Durchsetzen durch Treten?

Diskutiere Durchsetzen durch Treten? im Pferde Ausbildung und Reiten Forum im Bereich Pferde Forum; Hallo ihr Lieben, Ich hab mal eine Frage zum Thema Durchsetzen. Ich habe vor ein paar Jahren mit meiner Freundin Reiten im Westernstil gelernt...
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  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #1
Serayla

Serayla

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Hallo ihr Lieben,

Ich hab mal eine Frage zum Thema Durchsetzen.

Ich habe vor ein paar Jahren mit meiner Freundin Reiten im Westernstil gelernt und war auch mit der Ausbildung vollkommen zufrieden weil es so schonend fürs Pferd ist (z.B. man als Anfäger dem Pferd keine Schmerzen im Maul zufügt durch zu starkes Ziehen an der Trense usw)

Nachdem unsere finanziellen Mittel ziemlich erschöpft waren und wir uns die Reitstunden mehrmals in der Woche nicht mehr leisten konnten haben wir uns nach einer Möglichkeit umgeschaut bei Privatpersonen immer mal Reiten zu können.

Haben dann auch jemanden gefunden der und angeboten hat seine Connemaras zu reiten. Erst gemeinsam mit dem Besitzer damit er sehen kann was wir können und später auch alleine. Das Problem war dass sie im Englischen Stil geritten wurden. Also hab ich mir gedacht ich nehm mir sicherheitshalber noch ein paar Reitstunden in dem Stil damit ich nicht völlig unwissend auf dem Pferd sitz. Besitzer meinte zwar das wäre nicht nötig das is schnell erklärt aber ich fühlte mich so sicherer.

Also bin ich zu einer Reitschule und habe meinen absoluten Traum einen Friesen als Schulpferd bekommen. Jetzt zu meiner Frage:

Ich stand da in der Box und war dabei das Pferd zu striegeln. Das Pferd ist ein bisschen auf mich zu gekommen oder wie soll ich das beschreiben hat sich an mir angelehnt. Also er hat mich nicht bedrohlich in die Ecke gedrängt oder sowas in der Art hatte auch keine Angst. In dem Moment is draussen jemand vorbei gelaufen (Bestitzer eines Einstellers) und hat mich ziemlich angefahren ich soll ihm mit dem Knie in Bauch treten :shock: und dass er das nicht darf. Ich hab gesagt dass ich ganz bestimmt nicht mein Knie in seinen Bauch rammen werde. Daraufhin meinte die Person ich würde schon sehen was ich davon hab und dass ich das Reiten jetzt vergessen kann weil ich mich nicht durchgesetzt habe und er jetzt nicht mehr auf mich hört. Ich war dann total verunsichert und hatte bisschen Bammel vor der Stunde is ja auch ein rießen Tier.

Die Reitstunde verlief aber absolut unkompliziert er hat super auf meine Hilfen reagiert und kein bisschen gezickt. Was mich ja ziemlich stolz da oben gemacht hat :D Aber da es ein Schulpferd ist wird er das gewohnt sein auf seinen Reiter zu hören. Meine Frage ist nun ob das wirklich notwendig sein kann dem Pferd weh zu tun oder ob es nicht ausreicht es einfach weg zu schieben und evtl zu schimpfen?

Ich versorge jetzt auch 3 Privatpferde und hab auch noch vor mich beruflich mit Pferden zu beschäftigen. Also kann ja immermal so eine Situation eintreten und es würde mir wiederstreben den Tieren weh zu tun.

Danke schon mal im Vorraus

Liebe Grüße
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #2
Wenn es dich bedrohlich in eine ecke drängen würde, dann musst du schon zeigen, wer hier der chef ist.
aber so wie das beschreibst, ist es ja nicht gefährlich. allerdings darfst du nie zu viel durchgehen lassen.
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #3
Viele sagen ja, Pferde untereinander treten sich auch. Nur sind wir Menschen und keine Pferde. Vom Treten oder schlagen halt ich nichts. Eher bestimmt wegschieben oder mal die Hand hoch nehmen und laut Nein! oder so sagen! Ich mag diese Reiter nicht, die ihre Pferde so behandeln! Ein pferd ist NIE von Natur aus Böse oder zu aufdringlich. Das ist alles aus Menschenhand. Bist du freundlich zu ihm, ist er freundlich zu dir.

