- Nicht unsere Welt - eine Rattengeschichte Beitrag #1
freake
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Der kleine Fox schlug die Augen auf und reckte sich genüsslich. Er hatte gut geschlafen und freute sich auf eine interessante Nacht. Heute Morgen hatte er zwei neue Pappkartons im Käfig entdeckt, er war nur zu müde gewesen, sie zu erkunden.
Fox' Bruder Julius lag neben ihm und schlief noch tief und fest. Eigentlich waren Fox und Julius garkeine Brüder - Julius war viel älter und schon hier gewesen, als Fox kam -, doch für den kleinen Fox war der große Julius trotzdem ein Bruder, schließlich hatte er keinen anderen.
Die kleine Ratte reckte sich ein zweites mal und machte sich auf zum Futternapf. Er hatte sein Mahl schon fast beendet, als Julius auftauchte. "Na, Kleiner!" sagte er freundlich und Fox stubste ihn liebevoll mit dem Näschen in den Bauch. Die beiden liebten einander sehr. Es war schön, zusammen zu leben.
Nach einem ausgiebigen Mahl machten die Zwei sich auf den Weg, die neuen Kartons zu erkunden. "Tee!" rief Julius aus dem kleineren Karton, während Fox seine Nase in den größeren steckte. "Cornflakes!", rief er begeistert zurück. Welch Freude! Der Duft der beiden Kartons würde Fox und Julius gleich mehrere Tage erfreuen. Noch ahnten sie nichts, von der Aufregung, die auf sie zu kam.
Es war ein sehr guter Abend. Kurze Zeit später, kam ihr Mensch und brachte ihnen eine Schale mit Obst: Apfel, Birne und Banane. Fox liebte Apfel. Julius liebte Birne. Und Banane liebten sie beide.
"Du Julius?", fragte Fox mit Banenverschmiertem Mäulchen, und sah den großen Bruder nachdenklcih an. "Ja, Foxy?"
"Werde ich auch mal so groß wie du?"
"Natürlcih!", antwortete Julius, "Mindestens. Wahrscheinlich wirst du sogar größer als ich."
"Größer?" Fragte Fox ungläubig und versuchte angestrengt, sich vorzustellen, wie es sein mochte, größer zu sein, als Julius.
Sie fraßen schweigend weiter, bis Fox wieder unruhig wurde:
"Du Julius?"
"Ja, Foxy?"
"Wirst du dann noch hier sein, wenn ich größer bin als du?"
"Aber natürlich Foxy, ich werde immer hier sein. Wieso denn nicht?"
Julius war sehr weise und wusste sehr genau bescheid über das, was in der Welt so passiert. Foxy glaubte dem großen Bruder jedes Wort. Wenn es eines gab, das die kleine Ratte sich wünschte, dann war es so zu sein, wie Julius war.
Julius hingegen - auch wenn Fox das nie erfahren sollte - wünschte sich, so naiv und sorglos zu sein, wie sein kleiner Bruder, da er unter seinem Wissen über die Welt schwer litt, und am schwersten unter den Halbwahrheiten, die er seinem kleinen Weggefährten erzählte, um ihm die Angst zu nehmen.
Julius wusste, dass er vielleicht nicht mehr da sein würde, wenn Foxy größer war, als er. Julius wusste, dass er alt war, und er wusste, dass alt sein sterben bedeutet. Julius wusste auch, dass sterben Schmerzen bedeutet und im Grunde seines großen Rattenherzens hatte er sehr große Angst. Doch er wusste auch, dass Fox diese Wahrheit früh genug erfahren würde, und dass es nichts brachte, ihn jetzt schon in Angst zu versetzen. Also kuschelte er sich an seinen Bruder für ein gemütliches Verdauungsschläfchen.
