Wie in die Tiefe arbeiten ?

Diskutiere Wie in die Tiefe arbeiten ? im Pferde Ausbildung und Reiten Forum im Bereich Pferde Forum; Hallo ! Ich habe da ein Problem: Und zwar arbeite ich derzeit mit einem Schulpony - Rasse ist mir nicht bekannt (Stockmaß vllt. 145-150cm), Alter...
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #1
SoylentGreen

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Hallo !

Ich habe da ein Problem: Und zwar arbeite ich derzeit mit einem Schulpony - Rasse ist mir nicht bekannt (Stockmaß vllt. 145-150cm), Alter auch nicht (schätzungsweise 10 Jahre).
Beim Reiten drückt es sich sehr raus, im Schritt ist es bereits möglich eine Anlehnung zu erarbeiten, im Trab ist aber sofort alles weg, das Pferd neigt dazu einfach unter einem "davonzurennen" und erst nach langer Zeit lässt es sich zumindestens in die Tiefe arbeiten. Galopp unter dem Reiter kann das Pferd nicht, man kann es zwar antreiben bis es irgendwann in den Galopp fällt, aber die korrekte Hilfe kennt es nicht.
Inzwischen kann das Pferd ansatzweise ein Schenkelweichen umsetzen und reagiert zumindestens besser auf den Versuch mit ihm eine Stellung und Biegung zu erreichen. Tempounterschiede klappen auch immer besser.
Das Pony hat einen recht hoch angesetzten Hals und bombastische Unterhalsmuskeln, aber keinerlei Rückenmuskulatur. Und es hat einen recht "starken" Trab.

Nun habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, das Pferd auch außerhalb meiner Reitstunde zu fördern. Es soll an der Longe Kondition und Gleichgewicht im Galopp aufbauen (und später mit Reiter lernen auf Kommando anzugaloppieren), sowie zumindestens eine Dehnungshaltung erlernen um seine Rückenmuskeln zu stärken. Auch Stangenarbeit will ich dazu machen.
Nun habe ich allerdings das Problem, dass das Pferd sich ohne Ausbinder nicht mal ansatzweise in die Tiefe locken lässt. Es schnaubt zwar und rennt nicht, aber von Abstrecken keine Spur. Ich habe es also mit Ausbindern (einfache Ausbindezügel, Laufferzügel (wie Dreieckszügel verschnallt, allerdings laaang eingeschnallt)) versucht, aber immernoch dasselbe Bild.
Kann mir da Jemand weiterhelfen ?
Außerdem ist es recht schnell demotiviert. Ist es demotiviert folgt Leistungsverweigerung. Wie kann ich dem Pferd mehr Spaß an der Arbeit vermitteln ?
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #2
Lass dich nicht entmutigen. Dein Pferd ist es schon. Gerade der Einsatz im Schulbetrieb macht dem Pferd zu schaffen. Daher ist Muskelaufbau das oberste Gebot um ihm seine Arbeit zu erleichtern.
Das Ausbinden würde ich auf jeden Fall beibehalten. Selbst wenn das Pferd nach längerer Arbeit den Hals etwas fallen lässt, so hat man während der Reiteinheit länger die falsche Muskulatur trainiert, als die richtige.
Wenn du also das Pferd in korrekter Haltung nicht länger trainieren kannst, als es beispielsweise im Schulbetrieb in falscher Haltung läuft, fürchte ich dass deine Bemühungen nur sehr wenige Früchte tragen werden - sorry.
Das Ausbinden würde ich jedoch noch verfeinern / ändern.
Bei solchen Pferden ist meist der Rücken weggedrückt, die Lende nach unten gedrückt und die Hüfte nach hinten gekoppt (HH nach hinten herausgestellt). Daher ist das oberste Gebot nicht den Kopf runter zu bekommen, sondern die HH unter den Schwerpunkt zu bekommen (was auch das Gleichgewicht verbessert) und den Rücken zu lösen.
Solche Pferde longiere ich sehr viel, egal ob auf einer Zirkellinie, ganze Bahn (dann laufe ich eben mit) oder über Stangen. Das Pferd sollte auf jeden Fall mit einem Körperband gearbeitet werden. Das ist ein Band, das am Sattelgurt befestigt wird, hinten um das Pferd geht (über dem Sprunggelenk) und dann auf der anderen Seite wieder am Sattel befestigt wird. Hierfür eignet sich ein Theraband oder 2 zusammengeknotete Stretchbandagen (nehme ich am Liebsten).
Das Pferd wird so hinten geschlossen. Es bekommt mehr Gefühl für seine HH und schiebt die HH mehr unter den Körper, was den Rücken löst und den Hals eher fallen lässt, da das dann eine angenehmere Haltung für das Pferd ist. So wird der Kopf nicht durch den Hilfszügel runtergezogen, sondern das Pferd nimmt einfach die angenehme und entspannende Haltung ein. Es verbindet dieses also mit einem Positiveffekt und den Ausbinder als Hilfe sich zu entspannen.
Die Gewöhnung an das Körperband sollte sanft und konsequent erfolgen. Falls du dazu Fragen hast, beschreibe ich das hier gern.

Beim Reiten kannst du auch ab und zu auf den Hilfszügel verzichten, wenn du entsprechende Übungen reitest. Das Pferd sollte vorher ablongiert werden. Anschließend werden nur noch im Schritt Konzentrationsübungen geritten, die dem Pferd seine Körpermaße bewust machen. Das Pferd soll lernen, wo seine HH ist und diese im Sinne der Übung unter seinen Körper schieben (kennt es vom Longieren als entspannend). Gleichzeitig schulen diese Übungen seine Koordination, sein Gleichgewicht und das Vertrauen zum Reiter. Dieses wird das Pferd dann hoffentlich an dir festmachen. Pferde können verschiedene Reiter sehr gut auseinanderhalten. Wenn du häufig genug mit dem Pferd übst, wird es dich selektiv anders behandeln als einen Reitschüler.
Wichtig bei diesen Übungen sind viele Pausen und sehr viel Lob. So wird das hektische Pferd ruhiger -trotz enormer Anstrengung, da ja die HH koordiniert werden muss und du gleichzeitig stark an seinem Gleichgewicht arbeitest.

Muskelaufbau, Gleichgewichtsfindung, Vertrauen (mal keine Schmerzen durch Rückenprobleme) und Körpergefühl stehen also erstmal auf dem Programm. Die Freude an der Arbeit stellt sich dann eigentlich immer von selber beim Pferd ein, da es in der Arbeit Entspannung und Anerkennung findet.

Schulpferde sind da häufig sehr dankbare Tiere, die sich nach einiger Zeit extrem auf das Programm einlassen. Du brauchst nur sehr viel Zeit, etwas Geduld und viel, viel Freude an abwechslungsreicher und nicht rasanter Arbeit mit dem Pferd (stehen ist ja auch mal schön). Eben Spaß am Pferd und nicht nur am Reiten, das Reiten bekommt man irgendwann geschenkt - das kann aber dauern.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #3
Das Pferd ist erst seit gut 1 Jahr auf dem Hof, es wurde damals bei einer Auktion mit einem weiteren Pferd zusammen ersteigert. Es kam aus schlechter Haltung, war verwahrlost und wie sich später herausstellte auch tragend. Der Verkäufer sagte, das Pferd wäre nicht geritten, allerdings war das Anreiten des Pferdes nicht besonders schwierig, wie man mir sagte.
Man könnte zudem sagen, dass ich "völlige" Kontrolle über den Einsatz dieses Pferdes habe: Es wird nur in Unterrichtsstunden geritten, die ich gebe. Insgesamt wird es 3 mal in der Woche (inklusive von mir) geritten.
So demotiviert durch den Schulunterricht kann es also eigentlich gar nicht sein.