Und wir wollen doch alle, das unsere Pferde uns vertrauen oder nicht?
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #4
Hi,

da meine Eltern Reiter sind... ich selbst hab nur wirklich Erfahrungen mit nem Hengst vorzuweisen... Der neigt dazu, zu beißen. Beim ersten Versuch (ich lass mich schließlich nicht beißen Oo) wird geknurrt, beim zweiten Mal zwick ich ihn in die Nase. Versucht er es dann nochmal, setzt es was.
Ich hab mich lange geweigert, das zu machen, aber irgendwo muss man doch Grenzen ziehen und ein Pferd hört nicht unbedingt auf ein bestimmtes Nein. :roll:
Wegen einem wenige Anlehnen beim Putzen würd ich nichts machen, ich hab immer nur leicht nachgegeben, wenn zu viel Gewicht kam :mrgreen: Mein Vater meinte, das wäre das gleiche, als ob ein Hund sich wegen Kraulen hinlegt/anlehnt, nur das Gewicht ist etwas unterschiedlich...

Grüße
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #5
vielen Dank für die Antworten ich kenns eben auch nur maximal so dass man das Pferd mit der Schulter mal anpufft oder laut Nein sagt aber das mit Knie gerade in die Bauchgegend erschien mir doch zu extrem.

Bei was würdet ihr sagen dass man schon durchgreifen muss? Viele schimpfen zb wenn ein Pferd beim Putzen mal einen Schritt weiter geht andere erst wenn es z.b herum fährt um zu beissen. Wo ist bei euch die Grenze wo man sagt okay lass ich noch durchgehen bis zu dem Punkt wo man wirklich eingreift?
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #6
Also wenn das Pferd dich verarscht, oder keinen Respekt zeigt, würde ich ihn gegen die Brust klappsen bestimmt NEIN sagen. Sollte es dann wieder kommen, wieder klappsen und rückwärtsrichten.

Damit bin ich bisher immer prima gefahren.

LG
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #7
Hi

also generell, Niemals das Pferd treten, das ist absoluter quatsch was die dir da erzählt hat.
Wenn das Pferd auf einen zukommt und man dieses nicht möchte, dann schiebe das Pferd einfach weg, reagiert es nicht drücke etwas doller und wenn es dann immernoch nicht reagiert, dann kannst du es etwas kneifen, wenn es weicht sofort loben
jedesmal wenn das wieder passiert machst du das gleiche aber immer klein anfangen.
aber bitte niemals treten und erst recht nicht unter den Bauch, der Bauch ist so mit das empfindlichste am Pferd und wenn du es dorthin trittst wird es sich das merken und irgentwann hast du dann ein gewaltiges Problem, weil es zurücktreten wird... und ich denke mal da hat das Pferd die stärkeren Argumente...

Also immer wenn das Pferd etwas macht was es nicht soll immer bei Phase1 anfangen und dann steigern wenn es das nicht tut.

LG

Integra
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #8
Hey.
Ich halte das mit dem treten auch für absoluten Blödsinn.
Was ich aber kenne: Setzt man sich auf dem Boden nicht durch, kann es durchaus sein, dass das Pferd beim reiten macht was es will.

Ich reite seit 5 Jahren ein- und dasselbe Schulpferd, sprich: Ich kenne ihn (Pony-Mix-Wallach) sehr gut.
Er denkt sich permanent neue Macken aus. Eine war z.B. mal sich beim putzen die ganze Zeit von einem wegzudrehen.
Kam man nach hat er geschnappt.

Das erste Mal war ich total perplex und hab ihn machen lassen. Beim reiten war er dann eine totale Sau.
Hielt mitten aus dem Trab an, ging keinen Millimeter mehr vorwärts usw.

