns über Gott und die Welt, Josephine und Miezka kennen sich und nach anfänglichen Schwierigkeiten vertragen sie sich recht gut.
Sie begrüssen sich erst mal.
Nach einiger Zeit hat sich Josephine zurückgezogen und döst auf einem Sessel vor sich hin.
Miezka unterzieht derweil die Wohnungseinrichtung einer intensiven Begutachtung.
Uwe hat mehrere Poster an der Wand, unter anderem eines der berühmtesten Fotos der Welt.
Es zeigt, schwarz auf rotem Grund, in stilisierter Form das Konterfrei des Commandante Ernesto „Che“ Guevara.
Uwe hat das nicht etwa an der Wand hängen, weil er rot angehaucht wäre, er findet es einfach nur cool.
Er ist nicht politisch engagiert und war bis vor einiger Zeit sogar der Meinung, dass Che ein kolumbianischer Drogenbaron gewesen wäre.
Man kann zum Commandante stehen wie man will, aber in fotografischer Hinsicht ist das Bild einfach perfekt.
Licht, Gesichtsausdruck, Perspektive, alles stimmt.
Plötzlich: „Miau!“
Josephine faulenzt und Miezka kommt mit der Betteltour.
Also schön, ich habe Katzensticks dabei, du kannst eins haben.
„Miau!“
Was, kein Interesse?
Uwe versucht’s auch, aber Miezka steht heute irgendwie nicht auf Leckerlies.
Die Mutzenbacherin dafür um so mehr.
Mit einem Satz ist sie auf Uwe’s Schoss und hat sich das Häppchen geholt.
Jetzt ist aber Miezka auch auf den schmackhaften Stick scharf.
Unverschämte Frechheit, einem das beste Stück einfach vor der Nase wegzuschnappen.
Warum schreitet Dosi da nicht ein?
Mit einem Sprung ist sie bei Uwe und die beiden Fellnasen fauchen sich an.
Uwe verschüttet fast sein Bier bei der Aktion.
Und weiter geht’s im eifersüchtigen Gezerfe der beiden Haustiger.
Dieses nimmt nach einigen Sekunden fast den Status eines Kriegszustandes ein.
Beide werden erst mal auf den Boden gesetzt, wo die Fauch- und Maunzorgie ihren Fortgang nimmt.
Pfoten werden drohend erhoben und die Krallen gezeigt.
Aus mit Friede, Freude, Eierkuchen.
Ein gewisses Eingreifen der Dosis ist jetzt dringenst angesagt.
Aber wie?
Man muss die Beiden anderweitig beschäftigen.
Mal sehen.
In der Reisetasche ist der Laserpointer, der sollte doch für Ablenkung sorgen können.
Also wird das Produkt der fernöstlichen Halbleiterindustrie hervorgeholt.
Und tatsächlich wenden sich sofort alle vier Katzenaugen dem wandernden roten Spielzeug zu, ungeachtet der Tatsache, dass zumindest Miezka weiss, dass der niemals zwischen die Krallen zu bekommen ist.
Josephine und Miezka hechten gemeinsam dem nicht greifbaren Spielzeug nach.
Quer durchs Zimmer, hin und wieder zurück.
Jetzt will aber Uwe das auch mal versuchen.
Er lässt den Punkt mehrmals am Boden hin und her wandern.
Zwei Katzen auf acht Pfoten hinterher wie der Teufel nach der armen Seele.
Dann ein Stück die Wand hoch und wieder zurück.
Die beiden springen an der Wand hoch.
Sieht schon irgendwie lustig aus.
Jetzt ist der Punkt auf dem Sideboard und wandert von dort in Richtung des besagten Posters.
Dort verharrt er.
Miezka von Tisch auf das Sidebord, das ist eins.
Und dann mit vollem Schwung am Poster hoch.
Die Folgen sind fatal.
Denn leider ist so ein Poster nicht dazu geeignet, messerscharfen Katzenkrallen standzuhalten.
Der Commandante sieht jetzt etwas zerfetzt aus.
Bevor jemand von uns aufstehen und Miezka herunterholen kann, hat die schon zum nächsten Sprung auf den jetzt nicht mehr vorhandenen Punkt angesetzt und Che bekommt einen weiteren Schmiss direkt durch seinen revolutionären Bart.
Könnte eigentlich direkt als Kunst durchgehen.
Jetzt hab ich Miezka im Griff und schimpfe mit ihr.
Beleidigt legt sie sich unter den Tisch, von Josephine misstrauisch beäugt.