Ein Körperband habe ich noch nie eingesetzt, wie funktioniert das ? Und: wäre da nicht auch die Arbeit mit einer Doppellonge eine gute Idee ? Oder vielleicht mit Langzügeln ? Damit hätte ich zumindestens Erfahrung.
Ich hatte vor mir richtige Dreieckszügel anzuschaffen und es damit weiter zu arbeiten. Die Laufferzügel waren etwas zu lang, aber eine gute Möglichkeit um das Pferd erstmal an den Kramusel zu gewöhnen, ich wusste ja schließlich nicht, ob es sich davor erschreckt und den Rückwärtsgang einlegt oder gar steigt.

An was für Konzentrationsübungen denkst du speziell ? Ich arbeite es im Schritt gerne Schulter vor oder Tendenz Schenkelweichen - auch mal auf dem Zirkel - um es für die Schenkel zu sensibilisieren und einfach ein wenig seine Hinterhand zu fordern. Volten oder Schlangenlinien um an der Lockerheit im Hals und Genick zu arbeiten.
Leider ist es aber so, dass alles, was das Pferd als anstrengend empfindet (galoppieren, langsam traben, Schenkelweichen), es demotivieren. Es wird triebig und geht erst wieder auf, wenn ich es "mal rennen" lasse. Dann entspannt es sich wieder, kommt vorwärts abwärts - aber erst wenn ich es schon etwas gearbeitet habe - und schnaubt ab.
Letztens beim Freilaufen hat es sich total verweigert als es galoppieren sollte . Es stellte sich einfach in eine Ecke und es war absolut nicht möglich es da wieder herauszutreiben, ich hätte wild peitschend im Dreieck springen können, es umrennen können, ich hätte es auch wüst schlagen können, brüllen können - alles nicht meine Art -, keine Chance, absolut dicht, als wäre es plötzlich taub. Auch wenn ich vorher reagiert habe, "NEIN" gerufen habe und nachgetrieben habe, lief es in die Ecke. Im Trab war die Variante noch möglich, es hat dann irgendwann Folge geleistet und war zufrieden, aber Galopp war ihm wohl nicht recht. Ich musste es diverse male vorbeiführen und dafür loben, bis es sich wieder daran hat vorbeitreiben hat lassen, worauf ich das Training auch beendet habe. Und beschlossen habe Freilaufen ist eine dumme Idee ;)
Auch beim Longieren wird es, wenn es keine Lust mehr hat deutlich langsamer und triebiger - das Problem ist aber nicht, dass es dann schweißgebadet und außer Atem ist, es schwitzt nach meiner Arbeit mit ihm höchstens leicht und muss nur einige Runden geführt werden bis sich die Atmung wieder normalisiert hat.
Oder werte ich Überforderung als Unlust ?

Liebe Grüße und danke für die tolle schnelle Antwort :)
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #4
Uii, das hört sich ja nach einer richtig schönen Baustelle an.

Gerade bei Pferden aus schlechter Haltung und bei kompletter Laufunfreude (auch faule Pferde sind nunmal Lauftiere), würde ich auf JEDEN Fall ein großes Blutbild machen lassen, incl. Kotprobe auf Würmer.
Bei fast allen dieser Pferde stellt man schlechte Leberwerte fest. Eine entsprechende Untersuchung würde vermutlich auch Magengeschwüre (ältere oder sogar aktuelle) feststellen.
Die Magengeschwüre sind kein Problem. Sie verheilen von selber, sobald das Pferd rund um die Uhr (mit nicht mehr als 4 Stunden Fresspause) Raufutter zur Verfügung hat und man ihnen den Stress nimmt. Bei kleinen Fressmaschinen (gerade die aus schlechter Haltung haben anfangs leider oft kein Sättigungsgefühl) sind Großraumheunetze ideal. Da können sie pausenlos dran fressen.
Ich kenne mehrere Pferde, die nach Magenproblemen durchaus 15kg und mehr Heu weggezogen haben und das auch brauchten. Es kann also sein, dass sich das Magenproblem schon gelöst hat oder es nur noch in abgeschwächter Form durch andere Grundprobleme latent immer wieder aufflammt.
Schwieriger sind dann schon die Leberprobleme, die quasi bei allen Pferden aus schlechter Haltung vorkommen. Die Leber erholt sich nicht von allein.
Nach Feststellung wird der TA zwei Therapiemöglichkeiten vorschlagen. Ich persönlich bevorzuge die schnelle Alternative - die Leberspülung durch Infusion. Je schneller man so ein Problem aus der Welt schafft, je besser für das Pferd. 95% der Pferde blühen nach der Therapie regelrecht auf.

So, nun zur Arbeit:
Dopellonge ist eine tolle Sache. Bei solchen Problempferden muss man nur extrem aufpassen. Oft sind sie da noch überfordert, die die DL ja gleichzeitig der Ausbinder ist. Entweder trauen sie sich nicht ans Gebiss und verkriechen sich schnell oder sie sind vorn wehrig und bekommen daher hinten immer mehr Druck. Das verführt dazu, dass Pferd mit der DL herunterzuziehen, statt es in Dehnungshaltung zu treiben. Sehr wenig Longenführer beherrschen das.
Einfacher für Longenführer und Pferd ist da schon das Körperband.
Es besteht aus einem Theraband oder zwei aneinandergeknoteten Stretchbandagen (gar nicht teuer). Man befestigt das Band am Sattelgurt, führt es um die HH des Pferdes und knotet es dann wieder am Sattelgurt auf der anderen Seite fest. Das Körperband liegt dort, wo auch die DL liegen würde, hat jedoch immer Kontakt zum Pferd und ist nicht so locker wie die DL.
Das Pferd bekommt durch die permanente Berührung ein besseres Körpergefühl für seine HH und seine Ausmaße. Der restliche Effekt ist wie bei der DL (Abkippen der Hüfte, vermehrtes Treten unter den Schwerpunkt, Lösen des Rückens, Weg zur Dehnungshaltung).
Vorne sollte das Pferd mit Dreieckszügeln in Wienerzügelverschnallung ausgebunden werden. Das Ausbinden soll so lang sein, dass sich das Pferd ohne Probleme in allen 3 GGA herausheben kann. Das Herausheben darf jedoch nur so hoch sein, dass die Nase zwar deutlich vor der Senkrechten ist, der Kopf gehoben werden kann aber der Unterhals trotzdem ausgeschaltet ist und nicht hervortritt. Viele Pferde brauchen die Kopffreiheit anfangs um die Schulter oben zu lassen. Kopf, Hals und damit auch die Schulter dürfen nicht runtergezogen werden.
Das Pferd soll durch geschicktes Treiben und Lob lernen, sich zu dehnen. Der Dreieckszügel dient nur als Begrenzung für den richtigen Muskelaufbau.