Fox schreckte auf. Etwas stimmte nicht! "Julius!" keuchte er und rammte seinen Kopf unter den Bauch des Bruders. Julius öffnete die Augen und war gleich hellwach. Sein Fell stellte sich auf und sein Blick wurde starr. "Fremde Ratten!" rief er aus. Foxy überschlug sich fast bei dem Versuch, sich so schnell wie möglich hinter dem großen, bedrohlich aufgeplusterten Körper seines Bruders zu verkriechen. "Ich hab so Angst", wimmerte er, doch Julius hörte ihm nicht zu. Er tänzelte am Gitter auf und ab und atmete schnell. Ihr Mensch näherte sich dem Käfig. Er öffnete die Klappe und steckte etwas hinein. Ein dritter Pappkarton. Doch dieser Karton hatte weder Cornflakes noch Tee enthalten, das erkannte Fox sofort. Es raschelte und kratzte. Dann steckte sich ein Näschen aus der Öffnung. Noch kleiner als das von Foxy und pechschwarz. Es schnupperte. Julius fauchte und drückte sich ans Gitter, so weit von dem Karton entfernt wie möglich. Das Näschen zuckte. "Kst!" rief es aus, "Kst!". Dann trippelte eine kleine schwarze Ratte aus dem Karton, gefolgt von einer zweiten, braunen. "Kst!" machte die Ratte zum dritten mal. Die braune Ratte wimmerte. Foxy hörte sie murmeln: "Ich hab so Angst!".
Fox war wie erstarrt und beobachtete, wie die beiden fremden behutsam durch den Käfig tappsten. Doch plötzlich kam wie aus dem Nichts Julius angeflogen und stürzte sich auf die schwarze Ratte. Unter Geschrei und Gefiep fegten sie als beißendes Knäul durch den Käfig. Kawumm! Etwas haute mit Macht auf das Gitter und alle vier Ratten rasten Verängstigt in eine Ecke und drückten sich aneinander. Kawumm! machte es noch einmal, dann war es still.
"Ich bin Fox." Sagte Fox zu den fremden, um die Stille zu brechen. "Ich bin Loui," sagte die schwarze Ratte, "und das ist Max.", fügte er hinzu und deutete auf die braune Ratte.
"Mein Großer Bruder heißt Julius!", sagte Fox stolz. Julius Fell hatte sich wieder gelegt, doch er hockte abseits und beobachtete die Fremden hasserfüllt. "Er ist toll!" sagte Fox noch stolzer. "Hm." antwortete Max. "Kst!", machte Loui.
Nach etwa einer Woche und ein paar weiteren Streitigkeiten, die von Erdstößen und Donnerkrachen gefolgt wurden, hatte Julius sich einigermaßen an Max und Loui gewöhnt. Er mochte sie nicht, doch er akzeptierte sie. Fox fand sie lustig und spielte gern mit ihnen. Doch kuscheln wollte er nur mit Julius, seinem geliebten Bruder, seinem Helden.
"Du Julius," fragte Fox eines Abends den dösenden Bruder, "warum macht Loui immer 'Kst!'?"
"Weil er krank ist.", sagte Julius matt.
"Wieso ist er denn krank?", fragte Fox verwirrt.
"Er niest.", sagte Julius geheimnisvoll. Doch mehr wollte er nicht sagen. Fox hätte gern gewusst, ob dieses niesen wohl eine schlimme Krankheit war, doch Julius hatte die Augen geschlossen und döste. Also ließ Foxy es auf sich beruhen und schob seinen Kopf genüsslich unter den Bauch seines Bruders.
Gegen Abend wurde Fox durch etwas seltsames geweckt. Julius Körper zuckte und er sagte laut "Kf! Kf! Kf!"
"Hast du gerade geniest?", fragte Fox erstaunt.
"Nein." sagte Julius.
"Bist du auch krank?"
"Du hast geträumt, schlaf weiter!"
Doch Fox konnte nicht mehr schlafen.
"Was heißt das, wenn man krank ist, Julius?"
"Das heißt überhaupt nichts.", brummte Julius, doch Fox merkte, dass etwas nicht stimmte.
