Sozialverhalten anerziehen?

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  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #1
Kendra

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So was mcih schon lange beschäftigt. Wir verbreiten hier ja immer wieder dass Meeris ein erwachsenes Meeri zur Erziehung brauchen.

Nun aber die Krux an der Sache: Wenn ich ein Meeri habe dass mit einem gleichalten Meeri z.B. 2 Jahre gelebt hat. Und dann stirbt das eine. Man setzt dem einen Meeri ein Jungtier zu.
Kann das ältere Meeri denn überhaupt dann dem Jungtier Sozialverhalten beibringen da es ja selbst keine erzieher hatte? Also müsste das Alttier auch schon von einem Alttier erzogen worden sein?
Wie wirkt sich das Ganze später aus?
Nur mal ein Beispiel:
Eine Gruppe harmoniert gut miteinander, sie kennen sich von klein auf (nehmen wir mal an es sind Geschwister mt Bruderbock) Irgendwann bricht die Gruppe auseinander....hat dann die Nichterziehung noch Einfluss auf spätere VGs oder lernen sie trotzdem weil sie dann irgendwann erwachsen wurden innerhalb ihrer Gruppe genug Sozialverhalten??
Oder nochmal was anderes gefragt: Ich hab zwei Jungtiere über zwei Jahre und setze dann ein gutsozialisiertes Tier dazu...lernen dann die anderen nochmal von diesem Tier?
Wisst ihr worauf ich hinauswill?
So nach dem Motto: wurde selbst nicht richtig erzogen ist aber schon Erwachsen, kann das Tier das dann überhaupt an Jungtiere weitergeben?
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #2
nein, kann es nicht in diesem Umfang. Ist aber abhängig vom Charakter.

wie gesagt, gerade die zweiergruppenhaltung fördert Verhaltensstörungen und Probleme bei der vergesellschaftung. Ist ein Schweinchen nicht gestört kann es in nahezu jede gruppe wechseln und es wird klappen, aber ich würde es jetzt nicht gerade zur erziehung einsetzen.

wenn man nun ein gestörtes tier bekommen sollte hilft eigentlich nur eines: rumprobieren was klappt. Mehrere gruppen zur Auswahl, mehrere gehege, wirklich Versuch und Irrtum.

Außerdem ist das wichtige an der Erziehung auch eine gewisse gruppengröße, nur ist eben ein erwachsenes dazu allemal besser als gar keines... optimal ist es dennoch nicht.
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #3
Nun ich dachte eben dass Babys die mit Babys aufwachsen dann eben auch später keine "Erzieherrolle" übernehmen können...dann kann man das so nciht bestätigen?
Ich meine woher weiss ich dass ein Tier "gestört" ist...das sehe ich doch erst in der Gruppe. Und kann ein solches Tier die Gruppe "falsch" erziehen?

Denn wenn wir mal ehrlich sind. Wo haben wir denn die gut sozialisierten Tiere? Es gibt ja so gesehen dann keine mehr, denn die Massen von Tieren (die viele von den "längeren" Meerihaltern haben, also die mit Verstand) wurden doch irgendwann in der Zoohandlung gekauft, aus Vermehrungen aufgenommen etc. Also alles Tiere die nicht gut sozialisiert sind.
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #4
Hi,
also ich kann nur von meinen beiden Jungs sprechen - sie waren beide noch Babys als sie zu mir kamen und sind ohne erwachsene Begleitung bei mir aufgewachsen. Beide wurden später über die Notstation in Gruppen vermittelt (Mädels).
Es hat - zumindest was das Sozialverhalten anging, überhaupt keine Probleme gegeben. Fin hat sogar noch länger unter Beobachtung sozusagen in einer Mädelstruppe verbracht (auf der Notstation selbst) und sich sofort ohne großartiges Vergesellschaftungs-TamTam mit seinen Mädels verstanden.

Also ich glaub schon, dass das Lernen in der Gruppe sehr viel ausmacht, aber dass eine gewisse "Grundsozialisierung" auch Instinkt ist.

Lg
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #5
Kommt ehrlich gesagt drauf an.

Animalhoarding oder massenvermehrung auf größerer Fläche ergibt besser sozialisierte Schweinchen als die aus einer Zucht, die dann zu zweit abgegeben wurden. Und die die ne weile im Zooladen saßen hatten wenigstens da mal sowas ähnliches wie eine gruppe um sich herum.