Arbeit zur Sensibilisierung an der Hand:
- Seitwärts treten lassen durch antippen mit den Fingern an der Schenkellage. Das Antippen sollte ganz leicht sein, wie eine Fliege die auf dem Fell nervt, dabei schnalzen und das Pferd zur vorwärts-seitwärts Bewegung animieren.
Sollte das Pferd anfangs trotz Geduld nicht reagieren, kann man am Anfang etwas gröber werden (Pieken oder schubsen). Jeder richtige Schritt wird gelobt.
Beherrscht das Pferd diese Übung, kann man sie durch Kitzeln mit dem Schlag der Gerte verfeinern.
Das bringt Schenkelgehorsam und macht die Seite des Pferdes sensibler für Schenkelhilfen. Außerdem ist das eine schöne, lösende Übung vom Boden aus.
- Vorhandwendung. Dabei tippt man das Pferd tief an der HH, so ca. 2 Handbreit über dem Knie. Vorn wird der Zügel angehoben um ein zu starkes Vorwärtstreten zu vermeiden. Es wird ein Schnalzkommando gegeben, was für das Pferd immer ein Bewegungskommando sein sollte. Es muss sich bewegen, wohin bestimmst du. Verweigert das Pferd, darf das Tippen auch ein Pieken oder gar ein Schubsen werden, niemals jedoch ein Schlag mit der Hand. Das Pferd wird nach den ersten 2 richtigen Schritten gelobt und erhält eine kleine Kraulpause.
Nach und nach wird das Pferd empfindlicher und wird schon auf einen Fingerzeig folgen.
Das Pferd wurd nur noch so gedreht - auch beim Herumtreten beim Putzen.
- Kopf senken. ca. 4 Finger breit hinter dem Genick wird der Mähnenkamm zwischen Daumen und Zeigefinger/Mittelfinger genommen. Du wirst das lange Nackenband fühlen können. Dieses kannst du zwischen den Fingern Schnippen. Das Pferd kann anfangs etwas unwillig reagieren. Nicht entmutigen lassen und nicht loslassen. Manchmal muss man am Anfang etwas mehr drücken. Sobald das Pferd den Kopf tief senkt, hörst du auf und lässt deine Hand nur locker kraulend liegen. Das Pferd wird reflektorisch entspannt. Die Übung wird anfangs nur in einer Umgebung gemacht, in der sich das Pferd absolut sicher fühlt. Nach und nach, wird das Pferd die Übung als Entspannung zu schätzen wissen und allein au die aufgelegte Hand den Kopf tief senken und gerade halten (anfangs oft noch schief).
Dieses ist eine Vertrauensübung mit der man ein Pferd immer wieder entspannen und damit belohnen kann. Bei jedem Handwechsel an der Longe, nach jeder gelungenen Übung erfolgt das Kopfsenken und eine Krauleinheit mit viel Ansprache.
Pferde, die über einen längeren Zeitraum so gearbeitet werden, lassen ohne Zutun des Menschen nach einer gelungenen Übung schon den Hals fallen und entspannen, sie erwarten den Krauler und erholen sich für die nächste Übung, der sie dann ganz locker gegenüberstehen.
Eine tolle Übung um langfristig Spannungen, die sich manchmal aufbauen zu lösen. Das Pferd fühlt sich bei dir wohl.
- Stehen, gehen und kommen. Das Pferd wird mit einem Wort abgestellt (ich nehme immer STEH, ich weiß sehr einfallsreich:mrgreen:). Ich entferne mich von dem Pferd im Rückwärtsgang, das Pferd muss mich anschauen (ansonsten wackel ich mit der Longe). Die Longe wird so lang abgerollt, dass sie auf dem Boden liegt, denn das Pferd spürt selbst das Gewicht der Longe. Sobald das Pferd vortritt mache ich eine energischen Schritt vor, hebe die Hand und sage sehr laut STEH bis das Pferd den Schritt oder halben Schritt wieder zurückgewichen ist. Anfangs ist vielleicht ein leichter (!) Schlag auf die Nase notwendig. Das Pferd wird sich - wenn es sehr eingeschüchtert ist, zur Seite drehen. Das ist kein Ungehorsam, sondern ein Nachgeben - es zeigt dir seine verletzliche Seite und zeigt, dass es keinerlei Aggession gegen dich hat. Zieh das Pferd dann einfach wieder gerade und sprich ruhig mit ihm. Nimm kurzfristig eine entspannte Haltung dabei an. Das Pferd wird lernen, dass du es nicht bedrohst, sondern nur einen Befehl einforderst. Beim Entfernen vom Pferd nimmst du eine gerade und dominante Haltung ein.
Sobald du dich angemesen entfernt hast, drehst du dich auf der Stelle um, lässt den Kopf hängen und fällst quasi völlig entspannt in dich zusammen. Du gibst das Stimmkommando für Bewegung (Schnalzen) und gehst so von dem Pferd langsam weg. Das Pferd soll dir nun folgen. Du sammelst die Longe beim Laufen ein, so dass das Pferd nach und nach zu dir kommt. Bleibt das Pferd wie ein Stein stehen, ruckst du an der Longe.
Diese Übung wird dir beim longieren sehr nützen, denn du kannst nach und nach durch Körpersprache das Pferd besser dirigieren, seine Konzentration auf dich wird steigen und es wird dich mehr beachten.

Longieren nach der Bodenarbeit:
Longieren am Knotenhalfter.
Das Pferd - nach Konditionierung durch Bodenarbeit - zu dir holen und wegschicken.
Du stehst so, dass deine longenführende Schulter weit vor ist, die Peitschenhand ist hinten, die Longe wird tief gehalten. Du selber befindest dich auf Schulterhöhe des Pferdes und schickst damit seine Schulter nach außen. Die Peitsche hält das Pferd vorwärts.
Handwechsel. Longenhand und Peitschenhand wechseln, ohne dass sich für das Pferd erstmal etwas ändert. Pferd ansprechen, durch sanftes ziehen an der Longe die Nase des Pferdes zu dir holen, 1-2 Schritte beherzt vorgehen und das Pferd dadurch stoppen (aufrechte Haltung) dabei vor dem Pferd mit der Peitsche treiben, so dass sich das Pferd umdreht und in gleicher Gangart (Schritt) in entgegengesetzter Richtung weiterläuft.
Zu dir holen - wegschicken
Das Pferd ansprechen, in die Hocke gehen (klein machen) dabei 2-4 Schritte zurückgehen und die Longe zu dir ziehen. Das Pferd muss dem Zug folgen und nach innen kommen. Anfangs kann das Pferd stur oder hektisch reagieren - nicht entmutigen lassen, sondern einfach durchsetzen. Danach auf der neu gewählten Zirkellinie weiterlongieren und das Pferd nach ca. einer Rund wieder rausschicken.
Das Pferd wird verstehen, dass wenn du in die Hocke gehst, der Zug am Halfter unweigerlich folgt und es wird schon nach innen kommen. Der Sinn ist, dass das Pferd dich beachtet und beobachtet, später entfällt das Ansprechen. Weiterhin wird diese Übung -wenn das Pferd diese beherrscht, was eigentlich nicht lange dauert- in allen 3 GGA durchgeführt und dann auch ausgebunden mit Körperband und Trense. Das Pferd kommt so vermehrt auf die HH und lernt sein Gleichgewicht zu finden.