"Heißt das, dass man sterben muss?" fragte er panisch.
"Manchmal.", gestand Julius unwillig.
"Musst du sterben, Julius? Aber du kannst doch nicht sterben! Du hast mir gesagt, du bist noch da, wenn ich groß bin!"
"Ich sterbe nicht," sagte Julius sanft zu dem verstörten Fox, "bestimmt nicht."
So verging die Zeit. Fox wurde größer. Loui und Max wurden größer. Julius blieb groß. Niemand starb. Sie gewöhnten sich an das niesen und bald hatte der kleine Fox, der nun schon fast so groß war, wie sein Bruder, die Angst vor der Krankheit völlig vergessen.
Doch eines morgens, als er sich gerade quer über Julius' Rücken legte, da spürte er, dass sein Bruder sehr dünn war.
"Warum bist du so dünn, Julius?", fragte er.
"Kf!", nieste Julius.
"Julius! Warum bist du so dünn?"
"Foxy," antwortete Julius liebevoll, "du bist doch schon groß."
"Was meinst du damit?"
"Bald schon bist du größer als ich, freust du dich schon?"
"Bist du dann noch hier?", fragte Fox, erneut von Angst übermannt.
"Kst!", nieste Loui im Häuschen.
"Hey, Foxy!", murmelte eine Stimme in Foxys Ohr, und eine Nase stubste ihn sanft.
"Was denn?", brummte er schlaftrunken.
"Ich hab mich gerade neben dir ausgestreckt," begann Julius Stimme zu erzählen, und Fox wurde langsam wacher, "und hab was tolles festgestellt!"
"Was denn?", jetzt war der kleine Fox hellwach. Tolle Sachen mochte er.
"Du bist schon größer als ich!", rief Julius aus!
"Ehrlich?" Fox sprang auf, "Das ist doch -" er brach ab.
"Julius, warum blutest du aus der nase?"
"Das ist kein Blut."
Fox schnupperte. "Doch."
"Kf!", nieste Julius und spritzte eine Reihe roter Tröpfchen auf den Boden vor ihm.
Am nächsten Abend stand Julius nicht mehr auf.
"Aber du musst doch was essen!", bettelte Fox.
"Ich hab schon gegessen, da hast du noch geschlafen!", sagte Julius mit schwerer Stimme.
"Du lügst!", rief Fox verzweifelt und stieß seinem Bruder die Nase in die Seite. "Bitte bitte iss etwas!"
"Komm," sagte Julius müde, "leg dich einen Moment zu mir, Foxy, ich möchte mit dir reden."
Fox legte sich neben seinen großen Bruder und spitzte ein letztes Mal die Ohren für das, was er ihm zu erzählen hatte.
"Irgendwann im Leben kommt eine Zeit, Foxy, in der Man Abschied nehmen muss. Niemand kann für immer bleiben. Wir haben eine wundervolle Zeit miteinander verbracht und ich liebe dich sehr Foxy, aber du musst jetzt groß und stark sein. Du musst doch das Revier beschützen und das Rudel zusammenhalten."
Fox verstand nicht. "Aber wo willst du denn hingehen? Du kannst doch garnicht weg!"
"Foxy," sagte Julius liebevoll, "du bist ein toller Junge. Aber weißt du, Brüderchen, für mich ist es an der Zeit, ich werde sterben."
"Nein!", rief Fox aus, "Nein! Du darfst nicht sterben! Du hast gesagt, du stirbst nicht!"
"Und doch werde ich sterben, Fox.
Aber das ist garnichts schlimmes. Wenn man stirbt, dann stirbt nur der Körper. Und deine Seele, die läuft über den Regenbogen in ein Land, in dem es alles gibt, was man sich wünschen kann. Kartons und Häuschen, Hängematten und Kletterseile. Äpfel, Birnen, Bananen und Leckerchen. Und da werde ich auf dich warten. Du musst noch hier bleiben, aber irgendwann wird es auch für dich an der Zeit sein, und dann werde ich an der Regenbogenbrücke stehen und dir winken, Foxy, und ich werde dich in unser neues gemeinsames zuhause führen, wo wir für immer sein können. Das verspreche ich dir."
