Hengste reiten

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  • Hengste reiten Beitrag #21
Man kann ein Pferd reiten oder es besitzen. Das ist ein Riesenunterschied.
Die RB von meinem 6-jährigen hat die RB vor 4 Monaten bekommen, sie hatte damals gerade 6 Monate Reiterfahrung - vorwiegend im Gelände. Sie reitet 3x pro Woche (1x Unterricht) und ich bin 5-6x pro Woche da.
Diese Reiterin würde hier vermutlich auch schreiben, dass der Umgang mit einem wohlerzogenen Hengst gar kein Thema ist, Hengste unkompliziert, vielleicht ein wenig eigen und problemlos sind, wenn sie eine gute Grunderziehung hatten. Anfangs bekam sie einige Anweisungen, worauf sie zu achten hat und wie sie reagieren sollte, wenn der Hengst gewisse Regeln (die er gern mal austestet) übertritt. Sie hält sich hervorragend daran.
Tja, sie reitet eben nur nett und verlangt nicht allzuviel von ihm.
Einen Hengst, der weiß, dass er Hengst ist, muss man so gut wie täglich in seine Schranken verweisen. Bei mir sind das meist Dominanzübungen, die ganz nebenbei mit einfließen (Z.B. Arm übers Genick, wenn andere Pferde-vorzugsweise nette Stuten- zusehen / absolutes Bestehen darauf, dass der Hengst entweder ruht und genießt oder sich auf mich konzentriert wenn ich z.B. putze / sofortiges Relaxen, wenn er angebunden wird ...).
Nur durch ständige Arbeit bekommt man einen Hengst wirklich so sicher, dass man ihn abtrensen kann und in der Bahn mit jedem Pferd (ob die Stuten gerade rossig sind oder nicht interessiert mich eigentlich nicht) nur mit Zügel um den Hals reiten oder mit Strick um den Hals überall entlangführen.
Hengste benötigen sehr viel Kopfarbeit (Konzentration lenkt ab, ist das Pferd gewohnt, sich auf den Menschen zu konzentrieren, ist es auch nicht mehr so umweltorientiert und hormongesteuert) und noch mehr Konsequenz. Hat das Pferd gründlich gelernt, sich auf den Menschen zu konzentrieren, kann Jeder mit ihm ganz einfach umgehen.
Brutalitäten, Schläge... treiben den Adrenalinspiegel noch höher und der Hengst beginnt wirklich zu kämpfen. Wenn man es wirklich auf einen Kampf ankommen lässt, muss man sich darüber im Klaren sein. Man muss auch wissen, dass Hengste nachtragend und hinterhältig sind, wenn es um Gewalt geht. Außerdem sind Hengste insofern doof, als dass sie in einem gewissen Alter Schmerz einfach ausschalten und sich weigern können zu lernen, wenn man sie nicht überlistet.
Wer einen wirklichen Hengst (der auch weiß, dass er Hengst ist) reitet und erzieht muss sich darüber im Klaren sein, dass man täglich mit dem Pferd arbeiten muss um das Tier nicht übermäßig damit zu quälen, dass er gegen seinen natürlichen Hormonspiegel ankämpfen muss.
 
  • Hengste reiten Beitrag #22
@Machtnix: ich kenn Wallche die teils genau so sind wie du oben beschreibst ;) zb meiner.
Nur anbei er wurde nur kastriert und ihm wurde NICHT das Gehirn teilweise mit entfernt.

Zur Dominanz: da kenn ich Stuten die ebenso schwer zu handeln sind.
Es kommt immer auch aufs Pferd an.

Mich stört an deiner Darstellung immens, dass es sich immer anhört als wären Stuten und Wallache 'dümmer' und weniger arbeitswillig, teils auch weniger 'eng' an ihren Besitzer/Reiter zu binden... das ist sehr schade.

Brutalität und Gewalt: versuch das mal bei meinem kastrierten Hengst (denn ein Wallach ist immer noch ein Hengst - Hengst bezeichnet das Geschlecht und Wallach ist kein Geschlecht ;) ) dann besuch ich dich im KH.
Ich könnte jetzt fast jeden deiner Punkte so beleuchten, spar mir aber die Zeit und auch euch die Nerven das zu lesen.