Beim nächsten Mal habe ich ihm einen Klapps auf die Brust gegeben und ihn, sobald er sich bewegt hat, ermahnt. Mit einem deutlichen Nein. Hat er sich trotzdem bewegt, habe ich ihn jedes Mal in die Gegenrichtung geschoben.
So hat er dann kapiert, dass er sich nur noch mehr bewegen muss, wenn er sich von mir wegdreht.
Beim reiten war wieder alles super :)

Also: Durchsetzen ja, das Pferd misshandeln (und ja, treten sehe ich als misshandeln) definitiv NEIN!
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #9
huhu ;

Das mit dem treten hab ich auch schon mehrmals gehört! Hab es auch schon oft bei nem Hufschmied gesehn der sie dann unter den Bauch rennt oder mit den Werkzeugen schlägt! Ich finde es einfach ungerecht was für eine Einstellung manche Menschen haben was das angeht . Die sagen dann ja wenn es unter den Pferden so ist musst du es auch so machen , aber Hallo?! die Pferde haben ja untereinander auch ein ganz anderes Vehältnis wie wir zu den Pferden . Das Pferd geht mit uns ja auch nich so um wie bei seinen Artgenossen? Wenn wir hinter ihnen stehen rennt es uns doch nicht einfach wenn ihm das nicht gefällt (Klar es gibt immer ausnahmen.aber ich hoffe ihr versteht was ich meine ;) )

Lg
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #10
Wegschieben sollte man auf keinen Fall. Das Pferd muss weichen und nicht mit größten Körperaufwand wegbewegt werden. Man muss das Pferd aber auch nicht KO schlagen, um es zum Weichen zu bewegen. Die meisten Pferde hören, wenn man einfach die Stimme erhebt, also sozusagen schimpft.
Ich bin auch kein Fan von Gewalt, aber gerade in meinem Beruf muss ich nun einsehen, dass es auch um meine Sicherheit geht. Wenn ich eine Paddockbox einstreuen will und die Pferde nicht raus ins Paddock gehen, habe ich ein Problem: Die treten, die keifen, die interessiert nicht, dass ich da bin. Also müssen sie nach draußen. Wer nicht hört, muss eben spüren, ich habe nicht die Zeit mit jedem einzelnen noch mal Bodenarbeit zu machen oder Pferdeflüsterer zu spielen, bevor ich die Box einstreuen kann...
Manchen Pferden muss man eben erstmal beweisen, dass man der Stärkere ist. Natürlich sollte ein Pferd schon auf das Erheben der Stimme reagieren. Sollte, hätte, könnte, würde. Das ist aber eben nicht der Regelfall ! Und gerade Schulpferde sind da so verzogen durch undurchsichtiges Verhalten ihrer Reiter, dass sie total stumpf werden.

Aber !! Bei Privatpferden habe ich gesehen wie sich solch ein verzogenes Pferd gerade zu zu einer aggressiven Furie entwickelt ! Ich habe noch nie solche Mistviecher gesehen, wie es teilweise Privatpferdehalter zu verziehen schaffen '!

Natürlich prügele ich nicht wüst auf das Tier ein oder versuche es ernsthaft zu verletzen. Aber ich muss eben irgendwie meine Überlegenheit beweisen, wenn mir das Pferd keine andere Möglichkeit gibt. Physische Gewalt ist für mich das letzte Mittel, wenn aller psychischer Druck nichts auszusetzen vermag.

Allerdings, und da stimme ich zu, ist in deiner Situation, so wie du sie schilderst, absolut kein Tritt oder Schlag notwendig. Wozu sollst du das Tier denn in der Situation bitte strafen ? Es hat ja nichts gemacht. Wenn es dich einengt, piekst du es eben einmal, sagst "geh um" und es weicht, da muss man doch nicht gleich bösartig werden... Böse werden muss man erst, wenn das Tier dich mit Anschwung einzuquetschen droht.

Aber ... wieso putzt ihr das Tier eigentlich in der Box ?! Man putzt Pferde nicht in der Box, gerade weil man da eben "gefangen" ist.
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #11
Jetzt wo du es sagst. Es war zwar ne große Halle mit vielen Boxen aber es gab nur eine schmale Boxengasse und nen vereisten Hof und da dort eine Schulgruppe aus 10-15 Schülern bestand konnten die Pferde nicht in der Gasse vorbereitet werden. Hab aber ne zeitlang bei einem Züchter ausgeholfen und musste da auch die Boxen mit Pferd drin misten, die kannten das sind von selber immer auf die andere Seite von daher kam mir das Striegeln und Satteln in der Box gar nicht komisch vor.

