Uii, das hört sich ja nach einer richtig schönen Baustelle an.
Gerade bei Pferden aus schlechter Haltung und bei kompletter Laufunfreude (auch faule Pferde sind nunmal Lauftiere), würde ich auf JEDEN Fall ein großes Blutbild machen lassen, incl. Kotprobe auf Würmer.
Bei fast allen dieser Pferde stellt man schlechte Leberwerte fest. Eine entsprechende Untersuchung würde vermutlich auch Magengeschwüre (ältere oder sogar aktuelle) feststellen.
Die Magengeschwüre sind kein Problem. Sie verheilen von selber, sobald das Pferd rund um die Uhr (mit nicht mehr als 4 Stunden Fresspause) Raufutter zur Verfügung hat und man ihnen den Stress nimmt. Bei kleinen Fressmaschinen (gerade die aus schlechter Haltung haben anfangs leider oft kein Sättigungsgefühl) sind Großraumheunetze ideal. Da können sie pausenlos dran fressen.
Ich kenne mehrere Pferde, die nach Magenproblemen durchaus 15kg und mehr Heu weggezogen haben und das auch brauchten. Es kann also sein, dass sich das Magenproblem schon gelöst hat oder es nur noch in abgeschwächter Form durch andere Grundprobleme latent immer wieder aufflammt.
Schwieriger sind dann schon die Leberprobleme, die quasi bei allen Pferden aus schlechter Haltung vorkommen. Die Leber erholt sich nicht von allein.
Nach Feststellung wird der TA zwei Therapiemöglichkeiten vorschlagen. Ich persönlich bevorzuge die schnelle Alternative - die Leberspülung durch Infusion. Je schneller man so ein Problem aus der Welt schafft, je besser für das Pferd. 95% der Pferde blühen nach der Therapie regelrecht auf.
So, nun zur Arbeit:
Dopellonge ist eine tolle Sache. Bei solchen Problempferden muss man nur extrem aufpassen. Oft sind sie da noch überfordert, die die DL ja gleichzeitig der Ausbinder ist. Entweder trauen sie sich nicht ans Gebiss und verkriechen sich schnell oder sie sind vorn wehrig und bekommen daher hinten immer mehr Druck. Das verführt dazu, dass Pferd mit der DL herunterzuziehen, statt es in Dehnungshaltung zu treiben. Sehr wenig Longenführer beherrschen das.
Einfacher für Longenführer und Pferd ist da schon das Körperband.
Es besteht aus einem Theraband oder zwei aneinandergeknoteten Stretchbandagen (gar nicht teuer). Man befestigt das Band am Sattelgurt, führt es um die HH des Pferdes und knotet es dann wieder am Sattelgurt auf der anderen Seite fest. Das Körperband liegt dort, wo auch die DL liegen würde, hat jedoch immer Kontakt zum Pferd und ist nicht so locker wie die DL.
Das Pferd bekommt durch die permanente Berührung ein besseres Körpergefühl für seine HH und seine Ausmaße. Der restliche Effekt ist wie bei der DL (Abkippen der Hüfte, vermehrtes Treten unter den Schwerpunkt, Lösen des Rückens, Weg zur Dehnungshaltung).
Vorne sollte das Pferd mit Dreieckszügeln in Wienerzügelverschnallung ausgebunden werden. Das Ausbinden soll so lang sein, dass sich das Pferd ohne Probleme in allen 3 GGA herausheben kann. Das Herausheben darf jedoch nur so hoch sein, dass die Nase zwar deutlich vor der Senkrechten ist, der Kopf gehoben werden kann aber der Unterhals trotzdem ausgeschaltet ist und nicht hervortritt. Viele Pferde brauchen die Kopffreiheit anfangs um die Schulter oben zu lassen. Kopf, Hals und damit auch die Schulter dürfen nicht runtergezogen werden.
Das Pferd soll durch geschicktes Treiben und Lob lernen, sich zu dehnen. Der Dreieckszügel dient nur als Begrenzung für den richtigen Muskelaufbau.
Arbeit zur Sensibilisierung an der Hand:
- Seitwärts treten lassen durch antippen mit den Fingern an der Schenkellage. Das Antippen sollte ganz leicht sein, wie eine Fliege die auf dem Fell nervt, dabei schnalzen und das Pferd zur vorwärts-seitwärts Bewegung animieren.