Konzentrationsübung beim Reiten:
Grundsätzlich wird bei sich wiederholenden groben Fehlern die Übung verlassen und das Pferd wird scharf vorwärts geritten. Dann Rückkehr zur Übung. Konzentration und Zusammenarbeit wird belohnt. Sch....egal Verhalten und Unkonzentriertheit wird durch unangenehme Mehrarbeit und scharfen Worten bestraft (das ist Strafe genug, denn selbst hektische Pferde mögen Entspannung. Schlagen mit der Gerte, oder Strafen mit dem Sporen sind nicht notwendig. Strafe bedeutet Mehrarbeit, Unruhe und ein unzufriedener Mensch).
4 Springstangen als Kreuz hinlegen. In der Mitte müssen diese nicht zusammenstoßen, es darf ruhig ca. 1, Platz sein. Im Schritt über diese Stangen gehen und zwar mittig. Vor jeder Stange leise schnalzen und Zügel vor.
6-8 Pylonen im Abstand von ca. 1-1,5m in einer Linie aufstellen. Das Pferd eng um die Pylonen schlängeln lassen. Das Pferd wird sich erst versuchen quer zu stellen und die HH herauszuschieben. Der äußere Schenkel sollte daher schön hinten bleiben. Die Zügelführung sollte gleichmäßig quasi wie Fahren sein. Der Hals des Pferdes wird recht schnell sanft in beide Richtungen bewegt. Das Pferd kann die Übung nur schaffen, wenn es sich langsam, konzentriert und auf deine Hilfen achtend bewegt. Als Vorarbeit kann das Pferd auf Volten eine Acht gehen und dabei mit dem Hals per Zügelführung umgeschwenkt werden. Diese Volten sollten sowohl in Innen- als auch in Außenstellung geritten werden.
Eine Stange wird auf den Boden gelegt. Das Pferd wird mit der VH über die Stange gestellt. Die Stange befindet sich idealerweise hinter dem Reiterschenkel (die meisten Pferde stehen anfangs vorn zu eng an der Stange, weil sie unsicher sind, das ist nicht schlimm). Das Pferd wird nun über der Stange zu beiden Seiten seitwärts verschoben. Es darf die Stange nicht berühren oder übertreten. Das schult das Körpergefühl und das Vertrauen zum Reiter. Das Pferd wird die Stange beachten und als Hinderniss ansehen. Beim Überreiten einer Stange (wie beim Kreuz) zum Verlassen der Übung sollte der Reiter eine Stimmhilfe (Schnalzen) geben, die Zügel vor geben und auch mit dem Oberkörper ganz leicht vorgehen.
Das Pferd wird lernen auf leichte Sitzhilfen des Reiters zu reagieren.
Das Kleeblatt.
Hierfür wird das Pferd so ausgebunden, dass es seitlich nicht begrenzt ist (so es ausgebunden werden muss). Ein kurzes Martingal, Stoßzügel, Chambon oder Gogue sind geeignet.
Man stellt 4 Pylonen als 4-Eck auf. Je enger, je leichter, also ruhig von Pylone zu Pylone 5-7 m Abstand.
Man reitet gerade zwischen zwei Pylonen ein, durch die Mitte, dann an der hinteren linken Pylone eine Linksvolte (die kann ja so groß sein, wie man will), danach wieder durch die Mitte und immer an der jeweiligen hinteren linken Pylone eine Linksvolte. Das Ganze dann auch rechts herum. So reitet man quasi ein Kleeblatt aus. Wichtig ist hier der Unterschied zwischen Biegung und Geraderichtung. Das Pferd soll absolut mittig zwischen den Pylonen laufen und auch gerade bleiben. Auf der geraden Linie in der Pylonenmitte werden die Zügel vorgegeben, so dass das Pferd die Schultern oben lassen muss und nicht kippen darf (ansonsten Handwechsel). Diese Übung kann in allen 3 GGA geritten werden. Die Volten können ja so groß sein, wie der Reiter will.
Das Pferd lernt so selbständig sein Gleichgewicht zu halten, die Schultern oben zu lassen und die HH mitzunehmen (eine schleudernde HH ist sehr lästig für das Pferd, da die Übung so nicht klappt und es pausenlos korrigiert wird).
Kein Schrittreiten zum Aufwärmen, kein Trockenreiten
Das Pferd wird nicht mehr einfach im Schritt geritten. Es wird vor dem Reiten geführt. Sobald der Reiter in den Sattel steigt, kann er zwar Schritt reiten, aber niemals einfach so. Niemals eine lange Seite einfach Schritt reiten. An einer langen Seite sind mind. 1x anhalten, 2x Abwenden und Kruppe herein für einige Schritte. Sobald der Reiter in den Sattel steigt, muss das Pferd aufmerksam sein. Dieses System erfordert enorme Konzenration vom Pferd, daher muss man Pausen einplanen. In diesen Pausen steigt der Reiter erstmal ab. Nach und nach erhöht sich die Konzentrationszeit des Pferdes.

Grundsätzlich gilt, dass niemals Leerhilfen gegeben werden. Wenn das Pferd auf die erste Hilfe nicht reagiert (egal ob am Boden, an der Longe oder beim Reiten), wird die Hilfe freundlich verstärkt, danach erfolgt noch eine Verstärkung, danach Strafe. Das Pferd muss lernen, sich auf den Reiter zu konzentrieren. Die Konzentrationszeit kann nach und nach erhöht werden. Je mehr man sich so mit einem Pferd beschäftigt und je mehr Zeit man einplant (Pausen, Kraulen) je mehr wird das Pferd dem Menschen gefallen wollen und die Entspannung lieben. Diese Zeit zahlt sich am Ende aus.


Ich hoffe, ich hab alles verständlich beschrieben!?
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #5
Off-Topic
wow was für ein Text!:D Hört sich aber verständlich an, denke das kann jeder verstehen.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #6
Off-Topic
Sorry, für den langen Text (und der ist als Erklärung schon kurz gehalten). Schön, wenn du dich durchgearbeitet hast. Ich versuch halt alles so verständlich wie möglich zu schreiben, denn leider kommt es auf die Feinheiten an. Das sehe ich immer wieder, wenn meine RB oder meine Pflegerin mit einem meiner Pferde arbeitet, gerade mit den jungen. Der Weg in die Tiefe füllt Bücher und lässt die Kassen von Bereitern klingeln.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #7
Off-Topic
Ich hab aber auch durch ein falsches Buch, meinem jüngsten durch leichten zwang, (wenn auch leicht aber schlimm genug mein Fehler, ist ja auch der erste den ich eingeritten/angeritten hab) das versuch ich gerade zu korrigieren, durch freiwilligkeit:) läuft aber super denn es gefällt ihm:D
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #8
Sicher gibt es gute und nicht so gute Bücher.
Meist liegt der Fehler beim Lernen durch Bücher darin, dass der Autor nur auf das Gros der Pferde eingehen kann und nicht auf Einzelheiten eingehen kann. Genausooft sind Umschreibungen wie gefühlvoll, ein wenig, leicht... irreführend.
Meist liegt es dann an Winzigkeiten, wenns nicht klappt.
Bein Buch kann Erfahrung eben nicht ersetzen!
Gerade bei Jungpferden sind Fehler dann besonders hart und schleppen sich oft durchs ganze Pferdeleben.
Nicht umsonst gibt es so viele Korrekturpferde und so wenig Ausbildungspferde.