Schon verrückt das sind Sachen darüber macht man sich als Reitanfänger gar keine Gedanken aber jeder Profi und Pfereerfahrene würde die Hände überm Kopf zusammenschlagen wenn er manche Gegebenheiten sieht.
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #12
Das mit dem Misten hast du sowieso überall. Eigentlich muss man das Pferd vor dem Misten herausführen. Aber das macht kein Mensch so... es sei denn es ist ein Privater, der dazu alle Zeit der Welt hat ;)

Na ja, es ist ja nun kein Verbrechen, dass du das Pferd in der Box putzt, tu ich auch hin und wieder mal. Aber ich finde, dass Reitschülern eigentlich was Besseres geboten werden sollte. Ein schöner heller Putzplatz, der auch zugänglich ist.
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #13
vor allem wäre es sicherheitstechnisch sehr wüschenswert wenn Schüler nur auf einem Platz putzen.

Ich hatte schon mehr als ein mal eine unschöne situation, vor allem weil das pferd ein zickiger Kaltblutmix war. die hätte mich mehr als ein mal fast wie ne fliege an der Wand zerquetscht.

Doch einen Putzplatz gab es nicht...
Off-Topic
wir haben nach der 3ten "fast-zerquetsch-aktion" das pferd nur mehr zu 2t geputzt. einer hielt es draußen mit strick und halfter, und ich putzte


aber wenn sich das pferd nur leicht anlehnt ist das meiner meinung nach nichts was bestraft gehört. ok, man sollte dem pferd erklären dass man als mensch zum anlehnen nicht stabil genug ist... aber da muss man ja nicht treten.

Off-Topic
zum treten noch was: das oben erwähnte klatblut hat ein kleines problem mit männern: sie nimmt sie einfach nicht für voll. Hufe geben sieht dann dementsprechend aus. die riesenteile bleiben am boden. im reitstall gab es dann einen superschlauen reitlehrer, der meint sie MUSS jetzt SOFORT hufe geben. und trat mit voller wucht dagegen.

ende der geschichte: mann hatte 2 gebrochene zehen, die hufe blieben am boden. und er wurde entlassen
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #14
ja da geb ich dir Recht schon allein aus versicherungstechnischen Gründen weils wirklich gefählich sein kann vor allem für kleinere Kinder und Jugendliche die erst noch den Umgang und die Körpersprache des Pferdes erlernen und verstehen müssen.

Auf jedenfall bedanke ich mich für die vielen Antworten und kann jetzt auch sicherer mit den Pflegepferden umgehen
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #15
Hi!

Ihr habt hier ja die gesamte Bandbreite des Pferdehandlings beschrieben, die einem landläufig beigebracht wird!

Aber dabei wird immer völlig mißachtet, wie Pferde wirklich miteinander umgehen und wie man als Mensch sie handeln sollte, um die sicherste Position in der Herde zu haben und somit auch am einzelnen Pferd!

Herdenzusammensetzung:

Geborene Leitstute: Ist überlegen aufgrund ihrer besseren Sinneswahrnehmung, ist ausgeglichen und schlägt nur, ausschließlich (!), wenn sie in die Ecke gedrängt wird und selbst geschlagen wird, also nur um sich zu Wehren!
Muß sie sich Respekt verschaffen, wird er ihr also nicht von vornherein entgegengebracht, wie eigentlich üblich, so droht sie mit angelegten Ohren oder auch mal mit gebleckten Zähnen.

Ranghohe Stuten: (Können in Ermangelung einer geborenen Leitstute auch die Herde anführen) Sind "zickig", drohen oft, treten und beißen oft, versuchen immer die höchste Position hinter der geborenen Leitstute einzunehmen. Führen sie die Herde, ist viel Unruhe da, da die anderen ebenso "zickig" reagieren.

Rangniedrige Stuten: Legen die Ohren auf "hab Acht" und weichen aus.

Hengste: Dürfen in der natürlichen Herde, die Herde verteidigen und müssen vor der geborenen Leitstute kuschen.
In einer reinen "Herrengruppe" bildet sich keine dauerhafte Rangordnung, es wird immer eine "Prügelgesellschaft" bleiben.

Wallache: Verhalten sie sich nicht wie Hengste, so versuchen sie in der Herde die Position einzunehmen, die ihre Mutter innehatte.

Generell: Pferde nutzen ihre Stimme um andere auf Abstand zu bringen, durch kurzes, lautes, meist grelles Aufschreien, beachte, die Antwort ist ein Zurückweichen bei dem gleichzeitig der Kopf hochgerissen wird!