Sollte das Pferd anfangs trotz Geduld nicht reagieren, kann man am Anfang etwas gröber werden (Pieken oder schubsen). Jeder richtige Schritt wird gelobt.
Beherrscht das Pferd diese Übung, kann man sie durch Kitzeln mit dem Schlag der Gerte verfeinern.
Das bringt Schenkelgehorsam und macht die Seite des Pferdes sensibler für Schenkelhilfen. Außerdem ist das eine schöne, lösende Übung vom Boden aus.
- Vorhandwendung. Dabei tippt man das Pferd tief an der HH, so ca. 2 Handbreit über dem Knie. Vorn wird der Zügel angehoben um ein zu starkes Vorwärtstreten zu vermeiden. Es wird ein Schnalzkommando gegeben, was für das Pferd immer ein Bewegungskommando sein sollte. Es muss sich bewegen, wohin bestimmst du. Verweigert das Pferd, darf das Tippen auch ein Pieken oder gar ein Schubsen werden, niemals jedoch ein Schlag mit der Hand. Das Pferd wird nach den ersten 2 richtigen Schritten gelobt und erhält eine kleine Kraulpause.
Nach und nach wird das Pferd empfindlicher und wird schon auf einen Fingerzeig folgen.
Das Pferd wurd nur noch so gedreht - auch beim Herumtreten beim Putzen.
- Kopf senken. ca. 4 Finger breit hinter dem Genick wird der Mähnenkamm zwischen Daumen und Zeigefinger/Mittelfinger genommen. Du wirst das lange Nackenband fühlen können. Dieses kannst du zwischen den Fingern Schnippen. Das Pferd kann anfangs etwas unwillig reagieren. Nicht entmutigen lassen und nicht loslassen. Manchmal muss man am Anfang etwas mehr drücken. Sobald das Pferd den Kopf tief senkt, hörst du auf und lässt deine Hand nur locker kraulend liegen. Das Pferd wird reflektorisch entspannt. Die Übung wird anfangs nur in einer Umgebung gemacht, in der sich das Pferd absolut sicher fühlt. Nach und nach, wird das Pferd die Übung als Entspannung zu schätzen wissen und allein au die aufgelegte Hand den Kopf tief senken und gerade halten (anfangs oft noch schief).
Dieses ist eine Vertrauensübung mit der man ein Pferd immer wieder entspannen und damit belohnen kann. Bei jedem Handwechsel an der Longe, nach jeder gelungenen Übung erfolgt das Kopfsenken und eine Krauleinheit mit viel Ansprache.
Pferde, die über einen längeren Zeitraum so gearbeitet werden, lassen ohne Zutun des Menschen nach einer gelungenen Übung schon den Hals fallen und entspannen, sie erwarten den Krauler und erholen sich für die nächste Übung, der sie dann ganz locker gegenüberstehen.
Eine tolle Übung um langfristig Spannungen, die sich manchmal aufbauen zu lösen. Das Pferd fühlt sich bei dir wohl.
- Stehen, gehen und kommen. Das Pferd wird mit einem Wort abgestellt (ich nehme immer STEH, ich weiß sehr einfallsreich:mrgreen

. Ich entferne mich von dem Pferd im Rückwärtsgang, das Pferd muss mich anschauen (ansonsten wackel ich mit der Longe). Die Longe wird so lang abgerollt, dass sie auf dem Boden liegt, denn das Pferd spürt selbst das Gewicht der Longe. Sobald das Pferd vortritt mache ich eine energischen Schritt vor, hebe die Hand und sage sehr laut STEH bis das Pferd den Schritt oder halben Schritt wieder zurückgewichen ist. Anfangs ist vielleicht ein leichter (!) Schlag auf die Nase notwendig. Das Pferd wird sich - wenn es sehr eingeschüchtert ist, zur Seite drehen. Das ist kein Ungehorsam, sondern ein Nachgeben - es zeigt dir seine verletzliche Seite und zeigt, dass es keinerlei Aggession gegen dich hat. Zieh das Pferd dann einfach wieder gerade und sprich ruhig mit ihm. Nimm kurzfristig eine entspannte Haltung dabei an. Das Pferd wird lernen, dass du es nicht bedrohst, sondern nur einen Befehl einforderst. Beim Entfernen vom Pferd nimmst du eine gerade und dominante Haltung ein.