Dann schloss Julius die Augen und schlief ein. Fox wusste, dass der Bruder nie wieder aufwachen würde. Er legte sich quer über ihn, um ihn zu wärmen und wich nicht von seiner Seite. Auch Loui und Max spürten, dass es mit Julius zu Ende ging, und in dieser Nacht wurde nichts gefressen, nicht gespielt und niht getobt, die drei Ratten lagen an der Seite des alten, kranken Julius, und bis auf ein gelegentliches "Kst!" von Loui war es sehr still.
Warum, fragte sich Fox, wahnsinnig vor Schmerz um den Verlust seines Bruders, warum hat ihm denn niemand geholfen? Julius hatte mal gesagt, dass Menschen sogar den Tod verhindern konnten. Warum hatte niemand Julius beschützt? Und als der Mensch bemerkte, dass Julius tot war, und in den Käfig griff, um den Leichnam herauszuheben, da überkam Fox ein kalter und schmerzhafter Hass. Er schoss vor und schlug seine Zähne bis zum Anschlag in die Hand des Menschen. Dieser schrie auf und fuchtelte herum. Ein schwerer Tropfen Blut traf den toten Julius mitten im Gesicht.
Fox erschauerte vor Abscheu und Scham. In seinem blinden Hass hatte er nun auchnoch den toten Körper seiens besten und einzigen Freundes mit dem Blut des verhassten Menschen besudelt.
"Kf!" nieste er matt und legte sich schweren herzens in eine Ecke zum schlafen.
'Der Tod ist schlimm,' dachte Fox und nieste erneut, 'doch vielleicht, ist das Leben noch schlimmer. Ich glaube, dies ist einfach nicht unsere Welt. In einer anderen Welt ginge es uns besser. Uns allen.' Und mit einem letzten kummervollen Niesen schlief er schweren Herzens ein.
© freake
Quelle: Von mir selbst.
(Ja, ich gestehe, es ist eine Moralgeschichte ^^)
Fox' Bruder Julius lag neben ihm und schlief noch tief und fest. Eigentlich waren Fox und Julius garkeine Brüder - Julius war viel älter und schon hier gewesen, als Fox kam -, doch für den kleinen Fox war der große Julius trotzdem ein Bruder, schließlich hatte er keinen anderen.
Die kleine Ratte reckte sich ein zweites mal und machte sich auf zum Futternapf. Er hatte sein Mahl schon fast beendet, als Julius auftauchte. "Na, Kleiner!" sagte er freundlich und Fox stubste ihn liebevoll mit dem Näschen in den Bauch. Die beiden liebten einander sehr. Es war schön, zusammen zu leben.
Nach einem ausgiebigen Mahl machten die Zwei sich auf den Weg, die neuen Kartons zu erkunden. "Tee!" rief Julius aus dem kleineren Karton, während Fox seine Nase in den größeren steckte. "Cornflakes!", rief er begeistert zurück. Welch Freude! Der Duft der beiden Kartons würde Fox und Julius gleich mehrere Tage erfreuen. Noch ahnten sie nichts, von der Aufregung, die auf sie zu kam.
Es war ein sehr guter Abend. Kurze Zeit später, kam ihr Mensch und brachte ihnen eine Schale mit Obst: Apfel, Birne und Banane. Fox liebte Apfel. Julius liebte Birne. Und Banane liebten sie beide.
"Du Julius?", fragte Fox mit Banenverschmiertem Mäulchen, und sah den großen Bruder nachdenklcih an. "Ja, Foxy?"
"Werde ich auch mal so groß wie du?"
"Natürlcih!", antwortete Julius, "Mindestens. Wahrscheinlich wirst du sogar größer als ich."