Natürlich entschuldige ich mich bei Uwe, mit dem Versprechen, ein neues Poster aufzutreiben.
Die Aufregung hat sich gelegt und alles scheint wieder im Lot zu sein.
Und nach einiger Zeit und einem weiteren Bier achtet niemand mehr auf die beiden Katzendamen.
Eine der Beiden, nämlich die rote Miezka; ist ganz vorsichtig auf das Sideboard gesprungen und fängt an, mit den herunterhängenden Papierfetzen des Posters zu spielen.
Anscheinend hat sie ein Faible für den verstorbenen Revolutionär.
Nur bekommt das besagtem Revolutionär nicht besonders.
Sein Bildnis ähnelt jetzt mehr einer Picassoskulptur.
Auch ganz interessant.
Nicht desto trotz muss sie da runter.
Das Poster auch, es ist sowieso hinüber.
Also nimmt Uwe es von der Wand, rollt die Reste zusammen und legt es auf den Tisch.
Aber Miezka gibt sich nicht zufrieden damit, sie fängt an mit dem aufgerollten Che zu spielen, welcher sich dadurch in weitere Einzelteile zerlegt..
Scheinbar ist sie doch ein grosser Fan von ihm.
Soll sie, in diesem Land herrscht nach dem Gesetz Meinungsfreiheit.
Sie muss mir nur den Text zukommen lassen, den ich auf ihre Plakate schreiben soll, wenn sie mal auf einer Demo mitmarschiert.
Katzen, so wissen wir, sind an Weltanschauungen und Ideologien nicht interessiert.
Obwohl ich manchmal denke, dass da einiges besser laufen würde, wenn eine Samtpfote als Kanzlerin anstelle von...
Aber lassen wir das.
Noch nie hat sich eine Fellnase sich für dererlei Dinge interessiert.
Warum auch, diese Dinge sind, so scheint’s, absolut menschlich.
Bei Miezka allerdings kommen mir in letzter Zeit leichte Zweifel.
*
Nach dem Ärger mit dem nächtlichen Besuch der Polizei und dem Gerede der Nachbarn beschloss ich, einfach einige Tage wegzufahren.
Meine Wahl fiel auf Uwe, ein alter Freunde von mir.
Einfach mal wieder eine gute Unterhaltung bei ein paar Bieren.
Er hat seit einiger Zeit auch eine Katze, Josephine.
In ihrem Tierpass ist Josephine Mutzenbacher eingetragen.
Über die Hintergründe dieser Namensgebung möchte ich mich hier lieber nicht auslassen.
Miezka kommt natürlich auch mit.
Das Katzenkörbchen wird eingepackt und dazu ein paar Spielsachen für Miezka.
Unter anderem ihr Lieblingsspielzeug: Jenes Hightechprodukt, das imstande ist, einen intensiven roten Punkt auf jeden beliebige Oberfläche zu werfen.
Genau, den Laserpointer.
Miezka ist ganz verrückt danach.
Wir unterhalten uns über Gott und die Welt, Josephine und Miezka kennen sich und nach anfänglichen Schwierigkeiten vertragen sie sich recht gut.
Sie begrüssen sich erst mal.
Nach einiger Zeit hat sich Josephine zurückgezogen und döst auf einem Sessel vor sich hin.
Miezka unterzieht derweil die Wohnungseinrichtung einer intensiven Begutachtung.
Uwe hat mehrere Poster an der Wand, unter anderem eines der berühmtesten Fotos der Welt.
Es zeigt, schwarz auf rotem Grund, in stilisierter Form das Konterfrei des Commandante Ernesto „Che“ Guevara.
Uwe hat das nicht etwa an der Wand hängen, weil er rot angehaucht wäre, er findet es einfach nur cool.
Er ist nicht politisch engagiert und war bis vor einiger Zeit sogar der Meinung, dass Che ein kolumbianischer Drogenbaron gewesen wäre.
Man kann zum Commandante stehen wie man will, aber in fotografischer Hinsicht ist das Bild einfach perfekt.
Licht, Gesichtsausdruck, Perspektive, alles stimmt.
Plötzlich: „Miau!“
Josephine faulenzt und Miezka kommt mit der Betteltour.
Also schön, ich habe Katzensticks dabei, du kannst eins haben.
„Miau!“
Was, kein Interesse?
Uwe versucht’s auch, aber Miezka steht heute irgendwie nicht auf Leckerlies.
Die Mutzenbacherin dafür um so mehr.
