Spinnt man euren Gedanken jetzt aber konsequent zu Ende, dann hat man 2 Möglichkeiten:
1. Den Nova Scotia Duck Tolling Retriever aussterben lassen, da die genetische Basis der kompletten Rasse auf so wenig Individuen beruht, dass eine Zucht ohne hohen Insuchtfaktor unmöglich ist oder
2. Die Rasse durch Einkreuzen Fremdblutes auf eine breitere genetische Basis stellen und dadurch versuchen, sie zu erhalten.
Und, dass seine Zucht so eine Qualzucht ist, hat der Mann selbst erkannt und sie deswegen beendet. Das ist mehr, als man von vielen anderen Züchtern behaupten kann.
Ich denke da nur an die Aussteller der englischen Bulldoggen und die Züchter vieler anderer Rassen, die eigentlich unter den Qualzuchtparagraphen fallen. Die züchten munter weiter und reden schön.
Fakt ist auch, dass die Einkreuzung eines Fremdrüden nix bringt, denn es erweitert die genetische Basis einer Rasse auch nur um ein Tier. Da müssten also viele Rüden eingekreuzt werden und zwar verschiedene. Dabei dann die ursprünglichen Charaktereigenschaften der Rasse zu bewahren, ist sicher schwierig.
Ein Züchter allein kann so etwas aber sicher nicht schaffen.
Als schwierig betrachte ich auf jeden Fall die Einstellung des VdH, Hunde anderer Verbände anzuerkennen. In vielen anderen Ländern züchten mehrere Vereine unter dem Dachverband der FCI. Gerade bei Rassen, die auf so einer engen Basis stehen, gefährdet das deren weitere Existenz.
Meiner Meinung nach sind Rassen, bei denen das Aussehen so extrem eng festgelegt ist, schwierig. Viele Rassen, die neben dem gleichen Gebäude auch noch einheitliche Farben haben müssen mit am besten noch klar fest gelegten Flecken an festgelegten Stellen, leiden darunter. Denn diese Extreme Ähnlichkeit im Aussehen wurde zumeist durch starke Inzucht zu früheren Zeiten erreicht. Und was an genetischer Varianz in der Zucht einmal verloren gegangen ist, bekommt man nicht wieder. Es sei denn, man kreuzt in relativ großen Mengen fremde Rassen ein und das führt eher zu Mischlingen und neuen Rassen.
Grundsätzlich hat der Züchter aber auch gar nicht so unrecht. Laut Heterosis-Effekt ist es häufig so, dass Hybride leistungsfähiger und gesünder sind, als die beiden Rassen, aus denen sie entstehen. Das nutzt man ja sogar bei Bäumen. Für den Aufbau oder Erhalt einer Rasse, nutzt das aber gar nichts, denn da verliert sich dieser Effekt gänzlich und schlägt bei einzelnen Individuen sogar ins Gegenteil um. Der Züchter hat seine ganze Aktion also nicht wirklich durchdacht. Da hilft nicht ein Rüde und ein gesunder F1 Wurf, um seine Rasse zu retten.
Krass fand ich, wie die Englische Bulldogge Züchter und Aussteller auf den einen Kritiker aus eigenen Reihen los sind. Und das vor laufender Kamera.
Und diese ganzen Rassen, die erst durch Operationen ein ordentliches Leben führen können. Dafür habe ich kein Verständnis. Besonders schlimm finde ich aber, dass Käufer das unterstützen. Mops, Französische Bulldogge und Co. sollte man sich eigentlich nicht holen. Und selbst wenn das Näschen einen halben Zentimeter länger ist, als bei den Artgenossen, reicht das mMn für einen gesunden Hund noch nicht aus. Sehr schön fand ich den einen TA, der erklärt hat, was bei den Bullis alles nicht stimmt und dass ein Hund wirklich nur dann freiatmend sein kann, wenn alle 3 Stellen ok sind.
Was ich ethisch auch grenzwertig finde, ist folgendes: Mops, Bulli und ähnliche werden ja oft angepriesen, wegen ihres tollen Charakters, der sie auch in der Stadt und überhaupt zu ganz besonders tollen Begleithunden macht.
Aber warum sind solche Rassen denn so viel ruhiger und einfacher, als andere Rassen. MMn liegt das nicht an ihrem Charakter sondern viel mehr an ihren "körperlichen Einschränkungen und Behinderungen". Detschnasen, die das Atmen behindern (sowas machen Reiter ja gern bei temperamentvollen Pferden, indem sie den Pullerriemen über den Nüstern fein straff ziehen - bei Hunden gibt es das angeboren :roll

, so viel Fell, dass die Hunde bei zu viel Bewegung überhitzen oder so viel Körpermasse auf einem langen, stummelbeinigen Körperchen, dass die Hunde eher an Hängebauchschweine als an Hunde erinnern. Sich bei solchen Zuchtextremen über den "tollen" Charakter der Hunde, ihre Ruhe, Ausgeglichenheit und Anpassungsfähigkeit im Bewegungsbedürfnis zu freuen, ist fast schon abartig. Die armen Viecher können nicht anders. Gebt ihnen Nasen, Beine, reduziert den Pelz und lasst das Gewicht der Körpergröße entsprechen und auch diese Tiere werden Temperament und Bewegungsbedürfnis wie alle anderen "schwierigeren" Rassen auch haben.
Wer einen Plüschhund hat, merkt es ja selbst, wie temperamentvoll und jugendlich der Hund wieder wird, wenn man ihn ein wenig von seinen Fellmassen befreit.
Bei Nasen und ähnlichem geht das ja leider nicht.
Hunde so zu züchten, dass sie leiden und körperlich eingeschränkt sind, nur damit sie dem Menschen weniger unangenehm sind, finde ich jedenfalls grenzwertig.
Auch wenn ich Bullis und Möpse nett und niedlich finde, werde ich solche Zuchten nie und nimmer unterstützen. Auch der Toller, der Dalmatiner und überhaupt sehr viele Rassen scheiden für mich persönlich aufgrund der vielen Erbkrankheiten, des extremen Körperbaus oder der zu schmalen genetischen Basis schlicht und ergreifend aus. (So zum Beispiel auch eine meiner Lieblingsrassen, der Cesky Terrier. Ich habe mich nun über ein Jahr intensiv mit der Rasse beschäftigt. Und obwohl er toll ist, ist mir die genetische Basis schlicht und ergreifend zu gering. Soetwas werde ich nicht unterstützen. Da können die Hunde noch so toll sein. *seufz*)
EDIT (automatische Beitragszusammenführung)
Und da ist eben die Frage, ob es denn eine Qualzucht ist, wenn ich weiß, dass ein Dalmatiner taub sein könnte, was in Verbindung zu seinen schwarzen Punkten steht.
Als Qualzucht betrachte ich das nicht. Das fände ich zu extrem. Einen Dalmatiner kaufen und diese Zucht unterstützen, würde ich aber auch niemals. So, wie ich auch sonst keine Farbzuchten unterstützen würde.
Denn im Endeffekt hat alles der Käufer in der Hand. Der Käufer steuert, in welche Richtung sich die Zucht entwickelt und welche Rassen wie gezüchtet werden. Wenn keiner mehr brachiocephale Rassen kauft, werden auch keine mehr gezüchtet werden.