Hi,
es gibt einfach unterschiedliche Fütterungskonzepte - jeder muss da für seine Schweinchen entscheiden, was ihm sinnvoll erscheint. Aber es ist nie verkehrt, sich Gedanken zu machen, warum man wie füttert, seine Fütterung zu hinterfragen und ggf. zu überdenken.
Ich bin mittlerweile auf dem Weg zu einer Fütterung, bei der ich versuche, viele bis sämtliche Futtermittel zur ständigen Verfügung anzubieten. Ähnlich, wie wir es mit dem Heu ja alle schon praktizieren.
Bei der Futtermittelauswahl heißt das für mich (in der Stadt, noch dazu im Winter) momentan: Es gibt Heu (und wenn man möchte/muss, ist kann/sollte man sich auch über die Auswahl des richtigen Heus noch mal viele Gedanken machen und auch beim Heu ist es nicht verkehrt, wenn die Schweine auswählen können, was sie fressen), zusätzlich Grünfutter und Gemüse. (Nebenbei probiere ich mich daran, Gräser und Kräuter selber zu ziehen - aber das schaffe ich momentan weder mit großem Erfolg, noch in nennenswerten Mengen.)
Warum überhaupt Grünfutter und Gemüse? Meerschweinchen sind Grasfresser (+ Kräuter, Blätter, Blüten, Rinde, ...), Heu ist getrocknetes Gras, auch Kräuter & Co. finden sich im Heu. Zum einen ist aber die Frage, was genau im Heu enthalten ist, ob ausreichend Vielfalt gegeben ist, um z.B. die Vitamin-C-Versorgung zu gewährleisten, bzw. ob unsere Gräser das überhaupt hergeben. Zum anderen: Getrocknet ist noch was anderes als frisch - was die Inhaltsstoffe angeht, z.B. auch auf den Wassergehalt bezogen. Also versuche ich, den Schweinchen auch viel Frisches anzubieten, als Grasersatz z.B. Blattgemüse und Kräuter.
Und warum nun so viel bzw. vielfältig? Ich weiß nicht wie die individuellen Bedürfnisse an den verschiedenen Vitaminen, Mineralstoffen, etc. meiner Schweine aussehen, wie der Energiebedarf des einzelnen Schweinchens aussieht.
Ich hab mir irgendwann ernsthaft überlegt, dass ich - um Blasenproblemen vorzubeugen - das Calcium-Phosphor-Verhältnis (wobei da auch noch Mangan, Vitamin D und Vitamin K eine Rolle spielen...) jeder Mahlzeit ausrechnen müsste. :shock: Wenn man sich die diversen Schweinefutterlisten durchliest, gibt's auch eigentlich fast nichts, was man unbedenklich füttern kann: Dieses kann Blähungen verursachen, jenes Durchfall, hiervon nicht zu viel, da Dickmacher, davon auch nicht zu viel, wegen Calziumgehalt, das Nächste hat zu viel Oxalsäure, aufpassen auch bei der Nitratbelastung und Zucker und Fruchtsäure in Obst... Sich dann zu Pelletfutter und künstlichen Vitaminen zu flüchten, ist allerdings auch keine Lösung - künstliche Vitamine sind nicht das Gleiche wie echte Vitamine, und Pelletfutter ein eigenes Kapitel für sich.
Ich denke aber mittlerweile, dass meine Schweine das selber regeln können, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Also bekommen sie - soweit wie möglich - eben eine große Auswahl angeboten, sowohl in Vielfalt, als auch in Menge, und sollen sich dann selber raussuchen, was sie brauchen. (So etwas macht man allerdings nicht von heute auf morgen, und mit Schweinchen, die nur Möhren, Gurken und Getreidepellets kennen.)
So :eusa_eh: hab ich ja auch erst geguckt. "Was ist mit dem Heu und dem Zahnabrieb?", hab ich gedacht - ich hab mich bislang sehr daran orientiert, ungefähr 10% vom Körpergewicht der Schweinchen an Frischfutter zu füttern, damit sie genug Heu fressen. "Und überhaupt - fressen die dann nicht, bis sie platzen, bzw. Verdauungsprobleme kriegen? Und wenn die Schweinchen selber aussuchen dürfen, was sie fressen - fressen sie sich dann nicht alle nur Gurke und Salat satt?"
Da konnte ich - um es mal selber auszuprobieren - dann "nur" auf die Beobachtungen anderer zurückgreifen, die ähnlich füttern. Und mittlerweile mache ich die selben Beobachtungen: Nein, sie "vernachlässigen" ihr Heu nicht. (Und wenn, würde ich erstmal die Gründe im Heu suchen.) Sie fressen nicht bis sie platzen. Sie kriegen keine Verdauungsprobleme. Dazu muss ich sagen, dass ich schon immer eine große Auswahl an Frischfuttersorten gefüttert habe, inkl. Kohl & Co., ohne Probleme.
Stattdessen beobachte ich: Sie stürzen sich nicht wie die Wilden aufs nächstbeste Frischfutter (denn: es ist immer was da, es ist nix Besonderes, sie müssen keine Angst haben, nichts mehr abzukriegen). Okay, ganz so schlimm war es nie, aber dass z.B. Gurken und Salat mal bis zur nächsten Fütterung liegengeblieben wären - nee. Generell gab's so gut wie kein liegengebliebenes Futter, die Schweinchen haben gefressen, was ich angeboten habe, einfach, weil's wohl das Minimum war, was sie brauchten.
Mittlerweile sehe ich aber, dass sie tatsächlich gezielt aussuchen, was sie fressen. Neulich habe ich erstmals abgenagte Salatstiele gefunden - da denkt man doch gleich an Nitratbelastung. Mangold - oxalsäurehaltig - da werden mittlerweile auch nur die Blätter abgefressen.
Genauso gezielt gehen sie auch ans Heu - ein Schwein knabbert am Salat, nebendran eins am Heu.
Außerdem: Eine gewisse Regelmäßigkeit ist wichtig für den Schweinemagen. D.h., dass nicht unbedingt abwechslungsreich gefüttert wird, damit es den Schweinchen nicht zu langweilig wird, sondern, damit man möglichst sämtliche Bedarfe abdecken kann. Daher finde ich es gut, einen möglichst breiten, regelmäßigen Grundstock zu haben, der natürlich variiert wird und saisonal abhängig ist, aber bei dem es nicht heißt: Heute dies, morgen das, und dann drei Wochen wieder gar nicht.
Und Regelmäßigkeit auch, was die Futterzeiten angeht. Die können meine Schweine jetzt - weitestgehend - selber bestimmen, und "müssen" nicht 2 Mal am Tag eine größere Portion Frischfutter fressen.
So, jetzt hab ich bestimmt irgendwas vergessen, was ich noch schreiben wollte, aber ich glaub, ich brauch erstmal 'nen Kaffee...