Sobald du dich angemesen entfernt hast, drehst du dich auf der Stelle um, lässt den Kopf hängen und fällst quasi völlig entspannt in dich zusammen. Du gibst das Stimmkommando für Bewegung (Schnalzen) und gehst so von dem Pferd langsam weg. Das Pferd soll dir nun folgen. Du sammelst die Longe beim Laufen ein, so dass das Pferd nach und nach zu dir kommt. Bleibt das Pferd wie ein Stein stehen, ruckst du an der Longe.
Diese Übung wird dir beim longieren sehr nützen, denn du kannst nach und nach durch Körpersprache das Pferd besser dirigieren, seine Konzentration auf dich wird steigen und es wird dich mehr beachten.
Longieren nach der Bodenarbeit:
Longieren am Knotenhalfter.
Das Pferd - nach Konditionierung durch Bodenarbeit - zu dir holen und wegschicken.
Du stehst so, dass deine longenführende Schulter weit vor ist, die Peitschenhand ist hinten, die Longe wird tief gehalten. Du selber befindest dich auf Schulterhöhe des Pferdes und schickst damit seine Schulter nach außen. Die Peitsche hält das Pferd vorwärts.
Handwechsel. Longenhand und Peitschenhand wechseln, ohne dass sich für das Pferd erstmal etwas ändert. Pferd ansprechen, durch sanftes ziehen an der Longe die Nase des Pferdes zu dir holen, 1-2 Schritte beherzt vorgehen und das Pferd dadurch stoppen (aufrechte Haltung) dabei vor dem Pferd mit der Peitsche treiben, so dass sich das Pferd umdreht und in gleicher Gangart (Schritt) in entgegengesetzter Richtung weiterläuft.
Zu dir holen - wegschicken
Das Pferd ansprechen, in die Hocke gehen (klein machen) dabei 2-4 Schritte zurückgehen und die Longe zu dir ziehen. Das Pferd muss dem Zug folgen und nach innen kommen. Anfangs kann das Pferd stur oder hektisch reagieren - nicht entmutigen lassen, sondern einfach durchsetzen. Danach auf der neu gewählten Zirkellinie weiterlongieren und das Pferd nach ca. einer Rund wieder rausschicken.
Das Pferd wird verstehen, dass wenn du in die Hocke gehst, der Zug am Halfter unweigerlich folgt und es wird schon nach innen kommen. Der Sinn ist, dass das Pferd dich beachtet und beobachtet, später entfällt das Ansprechen. Weiterhin wird diese Übung -wenn das Pferd diese beherrscht, was eigentlich nicht lange dauert- in allen 3 GGA durchgeführt und dann auch ausgebunden mit Körperband und Trense. Das Pferd kommt so vermehrt auf die HH und lernt sein Gleichgewicht zu finden.
Konzentrationsübung beim Reiten:
Grundsätzlich wird bei sich wiederholenden groben Fehlern die Übung verlassen und das Pferd wird scharf vorwärts geritten. Dann Rückkehr zur Übung. Konzentration und Zusammenarbeit wird belohnt. Sch....egal Verhalten und Unkonzentriertheit wird durch unangenehme Mehrarbeit und scharfen Worten bestraft (das ist Strafe genug, denn selbst hektische Pferde mögen Entspannung. Schlagen mit der Gerte, oder Strafen mit dem Sporen sind nicht notwendig. Strafe bedeutet Mehrarbeit, Unruhe und ein unzufriedener Mensch).
4 Springstangen als Kreuz hinlegen. In der Mitte müssen diese nicht zusammenstoßen, es darf ruhig ca. 1, Platz sein. Im Schritt über diese Stangen gehen und zwar mittig. Vor jeder Stange leise schnalzen und Zügel vor.
6-8 Pylonen im Abstand von ca. 1-1,5m in einer Linie aufstellen. Das Pferd eng um die Pylonen schlängeln lassen. Das Pferd wird sich erst versuchen quer zu stellen und die HH herauszuschieben. Der äußere Schenkel sollte daher schön hinten bleiben. Die Zügelführung sollte gleichmäßig quasi wie Fahren sein. Der Hals des Pferdes wird recht schnell sanft in beide Richtungen bewegt. Das Pferd kann die Übung nur schaffen, wenn es sich langsam, konzentriert und auf deine Hilfen achtend bewegt. Als Vorarbeit kann das Pferd auf Volten eine Acht gehen und dabei mit dem Hals per Zügelführung umgeschwenkt werden. Diese Volten sollten sowohl in Innen- als auch in Außenstellung geritten werden.
