Wirklich blöd. Da sucht man sich einen Profi und der hat nicht mehr Ahnung als man selber.
Passiert leider überall, egal ob TA, Schmied, Sattler, Bereiter... und immer haben die Leute viele tolle Erklärungen, können alles für den Laien (der vertraut) erklären und machen einen kompetenten Eindruck.
Vielleicht war es aber auch ein guter Sattler, der einfach einen schlechten Tag hatte oder einfach einen Fehler gemacht hat. Wer immer ohne Fehler arbeitet, soll sich bitte melden! Auch dein erster Sattler hat sicher auch zufriedene Kunden (ob deren Pferde auch zufrieden sind, sei dahingestellt).
Du bzw. dein Pferd hat jetzt den Preis dafür bezahlt und du bist nicht die Erste und wirst nicht die Letzte sein, die den falschen Leuten vertraut.
Jetzt machst du es jedenfalls richtig und ich hoffe, dass die Probleme deines Pferdes schnell erledigt sind.
Ich habe bei Muskelproblemen sehr gute Erfahrungen mit Magnetfeld, Rotlicht, richtigem Reiten (nach Anweisung des TA) und Vitamin B12 gemacht.
Eine gute Magnetfelddecke ist sehr teuer (auch das Leihen) und man muss wirklich 2xtäglich therapieren -am besten morgends und abends. Sollte das nicht möglich sein, kann man sich das Geld sparen.
Sollte am Stall ein Pferdesolarium sein, kann dein Pferd natürlich VOR der Arbeit drunter, das ist super. Nach der Arbeit bringt das wenig, vor allen Dingen da dein Pferd im Offenstall steht. Die Muskulatur wird dann angewärmt und durchblutet und dann Wind und Wetter ausgesetzt und verspannt möglicherweise noch mehr.
Ich habe damals für einen extrem schwierigen Fall einen Stall ausgesucht, der Warmwasser und Solarium mit extra schaltbarem Rotlichanteil hatte. Das half zusammen mit der Magnetfelddecke sehr gut. Dein Pferd hört sich jedoch nicht so schlimm an, wie dieser Fall.
Vitamin B12 lockert die Muskulatur und verbessert die Nervenleitungen. Es wird idealerweise gespritzt (ich kenne das z.B. aus dem Rennsport, nach einem Rennen werden die Pferde mit Vit B12 gespritzt, das verhindert Muskelkater und Verspannungen, lockert und lässt die Pferde daher das nächste Rennen motivierter angehen).
Man muss immer beachten, dass Dehnungsschmerz auch Schmerz ist und so ein Pferd daher sehr viel Motivation braucht.
Daher würde ich nicht ausschließlich longieren, sondern auch Dehnungsübungen bei der Bodenarbeit und beim vorsichtigen Reiten machen. Kurze Trainingseinheiten, viel Loben, viele Pausen, viel Kuscheln sind Pflicht. Du solltest dich daher abzüglich des Putzens mit dem Pferd mind. 2 Std. beschäftigen und ihm dabei eben die entsprechenden häufigen kurzen und mind. 2 lange Pausen gönnen. Das beschäftigt das Pferd, macht dich für das Pferd angenehm und motiviert, so dass es die vergangenen erlittenen Schmerzen zwar nicht vergisst, jedoch nicht mehr jedes Mal ein De Javue bekommt und wieder verspannt. Das Pferd muss merken, dass es sich lohnt, wenn es sich für dich anstrengt und auch Dehnungsschmerz erträgt.
Falls du nicht die Möglichkeit hast, das Pferd unters Solarium zu stellen und den Stall nicht für einige Monate wechseln willst, kannst du das Pferd auch eindecken. Bei kühlem Wetter mit einer ungefütterten Regendecke, damit die Muskulatur nicht kalt wird, ansonsten nach dem Reinholen erstmal Möhren füttern und eine kuschlige Abschwitzdecke drauf. Dann beim Putzen darauf achten, dass die Decke nicht komplett abgenommen wird - Zugluft auf jeden Fall vermeiden. Und niemals das kalte Pferd dehnen, egal was verschiedene Physiotherapeuten sagen - manche sind da recht eigen und dehnen sofort nach dem Putzen.
Das Pferd beim Putzen gut durchmassieren, sanft streicheln und angenehm sein. Lymphdrainage (kann man ganz leicht und schnell lernen) sorgt für den guten Abtransport der Abfallstoffe aus der Muskulatur.
Die Arbeit dann ganz auf den Zustand des Pferdes abstimmen. Wo muss gelockert werden, wo muss gedehnt werden, welche Schulter muss angehoben werden, wo liegen die ernsthaften Probleme des Pferdes.
Bei der Arbeit dann genau auf diese Stellen vorsichtig aber konsequent eingehen. Das Pferd sehr gut anwärmen, das bedeutet mind. 10 Min. flotten Schritt. Da der Darm eines Pferdes sehr lang ist und bei einem physiologisch gehaltenen Pferd auch immer gut gefüllt ist, ist das Gros des Blutvolumens des Pferdes im Darm. Das Herz-Kreislaufsystem des Pferdes benötigt round about 10 Min. um das Gros des Blutvolumens vom Magen-Darmtrakt in die Muskulatur zu pumpen. Vorher musst du also gar nicht anfangen, das kann nur die Verspannungen verschlimmern.
Vor dir liegt viel Arbeit aber es lohnt sich und du kannst nach einiger Zeit ein sehr gutes und vor allen Dingen hochmotiviertes Pferd bekommen.
Mein schlimmster Fall damals läuft heute ganz hervorragend und hat auch schon Erfolge. Und das obwohl ihm damals 2 TA keine Chance mehr gegeben hatten (eine meinte, dass wir ihn aus Tierschutzgründen besser töten lassen sollten, einer meinte, dass er bedingt reitbar wird. Erst der 3. TA gab ihm eine reelle Chance wieder schmerzfrei zu laufen. Sein psychischer Schaden war allerdings sehr viel schlimmer und er läuft bisher nur unter 2 Reitern gut, ansonsten können sich die weltbesten Reiter draufsetzen, da macht er nix. Aber wie gesagt, er war sehr, sehr, sehr viel schlimmer dran als dein Pferd).
Die anderen Fälle hatten einfach verkürzte und verspannte Muskulaturen oder neigten beim Reiter dermaßen unter Spannungen, dass sie anschließend heftigen Muskelkater (lahm) oder Keurzverschlag hatten.