Ich schreibe ja auch nur leicht zu erlernende Standards und kann für tiefgreifendere Probleme eine engere Kommunikation anbieten.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #9
Ich hab den Thread schon vor einer Weile gefunden, hab ihn jetzt aber nochmals durch gelesen, da ich aktuell so ungefähr das Gleiche habe, wie der Threadersteller, nur das ich kein vollständig laufunfreudiges Pferd hab, wie ich gestern feststellen durfte ^.^ Wie dem auch sei, mir fiel da was auf.

Machtnix, du sagtest das fast alle Pferde aus schlechter Haltung etwas mit der Leber haben? Das Pferd, welches ich zur Zeit trainiere, dort wurde ein Leberschaden fest gestellt, der mit Leberschutz (oder sowas) behandelt wurde. Ist schon was länger her. Das Pferd nahm nicht richtig zu (trotz das es frass als gäb kein Morgen), war triebig etc. und beim Blutttest kam das halt raus. Das dieses Tier aus schlechter Haltung kam, davon weiß ich nichts, könnte das aber heraus bekommen. Es ist zur Zeit auch so, das des Pferd immer mal wieder was mit dem Magen hat (Kolik, vor kurzem dann Fressverweigerung mit Antriebslosigkeit/Desinteresse an allem und Jedem). Könnte das mit dem Magen zusammen hängen? Wir (Besitzer, Reiter und ich) spekulierten darauf, das des Pferd mit dem Schulpferdedasein nicht klar kommt.

Übrigens werde ich das Körperband bei unserer Arbeit mal mit einbeziehen. Hatte mich damals schon mal darüber belesen, aber das irgendwie total aus den Augen bekommen. Früher ging Pferd wirklich toll, aber mittlerweile nicht mehr so wirklich. Bin dabei es jetzt aufzutrainieren. Gute Ratschläge von hier werde ich auf jeden Fall mitnehmen =)
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #10
Hallo ihr Lieben,Körperband? Also so etwas wie diese stretch gummi bänder / gymnastikbände. Sind sie auch für Jungpferde geeignet bzw für noch nicht ausgebildete Pferde? Und eines noch! Muss man dabei vorne ausbinden oder kann man dies auch weg lassen? Und vorn frei laufen lassen so im Roundpen?DANKE!
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #11
Hallo !
Vielen Dank für die tollen Tips Machtnix, ich muss nun leider aber ein wenig aussetzen mit meinem Schützling. Ihr Fohlen wurde abgesetzt und ihre Konzentration lässt deshalb sehr zu wünschen übrig. Daher sehe ich momentan keinen Sinn darin sie zu arbeiten, es wäre für sie nur Zwang und eine harte Geduldsprobe. Ich werde die Arbeit wieder aufnehmen, sobald sie mit ihren Gedanken wieder ganz bei der Sache ist und auch Freude an der Arbeit finden kann :)
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #12
Ich hab den Thread schon vor einer Weile gefunden, hab ihn jetzt aber nochmals durch gelesen, da ich aktuell so ungefähr das Gleiche habe, wie der Threadersteller, nur das ich kein vollständig laufunfreudiges Pferd hab, wie ich gestern feststellen durfte ^.^ Wie dem auch sei, mir fiel da was auf.

Machtnix, du sagtest das fast alle Pferde aus schlechter Haltung etwas mit der Leber haben? Das Pferd, welches ich zur Zeit trainiere, dort wurde ein Leberschaden fest gestellt, der mit Leberschutz (oder sowas) behandelt wurde. Ist schon was länger her. Das Pferd nahm nicht richtig zu (trotz das es frass als gäb kein Morgen), war triebig etc. und beim Blutttest kam das halt raus. Das dieses Tier aus schlechter Haltung kam, davon weiß ich nichts, könnte das aber heraus bekommen. Es ist zur Zeit auch so, das des Pferd immer mal wieder was mit dem Magen hat (Kolik, vor kurzem dann Fressverweigerung mit Antriebslosigkeit/Desinteresse an allem und Jedem). Könnte das mit dem Magen zusammen hängen? Wir (Besitzer, Reiter und ich) spekulierten darauf, das des Pferd mit dem Schulpferdedasein nicht klar kommt.

Übrigens werde ich das Körperband bei unserer Arbeit mal mit einbeziehen. Hatte mich damals schon mal darüber belesen, aber das irgendwie total aus den Augen bekommen. Früher ging Pferd wirklich toll, aber mittlerweile nicht mehr so wirklich. Bin dabei es jetzt aufzutrainieren. Gute Ratschläge von hier werde ich auf jeden Fall mitnehmen =)
Erstmal Danke für dein Urteil.
Schlechte Leberwerte kommen nicht nur durch schlechte Haltung. Der Umkehrschluss ist leider falsch. Schlechte Leberwerte können auch durch verdorbene Futtermittel, schlechtes Wasser, falsche zu viel oder unablichtliche Medikamentengabe (Futtermittel) und Stress etc. kommen.
Die Palette ist leider lang. Alles kann, nichts muss. Leider gilt für die Leber dieser Spruch. Mir ist nur aufgefallen, dass Pferde aus schlechter Haltung fast durchweg etwas an der Leber hatten. Recht eindeutige Symptome sind schlechtes Fell, Gewichtsabnehme bzw. schlechter Muskelaufbau im Training, Trainingsmüdigkeit...
Aber auch anscheinend gesunde Pferde können hier Probleme haben. Bei längeranhaltenden Problemen mit einen Pferd würde ich immer zum großen Blutbildcheck raten, für ca. 70-120€ weiß man dann genau woran man ist.
Magenprobleme sind der Problembeschreibung deines Pferdes sehr ähnlich. Das Wichtigste ist dann Stressvermeidung (klare Linien mit viel Lob, damit das Pferd dich und seine Aufgabe einschätzen kann) und permanente Raufuttergabe. Ein Pferd mit Magenproblemen sollte gerade in der Akkutzeit nicht länger als 2 Std. Fresspause haben. Das Raufutter muss langsam gefressen werden (Heunetz). Basische Futtermittel bevorzugen, saure vermeiden. Große Temperaturunterschiede im Futter vermeiden (Wasser in der akkuten Phase leicht gewärmt).

Hallo ihr Lieben,Körperband? Also so etwas wie diese stretch gummi bänder / gymnastikbände. Sind sie auch für Jungpferde geeignet bzw für noch nicht ausgebildete Pferde? Und eines noch! Muss man dabei vorne ausbinden oder kann man dies auch weg lassen? Und vorn frei laufen lassen so im Roundpen?DANKE!
Es kommt aufs Pferd an. Das Körperband ist auch für Jungpferde geeignet. Egal ob Jungpferd oder älteres Pferd, das Pferd sollte zuvor desensibilisiert sein. Ich persönlich halte nichts davon ein Körperband oder ähnliche Hilfsmittel anzubringen und das Pferd dann kämpfen zu lassen, bis es aufgibt. Wenn du Vorübungen brauchst, beschreibe ich sie dir gern. Dafür muss ich aber das Alter und den jetzigen Ausbildungsstand deines Pferdes wissen.
Das Körperband macht bei vielen Pferden nur Sinn, wenn sie ausgebunden sind (nicht zu eng). Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. Um dir genau zu sagen, ob die Verwendung eines Körperbandes sinnvoll ist, brauche ich mehr Infos über das Pferd. Pauschal ist leider bei Hilfsmitteln nie.

