Um Muskulatur möglichst schnell wieder aufzubauen ist ein Intervalltraining am Sinnvollsten - wie beim Menschen auch.
Das Pferd sollte nur so lange longiert werden, bis der Rücken soweit OK ist, dass er den Reiter ohne Probleme tragen kann. Die Reitzeit richtet sich nach seiner Kraft - ist auch ein bischen rassebedingt.
Die Ausbinder (besser Wienerzügelverschnallung) sollten so lang sein, dass er nicht beengt wird, jedoch auch so kurz, dass eine deutliche Dehnung erreicht wird. Man beginnt anfangs mit langer Verschnallung und kürzt sie nach und nach, wenn das Pferd aufgewärmt ist. Dabei ist auf eine aktive HH und genügend Vorwärts zu achten.
Ich würde ein solches Pferd jedoch nicht Ewigkeiten longieren, da beim Longieren die Fliehkraft auf den äußeren Gliedmaßen recht hoch ist.
Wenn du Erfahrung damit hast, ist die Doppellonge (mit anschließender Arbeit am langen Zügel) die beste Möglichkeit schnell die richtige Muskulatur aufzubauen - es geht aber auch ohne die DL.
Es sollte dann nur so schnell wie möglich auf Reiten umgestiegen werden um die ehemals geschädigte Sehne nicht zu sehr zu belasten.
Beim Reitprogramm kommt es sehr auf den Ausbildungsstand des Pferdes an. Z.B. kann man bei einem ehemals sehr gut ausgebildeten Pferd das Seitwärtsschwenken des Kopfes ignorieren, da sich das nach Muskelaufbau in der Oberlinie von allein gibt. Bei nicht so gut ausgebildeten Pferden muss man darauf achten, dass sich hier kein Fehler einschleicht und ein anderes Programm wählen.
Auf jeden Fall sollte das Pferd mind. 2xwöchentlich für 1-2 Std. am langen Zügel im Gelände geritten werden - möglichst auf unebenem Boden mit Steigung und Gefälle. Nach einigen Tagen kann man dann im Gelände auch einen lockeren Trab mit einbauen und die Trabstrecken mit der Zeit länger und anspruchsvoller gestalten.
Bei der Bahnarbeit ist auf absolut gute Körperhaltung zu achten (egal ob man diese mit HZ oder durch reiterliches Können erreicht). Bei der Verwendung eines HZ keinen HZ benutzen, der das Pferd seitlich einschränkt, sonst bekommt man Verspannungen in der Halsmuskulatur und einen steifen und unflexiblen Hals. Also besser ein Chambon, Gogue, doppelten Stoßzügel (mit doppelt gebrochenem Gebiss) etc.
Beim Reiten auf Vorwärts-Abwärts und genügend Vorwärts achten. Im Galopp das Pferd nicht in der Geschwindigkeit bremsen, sondern das meist hohe Tempo (Gleichgewichtsproblem aufgrund fehlender Muskulatur) annehmen und in diesem Tempo das Pferd gut arbeiten, das Gleichgewicht kommt dann von allein. Viele Übergänge reiten.
Das Pferd von Anfang an überall gut locker machen als am Hals beginnen und sich bis zum Travers/Renvers (Kruppe rein und Kruppe raus) durcharbeiten. Es ist absolut darauf zu achten, die Muskulatur vor dem Aufbau zu lockern und zu strecken. Viele Seitwärtsgänge, wobei darauf zu achten ist, dass das äußere Bein möglichst weit nach außen gesetzt wird (das Kreuzen ist weniger wichtig, wichtig ist das Lösen der Schulter und die Dehnung der Brustmuskulatur).
Extrem auf Rittigkeit und Hilfengehorsam achten.
Die tägliche Reiteinheit richtet sich nach der Kraft und Konzentration des Pferdes. Eine anstrengende Trainingseinheit kann auch nur 20 Min. dauern. Danach sollte das Pferd jedoch nicht kraftlos entlassen werden, sondern an der Hand noch etwas Konzentrationsarbeit machen (z.B. Führgehorsam, Üben der Aufstellung, Rückwärtsgehen. ca. 10 Min., danach entlassen auf die Weide. Ist kein Weidegang möglich, grasen gehen).
Wer die Zeit hat, kann natürlich das Pferd besser 2x täglich bewegen - nicht bei harten Trainingseinheiten oder langen Ausritten.
Hier mal ein Beispiel eines Aufbautrainings:
Tag 1: Harter Trainingstag
Tag 2: Nur Lösungsarbeit, die Übungen des Vortages in abgeschwächter Form kurz abgefragen (häufig nur im Schritt, kann auch an der Longe sein, wenn das Pferd schlecht zu lösen ist). Anschließend kleiner Ausritt (je nach Gelände und Länge der Lösungsarbeit 1/2 bis 1 Std.
Tag 3: Ausritt.
Tag 4: Ruhetag mit Bodenarbeit.
Tag 5: Lösungsarbeit mit Abfragen der am ersten Tag geübten Übungen.
Tag 6: Abfragen der Übungen des ersten Tages, Verfeinerung der Fortschritte.
Tag 7: Anstrengendes Longieren
Tag 8: Lösen und Wiederholung der Übungen von Tag 6, bzw. Auseinandersetzung mit grundlegenden Problemen des 1. und 6. Tages.
Tag 9: Harter Trainingstag und Beginn von vorn.
(Ein Pferd hat ja irgendwie keine Wocheneinteilung wie wir Menschen, daher hat eine Trainingsphase manchmal mehr oder weniger Tage als wir Menschen für eine Woche einplanen)
Zum Longieren immer einen Sattel verwenden. Auf den Sattel wird dann der Longiergurt verschnallt.
Der Longiergurt allein hat auf dem Pferderücken eine schlechte Druckverteilung, daher baut sich sonst schnell falsche Muskulatur auf, die die Sattellage verschlechtert. Der Sattel allein liegt jedoch nicht gerade ruhig auf dem Pferd und sollte Gewicht haben, daher der Gurt drüber. Außerdem hat man am Gurt einfach mehr Verschnallmöglichkeiten, die der Tagesform des Pferdes angepasst werden sollte.
Ein Trainer wird dir auch sicher gern weiterhelfen, wenn du unsicher bist.
Du kanns mir auch gern eine PN mit einem Video schicken, dann schau ich mir dein Pferd mal an.