So doof wie es klingt, aber die züchterschweinchen, die dann mit 4 Wochen alleine zu zweit ausgezogen sind haben weitaus weniger Sozialverhalten lernen können als die vom massenvermehrer, der 20 tiere in einer Pferdebox laufen lässt und die danach noch ne Weile im Zooladen in einer Gruppe sitzen.
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #6
Also ich glaub schon, dass das Lernen in der Gruppe sehr viel ausmacht, aber dass eine gewisse "Grundsozialisierung" auch Instinkt ist.
Das beruhigt mich schon mal sehr, nachher haben wir in 10 Jahren alles nur noch Tiere die man nirgends mehr dazusetzten kann....
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #7
Meine waren von Privat und auch 4 Wochen. Aber ich hab da auch nur die beiden als Vergleichsschweinchen
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #8
Emblazoned, das ist eben auch nicht unbedingt vergleichbar wenn kastraten dann zu Weibchen kommen, Sexualverhalten ist angeboren und brommseln können sie auch schon mit zwei Wochen. meistens sind die Weibchen schwieriger, und Bockgruppen sind sowieso ein Kapitel für sich.
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #9
Das ist echt ein schwieriges Thema. Ich denke das kommt auch stark auf den Charakter des Tieres an. Und ob das Muttertier in einer gut sozialisierten Gruppe lebt, oder unter Stress steht. Ich denke das wirkt sich dann auch auf die Jungen und deren Sozialverhalten aus.
@SusannaC: ich kann nicht bestädigen, dass Schweinis die vom Züchter kommen weniger Sozialverhalten erlernt haben. Und ich kann das desalb nicht bestädigen, weil ich auch den Vergleich von Schweinis aus der Zoohandlung haben. Das kommt doch auf den Züchter drauf an.
Ein guter Züchter kann schon eine gewisse Einschätzung zu dem jeweiligen Meeri geben. Wie sich das Schweini und dessen Sozialverhalten dann weiter entwickelt kommt meiner Meinung nach auch stark auf die Haltungsbedingungen an.
Ich glaube nicht, dass man sagen kann, wenn zwei Babyschweine zusammen aufwachsen, dass sie dann kein Sozialverhalten haben. Ein Beispiel:
Mein schon verstorbener Carlo war ein so tolles Schweini. Total lieb. Keinerlei Anzeichen sich behaupten zu wollen. Er lebte mit meinen auch schon verstorben Gonzo zusammen. Die beiden waren ein friedliches Team. Als der Gonzo dann gestorben ist brachte ich Carlo mit zwei anderen Böcken zusammen. Alle wohlbemerkt erwachsen und nicht kastriert. Der Carlo der nur mit seinen Kumpel Gonzo aufgewachsen ist. Hat sich gut in die betehende Gruppe eingeordnet. Nur eins der anderen Schweinis dachte wohl es wär ein Mädel. Aber das Verhalten ist ein anderes schwieriges Thema. Also mir zeit das dass es wohl auf das Schweini drauf ankommt. Aber ich denke auch, es beeinflußt das Verhalten von Meeris, wenn die vorher schon was gelernt haben.
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #10
Es gibt gute züchter, aber auch verdammt viele, die babys abgeben, kaum dass sie 250-300g wiegen. da sind gerade zuchtschweinchen oft ganze zwei Wochen alt.

Natürlich kann sich auch so ein Schweinchen zu einem "Pseudoweibchen" entwickeln, das sein leben lang kein einziges mal brommselt, das spricht aber nicht gerade für den Züchter, sondern ist eher ein Hinweis auf Stress beim Muttertier.

Hättest du deinen Carlo nun nicht in Bockgruppen halten wollen, sondern einen haremswächter gewollt wärst Du nicht so glücklich gewesen - und das ist eben das natürliche normale verhalten von Böcken, und nicht dass sie niemals aufmucken.

Für mich zählt das schon zu gestörtem Verhalten, wenn auch im falle einer Bockgruppe zu nicht unerwünschtem gestörtem verhalten.
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #11
Muss dazusagen, dass der Carlo nicht vom Züchter kam.
Und ja in diesen Fall war das Verhalten von Carlo eher nicht von Nachteil. Normal ist es bei mir so, dass meine Böcke schon mal aufmucken.
Wiederspreche dir nicht, dass Pseudoweibchenverhalten gestörtes Verhalten ist. Der Carlo kam übrigens aus der Zoohandlung.
Ich denke nicht, dass man Meeriverhalten pauschalisieren kann. Das ist echt ne schwierige Sache. Die sind so komplex in ihren Sozialverhalten
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #12
Da spielen einfach viele Komponenten mit und es sind nicht alle gleich, es ist auch Charaktersache und auch nicht alle Meerschweinchen mögen sich, wenn in einer Gruppe z. B. zwei nicht miteinander können, muss dass nicht zwangsläufig heißen, dass eines davon oder sogar beide, schlecht sozialisiert sind.

Zwei meiner Meerlis sind auch noch aus der Zoohandlung, ich habe sie zusammen gekauft, die sind bei mir unter völlig gleichen Bedingungen aufgewachsen, trotzdem total verschieden. Gipsy ist das zutraulichste meiner Meerlis und Rusty ist mein Angstschwein. Beide haben auf die Vergrößerung meiner Gruppe durch die Geburt von Peggys Babies und durch meinen Kastraten, der danach noch eingezogen ist, völlig unterschiedlich reagiert. Während Rusty durch die Gruppenvergrößerung einen großen Sprung in Richtung Vertrauen und Sicherheit bekommen hat, rennt nicht mehr bei jeder Kleinigkeit weg, kommt besser zur Handfütterung, ist viel relaxter. Dagegen hatte Gipsy richtig Stress damit, sie ging den anderen aus den Weg, zog sich zurück, legte sich mit Peggy an usw. sie brauchte Zeit um sich an die neue Gruppengröße zu gewöhnen.

Inzwischen sind sie aber eine muntere eingeschworene Gruppe und alle fühlen sich wohl.

Jedoch steht einwandfrei fest, daß Tiere die in der Gruppe mit anderen Meerschweinchen unterschiedlichen Alters aufgewachsen sind, wesentlich seltener Schwierigkeiten bei Vergesellschaftung und im Zusammenleben mit anderen haben.
 
  • Sozialverhalten anerziehen? Beitrag #13
man muss auch bedenken, dass es eben eine sensible Phase in der jugend gibt. Wenn man die komplett verpasst wird es nicht mehr so wie vorher.
 
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