Ich habe die Unterhaltung mal abgetrennt.

Das berühmte Thema pro/contra Auslandstierschutz gehört wirklich nicht in den Vermittlungsthread.
Bei Bedarf kann ich es aber ins Hundeforum verschieben. Momentan schien der Tierhilfebereich angebrachter.
Um auf die erste Frage einzugehen: Was meinst du, was die Organisationen vor Ort alles leisten, Embla? Kurzfristige Hilfe für Notfälle, medizinische Versorgung, Kastrationskampagnen, ständige Verhandlungen mit den Tötungsstationen inklusive Zeit im Nacken, Koordination von Tierschutz und Öffentlichkeitsarbeit mit anderen Orgas, Vereinen und Pflegestellen und nicht zuletzt muss das alles irgendwie finanziert werden. Die Leute reißen sich sämtliche Arme und Beine für die Tiere aus und ich ziehe meinen Hut vor jedem Menschen, ob nun hier oder in den Mittelmeerländern, der den Mut, die Kraft und die Courage hat, sich mit diesem Elend auseinanderzusetzen.
Das Problem ist die Mentalität, wie Pewee schon schrieb. Dort ein Umdenken zu erreichen ist ein langer Prozess, bei dem es mit ein paar Jahren nicht getan ist. Erkläre mal einem Paradebeispiel-Spanier, was der für seinen Hund tun könnte, wenn es für ihn völlig selbstverständlich ist, ein Tier wegzugeben, weil es krank oder nicht mehr klein und niedlich ist. Dann wird es eben in die nächste Perrera gebracht, wo man keine Fragen stellt. So einfach ist das. Viele Menschen wachsen dort mit dem Gedankengut auf, dass ein Tier eine Sache ist. Mit Sachen kann man tun, was man will. Wenn man sie nicht mehr möchte, fliegen sie eben raus oder man wird sie anderweitig los. Das ist die traurige Realität und ich finde grundsätzlich, kein Tier sollte für seine Herkunft oder das Denken seiner Besitzer in dieser Form büßen müssen, wie du es schreibst.
Das Bewusstsein fehlt in manchen Ländern einfach und muss häufig erst geschaffen werden. Dass man Verantwortung für ein Lebewesen übernommen hat, das Futter, einen Schlafplatz, Pflege, Erziehung und Liebe und manchmal auch einen Arzt braucht.
Dein letzter Post ist mir etwas zu optimistisch (bitte nicht übel nehmen, alles gar nicht böse gemeint) und auch Sonja Zietlow bringt Hunde nach Deutschland, ebenso wie zahlreiche Tierschutzvereine ein bestimmtes Kontigent an Auslandshunden für ihre Kapazitäten einplanen. Es passiert (um beim Beispiel zu bleiben) in Spanien ständig, dass ein Tier aufgenommen und nach wenigen Jahren aus fadenscheinigen Gründen wieder abgegeben wird. Damit will ich nicht alle in einen Topf werfen, aber es kam und kommt eben immer noch oft vor. Da hat eine Vermittlung kaum Aussagekraft, von einer zeitweise schöneren Statistik abgesehen. Klar funktioniert eine Vermittlung im jeweiligen Land, aber es ist noch viel zu früh, um dieses Argument pauschal anbringen zu können.
Es geht nicht darum, dass man "alle" Hunde aus fernen Ländern nach Deutschland schaffen soll und auch nicht darum, Deutschland zu einem Refugium für Vermehrertiere (was nur teilweise zutrifft) zu machen, das wäre zu kurzsichtig gedacht und hätte mit Tierschutz nichts zu tun, analog zum Thema Wühltischwelpen und Hundemafia. Darum rackern die Leute sich doch ab. Damit die unkontrollierte Vermehrung freilaufender Hunde und Katzen eingedämmt wird und die Menschen Verantwortung übernehmen.
Aber Tierschutz hat meiner Meinung nach keine Nationalität. In den jeweiligen Ländern kann sich ohne Unterstützung nichts verändern und schon gar nicht verbessern. Hilfe zur Selbsthilfe ist wichtig und unerlässlich, aber woher man sein Tier holt, kann und sollte jeder selbst entscheiden. Mit "Nicht unser Land = Nicht unser Zuständigkeitsbereich" macht man es sich dabei imho zu einfach.
Völlig ausufernder Vergleich: Sogar in Deutschland gibt es arme Kinder, sollen wir (die reichen Nationen) im Umkehrschluss deshalb die Kinder in Afrika verhungern lassen oder Auslandsadoptionen unterbinden? Weil es nicht unser Land ist? Weil "die" ihre Probleme mal lieber selbst lösen sollen? Zu einem gewissen Grad sind wir auf der Welt füreinander verantwortlich.
Plädoyer beendet. :mrgreen:
*schielt sich selbst zu*