Hallo !
Vielen Dank für die tollen Tips Machtnix, ich muss nun leider aber ein wenig aussetzen mit meinem Schützling. Ihr Fohlen wurde abgesetzt und ihre Konzentration lässt deshalb sehr zu wünschen übrig. Daher sehe ich momentan keinen Sinn darin sie zu arbeiten, es wäre für sie nur Zwang und eine harte Geduldsprobe. Ich werde die Arbeit wieder aufnehmen, sobald sie mit ihren Gedanken wieder ganz bei der Sache ist und auch Freude an der Arbeit finden kann :)
Genau jetzt ist dann die Zeit, in der du mit dem Pferd ungeheuer viel erreichen kannst. Kurze Trainingseinheiten mit vielen Konzentrationsübungen und Entspanungsübungen können das Pferd von seinen Gedanken ablenken. Ein Pferd klammert sich in solchen Notzeiten an Alles was Ruhe, Entspannung und Abwechslung bringt. Fast wie ein Mensch oder eben andere Tiere (bei Hunden sieht man das auch).
In freier Wildbahn sieht das so aus: Wird das Fohlen gefressen oder verstirbt, zieht die Herde trotzdem weiter. Die Mutterstute muss sich entscheiden zu bleiben und zu sterben oder mitzuziehen. Trotz größter Trauer und Leid überwiegt der Lebenserhaltungstrieb und sie zieht mit. Sobald sie wieder rossig ist, wird sie wieder gedeckt. Lässt sie den Hengst nicht dran (manchmal kommt die Rosse recht schnell wenn die Stute in körperlich gutem Zustand ist) jagt dieser sie, bis sie steht. Das klingt brutal, ist aber so.
Du kannst dem Pferd das nicht bieten. Was du machen kannst sind knackige und anspruchsvolle kurze Trainingseinheiten am Boden. Neues Erlernen, Konzentrationszwang...
Das Laufen (schon viel Schritt) lässt außerdem den Milcheinschuss schneller versiegen und die Stute hat weniger Schmerzen.
Anspruchsvolle Bodenarbeit, leichtes lösendes Reiten (viel Schritt), langsame ca. 1-2 stündige Ausritte und Haltung in Pferdegesellschaft tun einer solchen Stute sehr gut. Ablenkung ist alles.
Der Mensch kann das dann ausnutzen und eine sehr enge Verbindung zu dem Pferd knüpfen, da sich die Stute unwillentlich aber als natürliche Verhaltendsweise an alles klammert, was sie ablenkt. Daher muss der Mensch zwar straight aber sehr liebevoll sein. An Lob darf nicht gespart werden.

Nach dieser Zeit ist das Verhältnis Mensch-Pferd meist sehr eng. Wie auch eine schwere Erkrankung kann ein so einschneidendes Erlebnis zusammenschweißen, wenn der Mensch die Situation für sich nutzt und sich mit viel Zeitaufwand den Bedürfnissen des Pferdes anpasst.
Viele Menschen machen das sogar unabsichtlich richtig oder so viel falsch, dass das arme Stütchen nach dem letzten psychischen Strohhalm greift. Immer wieder hört man von schwierigen Pferden, die nach einem Fohlen eine enorme Wesensänderung durchgemacht haben. Am Hormonspiegel kann das nicht liegen, dieser normalisiert sich nach kurzer Zeit. Einige Pferde werden 'erwachsener' was aber reiterlich auch problematischer heißen kann und nicht immer ein Vorteil sein muss. Die meisten Pferde lieben einfach denjenigen, der sie ablenkt und ihnen über die Verlustzeit und die Milchschmerzen hilft.
Wie gut man das als Mensch macht, liegt an einem selber. Je mehr Zeit du jetzt mit deinem Pferd verbringst und je besser du es kopfmäßig arbeitest, je größer ist die spätere Bindung (Achtung es gibt nach der ersten Rosse ein Tief).
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #13
Machtnix, ein Blutbild wurde damals (klingt lang her, ist es aber nicht) gemacht, da kamen halt schlechte Leberwerte heraus, was anderes nicht. Daraufhin wurde es ja mit Leberschutz behandelt, was auch sehr gut anschlug. Vorgestern war nochmal Tierarzt da, es wurde nochmal Blut abgenommen und ein Magengeschwürt vermutet. Da wird es jetzt gegen behandelt. Permanent Raufutter hat der Tierarzt auch gesagt. Raufutter und nix anders, wurde gemeint. Ich arbeite mit dem Tier jetzt, es muss zur Zeit nicht im Unterricht gehen. Scheint auch sehr dankbar dafür, das es jetzt klare Linien bekommt, an die es sich richten kann. Schauen wir mal.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #14
Eine wirklich gute Idee.
Es gibt eben solche und solche Pferde. Einige Pferde brauchen eben eine Bezugsperson und eine klare Linie. Diese Pferde bauen zu ihrem Reiter nicht unbedingt eine Beziehung auf, eher zu einem Menschen, der sich gut um sie kümmert.
Diese Pferde können lange ohne Probleme im Schulbetrieb eingesetzt werden, so lange sich die Bezugsperson gut um sie kümmert und eben da ist. Wenn diese Bezugsperson dann auch noch der RL ist, steht einem Einsatz absolut nichts im Wege. Im Gegenteil, die Pferde blühen teilweise echt auf - habe ich mehrfach erlebt - da sie von ihrere Bezugsperson Anerkennung erhalten. Meist sind das die Pferde, die ihre Reiter regelrecht ausnutzen - der mag das Pferd ja auch - und ihne umsichtig duch alle Prüfungen oder Reitstunden tragen. Hauptsache die Anerkennung von der Bezugsperson ist da.
Diese Pferde muss man selber dann nur noch immer wieder schööön locker machen, damit sie keine Verspannungen bekommen. Ich habe festgestellt, dass dieser Pferdetyp auch absolut Abwechslung und Bodenarbeit steht und oft eine lange Konzentrationszeit hat.
So wie du das Problem anfasst, scheinen die Weichen für einen entsprechenden Einsatz des Pferdes gut zu stehen.
Ich bin gespannt ob das Pferd sich gut entwickelt und auch wechselnde Reiter später akzeptieren kann ohne abzustumpfen oder sonst ein Anzeichen von Leid zu zeigen.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #15
Hm... das klingt zwar logisch, aber ich habe nicht das Gefühl, dass das bei ihr anschlägt, dafür ist unsere Bindung einfach nicht stark genug. Ich habe ein wenig Schenkelweichen vom Boden aus mit ihr geübt. Leider ist die Halle sehr in der Nähe von den rufenden Fohlen, die Stute hört ihr Kleines also und ist unentwegt dabei zurückzurufen. Sie starrte überwiegend zum Ausgang, war kaum zu bremsen und einfach nicht bereit um die von mir geforderte Konzentration umzusetzen.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #16
Eine Stute, die das abgesetzte Fohlen noch hört, steht natürlich stark unter Stress.
Ist sie nur nachts von dem Fohlen getrennt und es ist auf der Wiese noch bei ihr oder hört sie das Fohlen auch draußen und beide schreien sich den ganzen Tag an?
Falls das Fohlen tagsüber noch mit ihr zusammen ist, solltest du es in die Halle einfach mitnehmen. Eine gute Übung für das Fohlen.
Die Stute wird dann zwar noch immer unkonzentriert sein, aber nach einigen Tagen sehr viel einfacher zu arbeiten sein, wenn sie verstanden hat, dass das Fohlen nicht wegläuft.

