*grummel* da habe ich gestern 30 Min. am Beitrag 'Ausbildungsskala' geschrieben und dann stürzt das Forum ab. War ich sauer.
Also nochmal der 2. Versuch.
Erst einmal zu allen Kritikern:
Ich bin nicht der Erfinder der Ausbildungsskala. Allerdings befürworte ich sie und bilde Pferde relativ streng nach Ausbildungsskala aus, da ich diese für pferdefreundlich und gut halte.
Allerdings nehme ich nicht alles kritiklos hin.
Daher bitte ich von persönlichen Angriffen abzusehen.
Ausbildungsskala FN:
Takt
Zeitliches und räumliches Gleichmaß der Bewegung.
Losgelassenheit
Die Losgelassenheit unterscheidet sich in innere und äußere Losgelassenheit
Innere Losgelassenheit: Ruhe, Angstfreiheit, Konzentration
Äußere Losgelassenheit: Lockerheit der Muskulatur, die die Muskulatur in die Fähigkeit des An- und Abspannens bringt
Anlehnung
Die weiche Verbindung von Reiterhand und Pferdemaul. Die Dehnungsbereitschaft des Pferdes an die Hand des Reiters. Das Pferd soll weder nach unten drücken, noch sich nach oben entziehen. Die ideale Kopf-/Halshaltung ist Nasenspitze höhe Bugspitz. Die Nase ist an bzw. leicht vor der Senkrechten.
Schwung
Das lockere Druchschwingen der HH unter den Schwerpunkt des Pferdes. Dieses führt dann zum lockeren Schwingen des Rückens und zum vermehrten Raumgriff der VH.
Geraderichtung
Überwindung der natürlichen Schiefe.
Jedes Pferd ist erst einmal schief. Es hat eine gute, stark bemuskelte Seite und eine schwächer bemuskelte, hohle Seite. Das ist völlig normal. Ein Pferd, das in freier Wildbahn gefressen werden soll, kann nicht erst überlegen 'nehme ich den Rechts-, oder den Linksgalopp'. Beim Reiten, reitet man jedoch Rechts und Links herum. Die Fliehkräfte auf den äußeren Gliedmaßen wären in auf der starken Seite (zur hohlen Seite gebogen schief) enorm. Genauso wird das schiefe Pferd immer mehr Ausgleichsmuskulatur bilden, denn es wird versuchen das Reitergewicht auf seine starke Seite zu bringen. Im schlimmsten Fall führt das nach einiger Zeit zu Wirbelschiefstellungen.
Versammlung
Versammlung definiert sich durch realtive Aufrichtung. Das Pferd darf sich vorne so viel aufrichten, wie es die Hanken beugt. Die absolute Aufrichtung (Aufrichtung im Hals mehr als Beugung der Hanken) ist unerwünscht. In Versammlung werden Schritte, Tritte und Sprünge des Pferdes kürzer und erhabener (Kadenz).
Die Punkte Takt, Losgelassenheit, Anlehnung gehören zur Gewöhnungsphase
Die Punkte Losgelassenheit, Anlehnung, Schwung und Geraderichtung gehören in die Phase Entwicklung der Schubkraft
Die Punkte Schwung, Geraderichtung und Versammlung gehören in die Phase Entwicklung der Tragkraft
Die ersten 3 Punkte der Ausbildungsskala sind austauschbar. Viele Pferde erreichen Takt erst durch Anlehnung und/oder Losgelassenheit. Andere Pferde erreichen Losgelassenheit erst durch Anlehnung. Daher ist das Ausbinden von Pferden nicht gegen die Ausbildungsskala, wenn es kurzfristig ist und dem Pferd hilft die ersten 3 Punkte der Ausbildungsskala zu verstehen und umzusetzen.
Ausbildungsskala EWU
Takt
Wie FN
Losgelassenheit
Wie FN
Nachgiebigkeit
Das Pferd soll den Hilfen des Reiters nachgeben, es soll weichen. Auf Zügelhilfe soll es den Hals nach unten dehnen und das Genick beugen ohne langsamer zu werden. Es soll den Schenkelhilfen weichen, die Schulter und HH kontrollieren lassen.
Aktivierung der Hinterhand
Besser Engagement der HH genannt, denn Aktivierung ist etwas was der Reiter macht. Dieses ist jedoch die Ausbildungsskala des Pferdes. (Ich habe bereits eine entsprechende Eingabe bei der FN gemacht). Auf das Wort Schwung wurde verzichtet, da in vielen Disziplinen ein schwungloser Gang gefordert ist. Das Pferd soll jedoch wie bei der Definition des Punktes 'Schwung', mit der locker unter den Schwerpunkt treten.