"Größer?" Fragte Fox ungläubig und versuchte angestrengt, sich vorzustellen, wie es sein mochte, größer zu sein, als Julius.
Sie fraßen schweigend weiter, bis Fox wieder unruhig wurde:
"Du Julius?"
"Ja, Foxy?"
"Wirst du dann noch hier sein, wenn ich größer bin als du?"
"Aber natürlich Foxy, ich werde immer hier sein. Wieso denn nicht?"
Julius war sehr weise und wusste sehr genau bescheid über das, was in der Welt so passiert. Foxy glaubte dem großen Bruder jedes Wort. Wenn es eines gab, das die kleine Ratte sich wünschte, dann war es so zu sein, wie Julius war.
Julius hingegen - auch wenn Fox das nie erfahren sollte - wünschte sich, so naiv und sorglos zu sein, wie sein kleiner Bruder, da er unter seinem Wissen über die Welt schwer litt, und am schwersten unter den Halbwahrheiten, die er seinem kleinen Weggefährten erzählte, um ihm die Angst zu nehmen.
Julius wusste, dass er vielleicht nicht mehr da sein würde, wenn Foxy größer war, als er. Julius wusste, dass er alt war, und er wusste, dass alt sein sterben bedeutet. Julius wusste auch, dass sterben Schmerzen bedeutet und im Grunde seines großen Rattenherzens hatte er sehr große Angst. Doch er wusste auch, dass Fox diese Wahrheit früh genug erfahren würde, und dass es nichts brachte, ihn jetzt schon in Angst zu versetzen. Also kuschelte er sich an seinen Bruder für ein gemütliches Verdauungsschläfchen.
Fox schreckte auf. Etwas stimmte nicht! "Julius!" keuchte er und rammte seinen Kopf unter den Bauch des Bruders. Julius öffnete die Augen und war gleich hellwach. Sein Fell stellte sich auf und sein Blick wurde starr. "Fremde Ratten!" rief er aus. Foxy überschlug sich fast bei dem Versuch, sich so schnell wie möglich hinter dem großen, bedrohlich aufgeplusterten Körper seines Bruders zu verkriechen. "Ich hab so Angst", wimmerte er, doch Julius hörte ihm nicht zu. Er tänzelte am Gitter auf und ab und atmete schnell. Ihr Mensch näherte sich dem Käfig. Er öffnete die Klappe und steckte etwas hinein. Ein dritter Pappkarton. Doch dieser Karton hatte weder Cornflakes noch Tee enthalten, das erkannte Fox sofort. Es raschelte und kratzte. Dann steckte sich ein Näschen aus der Öffnung. Noch kleiner als das von Foxy und pechschwarz. Es schnupperte. Julius fauchte und drückte sich ans Gitter, so weit von dem Karton entfernt wie möglich. Das Näschen zuckte. "Kst!" rief es aus, "Kst!". Dann trippelte eine kleine schwarze Ratte aus dem Karton, gefolgt von einer zweiten, braunen. "Kst!" machte die Ratte zum dritten mal. Die braune Ratte wimmerte. Foxy hörte sie murmeln: "Ich hab so Angst!".
Fox war wie erstarrt und beobachtete, wie die beiden fremden behutsam durch den Käfig tappsten. Doch plötzlich kam wie aus dem Nichts Julius angeflogen und stürzte sich auf die schwarze Ratte. Unter Geschrei und Gefiep fegten sie als beißendes Knäul durch den Käfig. Kawumm! Etwas haute mit Macht auf das Gitter und alle vier Ratten rasten Verängstigt in eine Ecke und drückten sich aneinander. Kawumm! machte es noch einmal, dann war es still.
"Ich bin Fox." Sagte Fox zu den fremden, um die Stille zu brechen. "Ich bin Loui," sagte die schwarze Ratte, "und das ist Max.", fügte er hinzu und deutete auf die braune Ratte.