Ganz allgemein gilt: Druck erzeugt Gegendruck!

So mit diesem Wissen im Hinterkopf solltet ihr euer Verhalten im Umgang mit Pferden noch einmal überdenken! Denn, merke, Pferde sind so "bewaffnet", daß sie in einem 360° Radius über die 1 1/2 fache Pferdelänge lebensbedrohlich gefährlich sind für einen Menschen, sind sie beschlagen, wird es nur noch gefährlicher.

Euer Auftreten einem Pferd gegenüber sollte somit immer ruhig und in überlegenen Haltung sein, da dies der einzige Schutz ist, den wir Menschen einem Pferd gegenüber haben. Schlagt die Pferde ruhig oder kneift und knufft sie, irgendwann werdet ihr auf ein Pferd treffen, das mit Kampf antwortet, das Pferd, selbst das kleinste Pony, hat immer mehr Kraft als wir Menschen und wird somit immer der Sieger sein.

Rückwärtsweichen wird ein Pferd nur vor der geborenen Leitstute, dies ist die höchste Form der Demütigung, übt mit den Pferden Rückwärtsrichten, allerdings nicht zu lange und nicht zu oft, ihr wollt sie ja psychisch nicht niedermachen, aber sie sollten ohne Berührung auf Handzeichen und Stimme reagieren.
Setzt eure Stimme ein, kein Schreien oder Kreischen, wenn die Stimme "kippt" signalisiert ihr Schwäche, mehr ein extrem lautes Sprechen mit viel Druck auf dem Brustkorb.

Ich habe seit 31 Jahren immer auch viel Zeit damit verbracht, die Pferde zu beobachten und habe das Glück eine natürlich gewachsene Herde zu besitzen, ich führe mehrere Pferde gleichzeitig sicher, da ich als "geborene Leitstute" akzeptiert werde, dadurch ist der gesamte Umgang, am Boden, wie auf dem Rücken sicherer.
Und Konsequenz hat nichts, aber auch gar nichts mit körperlicher Züchtigung zu tun!

Unser Deckhengst wollte eine zeitlang nicht auf den Anhänger, wenn es von der Herde wegging. Hat Frauchen hinter ihm die Stimme erhoben, ist er aber ganz schnell freiwillig auf den Hänger getuckelt!

Es erfordert Selbstdisziplin sein Verhalten so umzustellen, aber auch fremde Pferde erkennen euer Verhalten dann sofort, auch wenn sie anderes gewöhnt sind.

Ich behandele Pferde, die als unreitbar bezeichnet werden, all diese Pferde haben Schmerzen, sie drohen mir während der Behandlung oftmals und es sieht für den Zuschauer manches Mal erschreckend aus, aber sie würden es nie wagen mich zu verletzen, weil ich das Verhalten einer "geborenen Leitstute" zeige.

Nur in Situationen, wo sie anderen Menschen gegenüber, gezielt oder auch nicht, gefährlich werden, wenn ich daneben stehe, bekommen sie mit der Rückseite der Hand einen Klaps an den Hals, aber mehr um sie aufmerksam zu machen und gleichzeitig erhebe ich meine Stimme, immer mit der entsprechenden Reaktion.

Es ist natürlich jedem selbst überlassen wie er mit Pferden umgehen möchte, aber so ist es natürlich und deutlich weniger gefährlich und Pferde sind für uns Menschen nun einmal schon allein aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts gefährlich.

Ich würde mich sehr freuen, wenn mein Beitrag den einen oder anderen von euch zum Nachdenken und, noch schöner natürlich, zum Umdenken anregen würde!

Lg Nebelchen
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #16
Hi Nebelchen

zum Nachdenken angeregt :) und deshalb gleich eine neue Frage:

Du schreibst die geborene Leitstute schlägt normal nicht, nur wenn sie selbst geschlagen oder bedrängt wird. Ansonsten droht sie mit ihrer Körpersprache.

aber wie kann ich das als Mensch denn genau auf mich übernehmen ich kann ja meine Ohren nicht anlegen und hab auch sonst nicht die "Pferdeausstattung" um ihnen meine Stimmung zu zeigen. Läuft dann alles über Stimme und Handzeichen?