Eine Stange wird auf den Boden gelegt. Das Pferd wird mit der VH über die Stange gestellt. Die Stange befindet sich idealerweise hinter dem Reiterschenkel (die meisten Pferde stehen anfangs vorn zu eng an der Stange, weil sie unsicher sind, das ist nicht schlimm). Das Pferd wird nun über der Stange zu beiden Seiten seitwärts verschoben. Es darf die Stange nicht berühren oder übertreten. Das schult das Körpergefühl und das Vertrauen zum Reiter. Das Pferd wird die Stange beachten und als Hinderniss ansehen. Beim Überreiten einer Stange (wie beim Kreuz) zum Verlassen der Übung sollte der Reiter eine Stimmhilfe (Schnalzen) geben, die Zügel vor geben und auch mit dem Oberkörper ganz leicht vorgehen.
Das Pferd wird lernen auf leichte Sitzhilfen des Reiters zu reagieren.
Das Kleeblatt.
Hierfür wird das Pferd so ausgebunden, dass es seitlich nicht begrenzt ist (so es ausgebunden werden muss). Ein kurzes Martingal, Stoßzügel, Chambon oder Gogue sind geeignet.
Man stellt 4 Pylonen als 4-Eck auf. Je enger, je leichter, also ruhig von Pylone zu Pylone 5-7 m Abstand.
Man reitet gerade zwischen zwei Pylonen ein, durch die Mitte, dann an der hinteren linken Pylone eine Linksvolte (die kann ja so groß sein, wie man will), danach wieder durch die Mitte und immer an der jeweiligen hinteren linken Pylone eine Linksvolte. Das Ganze dann auch rechts herum. So reitet man quasi ein Kleeblatt aus. Wichtig ist hier der Unterschied zwischen Biegung und Geraderichtung. Das Pferd soll absolut mittig zwischen den Pylonen laufen und auch gerade bleiben. Auf der geraden Linie in der Pylonenmitte werden die Zügel vorgegeben, so dass das Pferd die Schultern oben lassen muss und nicht kippen darf (ansonsten Handwechsel). Diese Übung kann in allen 3 GGA geritten werden. Die Volten können ja so groß sein, wie der Reiter will.
Das Pferd lernt so selbständig sein Gleichgewicht zu halten, die Schultern oben zu lassen und die HH mitzunehmen (eine schleudernde HH ist sehr lästig für das Pferd, da die Übung so nicht klappt und es pausenlos korrigiert wird).
Kein Schrittreiten zum Aufwärmen, kein Trockenreiten
Das Pferd wird nicht mehr einfach im Schritt geritten. Es wird vor dem Reiten geführt. Sobald der Reiter in den Sattel steigt, kann er zwar Schritt reiten, aber niemals einfach so. Niemals eine lange Seite einfach Schritt reiten. An einer langen Seite sind mind. 1x anhalten, 2x Abwenden und Kruppe herein für einige Schritte. Sobald der Reiter in den Sattel steigt, muss das Pferd aufmerksam sein. Dieses System erfordert enorme Konzenration vom Pferd, daher muss man Pausen einplanen. In diesen Pausen steigt der Reiter erstmal ab. Nach und nach erhöht sich die Konzentrationszeit des Pferdes.
Grundsätzlich gilt, dass niemals Leerhilfen gegeben werden. Wenn das Pferd auf die erste Hilfe nicht reagiert (egal ob am Boden, an der Longe oder beim Reiten), wird die Hilfe freundlich verstärkt, danach erfolgt noch eine Verstärkung, danach Strafe. Das Pferd muss lernen, sich auf den Reiter zu konzentrieren. Die Konzentrationszeit kann nach und nach erhöht werden. Je mehr man sich so mit einem Pferd beschäftigt und je mehr Zeit man einplant (Pausen, Kraulen) je mehr wird das Pferd dem Menschen gefallen wollen und die Entspannung lieben. Diese Zeit zahlt sich am Ende aus.
Ich hoffe, ich hab alles verständlich beschrieben!?