Mit einem Satz ist sie auf Uwe’s Schoss und hat sich das Häppchen geholt.
Jetzt ist aber Miezka auch auf den schmackhaften Stick scharf.
Unverschämte Frechheit, einem das beste Stück einfach vor der Nase wegzuschnappen.
Warum schreitet Dosi da nicht ein?
Mit einem Sprung ist sie bei Uwe und die beiden Fellnasen fauchen sich an.
Uwe verschüttet fast sein Bier bei der Aktion.
Und weiter geht’s im eifersüchtigen Gezerfe der beiden Haustiger.
Dieses nimmt nach einigen Sekunden fast den Status eines Kriegszustandes ein.
Beide werden erst mal auf den Boden gesetzt, wo die Fauch- und Maunzorgie ihren Fortgang nimmt.
Pfoten werden drohend erhoben und die Krallen gezeigt.
Aus mit Friede, Freude, Eierkuchen.
Ein gewisses Eingreifen der Dosis ist jetzt dringenst angesagt.
Aber wie?
Man muss die Beiden anderweitig beschäftigen.
Mal sehen.
In der Reisetasche ist der Laserpointer, der sollte doch für Ablenkung sorgen können.
Also wird das Produkt der fernöstlichen Halbleiterindustrie hervorgeholt.
Und tatsächlich wenden sich sofort alle vier Katzenaugen dem wandernden roten Spielzeug zu, ungeachtet der Tatsache, dass zumindest Miezka weiss, dass der niemals zwischen die Krallen zu bekommen ist.
Josephine und Miezka hechten gemeinsam dem nicht greifbaren Spielzeug nach.
Quer durchs Zimmer, hin und wieder zurück.
Jetzt will aber Uwe das auch mal versuchen.
Er lässt den Punkt mehrmals am Boden hin und her wandern.
Zwei Katzen auf acht Pfoten hinterher wie der Teufel nach der armen Seele.
Dann ein Stück die Wand hoch und wieder zurück.
Die beiden springen an der Wand hoch.
Sieht schon irgendwie lustig aus.
Jetzt ist der Punkt auf dem Sideboard und wandert von dort in Richtung des besagten Posters.
Dort verharrt er.
Miezka von Tisch auf das Sidebord, das ist eins.
Und dann mit vollem Schwung am Poster hoch.
Die Folgen sind fatal.
Denn leider ist so ein Poster nicht dazu geeignet, messerscharfen Katzenkrallen standzuhalten.
Der Commandante sieht jetzt etwas zerfetzt aus.
Bevor jemand von uns aufstehen und Miezka herunterholen kann, hat die schon zum nächsten Sprung auf den jetzt nicht mehr vorhandenen Punkt angesetzt und Che bekommt einen weiteren Schmiss direkt durch seinen revolutionären Bart.
Könnte eigentlich direkt als Kunst durchgehen.
Jetzt hab ich Miezka im Griff und schimpfe mit ihr.
Beleidigt legt sie sich unter den Tisch, von Josephine misstrauisch beäugt.
Natürlich entschuldige ich mich bei Uwe, mit dem Versprechen, ein neues Poster aufzutreiben.
Die Aufregung hat sich gelegt und alles scheint wieder im Lot zu sein.
Und nach einiger Zeit und einem weiteren Bier achtet niemand mehr auf die beiden Katzendamen.
Eine der Beiden, nämlich die rote Miezka; ist ganz vorsichtig auf das Sideboard gesprungen und fängt an, mit den herunterhängenden Papierfetzen des Posters zu spielen.
Anscheinend hat sie ein Faible für den verstorbenen Revolutionär.
Nur bekommt das besagtem Revolutionär nicht besonders.
Sein Bildnis ähnelt jetzt mehr einer Picassoskulptur.
Auch ganz interessant.
Nicht desto trotz muss sie da runter.
Das Poster auch, es ist sowieso hinüber.
Also nimmt Uwe es von der Wand, rollt die Reste zusammen und legt es auf den Tisch.
Aber Miezka gibt sich nicht zufrieden damit, sie fängt an mit dem aufgerollten Che zu spielen, welcher sich dadurch in weitere Einzelteile zerlegt..
Scheinbar ist sie doch ein grosser Fan von ihm.
Soll sie, in diesem Land herrscht nach dem Gesetz Meinungsfreiheit.
Sie muss mir nur den Text zukommen lassen, den ich auf ihre Plakate schreiben soll, wenn sie mal auf einer Demo mitmarschiert.