Man hat mir gesagt dass Pferde zurückweichen wenn man sich "breit" macht also die Arme ausbreitet und sie auch eher zu einem kommen wenn man seine Hände bei sich behält und sie ihnen nicht entgegenstreckt. Es wurde mir auch gesagt wenn ein Pferd die Ohren anlegt sollte ich nicht hingehen. Aber wenn ich die Leitstute sein will oder als solche akzeptiert werden will dann müsste ich in einer so einer Situation doch irgendwas machen oder?

Ich glaube jeder träumt davon so wie du mit seinem Pferd nicht über die Menschenebene sondern über die Pferdeebene eine Partnerschaft zu haben.

Was sind denn so die grundlegenden Verhaltensweisen die ein Pferd gut versteht oder es nich ängstigen, ausser mit ruhiger Stimme zu reden und keine hektischen Bewegungen zu machen?
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #17
Hi, Serayla!

Hast Du schon mal mit einem Pferd gespielt?

Da gelten die gleichen Regeln.

Durch die Position eurer Körper zueinander, kannst Du das Pferd ausbremsen, zum Wenden bewegen oder zum schneller werden, je nachdem auf welcher Höhe des Pferdekörpers Du Dich befindest und dies sind keine Regeln, die erst irgendein "Guru" herausgefunden oder festgelegt hat, die galten schon immer.
Am besten ist das Ausprobieren mit einem Pferd und dabei aufmerksam auf seine Reaktionen achten!
"Groß machen", also nicht Arme ausbreiten, sondern aufrecht, aber ohne aufgesetzte und übertriebene Spannung hinstellen, wie schon erwähnt soll Deine innere Einstellung, Deine Haltung ruhig und überlegen sein.
Deine Stimme ist ein mächtiges Werkzeug im Umgang mit den Pferden, Du kannst ruhig und leise mit ihnen sprechen, wenn sie Angst haben und unsicher sind, sind sie aber zu Dummheiten aufgelegt oder "aufmüpfig" bzw. unkonzentriert solltest Du Deine Stimme erheben, wie schon erwähnt sollte sie nicht kippen.
Die Pferde imitieren bzw. reflektieren beim Reiten wie auch am Boden unsere Körpersprache, sie können unsere Statur leichter auf ihren eigenen Körper umsetzen, als wir ihre auf unseren.
Bei einem Fohlen ist es am leichtesten zu sehen, kraulst Du es am Hals, wird es u.U. eine andere Stelle an Deinem Körper "begnubbeln", um Dich dazu aufzufordern, diese Stelle doch bitte zu kraulen, es wird keine Probleme haben, an Deinem Rücken die Stelle zu treffen, die der juckenden an seinem eigenen Körper entspricht.
Um das Pferd zum Rückwärtsweichen zu animieren, stellst Du Dich frontal davor, natürlich nur, wenn es ruhig ist und nicht gerade im Begriff Dich eh umzulaufen, also nie den klaren Menschenverstand ausschalten! Gibst ihm ein Zeichen z.B. durch Fingerschnipsen in Richtung auf seine Brust zu, gibst Stimmsignal und tritts selbst in diese Richtung an und zwar mit dem Bein, das dem Pferdevorderbein, das sich als erstes bewegen soll/muß, gegenübersteht, das Ganze wie gesagt in entsprechend aufrechter Haltung.
Du mußt schon mit Deinem Auftreten so viel Sicherheit ausstrahlen, daß ein Widersetzen oder Nichtbeachten unmöglich gemacht wird.
Hast Du genügend Übung im gezielten Einsatz Deiner Stimme gesammelt, kannst Du auch ein "giftendes" Pferd in seiner Handlung, über Deine Stimme, unterbrechen.
Körperhaltung ist eben die dritte Ebene über die Du das Pferd erreichst.
Natürlich kann man auch durch das Heben oder Senken der Arme Einfluß auf das Pferd nehmen, ebenso dadurch, das Du auf es zustürmst oder -springst.
Solche Dinge probiert man wirklich am besten im Spiel mit einem Pferd aus, Du wirst überrascht sein, was sie alles wahrnehmen und verstehen. Wir sind diejenigen, die auf dieser Ebene eher unterentwickelt sind, deshalb immer schön darüber nachdenken, was Du gerade gemacht hast und wie das Pferd reagiert hat, bist Du zu einem Ergebnis gekommen, wiederhole das Ganze, ist eine Wiederholung überhaupt möglich und wie fällt sie aus, hast Du auch exakt das Gleiche gemacht wie zuvor?
Mein Jährling mag sich noch nicht von Fremden anfassen lassen, an sich kein Problem, wenn die Schmiedin da ist, dann schon, um ihm in aller Ruhe klarzumachen, daß er ihr den Huf geben darf, steh ich vor ihm und verlagere das Gewicht, er imitiert mich und entlastet damit den Huf, den die Schmiedin anheben will, ohne große oder laute Worte, ohne Geschiebe und Geschubse, läßt er seinen Huf vertrauensvoll von ihr anheben. Ich muß hier wohl auch noch erwähnen, daß ich meine Pferde ausschließlich alleine handle, ich mit den Fohlen vom ersten Tag an Hufe geben übe und sie sich am ganzen Körper von mir anfassen lassen, ich bin bei jeder Geburt anwesend gewesen, sprich die Fohlen wurden immer erst geboren, wenn ich da war. Aber sie kennen kaum fremde Menschen und reagieren irritiert, wenn diese Personen sich dann ihrer Körpersprache nicht bewußt sind.
Mein TA ist, oder sagen wir lieber, agiert wie ich, deshalb kann auch er ohne Probleme jedes meiner Pferde behandeln. Nun sind meine Pferde aber alles andere als scheu, im Gegenteil, sie kommen alle interessiert auf fremde Lebewesen zu, nur, wenn Menschen etwas von ihnen wollen, ist es ihnen unheimlich, wenn sie sich nicht richtig "ausdrücken" können, da sie von mir gewohnt sind, daß ich unmißverständlich mit ihnen kommuniziere.