Bei Pleasurepferden wird dieser Punkt oft erst erreicht, wenn das Pferd in der Lage ist die Hüfte abzukippen und die Hanken zu beugen. Daher sind bei der EWU in Jungpferdeprüfungen extrem langsam laufende Pferde, die nur latschen, unerwünscht.
Geraderichtung
Wie FN
Durchlässigkeit
Das Pferd soll alle Punkte beherrschen. Ein durchlässiges Pferd soll alle Hilfen auf kleinste, fast unsichtbare Impulse umsetzen und selbstständig die gewünschte Form in der gewünschten Gangart halten. Ein Durchlässiges Pferd ist mit kleinsten Impulshilfen zu reiten und arbeitet freundlich mit.
Nach Ausbildungsskala ergibt sich hiermit ein entsprechendes Ausbildungsbild. Ein Pferd benötigt bei aufbauendem, pferdegerechten Training nunmal eine gewisse Zeit um entsprechende Muskulatur aufzubauen. Demnach ist es nachvollziehbar, was einem Pferd angetan wird, das in 3 Monaten manöverfertig ist.
Die Ausbildungsskala sollte bei jeder Reiteinheit durchgeritten und in die 4 Phasen einer Reiteinheit eingebunden werden.
Beispielsweise mit einem fertigen Pferd beginnt man in der Lösungsphase mit den ersten 3 Punkten. Gegen Ende der Lösungsphase wird an der Schubkraft gearbeitet. Erst in der Arbeitsphase arbeitet man an der Tragkraft.
Wie weit man innerhalb einer Reiteinheit in der Ausbildungsskala kommt, liegt also am Können von Pferd und Reiter.
Die einzelnen Übungen, werden jeder Phase der Reiteinheit und damit der Ausbildungsskala zugeordnet.
Damit ergibt sich ein Pool von Übungen, die mit einem Pferd jeder Ausbildungsstufe geritten werden können. Auch wer nur die erstne 3 Punkte der Ausbildungsskala reiten kann und somit nur 3 von 4 Phasen einer Reiteinheit reitet, muss sich nicht langweilen.
Wer aber die Übungen den Phasen und der Ausbildungsskala zuordnen kann, hat schon die halbe Miete für eine korrekte und pferdegerechte Ausbildung eines Pferdes.
Ein Gräul ist mir eher das Reiten nach der Art: Denn sie wissen nicht was sie tun.
Das ist nicht unbedingt der Fehler der Reiter, sondern leider oft ein Fehler der Trainer, die keine Theorie vermitteln und so der Reiter aus sich allein gestellt sein Bestes gibt, aber einfach nicht das Wissen hat.
EDIT (automatische Beitragszusammenführung)
Bei mir in der Reitschule wird sowas leider überhaupt nicht erklärt... Brauchen die Kleinen beispielsweise Hilfe beim Satteln und Putzen der Pferde, wird es ihnen nicht gezeigt oder erklärt... Nein, sie werden einfach bei Seite geschoben und eine Mitarbeiterin bereitet das Pferd weiter vor. Die Kinder lernen dabei leider so gut wie garnichts.....
Das ist nicht unbedingt schlecht. Wenn die Kinder nach und nach herangeführt werden und die Sache ein System hat.
Ich Sattel auch oft Pferde für Anfänger einfach so. Für einen Reitanfänger ist das erst einmal sehr viel.
- Strick am Pferd befestigen
- Pferd von der Wiese holen, also Pferd führen
- Pferd in die Box stellen
- Pferd aus der Box holen
- Pferd anbinden
- Pferd putzen
- Hufe reinigen
- ach ja, es wird gleich geritten (evtl. etwas Aufregung)
Beim Hufegeben fange ich an. Hier erkläre ich dann und bleibe bei den Schülern.
Das Satteln und Trensen erspare ich ihnen dann erstmal. Sie sind ja froh, wenn sie überhaupt ein Halfter oder eine Fliegenmaske richtig auf den Pferdekopf bekommen.
Alles zusammen würde den Reiter total überfordern.
Ich sattel relativ lange für meine Schüler, das Lernen des Sattelns kommt zum Schluss. Allein für die Pferde, denn ihnen ist das auch unangenehm wenn der Sattel erst falsch oder gar zu weit hinten aufgelegt wird (Western).