Schenkelweichen ist in einem solchen Fall auch nicht die richtige Übung. Für diese Übung braucht man, gerade am Anfang, Ruhe. Etwas rasantere Übungen, die die Konzentration der Stute einfordern sind eher geeignet. So kann die Stute Stress durch Laufen abbauen und er staut sich nicht auf bis man vor einem steigenden Pferd steht.
An der Longe, das Pferd einige Meter zu sich holen und durch Körpersprache wegschicken ist z.B. eine tolle Übung.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #17
Sie hört es nur in der Halle. Die Ställe sind so weit auseinander, dass sie sich ansonsten nicht hören können.
Gestern bin ich sie wieder geritten und war total erfreut von den Fortschritten, die wir beide gemacht haben. Sobald ich draufsitze habe ich das Gefühl sind wir eine Einheit, sie schnaubt im Schritt sofort ab, rennt zwar anfangs noch, lässt sich aber schon viel leichter bremsen und dann durch leichtes spielen am Zügel inzwischen auch im Trab dazu bewegen sich immer wieder vorwärts abwärts abzustrecken. Wir konnten sogar am Ende der Stunde galoppieren, sie ließ sich mit Stimmkommando brav in den Galopp treiben. Dieser war zwar noch sehr unausbalanziert, aber ich bin damit schon mehr als zufrieden :)
Leider sieht die Situation am Boden anders aus. Ich habe sie heute wieder longiert. Ich habe ihr Stangen hingelegt und sie darüber traben lassen. Sie konzentrierte sich zwar deutlich mehr als beim Seitwärtsrichten, aber wirklich anständig arbeiten ließ sie sich auch nicht.
Ich habe schon das Gefühl, dass sie mir auf gewisse Art und Weise vertraut. Wenn ich sie zur Halle führe, wiehert sie zwar und guckt immer wieder zum Stall, in dem ihr Fohlen steht, aber sie tippelt nicht so nervös und unkontrolliert um mich herum oder steigt gar, wie bei den anderen. Aber irgendwie... habe ich ein besseres Gefühl auf ihr drauf.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #18
Wenn du ein besseres Gefühl beim Reiten hast, dann reite! Wichtig ist, dass du das Pferd entspannen kannst! Die Stute muss sich unbedingt durch Konzentration entspannen. Wenn du das Pferd beim Reiten nur besser im Griff hast, ist das fürs Pferd sinnfrei.
Entspannung und Kopfarbeit sind für die Stute die beste Medizin um über den Verlust des Fohlens hinweg zu kommen.


Zum Köperband:
Das Körperband geht vom Bauch des Pferdes um die HH.
Es umschließt somit das halbe Pferd.
Das Körperband sollte so angebracht sein, dass es nicht hochrutschen kann, es sollte idealerweise entweder über dem Sprunggelenk oder am Ende des zweiköpfigen Oberschenkelmuskels (bitte Googlen) liegen.
Das Körperband sollte so straff sein, dass es nicht unter das Sprunggelenk rutschen kann aber auch nicht dem Pferd die Hinterbeine quasi unter den Körper zieht.
Je nach sensibilität des Pferdes kann es etwas schlabbern (wie bei der DL) oder permanent anliegen (mehr Ruhe am Hinterbein) ohne zu drücken.
Zwei verbundene Hochstretchbandagen verwende ich daher lieber als ein Theraband (was erst alt und nicht zu sauber sein muss um nicht zu kneifen und Haare rauszuziehen).

Das erste Mal Körperband:
Ein Pferd, das die DL schon kennt oder an der HH entsprechend desensibilisiert ist, kann das Köperband sofort verpasst bekommen. Der Longenführer muss nur darauf achten, dass das Pferd gerade am Anfang schön vorwärts läuft.
Ansonsten müssen Vorübungen absolviert werden um sich nicht selbst in Gefahr zu bringen. Außerdem halte ich nichts davon ein Pferd eine Zwangsmaßnahme (und auch das Köperband wird vom Pferd anfangs als solche empfunden, auch wenn es eine sehr sanfte ist) anzutun und das Pferd bocken, steigen oder sonstwas machen zu lassen, bis es sich selber mit der Maßnahme auseinandergesetzt hat und aufgibt.
Die Desensibilisierung:
Ideal ist ein gut sitzendes Knotenhalfter (bitte kein Billigstück mit zu kurzem Nasenteil), es geht aber auch gut mit Sidepul oder Stallhalfter. Bitte nie mit Gebiss.
Bei Pferden, die zum Treten oder zur Panik neigen, bitte nicht selber rumprobieren, sondern einen Profi zu Hilfe holen!
Bei allen anderen Pferden anfangs normale Bodenarbeit an der Longe machen, bis sich das Pferd auf den Longenführer voll konzentriert und bereit ist auf seine Körpersignale zu achten.
Dann schlingt man das Bodenarbeitsseil um einen Vorderhuf (Fesselgelenk) und zieht ihn damit hoch. Diese Übung wiederholt man mit beiden Vorderbeinen. Man sollte darauf achten, dass das Umschlingen des Pferdes mit dem Seil aufwändig ist und das Pferd das Seil überall fühlt. Das ist quasi die gleiche Vorarbeit, wie die zum Hobbeln. Seil um das Bein, ziehen, Fuss folgt, Lob.
Das Gleiche macht man mit den Hinterbeinen, wobei das Bein nach vorn gezogen wird.
Zwischendurch wird das Pferd kurz nach der Fesselbügung am Bein wieder entlassen und 2-3 Runden ganz lieb longiert und getrieben (sanft), damit es im Bedarfsfall Stress abbauen kann, falls es duch das Seil am Beim quasi statisch-ängstlich steht und sich gar nichts mehr traut.
Ist das Pferd freundlich-neugierig interessiert, kann man ohne Longieren weitermachen. Immer so lange, bis das Pferd dem Zug ganz entspannt folgt.
Es ist äußerst hilfreich (aber nicht Pflicht), wenn das Pferd das Kopfsenken auf Druck auf dem Genick schon kennt und sich dann entspannt. Das Loben erfolgt in jedem Fall auf der Stirn zwischen den Augen - da wo das Pferd die Hand nicht sieht. Entweder von vorn oder bei Pferden, die das Kopfsenken beherrschen und sich dabei sofort entspannen von oben.
Dann wird das Bodenarbeitsseil über den Widerrhist des Pferdes gelegt. Der Longenführer hält den Kopf des Pferdes zu sich. Das Bodenarbeitsseil wird dann langsam von der anderen Seite aus - liegt ja schon überm Widerrhist- um die HH geführt. Der Longenführer übt nun leichten (!) Druck auf dem hinteren Longenstück aus und hält den Kopf des Pferdes gebogen bei sich. Das Pferd bekommt so ein besseres Gefühl für seine Ausmaße und seine HH.
Diese Übung wird auf beiden Seiten wiederholt, bis das Pferd ganz locker HH und Kopf/Hals gleichsam harmonisch biegt und damit sowohl dem vorderen als auch dem hinteren Druck gern nachgibt.