Fakt ist, dass jedes Pferd eine gute Erziehung braucht. Manche mit mehr Konsequenz als andere.

Das unkastrierte Hengste aus verschiedenen, meist Haltungsbedingten Gründen, schwieriger zu handeln sind streite ich nicht ab.
Aber ich weiß, dass ein Hengst der in einer reinen Männer-Herde gehalten wird wesentlich 'einfacher' zu handeln ist. Nämlich dann, wenn er sein Sozialverhalten (abgesehen vom decken) frei ausleben kann.

Gruß Lilly (die immer noch gegen die Haltung von unkastrierten Hengsten ist, wenn diese nicht zur Zucht zugelassen sind und auch dafür eingesetzt werden)
 
  • Hengste reiten Beitrag #23
Stuten sind Kämpfernaturen, das ist wohl jedem klar. Selbst nicht dominante Stuten können bis zum Umfallen kämpfen. Nicht umsonst sind im hohen Dressursport wenig Stuten zu sehen, im hohen Springsport sehr wohl. Wer eine gute Stute auf seiner Seite hat, kann sich Sicher sein, dass diese auch für ihren Menschen alles gibt. Stuten sind eben nur häufig -nicht immer- recht hormongesteuert, was man jedoch mit Erziehung in den Griff bekommen kann.
Nicht umsonst haben wir eine hochtalentierte, sehr intelligente Stute, die beim Vorbesitzer als zwischen Genie und Wahnsinn eingestuft wurde (nicht nur von ihm, sondern auch von einem Equipereiter, bei dem sie 6 Monate war und der sie zurückgab als er sich eine Rippe und ein Schlüsselbein gebrochen hatte). Diese Stute wurde mehrere Jahre mit Regumate behandelt, was die Rosse unterdrückt (und eigentlich nur kurzfristig gegeben werden darf). Sie ist seit dem Kauf medikamentfrei und benötigte 6 Monate mit entsprechender Haltung, Reiten und Erziehung bis sie ein sicheres und wunderbares Pferd wurde.
Man soll nicht meinen, ich würde nur Hengste reiten. Stuten sind mir genauso lieb, sie sind eben nur anders.
Wallache haben eben diese Hormonspitzen nicht mehr. Sie sind leichter zu erziehen, was nicht bedeutet, dass sie blöd oder absolute Neutren sind. Wallache können durchaus Hengstverhalten zeigen, jedoch ist dieses eben nicht rein hormongesteuert, man kann besser damit umgehen.
Wallache können genauso konditioniert werden, dass sie sich für ihren Menschen einsetzen. Ansonsten wären die langfristigen Erfolge von Wallachen im großen Sport nicht erklärbar. Ein Wallach ist genauso ein Typ und ein Pferd mit Vorlieben und Abneigungen wie ein Hengst, es fehlen eben die Hormonspitzen. Daher ist die Erziehung von Wallachen im Allgemeinen leichter (man muss ihn motivieren können und ihn auf 'seine Seite bringen'). Wallache sind sehr angenehme und normalerweise leichter zu motivierende Reitpferde.
Da gerade ältere (Deck-)Hengste bei entsprechender Erziehung meist zu Einzelgängern mutieren, die keine Weidepartner außer Stuten zulassen (liegt an den Haltungsbedingungen und der Erziehung, denn auch in der freien Natur hat nicht jeder Hengst eine Stutenherde) binden sie sich ab einem gewissen Alter ungeheuer stark an ihren Menschen. Es gibt sicher sehr viele Hengste, die keine Führungspersönlichkeiten sind.
Hat man jedoch ein Exemplar, was artgerecht gehalten werden kann, wohlerzogen ist und schon älter ist, hat man eben den Black Beauty Effekt. Dann ist auch das von mir beschriebene Aufzugfahren etc. kein Thema mehr und regt das Pferd nicht mehr auf als das Betreten eines Hängers (was das beschriebene Pferd total cool macht, da er seinen Hänger liebt).
 
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