- Marinas Ratte Beitrag #1
Lilly Leindy
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Marinas Ratte
Marinas Ratte war ein ganz besonders hübsches und freundliches Tier. Ihr schickes, krauses Fell und die roten Augen waren dem Mädchen gleich in dem kleinen Tiergeschäft aufgefallen. Dort hatte es nach Zigaretten, nach Schweiß und Kleintiermist gerochen und die Käfige waren allesamt sehr schmutzig. Aber das störte Marina nicht. Schließlich hatten die armen Menschen, die den Laden ihr Eigen nannten, nicht den ganzen Tag Zeit, um irgendwelche Käfige sauberzumachen. So schlachtete das Mädchen artig ihr rosafarbenes Sparschwein und steckte ihr mühsam Erspartes in den Kauf der Ratte. Wie groß war daraufhin die Freude, endlich ein eigenes Haustier zu besitzen! Die Eltern hatten bereits einen tollen Käfig gekauft, der sehr handlich war und locker auf den Nachttisch passte. Außerdem glitzerte er in den tollsten Rottönen und war mit schicken Plastikröhren und einem quietschgelben, winzigen Laufrad ausgestattet. Aber Marinas Ratte saß gar nicht oft in diesem Käfig. Meistens wurde sie von ihrem Frauchen durch die Gegend getragen; auf Flohmärkten, in Geschäften und beim Treffen mit den Freundinnen war sie stets mit von der Partie. Da ging es immer ganz schön laut her, aber Marinas Ratte war das ja gewohnt. Sie sah eigentlich ganz zufrieden aus. Und sie bekam schließlich so viele Schoko- und Joghurtdrops, dass sie gar nicht über zu wenig Aufmerksamkeit klagen konnte. Marinas Ratte war nämlich so zahm, dass sie gar keine Artgenossen, sondern nur ihr Frauchen brauchte. Das genügte ihr vollkommen.
Als Marinas Ratte größer wurde, wurde sie mit der Zeit auch uninteressanter. Abends, wenn Marina ihre laute Musik hörte, lief die Ratte immer wie von Sinnen im Käfig hin und her und nagte an den Plastikstäben. Der schöne Glitzer war schon ganz abgefressen, was Marina sehr ärgerte. Dieses Tier war ganz schön undankbar.
Wenn man Marinas Ratte fragen würde, würde sie die Geschichte wahrscheinlich ganz anders erzählen. Zuerst einmal war sie in einem viel zu kleinen, viel zu schmutzigen Käfig aufgewachsen. Um sie herum hatte es immer eine Menge Lärm gegeben, sowohl tagsüber als auch nachts. Vom Zigarettenqualm, den die Ladenbesitzer rund um die Uhr produzierten, hatten ihre Augen getränt. Dass ihre ab und zu auftretenden Schmerzen auf die Rasse zurückzuführen war, welche einer Qualzucht gleichkam, wusste sie nicht. Als das Mädchen sie gekauft hatte, hatte sie fest daran geglaubt, dass alles besser werden würde. Aber dann hatte es erst richtig angefangen. Der moderne Käfig, in den Marina sie setzte, war viel zu winzig und mit unnötigem, gefährlichem Krimskrams ausgestattet. Er roch unerträglich nach neuem Plastik. Die Schoko- und Joghurtdrops mochte sie natürlich, aber gesund waren sie nicht. Das andere Futter verklebte ihr den Gaumen. Sie konnte gar nicht mehr richtig laufen, aber meistens wurde sie sowieso wie ein Spielzeug durch die Gegend geschleppt. Dabei war es immer so laut, dass sie den Geräuschen und den vielen unterschiedlichen Eindrücken gar nicht mehr Herr werden konnte. Sowieso war ihr Leben immer laut. Laut und einsam. Sie vermisste die anderen Ratten so sehr, dass sie jeden Abend im Käfig hin und her lief, um sie zu suchen. Aber die einzige, die kam, war das Mädchen, welches dann immer sehr laut und böse wurde. Irgendwie verstand Marinas Ratte die Welt nicht. Ob wohl alle Menschen Egoisten waren?