Die nächte Übung ist dann das Drehen.
Die Longe wird um das Pferd geführt. Der Mensch steht links vom Pferd und das Seil wird auf der kompletten rechten Seite (also nicht über den Widerrhist) um das Pferd geführt. Der Mensch steht erst neben dem Pferd und entfernt sich dann bis ca. 1m vor die Nase. Dann ruft der Mensch das Pferd und zieht gleichzeitig mit langsam ansteigender Intensität am Seil. Das Pferd muss sich so vom Menschen weg zu ihm hin drehen und tritt dabei mit dem inneren Hinterbein vermehrt unter. Es nimmt durch das Seil an der HH Last auf und kann die enge Drehung durch diese Hilfe ohne Rumzustolpern sehr leicht vollbingen. Das Pferd lernt so dem Zügelzug zu folgen und den hinteren Druck als Hilfe zu schätzen (es kennt ja durch die Vorübung seine Ausmaße).
Pferde verstehen diese Übung recht schnell.

Für diese Vorübungen sollte man sich bei schwierigen Pferden schon einige Tage Zeit nehmen und sie ins tägliche Programm einfach als 5-Minuten Spaß mit aufnehmen.

Jetzt kann man das Körperband anbringen und eigentlich sofort zum Longieren übergehen.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #19
Hey, dankeschön für die Erklärung. Ich werde mal schauen wie ich das ganze einbauen kann und ob ich wirklich das Körperband nutzen möchte. Ich möchte nichts tun, wobei ich mir nicht völlig sicher bin. Ich denke die Vorübungen werden wir uns aber wohl mal die Tage vermehrt zu Gemüte führen.

Jetzt habe ich nun deinen Rat befolgt und angefangen sie bei der Bodenarbeit zurückzuschicken. Nach dieser Übung hatte ich das Gefühl, dass sie Stress hat. sie wirkte nicht aufgedrehter, aber irgendwie resigniert. Sie fing auch an zu koppen - sie ist einer der Kopper, die nicht aufsetzen. Ich bin mit ihr gemeinsam rückwärtsgegangen, war das vielleicht der Fehler ?

Nein, es ist nicht so, dass ich sie besser im Griff habe, ich habe nur einfach ein besseres Gefühl für sie: Ich weiß einfach auf ihr, wann ich welchen "Knopf" drücken muss um dies oder jenes zu erreichen. Ich weiß, wann ich nachgeben muss, ich weiß wie ich ihre Hinterhand mehr aktivieren kann. An der Longe ist dies für mich etwas schwieriger einzuschätzen. Doch auch das wird und wird so langsam. Die letzte Longearbeit war sehr positiv, mit den Dreieckern ging sie nun endlich vorwärts abwärts. Nur im Galopp ist sie nun nach wie vor unausbalanziert, aber sie schafft bereits längere Strecken am Stück den Galopp zu halten und fällt auch nicht mehr ganz so auseinander wie am Anfang.

Ich möchte es die Tage nun einmal wagen sie freispringen zu lassen. Ein paar kleine Hüpfer zur Gymnastizierung.
 
  • Wie in die Tiefe arbeiten ? Beitrag #20
Mit Freispringen bin ich bein unausbalancierten Pferden vorsichtig. Das artet schnell in zu große Sprünge aus - was ja nicht gewollt ist. Das unausbalancierte Pferd taxiert immer groß und gerät schnell unter Stress. Besser das Pferd erstmal in einem seeeehr großen Zirkel in die Balance bringen und mit einer Stange beginnen. Ein Körperband und die Vorübungen dazu (HH und die eingenen Ausmaße kennenlernen) bringt als Vorarbeit viel.
Man braucht schon viel Geduld. Vielleicht hast du einfach zu viele verschiedene Dinge auf einmal gemacht und das Pferd damit überfordert.
Ich habe mit einem jungen 4-jährigen Pferd, das komplett roh (nicht mal Halfterführig, nie von daheim weg, kannte weder Box noch viele Menschen oder andere Pferde) 1 Monat nur am Boden geübt, bis ich mit dem Reiten begonnen habe. Anfängliche Geduld zahlt sich immer aus. Das Pferd ist sehr widersetzlich und stark. Jetzt nach 3 Monaten läuft es erst im Trab (ohne Hilfe von unten) ganze Bahn und Zirkel. Lenken ist noch immer ein Problem und ich bin eher froh, dass das Pferd mich nicht mehr an die Decke hängen will. Ich bin mir absolut sicher, dass dieses Pferd aufgrund seiner psyche und seiner körperlichen Eigenschaften in 2 Jahren mal zu den ganz Großen gehören wird.
Ein anderes damals 4-jähriges Pferd, das auch komplett roh kam, war anfangs auch extrem schwierig. Die Stute hatte nach 5 Monaten plötzlich einen Break und lief und lernte wie ein Glöckchen. Sie konnte nach 7 Monaten unterm Sattel sogar schon das erste große (deutschlandweit) Turnier laufen. Sie musste jedoch 3 Tage vorher anreisen und wurde täglich 2x kurz in der neuen Umgebung geritten.
Dieses Pferd ist derzeit mein Vorzeigepferd.
4-jährig 2. Platz gegen Pferde, die schon 2 Jahre unterm Sattel waren.
5-jährig 12 Starts, dabei 9 Siege und 1x 2. Platz, dabei ein Landesmeistertitel in ihrer Altersklasse. Alleine Verladen problemlos, stressfreies Kennenlernen von Zeltboxen.
6-jährig mehrere Siege und Platzierungen auf regionalen Turnieren in verschiedenen Disziplinen, 1x zweitplatziert in einer Westdeutschen Klasse ihres Alters, 8. Platz bei ihrm ersten internationalen Start in der offenen Klasse in Aachen.
7-jährig 2 Starts, 1x gewonnen, 1x Korrekturritt. Sobald sie einen schweren Fehler macht und ich weiß, dass wir nicht vorne dabei sind mache ich einen Korrekturritt wobei ich dann einen 'Fehler' mache um uns zu disqualifizieren (z.B. Galopppassage im entspannten Schritt). Mittlerweile liebt sie ihren Hänger dermaße, dass sie lieber für einen Tag dort wartet als in einer Gastbox.
Jetzt 8-jährig steht sie leider in gute Hände zum Verkauf, bisher hat sie nicht nur Erfolge eingeheimst, sondern hat auch eine RB, die als komplette Anfängerin auf ihr reiten lernt, sie geht seit sie 5 ist (davor wars echt gefährlich) allein und in großen Gruppen ins Gelände (auch mit unkontrollierten Mitreitern) und geht auch zum Schwimmen ins Wasser.

Einen Hengst habe ich mit 2 Jahren für eine Wochen nur anlongiert. Danach gings wieder ab auf die Wiese. Mit 3,5 Jahren einen Monat langsam mit Bodenarbeit und Reiten gegonnen. Danach ging alles enorm schnell - Tempo bestimmt das Pferd.
Noch heute machen wir gern Boden- und Longenarbeit. Er trägt seinen Besitzer -ist ein eher schwacher Reiter- umsichtig durch alle Prüfungen (dieser ist sogar schon in die LK 1 aufgestiegen - aber nur mit diesem Pferd *gg*). Nach Deckeinsatz folgen vor dem Reiten immer ein paar Bodenarbeisübungen zum Lockern und für die Konzentration.
Ich seh ihn momentan leider nur noch seltener, aber dann gehts ab. Er ist heiß darauf zu zeigen was er kann.


Ich kann nur den Tipp geben langsam und konsequent vorzugehen.
Mit Bekanntem beginnen, dann etwas Neues machen, dann wieder etwas Bekanntes und wieder das Neue. Dann Schluss.
So lange, bis das Neue eben nicht mehr neu ist und vom Pferd entspannt als Routine abgetan wird.
Das Tempo der Ausbildung bestimmt das Pferd.
 
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