Kaninchen sind von Natur aus Frischköstler. Sie bevorzugen frische Gräser, Kräuter und andere grüne Pflanzenteile. Diese Nahrung ist sehr reich an Wasser, weshalb Kaninchen den Großteil ihres Wasserbedarfs über die Nahrung decken. Bei einer Ernährung mit Trockenfutter ist dies nicht möglich, der Wasserbedarf wird nicht durch zusätzliches Trinken ausgeglichen, wodurch es zu vielfältigen Problemen kommen kann. Das Hauptfutter eines Kaninchens sollte daher immer Frischkost sein.
Nun ist Trockenfutter aber nicht gleich Trockenfutter. Heu, also getrocknete Gräser und Kräuter, sollten immer zur freien Verfügung stehen. Getrocknete Kräuter in geringen Mengen sind eine sinnvolle Ergänzung.
Handelsübliches Fertigfutter besteht aber aus weit mehr. Verwendet werden vor allem billige Komponenten wie Luzerne und Weizen, welche für Kaninchen besonders in solcher Zusammensetzung völlig ungeeignet sind. Zusätze wie Aromastoffe vermindern die Fähigkeit zur Selektion, wodurch die Tiere nicht mehr in der Lage sind, das richtige Futter zu wählen, häufig sind die Komponenten verarbeitet, vermahlen, quellen stark, machen dadurch satt und entziehen Flüssigkeit etc.
Getreide selbst ist hingegen nicht generell ungeeignet oder schädlich. Getreide ist allerdings nicht gleich Getreide.
Stärke ist ein Kohlenhydrat, ein Vielfachzucker. Diese Vielfachzucker werden im Verdauungstrakt in kleinere Zucker zerlegt. In Hefen hingegen werden sie nicht umgewandelt, denn Hefen sind eigenständige Lebewesen, welche zu den Pilzen zählen.
Für die Verdauung des Kaninchen ist strukturierte, abwechslungsreiche Nahrung wichtig. Verschiedene Zucker (sowohl Stärke, als auch Fruchtzucker oder andere Formen) können bei zu hoher Konzentration zum Problem werden, da sie verschiedenen Mikroorganismen, welche sich im Darm befinden, als Nahrung dienen. Dies kann zu einer übermäßigen Vermehrung dieser Organismen führen, was die Darmflora durcheinanderbringt. Dadurch kann es nicht nur zu Verdauungsstörungen im Form von Durchfall oder Blähungen kommen. Funktioniert die Darmflora nicht, kann Nahrung nicht richtig verdaut und in den Blutkreislauf aufgenommen werden, wodurch es zu Mangelernährung mit weitreichenden Folgen kommt. Diese Probleme entstehen insbesondere bei Konzentratfuttern wie Beispielsweise Pellets, welche die Darmpassage extrem verlangsamen, oder bei zu großen Mengen an stärke- bzw. zuckerreicher Kost.
Daher dürfen stärke- bzw. zuckerreiche Nahrungsmittel immer nur ein Ergänzungsfutter sein. Im Kombination mit ausreichend strukturiertem Futter wird der Nahrungsbrei im Verdauungstrakt schneller vorwärtsbewegt. Sofern die Konzentration nicht übermäßig hoch ist, gibt es in dieser Hinsicht dann keine Probleme.
Wildkaninchen ernähren sich im Spätsommer und Herbst durchaus gezielt mit großen Mengen von Getreide und anderen Sämereien. Sie benötigen über den Winter nicht nur zusätzliche Energiereserven. Die Fettreserven ermöglichen den Tieren, in einen „Energiesparmodus“ zu schalten, d.h. sie müssen weniger Nahrung aufnehmen und so wird wertvolles Wasser gespart. Hauskaninchen benötigen solche Energiereserven nicht, sie werden vom Halter auch über den Winter mit ausreichend Futter und Wasser versorgt. Daher muss auch darauf geachtet werden, dass ein Hauskaninchen nicht zuviel Energie erhält, da diese sonst gespeichert wird und Übergewicht gesundheitsschädlich ist.
Dafür haben Hauskaninchen im Winter ein anderes Problem. Wie erwähnt bevorzugen Kaninchen frische Kräuter, Gräser oder andere „ursprüngliche“ Pflanzen. Die meisten Kaninchenhalter füttern im Winter hauptsächlich Gemüse, da frisches Grünfutter in ausreichenden Mengen nicht immer zu bekommen ist. Gemüse ist allerdings nicht mit oben erwähnten Nahrungsmitteln zu vergleichen. Es enthält i.d.R. weitaus weniger wichtige Nährstoffe. Eine Fütterung mit Heu und Gemüse kann daher durchaus zu Mangelernährung führen.
Eine Ergänzung mit einem entsprechenden Trockenfutter kann in solchen Fällen daher durchaus sinnvoll sein. Verschiedene Saaten liefern wichtige Mineralien und Aminosäuren. Geeignet ist z.B. eine Mischung aus Hafer mit Spelz, Amaranth, Quinoah und Buchweizen, wovon über den Winter täglich pro Kaninchen etwa ein EL voll gefüttert werden kann. Wichtig ist natürlich, das Gewicht des Kaninchens dabei regelmäßig zu kontrollieren.
Auch zum Einsatz kommen kann Getreide bei Kaninchen welche zusätzliche Energie benötigen, z.B. Wachstumsbedingt, bei Krankheit, bei Zuchttieren oder weil es einfach schlechte Futterverwerter sind. Geeignet ist auch hier oben erwähnte Mischung, wobei der Hafer hierbei auch durch Haferflocken ersetzt werden kann (und muss, falls das Kaninchen trotz dieser Mischung nicht zunimmt).
Völlig ungeeignet ist hingegen Weizen und Roggen. Diese Getreidesorten sind züchterisch stark verändert, haben ein äußert ungünstiges Aminosäureverhältnis und einen hohen Anteil an sog. Gluten. Insbesondere Weizen kann dem Darm und sogar dem Gehirn schaden und sollte daher nicht gefüttert werden.
Na, alle Klarheiten beseitigt

? Wie man sieht ist das Thema Trockenfutter und auch Getreide sehr viel komplexer, als man manchmal meint. Man kann nicht sagen, Trockenfutter und Getreide sind generell ungeeignet und schädlich. Es spielen viele verschiedene Faktoren eine Rolle.
Und es gibt natürlich wie überall zu diesem Thema auch verschiedene Meinungen. Daher ist es sinnvoll, sich die verschiedenen Argumente anzuhören und sich eine eigene Meinung zu bilden.
Wer sich nun noch etwas genauer mit dem Thema artgerechte Kaninchenernährung befassen möchte, dem empfehle ich folgende Seiten:
Hauskaninchen.com – Die Seite über Kaninchen, Haltung und Ernährung
Kaninchendorf
Kaninchen würden Wiese kaufen – die Internetseite zum Buch