Marinas Ratte war ein ganz besonders hübsches und freundliches Tier. Ihr schickes, krauses Fell und die roten Augen waren dem Mädchen gleich in dem kleinen Tiergeschäft aufgefallen. Dort hatte es nach Zigaretten, nach Schweiß und Kleintiermist gerochen und die Käfige waren allesamt sehr schmutzig. Aber das störte Marina nicht. Schließlich hatten die armen Menschen, die den Laden ihr Eigen nannten, nicht den ganzen Tag Zeit, um irgendwelche Käfige sauberzumachen. So schlachtete das Mädchen artig ihr rosafarbenes Sparschwein und steckte ihr mühsam Erspartes in den Kauf der Ratte. Wie groß war daraufhin die Freude, endlich ein eigenes Haustier zu besitzen! Die Eltern hatten bereits einen tollen Käfig gekauft, der sehr handlich war und locker auf den Nachttisch passte. Außerdem glitzerte er in den tollsten Rottönen und war mit schicken Plastikröhren und einem quietschgelben, winzigen Laufrad ausgestattet. Aber Marinas Ratte saß gar nicht oft in diesem Käfig. Meistens wurde sie von ihrem Frauchen durch die Gegend getragen; auf Flohmärkten, in Geschäften und beim Treffen mit den Freundinnen war sie stets mit von der Partie. Da ging es immer ganz schön laut her, aber Marinas Ratte war das ja gewohnt. Sie sah eigentlich ganz zufrieden aus. Und sie bekam schließlich so viele Schoko- und Joghurtdrops, dass sie gar nicht über zu wenig Aufmerksamkeit klagen konnte. Marinas Ratte war nämlich so zahm, dass sie gar keine Artgenossen, sondern nur ihr Frauchen brauchte. Das genügte ihr vollkommen.
Als Marinas Ratte größer wurde, wurde sie mit der Zeit auch uninteressanter. Abends, wenn Marina ihre laute Musik hörte, lief die Ratte immer wie von Sinnen im Käfig hin und her und nagte an den Plastikstäben. Der schöne Glitzer war schon ganz abgefressen, was Marina sehr ärgerte. Dieses Tier war ganz schön undankbar.
Wenn man Marinas Ratte fragen würde, würde sie die Geschichte wahrscheinlich ganz anders erzählen. Zuerst einmal war sie in einem viel zu kleinen, viel zu schmutzigen Käfig aufgewachsen. Um sie herum hatte es immer eine Menge Lärm gegeben, sowohl tagsüber als auch nachts. Vom Zigarettenqualm, den die Ladenbesitzer rund um die Uhr produzierten, hatten ihre Augen getränt. Dass ihre ab und zu auftretenden Schmerzen auf die Rasse zurückzuführen war, welche einer Qualzucht gleichkam, wusste sie nicht. Als das Mädchen sie gekauft hatte, hatte sie fest daran geglaubt, dass alles besser werden würde. Aber dann hatte es erst richtig angefangen. Der moderne Käfig, in den Marina sie setzte, war viel zu winzig und mit unnötigem, gefährlichem Krimskrams ausgestattet. Er roch unerträglich nach neuem Plastik. Die Schoko- und Joghurtdrops mochte sie natürlich, aber gesund waren sie nicht. Das andere Futter verklebte ihr den Gaumen. Sie konnte gar nicht mehr richtig laufen, aber meistens wurde sie sowieso wie ein Spielzeug durch die Gegend geschleppt. Dabei war es immer so laut, dass sie den Geräuschen und den vielen unterschiedlichen Eindrücken gar nicht mehr Herr werden konnte. Sowieso war ihr Leben immer laut. Laut und einsam. Sie vermisste die anderen Ratten so sehr, dass sie jeden Abend im Käfig hin und her lief, um sie zu suchen. Aber die einzige, die kam, war das Mädchen, welches dann immer sehr laut und böse wurde. Irgendwie verstand Marinas Ratte die Welt nicht. Ob wohl alle Menschen Egoisten waren?