Da ist ja nun an sich nichts geheimnisvolles dran, an meiner Art mit den Pferden umzugehen und ich kenne noch einige andere, die dies zumindest in ähnlicher Art und Weise tun. Man muß es eben nur wollen, sein Körperbewußtsein schulen, genau die Reaktion beobachten und Auswerten. Das sollte doch wohl jedem mehr oder weniger gut möglich sein, meine ich. Pferde fordern überdies auch keine Perfektion von uns Menschen, sie sind nur deutlich aufmerksamer und schneller zu begeistern, wenn wir uns ihnen verständlich machen können.
Sie müssen nämlich keinen Gehorsam lernen oder Gesten oder Befehle kennenlernen, wir müssen einfach nur ihre Sprache "sprechen", dann machen sie bereitwillig mit und zwar am Boden wie auch im Sattel!
Ach ja, da sind wir eigentlich auch wieder bei Deiner Ausgangssituation, die wesentlichen Unterschiede zwischen western und klassisch Reiten liegen darin, daß das Pferd im Klassischen um den inneren Schenkel gebogen wird und beim Western vorm äußeren Schenkel weicht in der Biegung, dann kannst Du im englischen Sattel die Schenkel gerade neben dem Pferd herunterhängen lassen und es dadurch "Einrahmen" (nicht zu verwechseln mit Zerquetschen ;)), läßt die Hände ggf. etwas tiefer und ziehst sie nicht über den Mähnenkamm und das wars, alles andere kannst Du so beibehalten. Rückwärtsrichten kannst Du über "Schwermachen" ebenso wie über "Entlasten" erreichen.
Wenn Du guten Westernunterricht hattest, versteht jedes Pferd Dich, da die Unterschiede in der Hilfengebung minimal sind, was ja auch logisch ist, da es auch die Sprache der Pferde ist und nur weil man andere Accessoires auflegt, wird das Pferd nicht seine Sprache ändern. Mittelmäßiger oder gar schlechter Klassisch Unterricht wäre eher kontraproduktiv!

Probiere und beobachte aufmerksam und traue Deinem klaren Menschenverstand, dann wird das schon!

Viel Erfolg und lg Nebelchen
 
  • Durchsetzen durch Treten? Beitrag #18
Danke dass du dir so viel Mühe gegeben und alles so ausführlich erklärt hast. Du hast mir damit sehr viel Sicherheit vermittelt. Ich hab früher zwar immer darauf geachtet was das Pferd macht wie es sich verhält aber ich habe nie genau auf meine Körpersprache geachtet. Jetzt kann ich viel entspannter und lockerer auf das Tier zugehen und werde genau beobachten welche Reaktionen es auf mein Verhalten zeigt.

Vielen Dank
 
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