"Mein Großer Bruder heißt Julius!", sagte Fox stolz. Julius Fell hatte sich wieder gelegt, doch er hockte abseits und beobachtete die Fremden hasserfüllt. "Er ist toll!" sagte Fox noch stolzer. "Hm." antwortete Max. "Kst!", machte Loui.
Nach etwa einer Woche und ein paar weiteren Streitigkeiten, die von Erdstößen und Donnerkrachen gefolgt wurden, hatte Julius sich einigermaßen an Max und Loui gewöhnt. Er mochte sie nicht, doch er akzeptierte sie. Fox fand sie lustig und spielte gern mit ihnen. Doch kuscheln wollte er nur mit Julius, seinem geliebten Bruder, seinem Helden.
"Du Julius," fragte Fox eines Abends den dösenden Bruder, "warum macht Loui immer 'Kst!'?"
"Weil er krank ist.", sagte Julius matt.
"Wieso ist er denn krank?", fragte Fox verwirrt.
"Er niest.", sagte Julius geheimnisvoll. Doch mehr wollte er nicht sagen. Fox hätte gern gewusst, ob dieses niesen wohl eine schlimme Krankheit war, doch Julius hatte die Augen geschlossen und döste. Also ließ Foxy es auf sich beruhen und schob seinen Kopf genüsslich unter den Bauch seines Bruders.
Gegen Abend wurde Fox durch etwas seltsames geweckt. Julius Körper zuckte und er sagte laut "Kf! Kf! Kf!"
"Hast du gerade geniest?", fragte Fox erstaunt.
"Nein." sagte Julius.
"Bist du auch krank?"
"Du hast geträumt, schlaf weiter!"
Doch Fox konnte nicht mehr schlafen.
"Was heißt das, wenn man krank ist, Julius?"
"Das heißt überhaupt nichts.", brummte Julius, doch Fox merkte, dass etwas nicht stimmte.
"Heißt das, dass man sterben muss?" fragte er panisch.
"Manchmal.", gestand Julius unwillig.
"Musst du sterben, Julius? Aber du kannst doch nicht sterben! Du hast mir gesagt, du bist noch da, wenn ich groß bin!"
"Ich sterbe nicht," sagte Julius sanft zu dem verstörten Fox, "bestimmt nicht."
So verging die Zeit. Fox wurde größer. Loui und Max wurden größer. Julius blieb groß. Niemand starb. Sie gewöhnten sich an das niesen und bald hatte der kleine Fox, der nun schon fast so groß war, wie sein Bruder, die Angst vor der Krankheit völlig vergessen.
Doch eines morgens, als er sich gerade quer über Julius' Rücken legte, da spürte er, dass sein Bruder sehr dünn war.
"Warum bist du so dünn, Julius?", fragte er.
"Kf!", nieste Julius.
"Julius! Warum bist du so dünn?"
"Foxy," antwortete Julius liebevoll, "du bist doch schon groß."
"Was meinst du damit?"
"Bald schon bist du größer als ich, freust du dich schon?"
"Bist du dann noch hier?", fragte Fox, erneut von Angst übermannt.
"Kst!", nieste Loui im Häuschen.
"Hey, Foxy!", murmelte eine Stimme in Foxys Ohr, und eine Nase stubste ihn sanft.
"Was denn?", brummte er schlaftrunken.
"Ich hab mich gerade neben dir ausgestreckt," begann Julius Stimme zu erzählen, und Fox wurde langsam wacher, "und hab was tolles festgestellt!"
"Was denn?", jetzt war der kleine Fox hellwach. Tolle Sachen mochte er.
"Du bist schon größer als ich!", rief Julius aus!
"Ehrlich?" Fox sprang auf, "Das ist doch -" er brach ab.
"Julius, warum blutest du aus der nase?"
"Das ist kein Blut."
Fox schnupperte. "Doch."
"Kf!", nieste Julius und spritzte eine Reihe roter Tröpfchen auf den Boden vor ihm.
Am nächsten Abend stand Julius nicht mehr auf.
"Aber du musst doch was essen!", bettelte Fox.
