So, hab Antwort bekommen. Und nun weiß ich gar nicht mehr, was ich machen soll

Was würdet ihr tun? Ich hab echt Schiss, dass man mir da rechtlich an den Karren fahren kann......
Hallo,
erst einmal möchte ich mich vorstellen: Mein Name ist XY und ich leite das Tierheim ;
mein Schwerpunkt dort: Die Hunde. Aus diesem Grund wurde Ihre email auch an mich weitergeleitet und
seit deren Erhalt bin ich am Überlegen, wie ich Ihnen bzw. dem Hund am Besten helfen kann.
Das einzig Gute, was ich Ihrer Meldung wirklich entnehmen konnte, ist: Dass der Beinbruch des Hundes behandelt wurde, was aber absolut nicht der Regel entspricht.
Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie oft wir Tiere im Tierheim aufnehmen, bei denen dann durch die Eingangsuntersuchung herauskommt, dass irgendwelche Knochenbrüche nie behandelt wurden!
Und genau das spricht "leider" schon mal
für die Mutter Ihres Kindergartenkindes, die mit Sicherheit nicht zugeben wird, dass sie selbst ihrem Hund den Beinbruch zugefügt hat, sollte man sie mit diesem Vorwurf konfrontieren!
Sie wird vielleicht behaupten, dass der Hundewelpe irgendwo heruntergefallen oder der Sohn mit ihm etwas zu grob umgegangen ist. Oder, es durch einen anderen unglücklichen Umstand zu dem Beinbruch des Tieres kam, woran keiner der Beiden wirklich Schuld hatte.
Die Aussage des Kindes wird dabei nur eine unwesentliche Rolle spielen, da die Verletzung ja anschließend auch versorgt wurde.
Dass das Tier von morgens 7 bis abends 17 Uhr alleine in der Wohnung zurückgelassen wird, ist ebenfalls kein Grund, von behördlicher Seite diese Form einer Hundehaltung zu untersagen.
Solange das Tier dabei einen gesunden, unauffälligen Eindruck macht und sich sonst niemand in unmittelbarer Umgebung darüber beschwert, dass der Hund vielleicht permanent bellt oder jault, besteht
auch hier erstmal kein Handlungsbedarf für eine mögliche Haltungsüberprüfung.
Zudem hat der Tierschutzverein in solchen Fällen leider überhaupt keine rechtliche Handhabe, der Frau den Hund, mangels schlechter Haltung, einfach wegzunehmen, sondern müsste dem zuständigen Veterinäramt entsprechende Beweise vorlegen, um ein solches Einschreiten, in Form einer amtlichen Beschlagnahmung, auf den Weg zu bringen.
Und nachdem, was Sie mir in Ihrer email geschildert haben, wird der Hintergrund in diesem Fall nicht ausreichen, um auf die Behörden zurückgreifen zu können.
Was ich Ihnen aber anbieten kann: Sobald uns Name und Adresse der Frau bekannt sind, könnten wir
in ihrem Umfeld recherchieren, z. B. die Nachbarn nach ihrem Eindruck befragen.
Oder Sie selbst könnten ein Gespräch mit anderen Eltern, die Kontakt zu der Familie haben, unauffällig auf den dort gehaltenen Hund lenken, um mehr Informationen über dessen Haltung zu bekommen.
Das alles mit der Absicht, anschließend mit der Kindergartenmutter in Ruhe darüber zu sprechen, ob es in ihrer Situation nicht besser wäre, den Hund wieder abzuschaffen, ohne dass die ganze Initiative auf Sie
persönlich zurückgeführt werden kann!
Ansonsten ist es, aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen, sehr wahrscheinlich, dass der Hund, um sein 1. Lebensjahr herum, sowieso bei uns im Tierheim landet!
Ein Jack Russel, der, als Jagdhund, unausgelastet in einer kleinen Wohnung etliche Stunden zubringen muss, wird irgendwann automatisch zum Problem für die Halter, gerade dann, wenn auch kleine Kinder mit von der Partie sind!
Wir vermitteln nicht ohne Grund die meisten Terrier nur an Rasse erfahrene Menschen, möglichst ganz ohne Kinder!
So niedlich, wie der kleine Hundewelpe auch im Moment noch auf alle Tierliebhaber wirkt: Es ist ein Jack Russel, bei dem, aufgrund der momentanen, nicht artgerechten Haltung, schon jetzt alle Voraussetzungen erfüllt sind, um irgendwann entweder auf den Internetseiten "Jack Russel in Not" oder aber im Tierheim zu landen, weil er Ihr Kindergartenkind nicht unerheblich gebissen hat!
Spätestens in einem halben Jahr, wenn das Tier fast ausgewachsen ist, wird es sich, nach unseren Erfahrungen, bzgl. der völlig falschen Haltung, ein Ventil suchen!
Entweder läßt es seinen Unmut darüber "nur" an der Wohnung oder aber an dem Kind aus!
Ich schlage Ihnen deshalb vor, dass wir nächste Woche Dienstag erst einmal miteinander telefonieren.
Unter der Nummer 0441/4089382 bin ich ab 8 Uhr 30 bis ca. 13 Uhr fast durchgehend zu erreichen.
Bei Interesse können Sie mich im Tierheim auch, nach Absprache, gerne besuchen, damit ich Ihnen einfach mal die "Terrierproblematik" vor Ort näher erläutern kann.
Sehr wahrscheinlich bekomme ich am Dienstag auch noch einen reinrassigen Cockerspanielrüden (ebenfalls einen Jagdhund) herein, der schon im Alter von 12 Monaten, trotz dreier Hundeschulen, seine 67 - jährige Besitzerin angeht, wenn die nicht alles so macht, wie er es möchte! Das Ganze im Hinblick darauf, wie
Hunde sich entwickeln können, wenn das Umfeld nicht stimmt!
Vielleicht haben Sie den Zeitungen schon entnehmen können, dass wir Führungen im Tierheim anbieten. Diese nicht nur für Schulklassen, sondern auch für Kindergartenkinder!
Hintergrund: "Ich möchte ein Tier!"
Möglicherweise kann man solch ein Angebot auch auf interessierte Eltern von Kindergartenkindern ausweiten:
"Welches Tier/Hunderasse passt überhaupt zu uns?"
Ich würde mich in diesem Zusammenhang sehr freuen, wenn wir auch dadurch nicht nur dem betroffenen Jack - Russel - Welpen vielleicht helfen könnten, sondern durch entsprechende Aufklärung vor der Anschaffung eines Tieres mit dazu beitragen können, dass es nicht unnötig zu weiteren Tierschutzfällen (Tierheimtieren) kommt.
In diesem Sinne hoffe ich auf Ihre Zusammenarbeit
und verbleibe mit ganz lieben Grüßen