Hey,
ich habe lange Zeit im Tierschutz gearbeitet und möchte dir hier nur kurz ein Beispiel dafür geben, dass es sich lohnt zu kämpfen und dass man nicht auf andere Leute hören sollte, die einem zu sagen versuchen, was "normal" und was "richtig" ist bei einem Hund, dessen Herkunft eigentlich schon genug darüber sagt, warum er eben nicht ist wie ein "echte deutscher Standardwelpe vom liebevollen Züchter".
In dem TH, in dem ich meine Ausbildung gemacht habe, hatten wir einen Hund, der mit ca. 6 Monaten zu uns kam. Er kannte keine Menschen, nur andere Hunde und war panisch bis hin zu angstaggressiv, wenn er sich nicht zu helfen wusste. Man konnte ihn nicht anfassen, man konnte ihn nicht aus der Aand füttern, am Anfang konnte man nicht mal ansatzweise in seine Richtung schauen ohne dass er gleich ausgewichen / weggelaufen - was auch immer, ist. Er saß nur in einer Ecke, bewegte sich nicht, bellte nicht - gar nichts. Nur mit anderen Hunden im Gruppenauslauf, da war er Hund. Hatte sämtliche Verhaltensweisen drauf und zeigte, dass er die Rute auch oben tragen kann, dass er bellen kann, dass er hüpfen kann.
Dieser Hund wartete lange auf ein neues Zuhause - denn wer wie schon "so einen" Hund?
Doch iwann kam der Tag, da eine Frau sich verliebte, in eben diesen Hund. Und sie nahm ihn mit.
Er musste mit dem Blasrohr vom TA betäubt werden und in eine Transportbox verfrachtet werden, anders hätten wir diesen Hund nicht zu der Frau nach Hause gebracht...er ließ sich ja nicht anfassen.
Dann saß er bei der Frau im Garten. Sie hatte dort eine beheizte Hütte mit allem was Hund so braucht und eine Hundeklappe ins Haus.
Und sie stellte sich vor, dass er sich so nach und nach an sie, an das Haus und den ganzen Rest gewöhnen würde. Nach und nach war für sie so ein Zeitraum von ein paar Wochen - maximal Monaten.
Joa, nach einem dreiviertel Jahr wohnte der Hund immer noch nicht im Haus, sondern weiter in der Gartenhütte.
ABER er hatte inzwischen ein Geschirr an, kam auf die Terrasse zum fressen und ließ sich alle paar Tage mal anfassen.
Man fragte die Frau, was sie mit so einem Hund wolle?
Warum man den Hund denn nicht einschläfern würde, der wäre doch zu nichts nütze?
Und die Frau war ziemlich verzweifelt. Aber sie hielt durch.
Und dann? Nach knapp einem Jahr schlief der Hund plötzlich im Wohnzimmer, zwar immer noch in der Nähe der Hundeklappe, immer auf Fluchtmodus, aber er war IM Haus. Dann iwann schlief er auf dem Sofa. Iwann lag er da auch, wenn die Frau ebenfalls im Wohnzimmer war und iwann lag er neben der Frau. Nachdem sie ihn ein einhalb Jahre hatte, machte sie den ersten Spaziergang mit ihm. Mit Leine und Geschirr und einem Hund, der nicht panisch wegrannte, sondern sich hinter ihr versteckte, wenn ihm was nicht geheuer war.
Und jetzt? Jetzt hat sie ihn fast fünf Jahre und letztes Jahr war sie mit ihm auf dem TH-Fest zu Besuch. An Halsband und Leine. In Menschen"massen" und der Hund trottete neben ihr her, als habe er nie was anderes gemacht.
Was will ich damit sagen?
Dein Hund kann schon so unheimlich viel für einen "Rumänen". Für einen Hund mit seiner Geschichte!
Sei stolz auf jeden kleinen Schritt und denke nicht in Wochen, eher in Monaten.
Ich habe selbst auch eine Angsthündin (ohne dramatische Geschichte, einfach ein kleiner Hund, der nicht richtig sozialisiert wurde) und selbst nach inzwischen 5 Jahren ist sie noch nicht "normal", aber wer ist das schon?
Und vorallem wer legt das fest?