"Ich hab schon gegessen, da hast du noch geschlafen!", sagte Julius mit schwerer Stimme.
"Du lügst!", rief Fox verzweifelt und stieß seinem Bruder die Nase in die Seite. "Bitte bitte iss etwas!"
"Komm," sagte Julius müde, "leg dich einen Moment zu mir, Foxy, ich möchte mit dir reden."
Fox legte sich neben seinen großen Bruder und spitzte ein letztes Mal die Ohren für das, was er ihm zu erzählen hatte.
"Irgendwann im Leben kommt eine Zeit, Foxy, in der Man Abschied nehmen muss. Niemand kann für immer bleiben. Wir haben eine wundervolle Zeit miteinander verbracht und ich liebe dich sehr Foxy, aber du musst jetzt groß und stark sein. Du musst doch das Revier beschützen und das Rudel zusammenhalten."
Fox verstand nicht. "Aber wo willst du denn hingehen? Du kannst doch garnicht weg!"
"Foxy," sagte Julius liebevoll, "du bist ein toller Junge. Aber weißt du, Brüderchen, für mich ist es an der Zeit, ich werde sterben."
"Nein!", rief Fox aus, "Nein! Du darfst nicht sterben! Du hast gesagt, du stirbst nicht!"
"Und doch werde ich sterben, Fox.
Aber das ist garnichts schlimmes. Wenn man stirbt, dann stirbt nur der Körper. Und deine Seele, die läuft über den Regenbogen in ein Land, in dem es alles gibt, was man sich wünschen kann. Kartons und Häuschen, Hängematten und Kletterseile. Äpfel, Birnen, Bananen und Leckerchen. Und da werde ich auf dich warten. Du musst noch hier bleiben, aber irgendwann wird es auch für dich an der Zeit sein, und dann werde ich an der Regenbogenbrücke stehen und dir winken, Foxy, und ich werde dich in unser neues gemeinsames zuhause führen, wo wir für immer sein können. Das verspreche ich dir."
Dann schloss Julius die Augen und schlief ein. Fox wusste, dass der Bruder nie wieder aufwachen würde. Er legte sich quer über ihn, um ihn zu wärmen und wich nicht von seiner Seite. Auch Loui und Max spürten, dass es mit Julius zu Ende ging, und in dieser Nacht wurde nichts gefressen, nicht gespielt und niht getobt, die drei Ratten lagen an der Seite des alten, kranken Julius, und bis auf ein gelegentliches "Kst!" von Loui war es sehr still.
Warum, fragte sich Fox, wahnsinnig vor Schmerz um den Verlust seines Bruders, warum hat ihm denn niemand geholfen? Julius hatte mal gesagt, dass Menschen sogar den Tod verhindern konnten. Warum hatte niemand Julius beschützt? Und als der Mensch bemerkte, dass Julius tot war, und in den Käfig griff, um den Leichnam herauszuheben, da überkam Fox ein kalter und schmerzhafter Hass. Er schoss vor und schlug seine Zähne bis zum Anschlag in die Hand des Menschen. Dieser schrie auf und fuchtelte herum. Ein schwerer Tropfen Blut traf den toten Julius mitten im Gesicht.
Fox erschauerte vor Abscheu und Scham. In seinem blinden Hass hatte er nun auchnoch den toten Körper seiens besten und einzigen Freundes mit dem Blut des verhassten Menschen besudelt.
"Kf!" nieste er matt und legte sich schweren herzens in eine Ecke zum schlafen.
'Der Tod ist schlimm,' dachte Fox und nieste erneut, 'doch vielleicht, ist das Leben noch schlimmer. Ich glaube, dies ist einfach nicht unsere Welt. In einer anderen Welt ginge es uns besser. Uns allen.' Und mit einem letzten kummervollen Niesen schlief er schweren Herzens ein.
© freake
Quelle: Von mir selbst.
(Ja, ich gestehe, es ist eine Moralgeschichte ^^)
